Hallo Neoprenanzug,
hier der Reise- und Erfahrungsbericht eines “Dicken“ bei seiner Parktour mit 4 Freunden.
Zu meiner Person: 32 Jahre, 180cm groß, 182 kg schwer, Maße: (Brustumfang/Taille/Hüfte/Oberschenkel – 153cm/152cm/158cm/85cm – sprich Kleidergröße 69 bzw. 58 Inch), zu sehen rechts auf dem Foto, links daneben ein Dauergast im Bellewaerde Park.
Die Freunde hatten folgender Maße: Frau: 90 kg 180cm groß, Mann: 115 kg 170cm groß (Bierbauch), 2 Kidies: völlig normal !
Die Berichte meiner Tests sollen zum einen die Probleme der “dicken“ darstellen und zum anderen diesen aber auch Mut machen trotz der “Leibesfülle“ Spaß zu erleben, denn es geht wirklich !!!
Ich selber hatte am Anfang oft genug Angst davor längere Zeit für die Attraktion anzustehen und dann vor den anderen völlig blamiert dazustehen, wenn ich nicht in den Sitz passe oder der Bügel bzw. Gurt nicht zugeht.
Denn dieses bedeutet in den meisten Fällen das der komplette Zug noch mal Entriegelt und noch mal neu vom Personal verriegelt werden muss und das bedeutet – für die anderen Gäste (noch)längere Wartezeit bzw. stocken des normalen Ablaufs der Anlage und dadurch evtl. genervte Parkgäste/Personal. Von der Demütigung für einen selbst ganz zu schweigen.
Letztes und vorletztes Jahr habe ich noch auf die Mitfahrt in fast allen Attraktionen mit Bügel oder Gurt verzichtet, nur weil ich mich geschämt hatte (da passt du eh nicht rein), doch nach diesem Test bereue ich es, das ich nicht schon eher den Mut hatte mich anzustellen, denn ich stellte fest das ich einiges an Spaß versäumt hatte.
Sicherlich einige Male hatte ich Fehlschläge einzustecken, sehr oft aber auch das Glück das ich doch hineingepasst habe. Wie gesagt danach ärgerte ich mich, das ich es nicht früher gewusst bzw. mich getraut hatte.
Sicherlich sind meine Maßangaben nicht die Referenz, 180 kg bei 180cm sind anders proportioniert als 180 kg bei 160cm. Aber manchmal ist es erstaunlich, wo “Dicke“ ihr “Fett“ hindrücken können und somit manchmal doch noch mitfahren können. Manchmal hat man den Bügel vorm Bauch, manchmal zwischen Bauch und Oberschenkel vorm Becken (Bauch liegt auf dem Bügel auf) so kann man trotz sicheren Sitz des Bügels mit mehr Bauchfülle als üblich mitfahren.
Im ersten Wagen ganz vorne bin ich im “Boomerang“ in SFH nicht zu übersehen.
Der unterschied in der die Bügelstellung gegenüber einer normalen Person (die daneben sitzt) ist gut zu sehen.
Es gibt Freizeitparks, bei denen wird die Startfreigabe erteilt auch wenn sich der Bügel in der ersten oder zweiten Rasterstellung befindet, bei einigen Parks wird bei einer identischen Attraktion die Startfreigabe erst durch „erreichen“ des z.B. vierten Rasters erteilt. Sehr oft hängt es damit zusammen in welchem Themenbereich (Hauptzielgruppe der Gäste) die Attraktion steht.
Über den “Sinn“ dieser Regelung kann man sich streiten, die Regelung ab welchem Raster der Start freigegeben wird, wird aber vom Parkbetreiber entschieden. Sicherlich kann man sagen (und lt. TÜV müsste diesem sogar sein) das eine Attraktion die in der ersten Verriegelung einrastet an diesem Punkt genauso wie im z.B. 10 Raster das Maximum an Sicherheit bieten muss. Das psychologisch gesehen das 4 Raster “dem Fahrgast mehr Sicherheit“ vermittelt (vorspielt) als das erste, insbesondere je heftiger die Fahrt ist, ist unstrittig (So hätte man im Notfall ja noch drei Raster als Sicherheit, nach einem Raster käme ja gleich die völlige Freiheit zum tragen). Man sollte aber trotzdem die Wirklichkeit sehen und die besteht so:
- Der Bügel muss um den benötigten Wiederstand dem Fahrgast entgegenbringen zu können in eine bei der Produktion der Attraktion festgelegte mechanische Sperre einrasten, die dann z.B. durch elektrische- oder hydraulische Unterstützung fixiert wird (Klar das der Winkel für den Bügel konstruktionsbedingt festgelegt wird, da ab einer Bestimmten Stellung kein ausreichender Rückhalt mehr gegeben ist).
- Zu dem Thema “eigene Gurtverlängerung“ Zwischenstecken und das System so zu überlisten, halte ich für eine sehr Gefährliche Sache, die zwar sehr einfach für den Dicken wäre, aber mit eigentlicher Sicherheit nichts mehr zu tun hat.
- Was man diskutieren kann, wäre einige Sitzplätze mit festen (noch)längeren Gurten zu versehen, dann sind wir aber an dem Punkt vielleicht nicht doch noch 1cm mehr Gurt, den 10 weitere cm sind dann ggf. noch zu wenig ?
Fakt ist, wenn ich in einer Hängeachterbahn oder einem Freifallturm in den Sitz passe und der Bügel in die vorgegebene Verriegelung einrasten würde, aber dann der Abstand zwischen Gurt und Gurtschloss (aufgrund der normalen Gurtlänge) zu gering ist, stellt sich die Frage zurecht ob dort nicht ein längerer Gurt die Lösung wäre. Denn gehalten wird der Fahrgast durch den Sitz bzw. den Bügel und dessen Verriegelung, der Gurt soll eigentlich eine Zusatzsicherung sein, die aber primär nicht festhält.
Dann einen Zwischenadapter im Gurt ein zusetzten, bringt dann aber die Gefahr, das ich eine Gurtaufnahme und eine Steckverbindung mehr in dem Gurtsystem habe. Je mehr Zwischenadapter ich habe desto mehr zusätzliche Schwachstellen habe ich im Notfall. Falls man dann aus versehen mal auf die Entriegelungstaste seiner Gurtverlängerung kommen sollte, so würde das eigentliche Sicherungssystem die “heile Welt“ melden, aber der zusätzliche Gurtschutz läge dann bei 0 %.
So lange alles gut geht würde dieses sicherlich nicht unbedingt auffallen, sollte aber dein Leben an diesem Gurt hängen, dann aber gute Nacht und schönen Flug.
Aus diesem Sicherheitsaspekt kann ich es voll und ganz verstehen, das die Parkbetreiber die Benutzung dieser einfachen "Lösung für Dicke" - siehe hierzu auch den anderen Forumeintrag - untersagen. Das ist richtig so.
Würde man jedoch den Ursprünglichen Gurt gegen einen etwas (noch)längeren austauschen (falls dies Konstruktionsbedingt geht) wäre die Sicherheit wie sonst auch gegeben.
Dieses ist aber dann eine Frage für die Parkbetreiber, die Konstrukteure und Hersteller dieser Attraktionen, in wie weit man den immer dicker werdenden Menschen (was ja statistisch erwiesen ist) in diesen Fällen gleich von Anfang an etwas entgegen kommen kann, so das auch eine für den TÜV hieb- und stichfeste Lösung angeboten werde kann.
In den englischen Parks CWOA und TP gibt es am Eingang der Attraktion auf dem Hinweisschild über Beschränkungen einen Punkt mit dem Text: “Personen mit mehr als z.B. 51 Inch Bauchumfang können diese Attraktion nicht benutzen.
So kann man auch ohne einem Testsitz den Betroffenen das unnütze Warten ersparen.
Wäre vielleicht auch ein Tip für deutsche Parks ? – Denn ein Satz auf dem Hinweisschild am Eingang der Attraktion ist wohl günstiger als einen Testsitz hinzustellen.
Wobei man die Vorteile eines Testsitzes nicht schlecht reden sollte. Vorausgesetzt man kann diesen auch als diesen erkennen und nutzen. Und an den Testsitzen sollten auch die längsten Gurte und die weitesten Bügeleinstellung vorhanden sein und nicht nur die normalen Gurte angebracht sein. Denn dann lasse ich Leute außen vor, die bei den längeren Gurt noch hätten mitfahren können.
Eine ebenfalls gute Lösung finde ich bei Collosos im Heidepark. Denn das Bändchen am Eingang ist von verspielten Gästen wohl eher als Knotenseil verstanden worden. Nach dem Seilstand am 29.07.03 zu urteilen, hätte nicht mal mehr eine Frau mit 90-60-90 mitfahren können.
Dicke und nur Dicke haben daher die Möglichkeit durch den Ausgang der Bahn sich beim Personal zu melden und dann eine Sitzprobe im Originalzug zu machen. Sollte man nicht passen, wie ich, erspart man sich viel unnötige Wartezeit für nichts und die Blamage findet fast gar nicht statt.
Sollte man mitfahren können, so steht man wieder auf und geht durch den Ausgang zum Eingang der Attraktion, stellt sich normal an und geniest dann seine tolle Fahrt, wie die anderen Gäste auch.
Die Erlebnisberichte aus den besuchten Parks der Tour folgen in den nächsten Tagen im Forum Tagesberichte & Fotoserien.
Ich hoffe damit einigen “wohlbeleibteren“ (weiter)helfen zu können, bzw. die Diskussion weiter vorantreiben zu können.
Gruß
tsi
Freizeitparktester