"Warm up" im heißen Fernsehstudio

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"Warm up" im heißen Fernsehstudio

Badische Zeitung vom 12. Juli 2001

„Warm up“ im heißen Fernsehstudio

Im EuropaPark wird wieder die „Wunschbox“ aufgezeichnet / Der Schweighausener Jürgen Kern ist bereits zum dritten Mal dabei


SCHUTTERTAL-SCHWEIGHAUSEN/RUST. Jürgen Kern, Volksmusiker aus Schweighausen, ist bereits zum dritten Mal in der Wunschbox. Gelassen spaziert er durch den Garderobengang, spricht mit Europa-Park-Chef Roland Mack.


Noch 20 Minuten bis zum Beginn der Aufzeichnung. Die Besucher sitzen schon in der Medienhalle des Europaparks, in die im Vorjahr die Wunschbox eingezogen war. Teils sind es Parkbesucher, die spontan vorbei kamen, teils sind es – überwiegend ältere – Leute, die eigens für die Sendung kommen.

106 Sendungen wurden im letzten Jahr hier aufgezeichnet, die 90 in diesem Jahr sind nächste Woche im Kasten. Es ist brütend heiß im Studio. An der Decke hängen etwa 180 Scheinwerfer, und die Klimaanlage spinnt heute. Noch eine Viertelstunde bis zur Aufzeichnung. Moderator Ingo Dubinski erscheint zum „Warmup“: Das Publikum „aufwecken“, in gute Laune versetzen, Instruktionen erteilen übernimmt der „Chef im Ring“ selber.

„Wer hat noch nie die Wunschbox gesehen?“, fragt er gerade. Eine ältere Dame meldet sich mutig. Sie ist aus Ebringen, wie sich herausstellt. „Gibt es in Ebringen noch kein Fernsehen?“ Alles kichert. „Sie haben eine Stunde so zu tun, als ob Ihnen das gefällt“, erklärt er der Frau schließlich. „Sie freuen sich ganz einfach, auch wenn Sie nicht wissen, warum.“ – Gelächter allenthalben, das Publikum klebt an Dubinskis Lippen, lacht über jeden Scherz. So muss es sein. „Je länger Sie toben, desto mehr glauben die Leute, dass ich ein toller Typ bin.“ Klingt einleuchtend. Die Aufzeichnung beginnt. Dubinski betritt die Bühne, alle toben begeistert, als hätten sie ihn nie zuvor gesehen. Gleich zu Beginn der Auftritt von Jürgen Kern. „Wunderbar“ heißt sein Titel, den er vor zwei Wochen in einer Nacht geschrieben hat. Seine Fans sind begeistert, und Kern erzählt Dubinski, dass er früher auf seinen Zehen pfeifen konnte. Was die Welt natürlich interessiert. Small talk, ja es geht ihm gut, erzählt Kern.

Der erste Wunschbeitrag kommt, es wird dämmrig im Studio. Bruce Low gewinnt die Zuschauerabstimmung, darf die Legende von Babylon singen – auf der Leinwand im Studio. Ein Maskenbildner macht sich an Kerns Gesicht zu schaffen, wischt die Schweißperlen ab. Dubinski tanzt ein paar Takte mit der Regieassistentin Andrea Schömmel. Beifall für den Beitrag aus der Konserve. Links ist eine Kulisse mit Zirkusatmosphäre aufgebaut. Denn heute werden – wie üblich – zwei Sendungen aufgezeichnet, und beide Male geht es um das Thema Zirkus. Die vier SWR-Kameras stehen bereit. Und schon begrüßt Dubinski den schweizer Zirkuspfarrer Ernst Heller. Der ist klasse drauf, bringt gute Sprüche, stiehlt allen irgendwie die Show. Kern sitzt noch immer auf seinem Platz, einer halben Schwarzwälder-Kirsch-Torte aus Holz – die Kirschen dienen als Rückenlehne – und fächelt sich Luft zu.

In ihren Anzügen mit Krawatte sind die Akteure bei weit über 30 Grad hier drinnen wirklich nicht zu beneiden. Roger Whittaker grüßt noch von der Leinwand, und Nicole wünscht sich „Ein bisschen Frieden“. Anschließend gibt's wieder Livegäste: „Heu obe-n-abe“ aus der Schweiz sind zu Gast, und mit Klarinette, Akkordeon, Saxophon und Kiste, die mit einem Teppichklopfer zum Klingen gebracht wird, sorgen sie für mächtig Dampf.

Dann hat Gaby Moser aus Ettenheim ihren Auftritt: Sie wünschte sich per Post das Alpentrio Tirol und „Ich schenk’ dir einen Bergkristall“ und gewinnt in der Zuschauerabstimmung gegen vier weitere Titel. Ein Heimvorteil? Das Video läuft, und Kern wird von seiner Torte verjagt. Ein Umbau steht an, und die Requisiteure schleppen Südseepalmen in die rechte Studioecke. Eine spanische Gruppe, die zur Zeit im Park engagiert ist, stellt ihren Titel vor, auch Kern singt zum Schluss noch ein Lied, flirtet mit der adretten Spanierin.

54 Minuten hat die Aufzeichnung gedauert, geschnitten wird kaum noch, die Sendung kann direkt so übernommen werden, was die Kosten natürlich reduziert. Nicht einmal 1000 Mark kostet die Sendeminute – eine Low-Budget-Produktion, die sich angesichts der zweistelligen Einschaltquote allemal rentiert.

Jetzt fehlt nur noch ein Trailer, die Vorankündigung, die am 20. September eine Stunde vor der Sendung gezeigt wird. Zwölf Sekunden, in der alle Akteure in die Kamera strahlen.

Wolfgang Künstle

© 2001 Badische Zeitung


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