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Aus Südwest Presse

Freizeit / Europapark Rust künftig auch im Winter offen


Die Wehmut des Kosmonauten
Eine Trainingsstation der verglühten russischen Raumstation Mir ist eine von mehr als 100 Attraktionen im Europapark Rust, in dem heute die Saison beginnt. Der Park im südbadischen Ortenaukreis ist in diesem Jahr erstmals auch im Winter geöffnet.
DIETER FRAUENHEIM

Rust· Als erster deutscher Freizeitpark wird der Europapark in Rust künftig auch im Winter offen bleiben. ¸¸Es ist eine Etappe zur Ganzjahresöffnung'', sagt Roland Mack. Der Geschäftsführer des Parks plant außerdem eine Erweiterung des Parkgeländes. Da auf der jetzigen Parkfläche von 62 Hektar kaum noch spektakuläre Neubauten von Fahrgeschäften möglich sind, soll der Park in den nächsten Jahre um 120 Hektar vergrößert werden.

Rund drei Millionen Besucher kommen jährlich nach Rust. Auf dem neuen Gelände sollen sie sich künftig in einem Spaßbad, einem Funsportpark, in Hotels und Fernsehstudios amüsieren können. Für die Vergrößerung müssen Grünflächen geopfert werden. Die Grünen haben Proteste angekündigt. Unterstützt werden die Planungen vom Regierungspräsidium in Freiburg. ¸¸Der Park ist ein wirtschaftliches und touristisches Zugpferd, dessen Weiterentwicklung möglich sein muss. Wir profitieren alle davon'', heißt es in einer Stellungnahme.

Direktor Roland Hahn vom Regionalverband südlicher Oberrhein: ¸¸Heute dürfte in Rust ein Europapark nicht mehr angesiedelt werden. Doch jetzt müssen wir die Dinge nehmen, wie sie eben sind.''Der Park ist mit 2100 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in der strukturschwachen Region. In den Pensionen und Gaststätten in Rust sind die Übernachtungszahlen vergangenes Jahr um zehn Prozent auf 103000 gestiegen, weil viele Parkbesucher mehrere Tage bleiben.

Brot und Salz in der Mir

Beliebtestes Fahrgeschäft ist die Wasserachterbahn Poseidon im griechischen Themenbereich. Ein Besucheransturm wird auf die Raumstation Mir erwartet. Nachdem die Originalstation im März beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht ist, existieren nur noch zwei originalgetreue Trainingsstationen, eine hat der Europapark vom russischen Staat gekauft. Ihr Zustand sei ¸¸choroscho''(gut), sagt Sergei Zaletin. Der letzte Kommandant der Mir ist heute Abend Gast in der Talkrunde ¸¸Menschen der Woche'' mit Frank Elstner in Südwest 3. Zaletin nutzte seinen Deutschlandaufenthalt zu einem Abstecher nach Rust.

Das Mir-Modell ist 32 Meter lang. Nur die Sonnensegel sind nicht ausgeklappt. Über Treppen gelangen die Besucher ins Innere der Station, wo sie staunend vor den engen Schlaf- und Duschkabinen stehen. Knöpfe drücken geht allerdings nicht, weil die Schaltpulte mit Plastikglas abgedeckt sind.

Auch Zaletin ist von seiner ehemaligen Trainingsstation begeistert. ¸¸Damit würde ich am liebsten wieder abheben'', gesteht der Kosmonaut. Als er die echte Mir verließ, ließ er nach russischem Brauch Brot und Salz für die Nachfolger zurück, obwohl er wusste, dass es die nicht geben würde. Nächster prominenter Gast im Park ist im Juni Bundespräsident Johannes Rau mit seiner Frau. Der Präsident leitet einen Tag lang eine Versteigerung zugunsten sozialer Zwecke.

INFO

Der Europapark ist bis zum 4. November und vom 1. Dezember bis 6. Januar 2002 (außer Heiligabend und 1. Weihnachtsfeiertag) von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Eintrittspreise wurden um zwei Mark auf 43 Mark für Erwachsene und 39 Mark für Kinder von vier bis elf Jahren erhöht.




Jens Uwe Kupka
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