Europa Park Artikel

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Europa Park Artikel

Artikel aus den
Stuttgarter Nachrichten
vom 05.04.2001

Neue Spaßpläne füllen 200 Fußballfelder
Saisonstart im Europapark: Chef Roland Mack über Erweiterungsideen, Politikerkontakte und Börsengang

Rust - "Spaß ohne Grenzen''. Unter diesem Motto startet der Europapark Rust an diesem Samstag in die neue Saison. Aber der Spaß hat seine Grenzen. Deutschlands erfolgreichster Freizeitpark vor den Toren Freiburgs platzt aus allen Nähten und bastelt an gigantischen Erweiterungsplänen.

VON FRANK KRAUSE

zurzeit Rust

Noch ist das nur eine "Ideensammlung'', die da auf dem Schreibtisch von Roland Mack liegt. Doch der mächtige Parkchef weiß genau, was er will. "Ich bin kein Schauspieler für ein sterbendes Theater'', sagt der 51-jährige Macher. Soll heißen: Der Park soll, muss weiter wachsen, wenn er in der internationalen Konkurrenz mithalten will. 65 Hektar sind es bisher, mit über 100 Attraktionen und Shows.

"Aber die Form des Spaßes wandelt sich, wird anspruchsvoller'', sagt Mack. Die Besucher - vergangenes Jahr waren es drei Millionen, neuer Rekord - wollen länger bleiben, wollen das ganze Jahr über kommen. Also haben Roland Mack und sein Bruder Jürgen getüftelt. Auf dem Wunschzettel stehen ein Wasserpark mit Spaßbad, ein Funsportpark für Skateboarder, Inliner und Freeclimber, ein Erlebniscampingplatz, ein Open-Air-Gelände mit Fernsehstudios und obendrein weitere Hotels samt Konferenzräumen. Alles zusammen würde eine Fläche von rund 200 Fußballfeldern benötigen und könnte entlang einer Verbindungsstraße entstehen, auf der man dann direkt vom Europapark zur eigenen Ausfahrt an der A 5 kommt.

Noch ziert sich die Region, die Flächen bereitzustellen, obwohl die Evangelische Landeskirche (als Grundstückseigentümer vieler Gebiete) damit finanziell auf längere Zeit saniert wäre. Aber in den Rathäusern, beim Regierungspräsidium Freiburg und bei den Regionalplanern weiß man nur zu gut um die Bedeutung des Europaparks. Längst ist das Geschäft mit dem Spaß ein gigantischer Wirtschaftsfaktor. Über 600 Millionen Mark haben die Macks seit der Gründung des Parks vor 25 Jahren investiert, 2000 Mitarbeiter sind in der Saison bis November im Park beschäftigt. Und wer nicht glaubt, wie wichtig das El Dorado der Freizeitgesellschaft für die Region ist, muss nur die Handwerker und Hoteliers im Umland fragen: Alle profitieren vom Marktführer - trotz Eintrittspreisen von 37 (Kind) bis 43 Mark (Erwachsener) pro Tag.

Roland Mack kann sich also beruhigt zurücklehnen und hinter vorgehaltener Hand schon mal damit drohen, notfalls werde er eben irgendwo zwischen Mailand und Chiasso einen Freizeitpark hochziehen - mit kaufkräftiger Kundschaft aus der Schweiz und Italien. "Aber ich bin Südbadener'', sagt er schnell. Soll heißen: Der gebürtige Freiburger ist bodenständig. Alles also nur ein Pokerspiel, ein Taktieren?

Mack ist mächtig, aber nicht abhängig. Wer im parkeigenen Hotel El Andaluz durch die Lobby läuft, fühlt sich beim Anblick der Bildergalerie wie im "Who's who''. Mack mit diesem Promi, Mack mit jenem Promi. Politiker, Schauspieler, Unternehmer. Kontakte, Kontakte. "Aber wir haben nie eine Mark öffentliche Subvention bekommen. Ich muss niemandem Dankeschön sagen'', beteuert er stolz. Dass er die CDU zum Landesparteitag empfangen hat, zum Spaßminister ernannt wurde und sich vor der Landtagswahl für Erwin Teufel als Ministerpräsident ausgesprochen hat? Nein, das wertet er nicht als verwerflich. Im Gegenteil. "Politiker müssten viel öfter das Gespräch mit uns Unternehmern suchen, um zu wissen, was die Entscheidungen in Stuttgart an der Basis bedeuten.'' Und dennoch: Mack ist sich bewusst, dass die Freizeitgesellschaft immer schnelllebiger wird. Das birgt Risiken. Was bisher in Rust steht, konnte in einem Vierteljahrhundert wachsen. Wenn nun in den nächsten fünf Jahren die Ausbaupläne realisiert werden und die Parkfläche damit verdoppelt würde, bräuchte Mack Partner. Ein Börsengang? Er schließt es nicht aus: "Das hängt von der Realisierungsgeschwindigkeit des Projekts ab.'' Klar ist aber auch: Mack will mit der Tradition des Familienunternehmens nicht brechen. Ein Spagat also. Aber kann man darauf im Konkurrenzwettbewerb zwischen Euro-Disney in Paris, Legoland in Günzburg und all den anderen Parks in Europa Rücksicht nehmen? Der Spaßmacher selbstbewusst: "Wenn es diese Branche nicht gebe, müsste man sie für mich erfinden.''



Jens Uwe Kupka
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