Hallo erstmal!
Na mit so einer Antwort habe ich ja nicht gerechnet, aber trotzdem werde ich mich mal etwas genauer mit diesem Zitat befassen.
Zuerst möchte ich mal auf die genannten Klischees eingehen, die hier mit Metalfans in Verbindung gebracht werden.
"Verzerrte Gitarren" : OK das macht ja die Musik aus.
Motorräder: Läßt sich sicherlich nicht pauschal auf alle Metalfans beziehen. Oder Hören alle Motorradfahrer "verzerrte Gitarrenmusik“?
Stirnbänder: Wohl eher beim Tennis oder.
Kreuze: Wieso hängen doch in jeder Kirche. Ja ja ich weiß da sind bestimmt invertierte gemeint. OK. Kommen in der Szene schon noch ab und zu vor. Wohl aber eher bei den Dark Wavern.
Knarren: Oha jetzt werden aber ganz schön harte Geschütze ausgefahren. Trifft heute aber wohl eher auf die coole Hip Hop/Gangsta Szene zu. Yo Man.
Auf meinen Bekanntenkreis treffen die Klischees ebensowenig zu wie auf mich, aber ich kann ja in Wacken mal die Augen offenhalten.
Wenn man sich das Jahr des genannten Liedes ansieht, so läßt sich ja erkennen, daß der Text wohl noch von den späten 80er Klischees geprägt ist. In den 80er waren die Dauerwellen, Motorräder usw. ja noch fest mit dem Metal verbunden. Siehe Painkiller Cover von Judas Priest 1990 (war aber auch eines der letzten). Dabei fällt mir auch mein Relilehrer aus der achten Klasse Gym(ca 1989) ein, der mit uns das Reign in Blood (Slayer) Cover "objektiv" analysierte und uns noch mit erhobenem Finger vor dem Teufel der in der Platte lauerte warnte. Ja, dieser Mann (katholischer Pfarrer) darf auch heute noch unterrichten, und so Schaden unter den Jugendlichen anrichten ("Sex vor der Ehe ist böse").
Wenn man mal zwischen den Zeilen ließt, so läßt sich die eigentliche Intention des Autors erkennen. Gruppenzugehörigkeit dient dem schwachen Individuum dazu sich aufzuwerten indem er/sie sich von der Maße der andersdenkenden abhebt und diese als minderwertiger einstuft. Gleichzeitig mit der Aufwertung entsteht aber auch die Angst vor dem nicht mehr akzeptiert werden innerhalb der Gruppe.
Das ganze ist ein Problem, das sich heutzutage auf viele Gruppen (aktuell: Hip Hop, Raver) übertragen läßt und leider durch die Medien forciert wird. Gerade die Werbung nutzt das ganze aus um den eigenen Profit zu steigern. Da wird den Kids fleißig beigebracht, daß man halt nur in ist, wenn man alle Pokemon Karten hat oder ganz tolle, teure Markenklamotten sein eigen nennt. Sie lernen also schon von klein auf sich nach außen zu orientieren, anstatt sich auf ihr Ich zu verlassen. Als angehender Psychologie Student kann ich mich da schon auf viel Arbeit freuen, denn der Bedarf an Psychotherapeuten wird sicherlich in den nächsten Jahren stark ansteigen, wenn die heutigen Kids zu identitätslosen Erwachsenen gereift sind.
Generell denke ich, das man die Zugehörigen einer bestimmten Gruppe nicht über einen Kamm scheren kann. Es gibt immer welche die sich hinter der Gruppe verstecken, und solche denen es halt einfach gefällt so zu sein.
Das Zitat war an dieser Stelle aber komplett fehl am Platz, und diente wie so oft mal wieder dazu um zu provozieren.
Leider habe ich mich aber nicht wirklich angegriffen gefühlt.
Bevor ich mein Wort zum Dienstag beende, möchte ich allen Interessierten noch ein Buch empfehlen, das sehr gut zu diesem Thema paßt.
Hermann Hesse : "Siddhartha"
Amen
See you at:
"Wacken Open Air" : 3.-4. August