Stairway to heaven Part 9
LETZTE BEARBEITUNG AM 15-Jul-2001 UM 12:28 Uhr ()
Hi!
Nachdem Maaahzel sich dieses Wochenende im hohen Norden auf diversen Achterbahnen vergnügt - spiel ich mal die "Urlaubsvertretung" und liefere Teil 9.
Diesmal wird aus der Sicht von Dietmar - Mike´s Stellvertreter und Sicherheits-Experte - erzählt:
“… Die Arbeit hier wird ihm auf jedenfall besser gefallen, als Müll zu sammeln - oder Marc?”
Diese Lizzy! - Wo befindet sich eigentlich bei ihr der Ausschaltknopf für ihr ständig laufendes Mundwerk? Bis jetzt habe ich ihn leider noch nicht gefunden …
“Marc! Jetzt sag doch auch mal was!” redet sie nun auf den armen Jungen ein - wie soll er denn was sagen, wenn er bei ihr nie zu Wort kommt? “Also … ich … ich hab Schuhgröße 43 … und … und meine Kleidergröße … äh … ich soll wirklich hier helfen dürfen? Aber ich bin doch Steve´s Gruppe zugeteilt - darf ich denn so einfach wechseln?” “Über Steve würde ich mir vorerst keine Sorgen machen … “ unterbricht ihn schon wieder Lizzy. “Ja eben darüber würde ich mich gerne nochmal mit Dir unterhalten Liz - das war doch vorher schon komisch - was hat denn Dick mit dem gemacht?” “Äh … also … weißt Du … äh ...”
“Entschuldigt mal, wenn ich kurz mal unterbreche!” - beide schauen mich an - “Aber die Zeit wird langsam etwas knapp und frühstücken wollt ihr ja auchnoch ...”- “Früüüühhhstüück!!! Genau! Höchste Zeit dafür!!!! Ich hab solchen Hunger und ...”
“Lizzy!!! Es reicht!!!” donnere ich los.
Liz klapp den Mund zu und schaut mich verwundert an
- Schweigen - Endlich!!!
“Also …” beginne ich wieder, in der Hoffnung nicht wieder unterbrochen zu werden “Ihr zwei geht jetzt in die Kantine und ich hole derweil die Sachen Euch! In 20 Minuten seid ihr zwei aber wieder hier - klar?! Und Marc - Du brauchst Dir wirklich keine Sorgen zu machen, Du wirst diese Woche nicht der einzige sein, der aus einer anderen Abteilung hierher abkommandiert wird! Ich verstehe sowieso nicht, warum man die Neuen alle in Steve´s Gruppe gesteckt hat! Wir brauchen Euch Springer eigentlich nicht alle nur als Reinigungskräfte! Ich sollte dringend mal in der Verwaltung nachfragen, warum das und einiges andere nicht geklappt hat! Also dann - bis später!”
Die beiden ziehen ab - etwas verdattert zwar - aber ich bin endlich mal nicht unterbrochen worden! Es geschehen doch tatsächlich noch Zeichen und Wunder! So - dann nix wie die Sachen geholt. Himmel - ist das heute wieder ein Tag! Zuerst gibt die Lüftung in der Verwaltung den Geist auf und natürlich ist dies für Frau Sturmvogel die Katastrophe schlechthin! ‘Ich kann doch so nix schaffen bei der Hitz! Herr Rheineck - schnell kommet se!’ hat sie in ihrem schwäbischen Dialekt gejammert … naja was tut man auch nicht alles … dann ist die mir versprochene Liste mit den Aushilfskräften immer noch nicht fertig … die Lieferung der Animatronics, die man uns für heute angekündigt hat, ist auch noch nicht da und so wie ich es verstanden habe, kommt sie wohl heute auch nicht mehr. Mir wäre es ja im Prinzip egal, wenn wir die letzten zwei Tage nicht fast nur damit beschäftigt gewesen wären, die Anschlüsse und die jeweiligen Plätze für diese Teile herzurichten und nun siehts so aus, als hätte man uns mehr oder weniger umsonst unter Druck gesetzt - die Zeit hätte man auch anders nutzen können! … und zuletzt erfahr ich noch so nebenbei, daß für heute Nachmittag hoher Besuch in unserer Baustelle rumspazieren soll!
So - Schuhgröße 43 ist noch da … hmmm am besten ich nehme sie noch in einer Nummer größer mit … ach und für Lizzy dann halt Größe 39 - hoffentlich passen die ihr besser! Nochmal so ein Gejammer möchte ich mir eigentlich ersparen!
Was fehlt noch? Ach ja! einen Overall Größe XL für Marc und für Liz … hmmm Größe M müßte Ok sein - wenn ich S mitnehme, jammert sie bestimmt wieder er wäre zu klein … ach und noch einen Helm für den Jungen … Arbeitshandschuhe wären auch nicht schlecht … Soooo, alles in die große Tüte - sehr schön! Dann nix wie in die Verwaltung!
Gott sei Dank ist die gleich um die Ecke. Auf dem Weg dorthin schnappe ich ein paar Wortfetzen von unseren inzwischen zahlreichen Gästen auf, die sich im Park tummeln:
“Ey Mann der Hyper-Runner ist voll cool ...”
“Yo - mussu fahren - voll korrekt ...”
“Maaaamiii ich muß mal!”
“... und da habe ich zu meiner Nachbarin gesagt, sie soll keinen solchen Lärm beim Rasenmähen veranstalten ...”
“... schau´ mal Jasmin - das schöne Karussell! Komm setz Dich da mal drauf - dann kann Papi ein schönes Bild von Dir ...”
“... sie hätten die Wildwasserbahn ruhig etwas höher bauen können - das muß viel mehr fetzen ...”
Unsere Gäste! Ein Kapitel für sich! Von unseren Sorgen und Nöten wissen sie nix - und so soll es ja auch sein. Immerhin kommen sie hier her um ihre Freizeit zu genießen und um ihren Alltagssorgen in unserer Traumwelt zu entfliehen. Dafür geben sie ihr sauerverdientes Geld aus … aber manchmal können sie auch ganz schön nervig sein!
Ich betrete das Verwaltungsgebäude. Hier drinnen ist es wirklich kühl und angenehm - die Lüftung funzt wieder! Der Aufzug, wie ich im Vorbeigehen bemerke, auch! Sehr schön! Mal sehen ob Frau Sturmvogel endlich meine Liste fertig hat. Die Gute ist die Sekretärin von unserem Marketing-Chef Herr Blauengel und macht zur Zeit nebenher auch noch die Personalplanung. Meiner Meinung nach ist sie da aber vollkommen überfordert! Immerhin wird inzwischen ja ein neuer Personalleiter gesucht ...
"Herein! Ach der Herr Rheineck! Des isch aber nett, daß sie vorbeikommen!" Och Mönsch Frau Sturmvogel! Entweder Schwäbisch oder Hochdeutsch aber doch nicht beides so vermischt! Eigentlich macht sie ihrem Namen wirklich keine Ehre - sie ist alles andere als ein 'stürmischer' Zeitgenose - das würde eher zu Lizzy passen. Ihre extrem gemütliche Art und ihre ständige Sorge, um das Wohl der anderen, macht sie zu dem, was ich am ehesten als 'Glucke' bezeichnen würde. Hinzu kommt noch ihr äußeres Erscheinungsbild: wohlgenährt mit rundlichem, liebenswürdigem Gesicht, das graue Haar stets zu einem Knoten nach hinten gesteckt und dazu immer in einem Kleid im Landhausstil angezogen vervollständigen das Bild. "Wollet Sie auch ein Tässle Kaffee?" "Äh nein danke Frau Sturmvogel ... ich wollte eigentlich nur meine Liste abholen ..." "Ach so ... ja ... dann muß i mal gucken wo die jetzt isch ... wo hab i die jetzt hin?" meint sie nervös und wühlt auf ihrem Schreibtisch, auf dem sich im wilden Chaos Akten, Faxe, Briefe und wer weiß was alles versammelt haben.
Die Tür geht auf und Mary vom Security-Büro, welches hier auf dem selben Stockwerk ist, kommt herein, geht zielstrebig zum Kühlschrank der einen Raum weiter um die Ecke steht und kramt darin lautstark herum. "Marie? Mädle nach was gucksch denn?" "I need some Ice!" "Eis? I hab doch kein Eis da - da musch in die Kantine!" "Äh ich brauch jetzt wirklich die Liste ...." "Gleich Herr Rheineck - einen Augenblick - ich muß mal gucken was des Mädle in meinem Kühlschrank macht!" Dabei erhebt sie sich behäbig und geht mit sagenhafter Langsamkeit Richtung Kühlschrank. Das darf doch wohl nicht wahr sein ... "Ja Mädle des sind doch Eiswürfel! Die kannscht doch net essen! Was willscht denn damit?" "Ich brauch ... äh ... ein small Plastic Bag!" "Was? Jetzt schwätz doch auch mal Deutsch mit mir!" "Sie braucht eine kleine Plastiktüte Frau Sturmvogel!" misch ich mich ein, um den Vorgang etwas zu beschleunigen. "Ach a Guck'! Ja zuwas brauchscht denn des alles?" "Für Steve ... " "Ach für den Steffen ... ja wieso des denn? Was will denn der mit dem ganze Sach?" Mary hat inzwischen ihre Tüte, wirft das Eis hinein und schickt sich, an wieder zu verschwinden "No Time Frau Sturmvogel - Danke für Ihre Help!" und raus ist sie. "Ach des Mädle ... Ham' Sie schon g'wußt Herr Rheineck, daß der Steve eigentlich Steffen heißt und gar kein Ami isch?! Da stehts in seiner Akte ... wieso verzählt der dann sowas überall rum?" Ach?! Das Steve ein Großmaul ist, war mir nix Neues, aber über diese Sache wußte ich bis jetzt wirklich noch nichts ... Gut, er spricht immer ein völlig akzentfreies Deutsch - nicht so wie Dick oder Mary - das hat mich immmer schon etwas gewundert ... Ach was solls, ich brauche meine Liste! "Frau Sturmvogel ich will Sie ja nicht drängen aber ...." "Jaja ich weiß ihr Zettel ...Soooo da ischer ja! Aber ich hab jetzt nicht die ganze Leut' nach ihrer Schuhgröße fragen können ..." "Ähem naja ... macht jetzt auch nix mehr Frau Sturmvogel - die werde ich schon noch herausfinden - vielen Dank für Ihre - äh - Mühe!" gerade will ich zur Tür raus, da kommt prompt unser Marketing-Chef herein. Von Gestalt eher etwas kleiner und schmächtiger (1.63m), mit Halbglatze, einer immer gequetscht klingender Stimme und immer nervösem ungeduldigem Gehabe - so bildet er mit seiner Sekretärin schon ein sehr seltsames Gespann ... "Oh Tag Herr Rheineck - hat ihnen die Frau Sturmvogel schon die Liste gegeben?" Schon ist gut ... "Frau Sturmvogel, was ist jetzt eigentlich mit meinem Fax? Ist das jetzt endlich raus?" "Herr Blauengel ich kann auch net hexen - ich hab auch nur zwei Händ!" schnauzt diese ihren Chef an - wenn man die Gute unter Druck setzt, ist es mit ihrer Gemütlichkeit leider Sense. "Frau Sturmvogel, das darf ja wohl nicht wahr sein - das kann doch nicht so schwierig sein, ein Fax zu tippen und zu versenden!" "Herr Blauengel! Wie soll ich denn hier arbeiten können, wenn den ganzen Tag irgendwelche Leut' mich von der Arbeit abhalten! Und dann bimmelt dauernd des bleede Telefon! Und da rufen ständig so junge Leut' an und wollen von mir was über die Baustell' wissen!" "Wer ruft da an? Was für junge Leute denn?" "Ach des weiß ich doch net ... Kinder wahrscheinlich ... denen isch halt langweilig ... ich kann aber so nix schaffe Herr Blauengel! Ich komm' doch da zu gar nix!" - wie auf Kommando klingelt nun prompt das Telefon. "Sturmvogel? Hallo? Was? Ich versteh Sie nicht - sprechen Sie doch etwas deutlicher! Ach - ja ... Moment ..." sie schaltet auf stumm und sieht ihren Chef an "Herr Blauengel - da isch jetzt die Firma dran, die diese Puppen liefern will!" "Ach die Animatronics, auf die wir schon so lange warten - ja was wollen die?" "Ani - was? Also des neumodische Zeugs - davon versteh ich doch nix ..." "Geben Sie mir mal her!" meint er ungeduldig und reißt ihr den Hörer aus der Hand "Hallo! Blauengel am Apparat - was ist jetzt mit unserer Lieferung? Wie bitte? Erst Ende dieser Woche? Das ist ausgeschlossen - wir brauchen die so schnell wie möglich ... Das ist mir gleich wie Sie das anstellen!!!" Rumms! Wütend und lautstark knallt er den Hörer auf die Gabel "Unglaublich! Denen werd ich helfen! Technische Probleme ... tz ... das können die doch ihrer Großmutter erzählen! Frau Sturmvogel - schicken Sie mir um Himmelswillen in den nächsten 5 Minuten das Fax raus. Außerdem brauche ich die Einsatzpläne der Belegschaft für die nächste Woche! Und die Frau Meierhardt soll gefälligst in mein Büro kommen - diese TV-Menschen sind nämlich schon da!" "Was denn? Die Einsatzpläne für die nächste Woche brauchen Sie auch schon? Die sind aber noch nicht fertig! Wie soll ich des denn alles ..." schon wieder klingelt das Telefon - ich nutze dies um endlich abzuhauen. Was ich wissen wollte, hab ich in Erfahrung gebracht! Keine Animatronics heute - gut dann können wir uns in Ruhe um anderes kümmern. "Also vielen Dank nochmal Frau Sturmvogel - Wiedersehn Herr Blauengel!" Nichts wie raus hier - Himmel ! Schon so spät - die Sache hier hat mich länger aufgehalten, als ich eingeplant hatte. Marc und Liz dürften inzwischen vom Frühstücken zurück sein. Ah ja! Die Jungs sind auch wieder zurück - da vorne vorm Eingang zur Baustelle läuft Heinz geschäftig herum. Ich muß unbedingt mit Mike über das fehlende Geländer reden - wenn heute nachmittag die Landtags-Menschen samt Geschäftsleitung in unserer Baustelle herumstiefeln muß zumindest ein Provisorium an dieser Stelle sein - nicht das uns da noch jemand von den hohen Herrschaften runterfällt ...
"Aah Dietmar gut das Du da bist! Schnell komm!" meint Heinz aufgeregt als er mich sieht. "Was ist denn los?" "Die Lizzy! Der ist was passiert!" "Wie was passiert?" "Ja der ist was auf den Kopf gefallen ..." Ich eile mit ihm in unsere Baustelle - er ist ganz aus dem Häuschen! "Das arme Mädel ... nein sowas ..." jammert er " ... ach wie konnte das nur passieren ..."
Drinnen kauert Marc leichenblass und zitternd etwas abseits, während die Jungs in einem Halbkreis stehend vor unseren Kisten mit den Deko-Artikeln wild durcheinanderdiskutieren. Ich bahne mir einen Weg durch das Knäuel und erblicke Liz, die regungslos auf zwei Kisten liegt, leise stöhnt und jammert. Mike sitzt neben ihr auf einer dritten Kiste und redet aufgeregt in sein Funkgerät: "... ja Gerhard ... sieht aus wie ein kleiner Riß oder so ... kann es nicht genau erkennen ... Mensch, mir ist auch schon ganz schlecht ... ich und Blut ... Du bist doch hier unser Betriebsarzt also los - komm schnell ..."
"Mike! Wie ist das passiert!" rede ich auf ihn ein, nachdem er sein Telefonat mit Gerhard beendet hat.
Der zuckt nur die Schultern "Ich weiß nicht ... es ging alles so schnell - die Kleine ist mit dem Lütten vom Frühstück zurückgekehrt und ... naja ... sie wollte ihm da unten wohl was zeigen ... ich weiß auch nicht so genau ... jedenfalls ist dem Tim der leere Farbeimer vom Gerüst gefallen und sie muß wohl direkt drunter gestanden haben ..." er steht auf und holt von hinten den Unglücks-Eimer. "Da! Das isser .... nicht sehr groß, zwar aus Blech, aber nicht sehr schwer ... nur der Rand an der Unterseite ist etwas scharfkantig ... und die muß Liz wohl beim Aufprall abgekriegt haben ..."
Vorsichtig sehe ich mir die Wunde am Kopf an. Himmel - wie das blutet ... und überall ihre blonden Locken dazwischen ... da was zu erkennen ist wirklich nicht einfach ... "Wieso hat sie keinen Helm aufgehabt - ich hab ihr doch einen gegeben!" "Äh ... keine Ahnung ... ich glaube den hat sie wohl irgendwie vergessen gehabt ..." meint Mike und kratzt sich am Kopf. "Nein! Vorhin hatte sie ihn noch auf!" mischt sich Tim ein "Das weiß ich genau - weil ich noch zu Dennis gesagt hab, daß sie damit ja richtig süß aussieht! Ich glaube darüber hat sie sich geärgert ... und da unten muß sie ihn dann abgenommen haben ..."
"Ja .... hat sie ..." kommt ein leises Stimmchen von hinten ... Marc bahnt sich nun auch einen Weg durch die herumstehenden Kollegen "Ich hab noch gesagt sie soll ihn doch aufbehalten ..."
Verdammt! Das darf doch wohl nicht wahr sein! Ich hab ihr doch ausdrücklich angeordnet nicht ohne Helm hier herum zulaufen! Wenigstens hat inzwischen Marc schon einen verpaßt bekommen - vermutlich von Mike - irgendwo hat der in den Kulissen immer einen oder zwei gebunkert. Nur wo genau - das weiß nur er ...
"Zum Glück stand der Eimer nicht so weit oben auf dem Gerüst höchstens 2m vom Boden oder so ..." meint Tim gerade zu Mike. Dieser winkt nur ab "Mir ist übel - ich brauch einen Schnapps ... ich kann kein Blut sehen - hoffentlich kommt Gerhard bald !"
Wieder beuge ich mich über Liz - diese schaut mich ganz gequält an und jammert: "Ich ... ich ... glaube ich hab' ganz schön Mist gebaut ... " "Ja hast Du ... Du dummes stures Mädchen Du! Am liebsten würd' ich Dich übers Knie legen und Dir den Allerwertesten versohlen ..."
... Fortsetzung folgt
Hi!
Nachdem Maaahzel sich dieses Wochenende im hohen Norden auf diversen Achterbahnen vergnügt - spiel ich mal die "Urlaubsvertretung" und liefere Teil 9.
Diesmal wird aus der Sicht von Dietmar - Mike´s Stellvertreter und Sicherheits-Experte - erzählt:
“… Die Arbeit hier wird ihm auf jedenfall besser gefallen, als Müll zu sammeln - oder Marc?”
Diese Lizzy! - Wo befindet sich eigentlich bei ihr der Ausschaltknopf für ihr ständig laufendes Mundwerk? Bis jetzt habe ich ihn leider noch nicht gefunden …
“Marc! Jetzt sag doch auch mal was!” redet sie nun auf den armen Jungen ein - wie soll er denn was sagen, wenn er bei ihr nie zu Wort kommt? “Also … ich … ich hab Schuhgröße 43 … und … und meine Kleidergröße … äh … ich soll wirklich hier helfen dürfen? Aber ich bin doch Steve´s Gruppe zugeteilt - darf ich denn so einfach wechseln?” “Über Steve würde ich mir vorerst keine Sorgen machen … “ unterbricht ihn schon wieder Lizzy. “Ja eben darüber würde ich mich gerne nochmal mit Dir unterhalten Liz - das war doch vorher schon komisch - was hat denn Dick mit dem gemacht?” “Äh … also … weißt Du … äh ...”
“Entschuldigt mal, wenn ich kurz mal unterbreche!” - beide schauen mich an - “Aber die Zeit wird langsam etwas knapp und frühstücken wollt ihr ja auchnoch ...”- “Früüüühhhstüück!!! Genau! Höchste Zeit dafür!!!! Ich hab solchen Hunger und ...”
“Lizzy!!! Es reicht!!!” donnere ich los.
Liz klapp den Mund zu und schaut mich verwundert an
- Schweigen - Endlich!!!
“Also …” beginne ich wieder, in der Hoffnung nicht wieder unterbrochen zu werden “Ihr zwei geht jetzt in die Kantine und ich hole derweil die Sachen Euch! In 20 Minuten seid ihr zwei aber wieder hier - klar?! Und Marc - Du brauchst Dir wirklich keine Sorgen zu machen, Du wirst diese Woche nicht der einzige sein, der aus einer anderen Abteilung hierher abkommandiert wird! Ich verstehe sowieso nicht, warum man die Neuen alle in Steve´s Gruppe gesteckt hat! Wir brauchen Euch Springer eigentlich nicht alle nur als Reinigungskräfte! Ich sollte dringend mal in der Verwaltung nachfragen, warum das und einiges andere nicht geklappt hat! Also dann - bis später!”
Die beiden ziehen ab - etwas verdattert zwar - aber ich bin endlich mal nicht unterbrochen worden! Es geschehen doch tatsächlich noch Zeichen und Wunder! So - dann nix wie die Sachen geholt. Himmel - ist das heute wieder ein Tag! Zuerst gibt die Lüftung in der Verwaltung den Geist auf und natürlich ist dies für Frau Sturmvogel die Katastrophe schlechthin! ‘Ich kann doch so nix schaffen bei der Hitz! Herr Rheineck - schnell kommet se!’ hat sie in ihrem schwäbischen Dialekt gejammert … naja was tut man auch nicht alles … dann ist die mir versprochene Liste mit den Aushilfskräften immer noch nicht fertig … die Lieferung der Animatronics, die man uns für heute angekündigt hat, ist auch noch nicht da und so wie ich es verstanden habe, kommt sie wohl heute auch nicht mehr. Mir wäre es ja im Prinzip egal, wenn wir die letzten zwei Tage nicht fast nur damit beschäftigt gewesen wären, die Anschlüsse und die jeweiligen Plätze für diese Teile herzurichten und nun siehts so aus, als hätte man uns mehr oder weniger umsonst unter Druck gesetzt - die Zeit hätte man auch anders nutzen können! … und zuletzt erfahr ich noch so nebenbei, daß für heute Nachmittag hoher Besuch in unserer Baustelle rumspazieren soll!
So - Schuhgröße 43 ist noch da … hmmm am besten ich nehme sie noch in einer Nummer größer mit … ach und für Lizzy dann halt Größe 39 - hoffentlich passen die ihr besser! Nochmal so ein Gejammer möchte ich mir eigentlich ersparen!
Was fehlt noch? Ach ja! einen Overall Größe XL für Marc und für Liz … hmmm Größe M müßte Ok sein - wenn ich S mitnehme, jammert sie bestimmt wieder er wäre zu klein … ach und noch einen Helm für den Jungen … Arbeitshandschuhe wären auch nicht schlecht … Soooo, alles in die große Tüte - sehr schön! Dann nix wie in die Verwaltung!
Gott sei Dank ist die gleich um die Ecke. Auf dem Weg dorthin schnappe ich ein paar Wortfetzen von unseren inzwischen zahlreichen Gästen auf, die sich im Park tummeln:
“Ey Mann der Hyper-Runner ist voll cool ...”
“Yo - mussu fahren - voll korrekt ...”
“Maaaamiii ich muß mal!”
“... und da habe ich zu meiner Nachbarin gesagt, sie soll keinen solchen Lärm beim Rasenmähen veranstalten ...”
“... schau´ mal Jasmin - das schöne Karussell! Komm setz Dich da mal drauf - dann kann Papi ein schönes Bild von Dir ...”
“... sie hätten die Wildwasserbahn ruhig etwas höher bauen können - das muß viel mehr fetzen ...”
Unsere Gäste! Ein Kapitel für sich! Von unseren Sorgen und Nöten wissen sie nix - und so soll es ja auch sein. Immerhin kommen sie hier her um ihre Freizeit zu genießen und um ihren Alltagssorgen in unserer Traumwelt zu entfliehen. Dafür geben sie ihr sauerverdientes Geld aus … aber manchmal können sie auch ganz schön nervig sein!
Ich betrete das Verwaltungsgebäude. Hier drinnen ist es wirklich kühl und angenehm - die Lüftung funzt wieder! Der Aufzug, wie ich im Vorbeigehen bemerke, auch! Sehr schön! Mal sehen ob Frau Sturmvogel endlich meine Liste fertig hat. Die Gute ist die Sekretärin von unserem Marketing-Chef Herr Blauengel und macht zur Zeit nebenher auch noch die Personalplanung. Meiner Meinung nach ist sie da aber vollkommen überfordert! Immerhin wird inzwischen ja ein neuer Personalleiter gesucht ...
"Herein! Ach der Herr Rheineck! Des isch aber nett, daß sie vorbeikommen!" Och Mönsch Frau Sturmvogel! Entweder Schwäbisch oder Hochdeutsch aber doch nicht beides so vermischt! Eigentlich macht sie ihrem Namen wirklich keine Ehre - sie ist alles andere als ein 'stürmischer' Zeitgenose - das würde eher zu Lizzy passen. Ihre extrem gemütliche Art und ihre ständige Sorge, um das Wohl der anderen, macht sie zu dem, was ich am ehesten als 'Glucke' bezeichnen würde. Hinzu kommt noch ihr äußeres Erscheinungsbild: wohlgenährt mit rundlichem, liebenswürdigem Gesicht, das graue Haar stets zu einem Knoten nach hinten gesteckt und dazu immer in einem Kleid im Landhausstil angezogen vervollständigen das Bild. "Wollet Sie auch ein Tässle Kaffee?" "Äh nein danke Frau Sturmvogel ... ich wollte eigentlich nur meine Liste abholen ..." "Ach so ... ja ... dann muß i mal gucken wo die jetzt isch ... wo hab i die jetzt hin?" meint sie nervös und wühlt auf ihrem Schreibtisch, auf dem sich im wilden Chaos Akten, Faxe, Briefe und wer weiß was alles versammelt haben.
Die Tür geht auf und Mary vom Security-Büro, welches hier auf dem selben Stockwerk ist, kommt herein, geht zielstrebig zum Kühlschrank der einen Raum weiter um die Ecke steht und kramt darin lautstark herum. "Marie? Mädle nach was gucksch denn?" "I need some Ice!" "Eis? I hab doch kein Eis da - da musch in die Kantine!" "Äh ich brauch jetzt wirklich die Liste ...." "Gleich Herr Rheineck - einen Augenblick - ich muß mal gucken was des Mädle in meinem Kühlschrank macht!" Dabei erhebt sie sich behäbig und geht mit sagenhafter Langsamkeit Richtung Kühlschrank. Das darf doch wohl nicht wahr sein ... "Ja Mädle des sind doch Eiswürfel! Die kannscht doch net essen! Was willscht denn damit?" "Ich brauch ... äh ... ein small Plastic Bag!" "Was? Jetzt schwätz doch auch mal Deutsch mit mir!" "Sie braucht eine kleine Plastiktüte Frau Sturmvogel!" misch ich mich ein, um den Vorgang etwas zu beschleunigen. "Ach a Guck'! Ja zuwas brauchscht denn des alles?" "Für Steve ... " "Ach für den Steffen ... ja wieso des denn? Was will denn der mit dem ganze Sach?" Mary hat inzwischen ihre Tüte, wirft das Eis hinein und schickt sich, an wieder zu verschwinden "No Time Frau Sturmvogel - Danke für Ihre Help!" und raus ist sie. "Ach des Mädle ... Ham' Sie schon g'wußt Herr Rheineck, daß der Steve eigentlich Steffen heißt und gar kein Ami isch?! Da stehts in seiner Akte ... wieso verzählt der dann sowas überall rum?" Ach?! Das Steve ein Großmaul ist, war mir nix Neues, aber über diese Sache wußte ich bis jetzt wirklich noch nichts ... Gut, er spricht immer ein völlig akzentfreies Deutsch - nicht so wie Dick oder Mary - das hat mich immmer schon etwas gewundert ... Ach was solls, ich brauche meine Liste! "Frau Sturmvogel ich will Sie ja nicht drängen aber ...." "Jaja ich weiß ihr Zettel ...Soooo da ischer ja! Aber ich hab jetzt nicht die ganze Leut' nach ihrer Schuhgröße fragen können ..." "Ähem naja ... macht jetzt auch nix mehr Frau Sturmvogel - die werde ich schon noch herausfinden - vielen Dank für Ihre - äh - Mühe!" gerade will ich zur Tür raus, da kommt prompt unser Marketing-Chef herein. Von Gestalt eher etwas kleiner und schmächtiger (1.63m), mit Halbglatze, einer immer gequetscht klingender Stimme und immer nervösem ungeduldigem Gehabe - so bildet er mit seiner Sekretärin schon ein sehr seltsames Gespann ... "Oh Tag Herr Rheineck - hat ihnen die Frau Sturmvogel schon die Liste gegeben?" Schon ist gut ... "Frau Sturmvogel, was ist jetzt eigentlich mit meinem Fax? Ist das jetzt endlich raus?" "Herr Blauengel ich kann auch net hexen - ich hab auch nur zwei Händ!" schnauzt diese ihren Chef an - wenn man die Gute unter Druck setzt, ist es mit ihrer Gemütlichkeit leider Sense. "Frau Sturmvogel, das darf ja wohl nicht wahr sein - das kann doch nicht so schwierig sein, ein Fax zu tippen und zu versenden!" "Herr Blauengel! Wie soll ich denn hier arbeiten können, wenn den ganzen Tag irgendwelche Leut' mich von der Arbeit abhalten! Und dann bimmelt dauernd des bleede Telefon! Und da rufen ständig so junge Leut' an und wollen von mir was über die Baustell' wissen!" "Wer ruft da an? Was für junge Leute denn?" "Ach des weiß ich doch net ... Kinder wahrscheinlich ... denen isch halt langweilig ... ich kann aber so nix schaffe Herr Blauengel! Ich komm' doch da zu gar nix!" - wie auf Kommando klingelt nun prompt das Telefon. "Sturmvogel? Hallo? Was? Ich versteh Sie nicht - sprechen Sie doch etwas deutlicher! Ach - ja ... Moment ..." sie schaltet auf stumm und sieht ihren Chef an "Herr Blauengel - da isch jetzt die Firma dran, die diese Puppen liefern will!" "Ach die Animatronics, auf die wir schon so lange warten - ja was wollen die?" "Ani - was? Also des neumodische Zeugs - davon versteh ich doch nix ..." "Geben Sie mir mal her!" meint er ungeduldig und reißt ihr den Hörer aus der Hand "Hallo! Blauengel am Apparat - was ist jetzt mit unserer Lieferung? Wie bitte? Erst Ende dieser Woche? Das ist ausgeschlossen - wir brauchen die so schnell wie möglich ... Das ist mir gleich wie Sie das anstellen!!!" Rumms! Wütend und lautstark knallt er den Hörer auf die Gabel "Unglaublich! Denen werd ich helfen! Technische Probleme ... tz ... das können die doch ihrer Großmutter erzählen! Frau Sturmvogel - schicken Sie mir um Himmelswillen in den nächsten 5 Minuten das Fax raus. Außerdem brauche ich die Einsatzpläne der Belegschaft für die nächste Woche! Und die Frau Meierhardt soll gefälligst in mein Büro kommen - diese TV-Menschen sind nämlich schon da!" "Was denn? Die Einsatzpläne für die nächste Woche brauchen Sie auch schon? Die sind aber noch nicht fertig! Wie soll ich des denn alles ..." schon wieder klingelt das Telefon - ich nutze dies um endlich abzuhauen. Was ich wissen wollte, hab ich in Erfahrung gebracht! Keine Animatronics heute - gut dann können wir uns in Ruhe um anderes kümmern. "Also vielen Dank nochmal Frau Sturmvogel - Wiedersehn Herr Blauengel!" Nichts wie raus hier - Himmel ! Schon so spät - die Sache hier hat mich länger aufgehalten, als ich eingeplant hatte. Marc und Liz dürften inzwischen vom Frühstücken zurück sein. Ah ja! Die Jungs sind auch wieder zurück - da vorne vorm Eingang zur Baustelle läuft Heinz geschäftig herum. Ich muß unbedingt mit Mike über das fehlende Geländer reden - wenn heute nachmittag die Landtags-Menschen samt Geschäftsleitung in unserer Baustelle herumstiefeln muß zumindest ein Provisorium an dieser Stelle sein - nicht das uns da noch jemand von den hohen Herrschaften runterfällt ...
"Aah Dietmar gut das Du da bist! Schnell komm!" meint Heinz aufgeregt als er mich sieht. "Was ist denn los?" "Die Lizzy! Der ist was passiert!" "Wie was passiert?" "Ja der ist was auf den Kopf gefallen ..." Ich eile mit ihm in unsere Baustelle - er ist ganz aus dem Häuschen! "Das arme Mädel ... nein sowas ..." jammert er " ... ach wie konnte das nur passieren ..."
Drinnen kauert Marc leichenblass und zitternd etwas abseits, während die Jungs in einem Halbkreis stehend vor unseren Kisten mit den Deko-Artikeln wild durcheinanderdiskutieren. Ich bahne mir einen Weg durch das Knäuel und erblicke Liz, die regungslos auf zwei Kisten liegt, leise stöhnt und jammert. Mike sitzt neben ihr auf einer dritten Kiste und redet aufgeregt in sein Funkgerät: "... ja Gerhard ... sieht aus wie ein kleiner Riß oder so ... kann es nicht genau erkennen ... Mensch, mir ist auch schon ganz schlecht ... ich und Blut ... Du bist doch hier unser Betriebsarzt also los - komm schnell ..."
"Mike! Wie ist das passiert!" rede ich auf ihn ein, nachdem er sein Telefonat mit Gerhard beendet hat.
Der zuckt nur die Schultern "Ich weiß nicht ... es ging alles so schnell - die Kleine ist mit dem Lütten vom Frühstück zurückgekehrt und ... naja ... sie wollte ihm da unten wohl was zeigen ... ich weiß auch nicht so genau ... jedenfalls ist dem Tim der leere Farbeimer vom Gerüst gefallen und sie muß wohl direkt drunter gestanden haben ..." er steht auf und holt von hinten den Unglücks-Eimer. "Da! Das isser .... nicht sehr groß, zwar aus Blech, aber nicht sehr schwer ... nur der Rand an der Unterseite ist etwas scharfkantig ... und die muß Liz wohl beim Aufprall abgekriegt haben ..."
Vorsichtig sehe ich mir die Wunde am Kopf an. Himmel - wie das blutet ... und überall ihre blonden Locken dazwischen ... da was zu erkennen ist wirklich nicht einfach ... "Wieso hat sie keinen Helm aufgehabt - ich hab ihr doch einen gegeben!" "Äh ... keine Ahnung ... ich glaube den hat sie wohl irgendwie vergessen gehabt ..." meint Mike und kratzt sich am Kopf. "Nein! Vorhin hatte sie ihn noch auf!" mischt sich Tim ein "Das weiß ich genau - weil ich noch zu Dennis gesagt hab, daß sie damit ja richtig süß aussieht! Ich glaube darüber hat sie sich geärgert ... und da unten muß sie ihn dann abgenommen haben ..."
"Ja .... hat sie ..." kommt ein leises Stimmchen von hinten ... Marc bahnt sich nun auch einen Weg durch die herumstehenden Kollegen "Ich hab noch gesagt sie soll ihn doch aufbehalten ..."
Verdammt! Das darf doch wohl nicht wahr sein! Ich hab ihr doch ausdrücklich angeordnet nicht ohne Helm hier herum zulaufen! Wenigstens hat inzwischen Marc schon einen verpaßt bekommen - vermutlich von Mike - irgendwo hat der in den Kulissen immer einen oder zwei gebunkert. Nur wo genau - das weiß nur er ...
"Zum Glück stand der Eimer nicht so weit oben auf dem Gerüst höchstens 2m vom Boden oder so ..." meint Tim gerade zu Mike. Dieser winkt nur ab "Mir ist übel - ich brauch einen Schnapps ... ich kann kein Blut sehen - hoffentlich kommt Gerhard bald !"
Wieder beuge ich mich über Liz - diese schaut mich ganz gequält an und jammert: "Ich ... ich ... glaube ich hab' ganz schön Mist gebaut ... " "Ja hast Du ... Du dummes stures Mädchen Du! Am liebsten würd' ich Dich übers Knie legen und Dir den Allerwertesten versohlen ..."
... Fortsetzung folgt

