Der Film war also nicht zu amerikanisch und zeigt also ganz toll, wie es so wirklich wahr?! Ich hoffe jetzt nur mal, daß das Ironie sein sollte, die ich nur nicht ganz bemerkt habe.
Jerry Bruckheimer, der ja schon ganz andere Machwerke mit offenem Hurrapatriotismus auf die Menschheit losgelassen hat, zeigt hier wieder einmal mit seinem Hausregisseur Michael Bay, wie man eine eigentlich interessante Story mit historischem Background vollends gegen die Wand fahren kann. Wenn ich für jede US-Flagge, die zu den opernhaften Klängen von Hans Zimmers Soundtrack im hawaianischen Winde weht, 10 Mark bekommen würde, könnte ich mir schon einen eigenen Flugzeugträger kaufen. Die Zeitlupenaufnahmen von jungen Männern, die gutgelaunt in ihre Flugzeuge steigen, um das geliebte Vaterland zu rächen, ist eine Mischung aus Peinlichkeit und unerträglichem Nationalismus. Daß der Film dann noch zusätzlich alle historischen Fakten verdreht, paßt da eigentlich sehr gut in's Bild.
Nur mal so zur Erinnerung (als kleinen Geschichtsexkurs): Roosevelt wußte sehr wohl, daß ein Angriff auf Pearl Harbour bevorstand. Aus diesem Grunde wurden auch alle wichtigen Flugzeugträger der Pazifikflotte abkommandiert. In Pearl Harbour wurden ausschließlich veraltete Kriegsschiffe versenkt, für die die Regierung ohnehin keine richtige Verwendung mehr hatte. Der Angriff wurde von Roosevelt bewußt in Kauf genommen, damit es für ihn einen Grund gab, die USA in den 2. Weltkrieg zu schicken (wie gut Emotionen zur Kriegshetze funktionieren, konnte man übrigens auch sehr schön im Golfkrieg sehen, wo es weder um humanitäre Gründe noch um Öl ging. Der Golfkrieg war vielmehr eine willkommene Gelegenheit, das amerikanische Haushaltsdefizit zu reduzieren, da sich die USA die Bomben, die sie flächendeckend auf den Irak geworfen hatten (und die ganz nebenbei ohnehin laut Abrüstungsverträgen hätten verschrottet werden müssen), von ihren Verbündeten fürstlich bezahlt haben lassen).
Der gesamte Film spiegelt also in keinster Weise die realen Gegebenheiten des Angriffs auf Pearl Harbour wieder (Titanic hatte zwar auch einige historische Fehler, aber die fielen wenigstens nicht so auf) und glorifiziert wieder einmal den American Way of Life.
Als reiner Unterhaltungsfilm taugt er leider auch nur bis zu einem gewissen Punkt. Die Liebesgeschichte wirkt leider oftmals sehr aufgesetzt (obwohl sich Ben Affleck die größte Mühe gibt), der Angriff selbst ist sicherlich einer der SFX-Höhepunkte des Jahres - aber welcher Teufel hat den Drehbuchautor nur geritten, den Film nicht nach dem Angriff zu beenden, sondern uns noch einen Top-Gun-mäßigen 45minütigen Epilog vorzusetzen?! Erstens spricht dies nicht gerade für die Dramaturgie des Films (der Höhepunkt war ja der Angriff) und zweitens ist gerade dieser Teil von Pearl Harbour an Unerträglichkeit kaum zu überbieten. Daß hier der Eindruck erweckt wird, mit dem lächerlichen Gegenschlag auf Tokyo hätte man die Japaner sozusagen "erlegt", ist nicht nur historischer Nonsens, sondern angesichts von Hiroshima (das den Krieg gegen die Japaner ja dann wirklich beendete, und das natürlich nicht erwähnt wird) eine Geschmacklosigkeit erster Güte.
Man sollte sich den Film ruhig mal anschauen (ist ja auch wie immer hervorragend von Michael Bay gedreht worden), aber wenn das letzte japanische Flugzeug wieder Richtung Nippon abgedreht hat, sollte man das Kino besser verlassen und sich einfach denken, daß der Film damit zuende ist.
Wären die letzten 45 Minuten nicht gewesen, und hätte man nicht ganz so offensichtlich einen Propagandafilm gedreht, hätte Pearl Harbour alle Chancen auf einen Oscarregen gehabt - so wird es wohl eher nur für die goldene Himbeere reichen (der Film wurde nämlich nicht nur von der deutschen Kritik, sondern (man höre und staune) auch von der amerikanischen Presse gnadenlos verrissen).
Mike
http://Mike.H.Vester.bei.t-online.de/mike.jpgLebe so, wie, wenn Du stirbst, Du wünschen wirst, gelebt zu haben