Interview mit einem Akkustikkoppler

#1

Interview mit einem Akkustikkoppler

LETZTE BEARBEITUNG AM 23-Mai-2001 UM 16:22 Uhr ()

Interview mit einem Akkustikkoppler

Herr Dataphon P21-23D ist derzeit arbeitslos und gilt beim Arbeitsamt als schwer vermittelbar. Um wenigstens etwas Geld nebenbei zu verdienen, verdingt er sich im Itzehoer Computermuseum als Austellungsobjekt. Mit Herrn Dataphon führte unser Netzreporter ein ausführliches Gespräch über den Wandel der Dinge.

Reporter: Vielen Dank Herr Dataphon, dass Sie heute Zeit für uns gefunden haben. Wir möchten uns heute mit Ihnen über den Wandel der Zeit unterhalten, den Sie ja sehr deutlich mitverfolgen konnten.

Dataphon: Ja, gerne!

R: Finden Sie, dass sich die Zeiten wirklich so sehr gewandelt haben?

D: Nunja, doch das kann man so sehen. Zu meiner aktiven Zeit war schon ein wenig mehr nötig, um Kontakt in die Aussenwelt zu erlangen. Schauen Sie mal, heutzutage kann jeder Zweitklässler eine CD einlegen, und ist innerhalb weniger Sekunden in AOL, das heute viele fälschlicherweise als „das Internet“ bezeichnen.

R: Sie haben gerade recht abfällig über „das Internet“ gesprochen. Wieso?

D: Tja, das könnte daran liegen, dass heute das Internet als Begrifflichkeit bei den meisten Anwendern aus www-Seiten besteht. Wenn diese Anwender zum Beispiel www.sittiche.de eingeben, waren sie nach Ihrem Dafürhalten schon im „Internet“. Meinen Sie, solche Leute wüssten noch, warum in der Adresszeile immer dieses komische http:// steht?

R: Sie klingen etwas verbittert. Trauern Sie vertanen Chancen hinterher?

D: So würde ich das nicht sagen. Aber schauen Sie mal, während meiner aktiven Laufbahn sind solche Begriffe wie „Netiquette“ geprägt worden. Den Begriff kennt heute fast jedes Kind, doch die Bedeutung ist weitesgehend verloren gegangen. Mit zunehmender Bedeutung als Massenmedium werden Höflichkeit, Respekt, Rücksicht mehr und mehr verwässert.

R: Würden Sie uns das etwas genauer erläutern?

D: Naja, wenn Sie morgens Ihre Lieblings-Newsgroup aufschlagen, in der Fachthemen diskutiert werden, finde Sie immer häufiger Einträge wie: „Ich bin jetzt auch neu im Internet!!! Wo kann ich MP3 saugen???? Wo kann ich Futurama-Folgen leechen???? Wo gibt es die neueste WareZ?????? Antworten bitte schnell an: dJfReaK83@aol.com !!!!!“ da erkennen Sie schon die „neue Qualität“ des Netzes...

R: „Neue Qualität des Netzes“, das hört sich wieder sehr zynisch an.

D: Vielleicht ist es das in Teilen auch. Beschränken wir uns einfach mal auf Diskussionsforen. Früher war jede Online-Minute kostbar; jedes Datenbit wohl überlegt. Die Technik war noch nicht so weit fortgeschritten, die Datenübertragung war kostspielig und um sie überhaupt zu erlangen, war eine gewisse Fachkompetenz erforderlich. Heute kauft sich jede bildlesende Couchpotatoe einen PC wie einen Fernseher, stöpselt das Ding an die Telefonleitung, und schwupps stehen wir auf der grössten Bühne der Welt. Diese Bühne scheint aber manche Leute dazu zu verführen, einfach mal „so richtig vom Leder zu ziehen“. Man kann sich entweder der kompletten Weltöffentlichkeit präsentieren (Ich heisse Lieschen Müller, das ist meine Homepage. Ihr findet hier Bilder von meiner Katze, die mein grösstes Hobby ist. Bitte tragt Euch in mein Gästebuch ein“....

R: oder?

D: Oder man anonymisiert sich selber, und startet einen „megageilen Flamewar“; Themen dazu gibt’s genug: „M$ sux, Linux rulez“, „die Bayern kotzen mich an, Dortmund 4ever“ usw. Schlimm wird es dann, wenn eine eigentlich Fachdiskussion (nehmen wir mal Handies) in eine Beleidigungs- und Beleidigtsein-Arie verkommt.

R: Ähhm, Arie?

D: Ja, Arie! Nehmen wir an, die Diskussion behandelte den Vergleich eines Nokias mit einem Motorola baugleicher Art zum Beispiel an hand ihrer Standbyzeit. Sehr schnell kann die Diskussion so enden: „Du immer mit Deinen #piep# Nokias. Geh doch nach Hause“ und die andere Seite antwortet:. „Da Du immer auf meinen Nokias rumhackst, werde ich hier nicht mehr posten!“

R: Ah, ich verstehe. Ja, das kommt mir sehr bekannt vor. Haben Sie einen Lösungsvorschlag?

D: Hmmm, ich weiss nicht, ob es eine Lösung als solche gibt. Vielleicht sollte man sich einfach als POSTER überlegen, was man wie und vor allem wem sagt. Beschränkt sich ein „Gespräch“ einzig auf das geschriebene Wort, dann fehlen wichtige menschliche Interaktionselemente wie Mimik und Gestik. Dann kommt es auf das WIE an. Dann sollte man auch mal einen Smiley einsetzen, oder vielleicht auf Aussagen verzichten, die missverständlich sein könnten.

R. Und als Leser?

D: Als Leser sollte man nicht immer jede Silbe auf die Goldwaage legen. Nicht alles als persönliche Beleidigung verstehen. Im Zweifelsfall hält man sich lieber bedeckt und spricht den Autor eines bestimmten Artikels einfach mal per eMail an. Auf JEDEN Fall sollte man eine weitere Eskalation im betreffenden Thread vermeiden. Hier könnte nämlich schnell der Lawineneffekt greifen, und plötzlich kriegen sich alle in die Haare.

R: Und als Aussenstehender?

D: Sollte man nicht den „erhobenen Zeigefinger“ ausfahren. Sondern vielleicht mit Witz und Humor die Sache aufzeigen.

R: Das ist ein schönes Schlusswort; vielen Dank für das Interview!


BTW: Übereinstimmungen sind wie immer rein zufällig!


Maaaaaaaaaahzel
think free, be free, fall free

Diskussionsübersicht

  1. #1 Interview mit einem Akkustikkoppler Maaahzel
    1. #2 RE: Interview mit einem Akkustikkoppler slidemaster
      1. #3 RE: Interview mit einem Akkustikkoppler Onkel Juergen
#2

RE: Interview mit einem Akkustikkoppler

Antwort auf Maaahzel, Beitrag #1

Toll gesagt!

Ich selbst bin Computersammler, habe C-64, C-128, Ataris, Amiga, PCs, DDR-Computer usw. und ich finde es immer noch toll, was die damals rausgeholt haben.
Damals wurde Software noch optimiert!
Heute isses so: (z.B. bei nem neuen Spiel)
Oh, das Flugzeug fliegt etwas zu langsam. OK, schrauben wir die Hardwareanforderungen hoch.
Früher war das so:
Oh, das Flugzeug fliegt zu langsam. Mal sehn, wo es noch was zu optimieren gibt!

Ich glaube langsam, dass die Softwareindustrie von der Hardwareindustrie fürs Nicht-Optimieren bestochen wird.

Und ich glaube auch, dass irgendwie Computer heute nicht mehr Computer ist. Heute schiebt man eine CD in seinen Windoof-Rechner rein und alles geht nahezu automatisch.
Vorbei sind die Zeiten, wo man noch die Diskette einlegen, Riegel zuklappen musste, POKE 580,1 eingeben, dann Option und Reset gleichzeitig drücken und dann das Proggi noch übers DOS aufrufen musste.
Aber irgendwie fand ich diese Zeiten auch toll, da man damals wirklich Ahnung über Computer gekriegt hat, da die Bedienung eines C-64 zum einen verhältnismäßig schwierig (im Gegensatz zu heute) war und zum anderen musste oder konnte man sich viel selbst machen.
Als ich im Alter von 9 Jahren meinen ersten Atari 130XE bekam, hab ich ca. ein halbes Jahr später mir ein einfaches Programm geschrieben, wo ich meine Hausaufgaben und Zensuren eingeben und dann auf Kassette speichern konnte. Das waren dann Programme, die genau das leisteten was man wollte.

Sorry, dass ich mich darüber so ausbreitete, aber ich habe beim Durchlesen dieses "Interviews" wieder an diese gute alte Zeit gedacht *schwelg*

Keep on slidin'
http://slidespix.homestead.com/files/jens_in_coaster.jpg
http://www.spassbadfuehrer.de
#3

RE: Interview mit einem Akkustikkoppler

Antwort auf slidemaster, Beitrag #2

>Sorry, dass ich mich darüber so
>ausbreitete, aber ich habe beim
>Durchlesen dieses "Interviews" wieder an
>diese gute alte Zeit gedacht
>*schwelg*

....oh, wie wahr!

Du sprichst mir aus dem Megahertz!

...ich find´s traurig, das man immer und immer wieder böse Gerüchte in die Welt setzt, das die AMIGA (Guru sei mit ihr) zurückkehren würde...

...ich würde sofort meinen PC in die nächste Tonne kloppen!

DAS war noch ein Betriebssystem! Alleine die Möglichkeit per C: Verzeichnis auf einer Disk seine eigene Befehlsdatenbank aufzubauen war klasse! --> Kein überflüssiges Rumschleppen von Dateileichen etc... *seufz*



MfG Euer Onkel Jürgen
http://www.schleimspur.de/selber.JPG
#4

RE: Interview mit einem Akkustikkoppler

Antwort auf Onkel Juergen, Beitrag #3

LETZTE BEARBEITUNG AM 25-Mai-2001 UM 18:38 Uhr ()

>...ich find´s traurig, das man immer
>und immer wieder böse Gerüchte
>in die Welt setzt, das
>die AMIGA (Guru sei mit
>ihr) zurückkehren würde...
>
>...ich würde sofort meinen PC in
>die nächste Tonne kloppen!
>
>DAS war noch ein Betriebssystem! Alleine die Möglichkeit per C: Verzeichnis auf einer Disk seine eigene Befehlsdatenbank aufzubauen war klasse! --> Kein überflüssiges Rumschleppen von Dateileichen etc... *seufz*
>
Genau! Der Amiga ist nach wie vor unübertroffen! Versuch mal auf einem 25-MHz-PC (mein Amiga 2000 hat ne Ramplattenturbokarte (68030-25, 4 MB Fast Ram, SCSI-Controller, 120MB Platte)), ein komplexes Vectorobjekt flüssig um alle Achsen zu drehen, dabei noch in buntes "Wasser" einzutauchen, welches dann Wellen erzeugt, die das Spiegelbild des Objekts in Echtzeit verzerren.

Es ist ein Armutszeugnis, dass man einen PIII-500er braucht, um einen Amiga 500 mit gerade mal 8 MHz in Echtzeit zu emulieren.

Rächdschraipfähler korregirt

Keep on slidin'
http://slidespix.homestead.com/files/jens_in_coaster.jpg
http://www.spassbadfuehrer.de
#5

RE: Interview mit einem Akkustikkoppler

Antwort auf Maaahzel, Beitrag #1

Soso, ganz nett, aber irgendwie finde ich es ja doch ein wenig komisch, daß sich Herr Dataphon nicht mehr an die guten alten Zeiten erinnert, wo man Nachts in der Fernzone ab zwei Uhr angerufen hat, um die größten Boards Deutschlands zu callen. Vielleicht möchte sich Herr Dataphon ja auch einfach nicht zu dieser etwas "dunklen" Vergangenheit äußern. :-) Mein "Discovery 2400" bzw. mein Creatix 14.4 sprechen aber auch nicht mehr allzu gern über diese BlueBeep Zeiten. Jaja... damals war man wiklich noch Elite... :-):-):-)

Bye, Grimmi

Reaktion auswählen