Zauberer & Co
Hoi, dieser Artikel könnte auch ins allg. Forum passen, denn Magic- oder Illusionsshows gehören ja irgendwie auch zu Freizeitparks. Dieser Artikel ist interessant zu lesen.
_________________________________________________________________
Unmögliches ab 3,50 DM - Wunder kosten mehr
Hinter der Zauberkunst steckt eine ganze Industrie - Deutschland ist ein schwieriger Markt für die Gerätehändler
"Wirtschaft" und "Zauberei" - diese Begriffe haben mehr Gemeinsamkeiten, als man erwarten würde: Analysten, die täglich Kursprognosen aus dem Ärmel ziehen, Illusionisten in Vorstandsetagen, Bilanztricksereien am laufenden Band. Zugegeben, eher die schwarze Magie wird hier praktiziert. Aber auch im Umkehrschluss ist "Zauberei" mit "Wirtschaft" verbunden. Hinter der Zauberkunst steckt nämlich eine Industrie.
Geheimnisvoll und schwer zu durchschauen ist die Welt der bunten Seidentücher, der glitzernden Pappröhren und aufwendig dekorierten Kisten und Kästen. Magier scheinen einer mythischen Welt zu entspringen. Natürlich setzen die Künstler alles daran, diesen Ruf zu bewahren und sich nicht in die Karten schauen zu lassen. Genauso gut gehütet wie die Tricks selbst ist das, was hinter dem Vorhang passiert. Denn Show und Geschäft sind auch in der Zauberei eng miteinander verwoben.
Die Gilde der Zauberkünstler in Deutschland spaltet sich in viele Lager. Es gibt die Hobbyzauberer, die Familie und Freunde mit Kunststückchen unterhalten. Dann sind da die Profis, die mit Auftritten auf Familienfeiern, Firmenfesten, Messen, Kreuzfahrtschiffen oder in Varietes, Freizeitparks, im Zirkus oder im Fernsehen ihr Brot verdienen. Die Übergänge sind fließend: Semiprofis, die einem normalen Beruf nachgehen, nach Feierabend und am Wochenende den Zauberstab schwingen. Solche, die zwar noch einen anderen Beruf haben, aber das meiste Geld mit der Zauberei verdienen, und Profis, die neben der Zauberei auch in anderen Showbranchen wirken, moderieren oder singen.
Die Zahl der deutschen Profizauberer wird auf 100 geschätzt. Das Gros bilden aber die Hobbymagier. Zwischen 5000 und 10.000 sollen es in Deutschland sein. Genau weiß es nicht einmal die Vereinigung der Zauberer, der Magische Zirkel von Deutschland (MZvD).
Die Amateure sind das Kapital, um das vor allem die Zaubertrick-Verkäufer buhlen. Rund 20 größere Zauberhändler gibt es in Deutschland, daneben eine ganze Reihe von kleineren "Feierabendhändlern". Fast alle werden von Zauberern geführt. Einer der größeren und spezialisiert auf Kinderzauberei ist Erich Hammann-Boretti. Er betreibt seit rund 25 Jahren seinen Laden "Magic by Boretti" in Neustadt. Etwa 1500 Kunden kaufen bei Boretti ein, bestellen per Post oder kommen in sein kleines Geschäft. "Die Branche boomt nach wie vor", ist sich Boretti sicher. Im Durchschnitt geben seine Kunden 100 DM im Monat aus, aber es sind auch Bestellungen über mehrere 1000 DM dabei. Ob ein Münztrick für 3,50 DM oder die "Schwebende Dame" für 12.000 DM - eins ist bei allen Tricks gleich. "Man kauft eben nicht nur das Trickmaterial selbst, sondern auch das Geheimnis", sagt Boretti. So könne es durchaus sein, das ein Trick für 30 DM lediglich aus einer Sicherheitsnadel und einem Zettel mit der Trickbeschreibung besteht. Für die Kunden sei es aber oft auch gar nicht wichtig, einen gekauften Trick wirklich vorzuführen. Es gehe vielmehr um das "Haben" und "Wissen".
Die Tricks lässt Boretti speziell anfertigen oder er importiert sie aus China, Indien oder Amerika. Das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" ist - getreu dem Titel - das Mekka der Zauberer. Rund um Las Vegas, der Zaubermetropole und Stadt mit den weltweit meisten Live-Zaubershows, hat sich eine ganze Industrie angesiedelt, die mit den deutschen "Trickbastlern" nicht zu vergleichen ist. In der Spielerstadt und rund um Los Angeles haben sich allein acht Firmen nur auf den Bau von Großillusionen spezialisiert. Sie beliefern Weltstars wie David Copperfield, Siegfried & Roy oder Hans Klok mit Tricks und Requisiten.
Auch die Magic Orvellis, deutsche Illusionisten aus Neuwied, beziehen einen Teil ihrer Tricks aus den US- Werkstätten. "Der Markt in den USA ist nicht mit dem deutschen vergleichbar", findet Frank Alfter, Teil des Duos Magic Orvellis. "In Deutschland gibt es jede Menge Küchentischbastler, die zu 99 Prozent Amateure beliefern. Dieser Markt ist hart umkämpft, erst letzte Woche hat ein großer Händler aus Köln dicht gemacht". Während Amateure 1000 Tricks für zehn Zuschauer kaufen würden, begnügten sich Profis mit zehn Tricks für 1000 Zuschauer. Aber Großillusionen, wie man sie aus dem Fernsehen kenne, müsse man selbst bauen oder importieren. "Deutschland ist eben kein Showbusiness-Land", sagt Alfter.
Betrachtet man die Kosten für diese aufwendigen Tricks, bei denen Menschen verschwinden, zersägt werden oder schweben, wird auch schnell klar, warum das so ist. 10.000 DM müsse man für die einfachste Illusion anlegen, erklärt Alfter. Der größte und neueste Trick der Magic Orvellis, der Gang durch eine echte Flugzeugturbine, hat allerdings stolze 150.000 DM gekostet. Investitionen in solcher Höhe seien in Deutschland nur schwer wieder einzuspielen. "Der Markt für uns liegt ausschließlich in Auftritten für Firmen und Industrie", sagt der Illusionist. Trotzdem ist sich Alfter sicher, dass die Zauberkunst auch in Deutschland immer präsent sein wird: "Zauberei bleibt immer interessant. Die Zuschauer werden sich auch in hundert Jahren noch von dieser besonderen Form der Unterhaltung faszinieren lassen."
Von unserem Redaktionsmitglied: Fabian Kelly
RON - RHEINPFALZ ONLINE, Samstag, 3. Feb
Jens Uwe Kupka
http://www.henson.com/cards/images/everyday_06s.gif
http://212.227.177.77/JUK/hp_banner.jpg
http://www.hansaparkfan.de
_________________________________________________________________
Unmögliches ab 3,50 DM - Wunder kosten mehr
Hinter der Zauberkunst steckt eine ganze Industrie - Deutschland ist ein schwieriger Markt für die Gerätehändler
"Wirtschaft" und "Zauberei" - diese Begriffe haben mehr Gemeinsamkeiten, als man erwarten würde: Analysten, die täglich Kursprognosen aus dem Ärmel ziehen, Illusionisten in Vorstandsetagen, Bilanztricksereien am laufenden Band. Zugegeben, eher die schwarze Magie wird hier praktiziert. Aber auch im Umkehrschluss ist "Zauberei" mit "Wirtschaft" verbunden. Hinter der Zauberkunst steckt nämlich eine Industrie.
Geheimnisvoll und schwer zu durchschauen ist die Welt der bunten Seidentücher, der glitzernden Pappröhren und aufwendig dekorierten Kisten und Kästen. Magier scheinen einer mythischen Welt zu entspringen. Natürlich setzen die Künstler alles daran, diesen Ruf zu bewahren und sich nicht in die Karten schauen zu lassen. Genauso gut gehütet wie die Tricks selbst ist das, was hinter dem Vorhang passiert. Denn Show und Geschäft sind auch in der Zauberei eng miteinander verwoben.
Die Gilde der Zauberkünstler in Deutschland spaltet sich in viele Lager. Es gibt die Hobbyzauberer, die Familie und Freunde mit Kunststückchen unterhalten. Dann sind da die Profis, die mit Auftritten auf Familienfeiern, Firmenfesten, Messen, Kreuzfahrtschiffen oder in Varietes, Freizeitparks, im Zirkus oder im Fernsehen ihr Brot verdienen. Die Übergänge sind fließend: Semiprofis, die einem normalen Beruf nachgehen, nach Feierabend und am Wochenende den Zauberstab schwingen. Solche, die zwar noch einen anderen Beruf haben, aber das meiste Geld mit der Zauberei verdienen, und Profis, die neben der Zauberei auch in anderen Showbranchen wirken, moderieren oder singen.
Die Zahl der deutschen Profizauberer wird auf 100 geschätzt. Das Gros bilden aber die Hobbymagier. Zwischen 5000 und 10.000 sollen es in Deutschland sein. Genau weiß es nicht einmal die Vereinigung der Zauberer, der Magische Zirkel von Deutschland (MZvD).
Die Amateure sind das Kapital, um das vor allem die Zaubertrick-Verkäufer buhlen. Rund 20 größere Zauberhändler gibt es in Deutschland, daneben eine ganze Reihe von kleineren "Feierabendhändlern". Fast alle werden von Zauberern geführt. Einer der größeren und spezialisiert auf Kinderzauberei ist Erich Hammann-Boretti. Er betreibt seit rund 25 Jahren seinen Laden "Magic by Boretti" in Neustadt. Etwa 1500 Kunden kaufen bei Boretti ein, bestellen per Post oder kommen in sein kleines Geschäft. "Die Branche boomt nach wie vor", ist sich Boretti sicher. Im Durchschnitt geben seine Kunden 100 DM im Monat aus, aber es sind auch Bestellungen über mehrere 1000 DM dabei. Ob ein Münztrick für 3,50 DM oder die "Schwebende Dame" für 12.000 DM - eins ist bei allen Tricks gleich. "Man kauft eben nicht nur das Trickmaterial selbst, sondern auch das Geheimnis", sagt Boretti. So könne es durchaus sein, das ein Trick für 30 DM lediglich aus einer Sicherheitsnadel und einem Zettel mit der Trickbeschreibung besteht. Für die Kunden sei es aber oft auch gar nicht wichtig, einen gekauften Trick wirklich vorzuführen. Es gehe vielmehr um das "Haben" und "Wissen".
Die Tricks lässt Boretti speziell anfertigen oder er importiert sie aus China, Indien oder Amerika. Das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" ist - getreu dem Titel - das Mekka der Zauberer. Rund um Las Vegas, der Zaubermetropole und Stadt mit den weltweit meisten Live-Zaubershows, hat sich eine ganze Industrie angesiedelt, die mit den deutschen "Trickbastlern" nicht zu vergleichen ist. In der Spielerstadt und rund um Los Angeles haben sich allein acht Firmen nur auf den Bau von Großillusionen spezialisiert. Sie beliefern Weltstars wie David Copperfield, Siegfried & Roy oder Hans Klok mit Tricks und Requisiten.
Auch die Magic Orvellis, deutsche Illusionisten aus Neuwied, beziehen einen Teil ihrer Tricks aus den US- Werkstätten. "Der Markt in den USA ist nicht mit dem deutschen vergleichbar", findet Frank Alfter, Teil des Duos Magic Orvellis. "In Deutschland gibt es jede Menge Küchentischbastler, die zu 99 Prozent Amateure beliefern. Dieser Markt ist hart umkämpft, erst letzte Woche hat ein großer Händler aus Köln dicht gemacht". Während Amateure 1000 Tricks für zehn Zuschauer kaufen würden, begnügten sich Profis mit zehn Tricks für 1000 Zuschauer. Aber Großillusionen, wie man sie aus dem Fernsehen kenne, müsse man selbst bauen oder importieren. "Deutschland ist eben kein Showbusiness-Land", sagt Alfter.
Betrachtet man die Kosten für diese aufwendigen Tricks, bei denen Menschen verschwinden, zersägt werden oder schweben, wird auch schnell klar, warum das so ist. 10.000 DM müsse man für die einfachste Illusion anlegen, erklärt Alfter. Der größte und neueste Trick der Magic Orvellis, der Gang durch eine echte Flugzeugturbine, hat allerdings stolze 150.000 DM gekostet. Investitionen in solcher Höhe seien in Deutschland nur schwer wieder einzuspielen. "Der Markt für uns liegt ausschließlich in Auftritten für Firmen und Industrie", sagt der Illusionist. Trotzdem ist sich Alfter sicher, dass die Zauberkunst auch in Deutschland immer präsent sein wird: "Zauberei bleibt immer interessant. Die Zuschauer werden sich auch in hundert Jahren noch von dieser besonderen Form der Unterhaltung faszinieren lassen."
Von unserem Redaktionsmitglied: Fabian Kelly
RON - RHEINPFALZ ONLINE, Samstag, 3. Feb
Jens Uwe Kupka
http://www.henson.com/cards/images/everyday_06s.gif
http://212.227.177.77/JUK/hp_banner.jpg
http://www.hansaparkfan.de

