Ja, war schon nicht schlecht, aber ist die Ukraine wirklich der Gegner, gegen den ein 4:1 ein tolles Ergebnis ist. Das erinnert mich alles noch etwas zu sehr an die Situation vor einigen Monaten, als man in ähnlicher Höhe gegen die Ungarn gewann und die Mannschaft ebenfalls in die Höhe hebte. Ich hab gestern 20 tolle Minuten gesehen, will aber nicht wissen, wie das Spiel ohne das frühe Tor gelaufen wäre. Jedenfalls bleibe ich skeptisch, denn die Ukraine ist kein Gegner und so überzeugt haben die Deutschen auch wieder nicht (alle drei Tore der Deutschen in der ersten Halbzeit resultierten aus schweren Fehlern der Ukraine). Abwarten, ich denke, sollte sich nichts großartiges ändern, ist Viertelfinale Schluss bei der WM. Lustig allerdings fand ich die Reaktionen einiger englischen Zeitungen:
The Mirror: Schlechte Nachrichten, Leute, Deutschland hat sich qualifiziert! Gerade als es so aussah, als ob England endlich ein großes Turnier spielen könnte, ohne dass der Schatten des alten Feindes über ihnen schwebt, rettete Rudi Völler seine Nation vor der erneuten Scham. Deutschlands spektakulärer Sieg gegen die Ukraine könnte Sven Goran Erikssons WM-Mission gefährden. England sollte vorsorglich Elfmeterschießen trainieren.
De Volkskrant: Deutsche Elf rollt die Ukraine in einer Viertelstunde auf. Niemand mehr in den Niederlanden möge etwas Negatives über den deutschen Fußball sagen. Deutschland weiß nämlich, wie man mit entscheidenden Spielen, die zu einer WM führen müssen, umgehen soll.
Blick: Vergessen das monatelange Gewürge auf dem Rasen. Vergessen das miese Gekicke in den Gruppenspielen. Das ist Fussball! Das ist Deutschland.
Bei der Deutschen Mannschaft gibt es immer wieder den gleichen Effekt: Man kickt nervoes und unmotiviert im Mittelfeld herum und versucht, mit brachialen Paessen nach vorne ein Tor zu machen. Wenn der Gegner fuehrt, kommt dann die alte "Tugend Kampfgeist", die ja auch oft genug funktioniert hat. Gestern hat man aber das Gegenteil gesehen. Spaetestens nach dem 2:0 war man locker und entspannt, liess den Ball laufen und war ploetzlich zu schoenen Kombinationen faehig. Das ist erfolgreich und schoen anzusehen, doch wegen der Angst vor einem Gegentor viel zu selten. Warum legt man dieses Selbstbewusstsein immer erst bei einer sicheren Fuehrung an den Tag? Andere Teams haben diese Probleme nicht. Liegt es am immerwaehrenden Erfolgsdruck? Kann man denn erwarten, dass ein Land jahrzehntelang erfolgreich in der Weltspitze mitspielt, oder sollte man bei dem Wagnis, frischen Wind ins Spiel zu bringen, nicht auch (vorerst) mal scheitern duerfen?
Ja, vielleicht hätte die Deutsche Elf mal eine WM aussetzen sollen, denn das was bei der letzten WM ablief war alles andere als schön, und dafür hat es sich nun wirklich nicht gelohnt hinzufahren. Das Ergebniss von gestern gibt Hoffnung, doch werden "wir" mit dieser Elf nicht mal in die Endrunde der WM kommen, sondern schon vorher kläglich scheitern. Ein gewisses Potenzial ist da, vielleicht bringt es Rudi Völler bis zum nächsten Jahr noch hin, eine Mannschaft mit etwas Niveau zu formen, damit wir zumindest ein paar schöne und spannende Spiele zu sehen bekommen.