Sth - Winter Edition - Schönheitsschlaf mit Folgen
>Oh ist das herrlich! Und sooo gemütlich!!! Gähn! Nur 2 Minuten die Augen schließen und entspannen, dann … werde ich … Gähn! … sicher ganz … schnell … wieder … fit … sein ...
Währenddessen saß Dietmar schon geschlagene 2 Stunden in einer hochwichtigen Konferenz. Gerade ging es darum, ob im Restaurant „Big Ben“ demnächst den pergamentartigen, grauen, etwas schmuddelig wirkenden Speisekarten der Vorzug vor den hellbraun, glatten Hochglanzkarten gegeben werden sollte. Ein Thema, bei dem die Anwesenheit des Stellvertretenden technischen Leiters unbedingt erforderlich war. Eigentlich wollte sich Dietmar schon vor einer halben Stunde aus dieser gehobenen Runde verabschieden. Nur just in diesem Moment wurde der Konferenztisch mit neuen Leckereien aus der hauseigenen Konditorei aufgefüllt. An die Stelle des Champagners, der zu seinem Einstand gereicht worden war, trat nun köstlich duftender Kaffee. Und so beschloss er, sich diesen neuen Argumenten nicht komplett zu verschließen. Aber irgendwann können auch die leckersten Bienenstiche und Windbeutel den grauen, pergamentartigen Arbeitsalltag nicht mehr überdecken. Und so war Dietmar froh, als sich die Tür des Konferenzraums einen Spalt weit öffnete und die hübsche, brünette Sekretärin ihren Kopf hineinstreckte und sich ausgerechnet an ihn wandte.
„Herr Rheineck! Ihr Chef möchte sie sofort sprechen. Er sagt es wäre sehr wichtig und sie sollen sofort in sein Büro kommen!“
„Oh das tut mir jetzt aber sehr leid meine Damen und Herren! Aber unter diesen Umständen muss ich wohl wirklich sofort gehen. Entschuldigen sie mich bitte!“
Mit bedauernder Miene erhob sich Dietmar schnell aus dem äußerst bequemen Ledersessel und entschwand rasch aus dem Konferenzraum. Beim kompletten Öffnen der Türe kam auch der nicht unbedeutende Rest der Sekretärin zum Vorschein. Gehüllt war die Hübsche in ein dunkelblaues Kostüm mit einem weißen Top darunter. Leider verhinderte die viel zu weit zugeknöpfte Jacke interessantere Einblicke. Entschädigt wurde Dietmar aber durch den seitlich geschlitzten Minirock, der sich beim Gehen bis in ungeahnte Höhen öffnete. Ach zum Teufel mit Mike! Das hier war doch viel wichtiger. Verdammtes Pflichtbewusstsein. Na gut – um diesen Fall würde er sich später kümmern. Schließlich geht gerade in einem Sekretärinnenpool besonders viel kaputt und deshalb benötigt dieser auch eine besonders intensive Betreuung durch höchstqualifiziertes Personal. Und trotzdem stand er wenig später in Mike’s Büro.
„Dietmar – na endlich! Wo bleibst du denn solange? Setz dich!“
„Hallo Mike! Was gibt’s denn so Wichtiges, dass du mich extra aus dieser wichtigen Konferenz holen lässt?“
„Ich habe da gerade eben einen Anruf aus einem Restaurant erhalten. Der Restaurantleiter hat sich über eine Mitarbeiterin aus unserer Abteilung beschwert. Sie hat sich dort in einem unmöglich, schlampigen und dreckigen Outfit Essen und Trinken in einem Wert von 200 DM einverleibt. Und wie ich eben hörte, hat sie sich auch noch in einer Bar halb betrunken. Du weißt von wem ich rede?“
„Ich befürchte es! Du redest von Lizzy.“
„Ja genau! Von deiner grafischen Dekorateurin, die du unbedingt hier im Zentrum haben wolltest. Ich weiß gar nicht, was du an der findest? Statt ihrer Arbeit geht sie einfach ihren Vergnügen nach. Ich erwarte von dir, dass du ihr gehörig die Leviten liest. Die Dame macht unsere Abteilung zum Gespött im ganzen Zentrum. Und die Rechnungen ziehst du ihr vom Lohn ab!“
„Ja sie hat schon eine Strafe verdient. Aber doch nicht gleich gar so krass. Sie muss sich doch erst mal eingewöhnen!“
„Eingewöhnen nennst du das? Wo kämen wir denn hin, wenn sich Jeder so verhalten würde. Wir können uns das doch auch nicht leisten. Gerade wir in unseren leitenden Positionen müssen von Anfang an unseren Mann stehen und hart arbeiten.“
„Oh ja Mike! Das beste Beispiel hab ich gerade hinter mir. Mal so nebenbei: Wo ist unser Satansbraten denn im Moment?“
„Du wirst es nicht glauben! Evil hat sie mit Hilfe seiner Leute und seiner zahlreichen versteckten Kameras im Wintergarten entdeckt. Friedlich schlafend in einem Liegestuhl! Das ist der absolute Gipfel!“
„Haha typisch Lizzy! Aber dennoch würde ich in diesem speziellen Fall gerne etwas anders vorgehen. Ich verspreche dir, sie wird ihre Strafe bekommen. Kannst du dafür sorgen, dass die Rechnung schon mal gezahlt wird? Lass sie doch einfach unter Geschäftsessen verbuchen!“
„Was hast du vor? Ach was – du wirst es mir sowieso nicht verraten. Also gut! Ich schau was ich mit der Rechnung machen kann. Aber enttäusche mich nicht.“
„Keine Sorge Mike! Das was ich vorhabe wird besser sitzen als eine einfache Standpauke. Lass mich einfach mal machen.“
Jetzt galt es keine Zeit mehr zu verlieren. Er hatte noch Einiges zu erledigen, bevor Lizzy aus ihrem Schönheitsschlaf erwachte. Das Wichtigste war.... Ah da stand ja Super-Ingo so hochmotiviert in der Gegend herum. Der kam genau richtig.
„Ingo. Pass auf! Du schnappst dir jetzt ... wisper wisper ... und gehst sofort in den Wintergarten. Da hinten im rechten Eck liegt deine neue Kollegin in einem Liegestuhl und schläft. Du machst dann ... wisper tuschel ...! Und pass ja auf, dass sie nicht aufwacht! Wenn doch, bist du die nächsten 4 Wochenenden hier im Dienst. Anschließend gehst du sofort zu tuschel und machst dort wisper wisper! Alles klar!“
„Ja Chef! Logisch geht das klar. Auch wenn ich nicht so ganz kapiere, für was das gut sein soll.“
„Das ist für dich auch völlig unwichtig. Na los – schwing die Hufe!“
Super-Ingo sprintete davon. Erstaunlich – wenn es um solche Sachen ging, konnte er eine Riesenmotivation entwickeln. Wenn das doch nur für die normale Arbeit auch gelten würde. Dietmar beeilte sich, ein Büro weiter zu kommen. Es galt noch schnell eine wichtige Absprache zu tätigen.
Caro Blauinger saß hinter ihrem großen Schreibtisch und war mal wieder mit dem Telefonhörer verwachsen! Als sie ihn erblickte, beendete sie ihr Gespräch jedoch nach angemessener Wartezeit.
„Ach Dietmar du bist es. Was kann ich für dich tun?“
„Caro – du musst mir einen Gefallen tun. Habt ihr denn noch ein paar von diesen schicken giftgrünen Papieren übrig, von denen ihr gestern so einen Haufen an den Mann gebracht habt?“
„Hmm ja natürlich! Was willst du denn damit? Möchte die Technik zur Bekämpfung der Langeweile ein paar Papierflugzeuge bauen?“
„Haha sehr witzig! Habt ihr denn den Text auch noch der da drauf stand?“
„Natürlich! Oder glaubst du wir löschen den?“
„Also pass auf! Wir machen Folgendes. Wisper Tuschel Tuschel. Und dann Wisper wisper tuschel.“
„Hä? Und wozu soll das gut sein?“
„Ist gar nicht wichtig, dass du das weißt! Also kriegst du das hin? Muss aber in spätestens einer halben Stunde fertig sein!“
„Was so bald! Also gut – weil du es bist. Aber du erzählst mir nachher noch genau die Zusammenhänge!“
„Danke Caro! Mach ich natürlich. Du bist ein Schatz!“
Mit diesen Worten hauchte er Caro noch schnell einen Kuss auf die Wange und machte sich sofort auf in sein Büro. Ewig würde Lizzy nicht mehr schlafen. Und dann musste er present sein.
1,5 Stunden später, im hinteren Eck des idyllischen Wintergartens, beginnt etwas auf der Liege wieder lebendig zu werden. Unter lautem Quieken – einem kleinen Ferkel nicht unähnlich – begann Lizzy ihre Morgengymnastik mit reichlich unkoordinierten Reck und Streckbewegungen zu machen. Blinzelnd versuchte sie ihre Augen offen zu halten. Wenn doch nur dieses grelle Licht nicht wäre. Egal – die 2 Minuten waren bestimmt schon vorbei. Jetzt wurde es langsam höchste Zeit mal wieder ins Technikbüro zurück zu kehren. Wenn sie sich doch nur wieder an den Weg erinnern könnte. Irgendwie dort rechts war sie doch her...
„Halt! Tim, Dennis! Euch schickt der Himmel! Könnt ihr mir sagen, wie ich zurück ins Büro komme? Ich glaube, ich habe mich verlaufen.“
„Verlaufen? Prust – Haha! Ja genau so siehst du aus.“
„Sehr witzig! Ich musste mal für kleine Mädchen und jetzt finde ich wirklich nicht mehr zurück.“
„Na dann werden wir dir mal heimleuchten. Ich wette Dietmar hat dich bestimmt schon schmerzlich vermisst. Er wird sich sicher freuen, dich wieder zu sehen.“
„Im Übrigen ist es doch sehr einfach das Büro zu finden! Du musst an der neuen Rezeption einfach nach hinten gehen und dann den Aufzug benutzen. Schon bist du da.“
„Nein das kann nicht sein! Also heute Morgen sah das noch ganz anders aus!“
„Ja natürlich! Wir haben das Büro extra für dich versetzt. Damit auch du als Blondy es einfach finden kannst.“
„Ihr seid doch blöd! Verarschen kann ich mich selber. Zeigt mir endlich wo es lang geht!“
Gemeinsam gingen die 3 in Richtung Technik Hauptquartier. Unterwegs nutzte Lizzy noch die günstige Gelegenheit, mit der hier reichlich vorhandenen Seife, ihr Gesicht wieder in den Urzustand zurück zu versetzen. Zwischendurch fiel ihr Blick in den Spiegel. Die starken Rötungen auf der linken Seite verrieten deutlich welcher Tätigkeit sie zuletzt nachgegangen war. Und das nur wegen 2 Minuten? Es mussten wohl unbewusst 15 oder 20 Minuten daraus geworden sein. Jetzt wurde ihr auch klar, warum Tim und Dennis vorhin so gelacht hatten. Hauptsache sie würden Dietmar nichts verraten. Wo waren die Zwei denn nun schon wieder hin? Ach egal! Den restlichen Weg ins Büro würde sie nun auch alleine finden. Und tatsächlich – da war es auch schon. Und oh Schreck! Dietmar war auch da. Na dann würde sie seine Standpauke mal über sich ergehen lassen. Er war sicher mächtig wütend.
„Hallo Lizzy! Da bist du ja endlich. Marc war vor 20 Minuten hier und hat ausgerichtet, dass ihr mit der Lüftung fertig seit!“
„Ähh na ja weißt du...“ („Oha jetzt geht’s los!“)
„Wir sind dann sofort vor Ort gegangen. Also ich muss sagen“
„Ähhh Dietmar! Also ich kann dir das erklären („Ja nur wie? Und gleich wird er meinen roten Fleck im Gesicht sehen.“)
„Wirklich fantastisch! Alles blitzt und blinkt. Ihr müsst ja geschrubbt haben wie die Blöden!“
„Hmm ja ähhh! Wir haben uns alle Mühe gegeben. Vorallem Marc!“ („Das gibt’s doch gar nicht. Hat der denn gar nix gespannt? Na wenigstens scheint Marc wieder ganze Arbeit geleistet zu haben.“)
„Ihr habt noch nicht mal Pause gemacht. Du musst doch einen Bärenhunger haben!“
„Ja also. So ne Kleinigkeit könnte ich schon wieder vertragen. („Will der mich auf den Arm nehmen oder weiß der echt nix?“)
„Das dachte ich mir! Wie wäre es, wenn wir zusammen in die Kantine gehen. Ich verspüre auch schon wieder so eine gewisse Leere in der Magengegend. Und Marc wartet da schon auf uns. Den hab ich schon mal vor geschickt.“
„Ja prima! Lass uns gehen!“ („Der ist ahnungslos! Das erste Mal, dass ich mich über eine nicht funktionierende Kommunikation in einer Firma freue.“)
Und so begaben sich die 2 auf den Weg in die Kantine. Unterwegs kamen ihnen mehrere Kollegen aus dem Service, der Küche und auch aus der Buchhaltung entgegen. Und Alle benahmen sich sehr merkwürdig. Sie schauten sie an. Blickten weg. Dann kam meist ein:“ Das ist doch Die vom flüster flüster.“ Erneut wurde sie angestarrt. Meist folgte dann ein leichtes Lächeln. Wieder wurde weggeschaut und schnell Richtung nächste Türe davongelaufen. Einmal war lautes Lachen zu hören, noch bevor die Türe komplett zugeschlagen war. So langsam kam es Lizzy sehr spanisch vor. Ob sie wohl noch dreckig im Gesicht war oder sonst irgendetwas Schwarzes an ihrer Kleidung haftete? Dummerweise war gerade kein Spiegel in der Nähe, in dem sie das hätte überprüfen können. Und Dietmar wollte sie nicht danach fragen. Als sie um eine weitere Ecke bogen stand dort plötzlich die halbe Technikabteilung vor einem riesigen schwarzen Brett, an dem zahlreiche Zettel hingen. Was wollten die da Alle? Hatten die denn nichts zu tun?
„Ah da ist ja unsere Neue!“
„Ja man kann sie sofort wiedererkennen!“
„Und sie scheint auch wieder ganz fit und ausgeschlafen zu sein!“
„Wo kann man mich wieder erkennen? Wovon sprecht ihr?“
„Na da in der Mitarbeiterzeitung!“
„Mitarbeiterzeitung? Meint ihr das beidseitig bedruckte DIN A4 Blatt, dass im ganzen Zentrum und im Park unter den Mitarbeitern verteilt wird und an sämtlichen Infotafeln hängt?“
„Ja ganz genau! Also du bist dort wirklich äußerst vorteilhaft dargestellt!“
„Was bin ich? Wovon redet ihr denn? Werde ich etwa namentlich erwähnt? Lasst mich auch mal sehen!“
Mit diesen Worten strebte Lizzy nun, begleitet von mehr oder weniger unterdrücktem Gelächter genau auf das lindgrüne Blatt Papier zu. Was sie da zu sehen bekam, übertraf ihre kühnsten Erwartungen. Ihr stockte der Atem. Oh dieser gemeine Kerl. Wie konnte er ihr nur so etwas antun? Wo sie doch überhaupt nichts getan hatte! Ziemlich genau in der Mitte der zweiten Seite war dort zu lesen:
Unsere Mitarbeiter fühlen sich wohl bei uns!
Und darunter abgebildet: Lizzy schlafend im Liegestuhl des Wintergartens...
Währenddessen saß Dietmar schon geschlagene 2 Stunden in einer hochwichtigen Konferenz. Gerade ging es darum, ob im Restaurant „Big Ben“ demnächst den pergamentartigen, grauen, etwas schmuddelig wirkenden Speisekarten der Vorzug vor den hellbraun, glatten Hochglanzkarten gegeben werden sollte. Ein Thema, bei dem die Anwesenheit des Stellvertretenden technischen Leiters unbedingt erforderlich war. Eigentlich wollte sich Dietmar schon vor einer halben Stunde aus dieser gehobenen Runde verabschieden. Nur just in diesem Moment wurde der Konferenztisch mit neuen Leckereien aus der hauseigenen Konditorei aufgefüllt. An die Stelle des Champagners, der zu seinem Einstand gereicht worden war, trat nun köstlich duftender Kaffee. Und so beschloss er, sich diesen neuen Argumenten nicht komplett zu verschließen. Aber irgendwann können auch die leckersten Bienenstiche und Windbeutel den grauen, pergamentartigen Arbeitsalltag nicht mehr überdecken. Und so war Dietmar froh, als sich die Tür des Konferenzraums einen Spalt weit öffnete und die hübsche, brünette Sekretärin ihren Kopf hineinstreckte und sich ausgerechnet an ihn wandte.
„Herr Rheineck! Ihr Chef möchte sie sofort sprechen. Er sagt es wäre sehr wichtig und sie sollen sofort in sein Büro kommen!“
„Oh das tut mir jetzt aber sehr leid meine Damen und Herren! Aber unter diesen Umständen muss ich wohl wirklich sofort gehen. Entschuldigen sie mich bitte!“
Mit bedauernder Miene erhob sich Dietmar schnell aus dem äußerst bequemen Ledersessel und entschwand rasch aus dem Konferenzraum. Beim kompletten Öffnen der Türe kam auch der nicht unbedeutende Rest der Sekretärin zum Vorschein. Gehüllt war die Hübsche in ein dunkelblaues Kostüm mit einem weißen Top darunter. Leider verhinderte die viel zu weit zugeknöpfte Jacke interessantere Einblicke. Entschädigt wurde Dietmar aber durch den seitlich geschlitzten Minirock, der sich beim Gehen bis in ungeahnte Höhen öffnete. Ach zum Teufel mit Mike! Das hier war doch viel wichtiger. Verdammtes Pflichtbewusstsein. Na gut – um diesen Fall würde er sich später kümmern. Schließlich geht gerade in einem Sekretärinnenpool besonders viel kaputt und deshalb benötigt dieser auch eine besonders intensive Betreuung durch höchstqualifiziertes Personal. Und trotzdem stand er wenig später in Mike’s Büro.
„Dietmar – na endlich! Wo bleibst du denn solange? Setz dich!“
„Hallo Mike! Was gibt’s denn so Wichtiges, dass du mich extra aus dieser wichtigen Konferenz holen lässt?“
„Ich habe da gerade eben einen Anruf aus einem Restaurant erhalten. Der Restaurantleiter hat sich über eine Mitarbeiterin aus unserer Abteilung beschwert. Sie hat sich dort in einem unmöglich, schlampigen und dreckigen Outfit Essen und Trinken in einem Wert von 200 DM einverleibt. Und wie ich eben hörte, hat sie sich auch noch in einer Bar halb betrunken. Du weißt von wem ich rede?“
„Ich befürchte es! Du redest von Lizzy.“
„Ja genau! Von deiner grafischen Dekorateurin, die du unbedingt hier im Zentrum haben wolltest. Ich weiß gar nicht, was du an der findest? Statt ihrer Arbeit geht sie einfach ihren Vergnügen nach. Ich erwarte von dir, dass du ihr gehörig die Leviten liest. Die Dame macht unsere Abteilung zum Gespött im ganzen Zentrum. Und die Rechnungen ziehst du ihr vom Lohn ab!“
„Ja sie hat schon eine Strafe verdient. Aber doch nicht gleich gar so krass. Sie muss sich doch erst mal eingewöhnen!“
„Eingewöhnen nennst du das? Wo kämen wir denn hin, wenn sich Jeder so verhalten würde. Wir können uns das doch auch nicht leisten. Gerade wir in unseren leitenden Positionen müssen von Anfang an unseren Mann stehen und hart arbeiten.“
„Oh ja Mike! Das beste Beispiel hab ich gerade hinter mir. Mal so nebenbei: Wo ist unser Satansbraten denn im Moment?“
„Du wirst es nicht glauben! Evil hat sie mit Hilfe seiner Leute und seiner zahlreichen versteckten Kameras im Wintergarten entdeckt. Friedlich schlafend in einem Liegestuhl! Das ist der absolute Gipfel!“
„Haha typisch Lizzy! Aber dennoch würde ich in diesem speziellen Fall gerne etwas anders vorgehen. Ich verspreche dir, sie wird ihre Strafe bekommen. Kannst du dafür sorgen, dass die Rechnung schon mal gezahlt wird? Lass sie doch einfach unter Geschäftsessen verbuchen!“
„Was hast du vor? Ach was – du wirst es mir sowieso nicht verraten. Also gut! Ich schau was ich mit der Rechnung machen kann. Aber enttäusche mich nicht.“
„Keine Sorge Mike! Das was ich vorhabe wird besser sitzen als eine einfache Standpauke. Lass mich einfach mal machen.“
Jetzt galt es keine Zeit mehr zu verlieren. Er hatte noch Einiges zu erledigen, bevor Lizzy aus ihrem Schönheitsschlaf erwachte. Das Wichtigste war.... Ah da stand ja Super-Ingo so hochmotiviert in der Gegend herum. Der kam genau richtig.
„Ingo. Pass auf! Du schnappst dir jetzt ... wisper wisper ... und gehst sofort in den Wintergarten. Da hinten im rechten Eck liegt deine neue Kollegin in einem Liegestuhl und schläft. Du machst dann ... wisper tuschel ...! Und pass ja auf, dass sie nicht aufwacht! Wenn doch, bist du die nächsten 4 Wochenenden hier im Dienst. Anschließend gehst du sofort zu tuschel und machst dort wisper wisper! Alles klar!“
„Ja Chef! Logisch geht das klar. Auch wenn ich nicht so ganz kapiere, für was das gut sein soll.“
„Das ist für dich auch völlig unwichtig. Na los – schwing die Hufe!“
Super-Ingo sprintete davon. Erstaunlich – wenn es um solche Sachen ging, konnte er eine Riesenmotivation entwickeln. Wenn das doch nur für die normale Arbeit auch gelten würde. Dietmar beeilte sich, ein Büro weiter zu kommen. Es galt noch schnell eine wichtige Absprache zu tätigen.
Caro Blauinger saß hinter ihrem großen Schreibtisch und war mal wieder mit dem Telefonhörer verwachsen! Als sie ihn erblickte, beendete sie ihr Gespräch jedoch nach angemessener Wartezeit.
„Ach Dietmar du bist es. Was kann ich für dich tun?“
„Caro – du musst mir einen Gefallen tun. Habt ihr denn noch ein paar von diesen schicken giftgrünen Papieren übrig, von denen ihr gestern so einen Haufen an den Mann gebracht habt?“
„Hmm ja natürlich! Was willst du denn damit? Möchte die Technik zur Bekämpfung der Langeweile ein paar Papierflugzeuge bauen?“
„Haha sehr witzig! Habt ihr denn den Text auch noch der da drauf stand?“
„Natürlich! Oder glaubst du wir löschen den?“
„Also pass auf! Wir machen Folgendes. Wisper Tuschel Tuschel. Und dann Wisper wisper tuschel.“
„Hä? Und wozu soll das gut sein?“
„Ist gar nicht wichtig, dass du das weißt! Also kriegst du das hin? Muss aber in spätestens einer halben Stunde fertig sein!“
„Was so bald! Also gut – weil du es bist. Aber du erzählst mir nachher noch genau die Zusammenhänge!“
„Danke Caro! Mach ich natürlich. Du bist ein Schatz!“
Mit diesen Worten hauchte er Caro noch schnell einen Kuss auf die Wange und machte sich sofort auf in sein Büro. Ewig würde Lizzy nicht mehr schlafen. Und dann musste er present sein.
1,5 Stunden später, im hinteren Eck des idyllischen Wintergartens, beginnt etwas auf der Liege wieder lebendig zu werden. Unter lautem Quieken – einem kleinen Ferkel nicht unähnlich – begann Lizzy ihre Morgengymnastik mit reichlich unkoordinierten Reck und Streckbewegungen zu machen. Blinzelnd versuchte sie ihre Augen offen zu halten. Wenn doch nur dieses grelle Licht nicht wäre. Egal – die 2 Minuten waren bestimmt schon vorbei. Jetzt wurde es langsam höchste Zeit mal wieder ins Technikbüro zurück zu kehren. Wenn sie sich doch nur wieder an den Weg erinnern könnte. Irgendwie dort rechts war sie doch her...
„Halt! Tim, Dennis! Euch schickt der Himmel! Könnt ihr mir sagen, wie ich zurück ins Büro komme? Ich glaube, ich habe mich verlaufen.“
„Verlaufen? Prust – Haha! Ja genau so siehst du aus.“
„Sehr witzig! Ich musste mal für kleine Mädchen und jetzt finde ich wirklich nicht mehr zurück.“
„Na dann werden wir dir mal heimleuchten. Ich wette Dietmar hat dich bestimmt schon schmerzlich vermisst. Er wird sich sicher freuen, dich wieder zu sehen.“
„Im Übrigen ist es doch sehr einfach das Büro zu finden! Du musst an der neuen Rezeption einfach nach hinten gehen und dann den Aufzug benutzen. Schon bist du da.“
„Nein das kann nicht sein! Also heute Morgen sah das noch ganz anders aus!“
„Ja natürlich! Wir haben das Büro extra für dich versetzt. Damit auch du als Blondy es einfach finden kannst.“
„Ihr seid doch blöd! Verarschen kann ich mich selber. Zeigt mir endlich wo es lang geht!“
Gemeinsam gingen die 3 in Richtung Technik Hauptquartier. Unterwegs nutzte Lizzy noch die günstige Gelegenheit, mit der hier reichlich vorhandenen Seife, ihr Gesicht wieder in den Urzustand zurück zu versetzen. Zwischendurch fiel ihr Blick in den Spiegel. Die starken Rötungen auf der linken Seite verrieten deutlich welcher Tätigkeit sie zuletzt nachgegangen war. Und das nur wegen 2 Minuten? Es mussten wohl unbewusst 15 oder 20 Minuten daraus geworden sein. Jetzt wurde ihr auch klar, warum Tim und Dennis vorhin so gelacht hatten. Hauptsache sie würden Dietmar nichts verraten. Wo waren die Zwei denn nun schon wieder hin? Ach egal! Den restlichen Weg ins Büro würde sie nun auch alleine finden. Und tatsächlich – da war es auch schon. Und oh Schreck! Dietmar war auch da. Na dann würde sie seine Standpauke mal über sich ergehen lassen. Er war sicher mächtig wütend.
„Hallo Lizzy! Da bist du ja endlich. Marc war vor 20 Minuten hier und hat ausgerichtet, dass ihr mit der Lüftung fertig seit!“
„Ähh na ja weißt du...“ („Oha jetzt geht’s los!“)
„Wir sind dann sofort vor Ort gegangen. Also ich muss sagen“
„Ähhh Dietmar! Also ich kann dir das erklären („Ja nur wie? Und gleich wird er meinen roten Fleck im Gesicht sehen.“)
„Wirklich fantastisch! Alles blitzt und blinkt. Ihr müsst ja geschrubbt haben wie die Blöden!“
„Hmm ja ähhh! Wir haben uns alle Mühe gegeben. Vorallem Marc!“ („Das gibt’s doch gar nicht. Hat der denn gar nix gespannt? Na wenigstens scheint Marc wieder ganze Arbeit geleistet zu haben.“)
„Ihr habt noch nicht mal Pause gemacht. Du musst doch einen Bärenhunger haben!“
„Ja also. So ne Kleinigkeit könnte ich schon wieder vertragen. („Will der mich auf den Arm nehmen oder weiß der echt nix?“)
„Das dachte ich mir! Wie wäre es, wenn wir zusammen in die Kantine gehen. Ich verspüre auch schon wieder so eine gewisse Leere in der Magengegend. Und Marc wartet da schon auf uns. Den hab ich schon mal vor geschickt.“
„Ja prima! Lass uns gehen!“ („Der ist ahnungslos! Das erste Mal, dass ich mich über eine nicht funktionierende Kommunikation in einer Firma freue.“)
Und so begaben sich die 2 auf den Weg in die Kantine. Unterwegs kamen ihnen mehrere Kollegen aus dem Service, der Küche und auch aus der Buchhaltung entgegen. Und Alle benahmen sich sehr merkwürdig. Sie schauten sie an. Blickten weg. Dann kam meist ein:“ Das ist doch Die vom flüster flüster.“ Erneut wurde sie angestarrt. Meist folgte dann ein leichtes Lächeln. Wieder wurde weggeschaut und schnell Richtung nächste Türe davongelaufen. Einmal war lautes Lachen zu hören, noch bevor die Türe komplett zugeschlagen war. So langsam kam es Lizzy sehr spanisch vor. Ob sie wohl noch dreckig im Gesicht war oder sonst irgendetwas Schwarzes an ihrer Kleidung haftete? Dummerweise war gerade kein Spiegel in der Nähe, in dem sie das hätte überprüfen können. Und Dietmar wollte sie nicht danach fragen. Als sie um eine weitere Ecke bogen stand dort plötzlich die halbe Technikabteilung vor einem riesigen schwarzen Brett, an dem zahlreiche Zettel hingen. Was wollten die da Alle? Hatten die denn nichts zu tun?
„Ah da ist ja unsere Neue!“
„Ja man kann sie sofort wiedererkennen!“
„Und sie scheint auch wieder ganz fit und ausgeschlafen zu sein!“
„Wo kann man mich wieder erkennen? Wovon sprecht ihr?“
„Na da in der Mitarbeiterzeitung!“
„Mitarbeiterzeitung? Meint ihr das beidseitig bedruckte DIN A4 Blatt, dass im ganzen Zentrum und im Park unter den Mitarbeitern verteilt wird und an sämtlichen Infotafeln hängt?“
„Ja ganz genau! Also du bist dort wirklich äußerst vorteilhaft dargestellt!“
„Was bin ich? Wovon redet ihr denn? Werde ich etwa namentlich erwähnt? Lasst mich auch mal sehen!“
Mit diesen Worten strebte Lizzy nun, begleitet von mehr oder weniger unterdrücktem Gelächter genau auf das lindgrüne Blatt Papier zu. Was sie da zu sehen bekam, übertraf ihre kühnsten Erwartungen. Ihr stockte der Atem. Oh dieser gemeine Kerl. Wie konnte er ihr nur so etwas antun? Wo sie doch überhaupt nichts getan hatte! Ziemlich genau in der Mitte der zweiten Seite war dort zu lesen:
Unsere Mitarbeiter fühlen sich wohl bei uns!
Und darunter abgebildet: Lizzy schlafend im Liegestuhl des Wintergartens...

