Stairway to Heaven - Winteredition: Folge 3 / 4 - Die Chaoten-Abteilung / Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen
Hi!
Nachdem ich gestern einen herrlichen Tag im PL erleben durfte, bin ich heute eigentlich auch ganz gut drauf :-) Und wenn ich Glück habe, soll es Euch auch so gehen. Deshalb gibt es heute eine fette Doppel-Folge Stairway aus der Sicht von Lizzy geschrieben. Viel Spaß!
Folge 3 Die Chaoten Abteilung
„Aber so etwas habe ich doch auch noch nie gemacht! Ich weiß doch gar nicht was ich da machen muß. Und überhaupt möchte ich viel lieber in der Verwaltung arbeiten, oder bei meiner Freundin in der Agentur, oder im Park bei der Technik! Und sowieso bin ich Grafikerin und keine Hilfsarbeiterin und es gefällt mir hier überhaupt nicht und ihr seit Alle so gemein zu mir und und und...“
Rumms! Gerade ist man so richtig in Fahrt, da wird man auch schon unterbrochen! Mit einer ruckartigen Bewegung wird die Tür zum Büro aufgestoßen und eine aufgeregt durcheinanderplappernde Menge von seltsamer Gestalten strömt halb ins Büro herein. Zu Tode erschrocken fahre ich herum:
“Waaahhh.... Marsmenschen!”
In der Tat - so sehen sie aus mit ihren Schutzkleidungen und Atemmasken … zumindest 2 davon, die in der vordersten Front stehen! Diese beiden erheben auch sofort das Wort:
“Ach Dietmar … wieso müssen wir uns eigentlich um Lüftungen kümmern? Kann das nicht jemand anderes machen? Wir sind … äh unter- … äh … überqualifiziert für sowas!”
Diese Stimme kenne ich doch! Klar, der Vermummte da - das ist Dennis von den Parktechnikern …
“Genau! Überqualifiziert - und außerdem ist es dringend Zeit für eine Frühstückspause!”
Und das müßte Tim sein Kollege sein! Was machen die hier? Sollte Evil Dick doch recht gehabt haben mit seiner Versprechung, daß hier doch mehr Leute arbeiten, die ich kenne?
“Frühstückspause? Da bin ich auch dafür! Morgen Chef!”
Mit diesen Worten drück sich einziemlich stämmiger Typ an den beiden vorbei und läuft zielstrebig zu einem Schreibtisch hinter mir, öffnet eine Schublade und holt daraus eine Riesen Tüte mit den unterschiedlichsten Fressalien hervor. Dann fällt sein Blick auf mich: "Huch! Eine Frau bei uns? Hehe ... morgen Blondie!"
"Ich heiße nicht Blondie!" meine ich sauer.
"Pffff - jetzt schon! Du darfst mich übrigens James nennen!" grinst er frech und macht sich über seine Fressalien her.
Ich schüttle nur verärgert den Kopf - was fällt dem eigentlich ein? Ich hasse es, wenn man mich auf meine Haarfarbe reduziert!
Dietmar währendessen nimmt sich Tim und Dennis zur Brust: “Was heißt hier, ihr seid zu überqualifiziert, eine Lüftung sauberzumachen? Ihr macht euch jetzt sofort ...” weiter kommt er nicht denn von hinten mischt sich noch jemand Bekanntes ein:
“Bin ich hier richtig? Steve sagte mir, daß ich mich hier melden soll ...”
Marc kommt mit einem hageren Typ herein, der mich vom Aussehen her direkt an einen Kerl erinnert, den ich neulich mal in einer Werbesendung gesehen hatte.
“Ja Marc hier bist du richtig … äh ...” meint Dietmar und blickt dann den Hageren fragend an. Der grinst nur und meint:
“Morgen Chef! Wollte nur sagen, daß die Anlage im Konferenzraum 3 aufgebaut ist - wenn es sonst nix mehr zu tun gibt, verschwinde ich jetzt in die Pau … oh … hallo … ja wen haben wir denn da? Eine neue Mitarbeiterin?”
“Pah! Von wegen! In diesem Irrenhaus bleibe ich keine Minute länger!” entfährt es mir.
“Warum? Wieso Irrenhaus? Was oder wer soll hier irr sein? Ich bin übrigens Ingo!”
“Hehe … das ist Super-Ingo! Der Beste, der Besten, der Allerbesten!” meint James hinter mir und grinst mich erwartungsvoll an, als ich mich zu ihm umdrehe. Als er merkt, daß ich seinen letzten Kommentar nicht komisch finde, beißt er wieder in einen Hamburger und blättert in einem der Männermagazine, die auf seinem Schreibtisch herumliegen.
“Ja ja … mach Du Dich nur lustig James … Jedenfalls bin ich hier Techniker ...” meint Ingo weiter.
“Ach was - ehrlich Ingo? Hehe … wer hätte das gedacht … Ein Techniker ... soso ... und das an diesem Ort ... äußerst ungewöhnlich ...” kommt es wieder von hinten.
Ingo fährt seinen Kollegen wütend an: “Dürfte ich mal ausreden?”
“Klar - mach' halt weiter … mampf ...”
Ingo schüttelt den Kopf, dann fährt er wieder etwas freundlicher an mich gewandt fort: “Ja also … äh … also ich bin Techniker und mein Spezialgebiet ist Ton- und Konferenztechnik - vereinfacht ausgedrückt!” Dann sieht er mich erwartungsvoll an.
“Na und? Ich bin Lizzy - und ich bin Grafikerin! Und meine Spezialgebiete sind Internet und Werbemittel - und ich hau jetzt ab … einen schönen Tag noch ihr Chaoten ....” gebe ich schnippisch zurück und will aufstehen gerade aufstehen, da drückt mich Dietmar an der Schulter wieder in den Bürosessel und droht:
“Lizzy! Du bleibst jetzt hier sitzen oder ich binde dich fest!”
“Brauchst du Panzertape Chef ? Oder ein paar Kabelbinder? Damit kann man jeden prima an einen Bürostuhl fesseln - stimmts Ingo?! Hehe!” höre ich von hinten, wo James immer noch mit seinen Fressalien und Männermagazinen beschäftigt ist:
“Miss November! Wow! Hat die große ...” dann mit einem Blick zu mir: “Äh … hehe … Augen … hehe ...”
“Kabelbinder? Panzertape?” fragt Marc verwirrt ...
Ingo stemmt die Arme in die Seiten und protestiert: “Ja - damit haben mich James und ein paar Kollegen mal an diesen Stuhl gefesselt!” dabei zeigt er genau auf den Sessel in dem ich sitze.
“Was? Ich muß weg! Dietmar! Laß mich los! Ich bleibe keine Minute länger hier!” rufe ich entsetzt.
James lacht nur: “Hehe … das war ein Spaß!”
“Pah! Wenn ihr das noch einmal mit mir macht ...” giftet Ingo sauer.
"Wenn du neulich nicht so frech gewesen wärst, hätten wir das auch nicht mit dir gemacht … hehe … hmmm mampf … selber schuld! Aber was wir mit dir machen konnten, können wir doch auch mit Blondie anstellen! Hehe … wäre doch lustig … und dann könnten wir noch ...”
“Dietmar! Du kannst dich auf den Kopf stellen und ‘La Paloma’ singen - aber ich bleibe auf keinen Fall hier! Die haben hier doch alle einen an der Waffel!” fahre ich erbost dazwischen.
“Ist ja gut Blon … äh Lizzy! Die machen doch nur Spaß - beruhige dich ...” versucht Dietmar mich zu beschwichtigen ...
“Waffel? Hat sie gerade Waffel gesagt? Ich liebe Waffeln! Hmmm ja … das wäre jetzt genau der richtige Nachtisch … naja … zur Not tut’s auch ein Donut … mampf!”
“Pah! Der denkt wohl nur ans Essen, was?” frage ich verärgert über den neuerlichen Zwischenruf “Der ist ja schlimmer noch als Evil Dick!”
“Ich bin nicht dick! Ich bin höchstens ein wenig vollschlank!” kommt von hinten prompt der Protest!
“Doch, bist du wohl! Und ja Lizzy … der denkt wirklich nur ans Essen!” mischt sich Ingo wieder ein …
“Mein Gott! Na und? Mir schmeckt es halt!”
“Ja - das sehe ich auch! Und wißt Ihr auch an was das liegt?! Das ist bestimmt wegen der Duftis!” rufe ich laut und mit angewidertem Gesichtsausdruck.
“Hä? Was soll das denn sein?” fragen Ingo, Marc, Tim, Dennis und James im Chor
“Ach nun tut nicht so als würdet ihr das nicht wissen! Ich weiß genau was hier gespielt wird!”
“Was denn? James verstehst du das?”
“Ach Ingo … Blondie meint bestimmt die Stinkys - die Rockgruppe, die sich bei uns im Heizungskeller einquartieren will ...”
“Moment mal! Was wollen die? Chef! Das geht doch nicht ...” entsetzt sich Ingo und blickt Dietmar fragend an - bevor der aber antworten kann, fahre ich erneut ungeduldig dazwischen:
“Ich meine nicht irgendwelche Rockstars in irgendwelchen Kellern - ich meine eure dämlichen Duftsäulen! Heinz vom Park drüben hat mir genau alles darüber erzählt! Ihr nebelt hier jeden mit diesem Geruch ein, dann bekommt man Hunger und dann sieht man bald so aus wie der da!” damit zeige ich wütend auf James “Und das mache ich bestimmt nicht mit!”
“Duftsäulen? Die sind wegen der Frischluft da … wegen … der Raumbeduftung - damit es hier nicht so mieft und man sich wohlfühlt … Aber seit wann machen die denn Appetit?” Ingo kann es nicht fassen und stellt ein äußerst intelligentes Gesicht zur Schau.
Mir platzt nun endgültig der Kragen! Können oder wollen die mich hier nicht verstehen? Und da Dietmar mich inzwischen nicht mehr festhält, stehe ich nun doch auf, erhebe eine Faust Richtung Himmel und schreie laut durch den Raum:
“Schon immer machen diese blöden Dinger Appetit! Seit es dieses dumme Zentrum mit seinen 120 Restaurants gibt - ja was glaubt ihr denn?! Und was glaubt ihr wohl, warum hier alle essen wollen? Hä? Eine Riesen-Schweinerei ist sowas! Ich sag es ja … das ist die reinste Mani … Manipu-Dings da! Und daher rufe ich laut: Nieder mit den Duftsäu ..." - Patsch! - "hmmmpppffffff mmppfffffff!!!”
Weiter komme ich nicht, weil Dietmar mir von hinten eines von Dick’s dagelassenen Pflaster auf den Mund patscht! Als ich danach greifen will, packt er meine Hände und hält diese fest:
"Danke Lizzy - das genügt!"
"Hmmppfff mmmmmhhhhh!!!"
“Och Mönsch … gerade wird es doch interessant? Chef - warum hast du das getan?” meint Ingo enttäuscht.
“Weil Lizzy eine unglaubliche Phantasie hat - das müßt ihr euch jetzt wirklich nicht anhören ...”
"Hmmpppffmmmmhhh!!!!"
“Nene … die hat ein unglaubliches Mundwerk, die Lizzy - stimmts Dennis?” meint Tim und sein Kumpel nickt prompt mit dem Kopf: “Jepps! Hat sie! Aber laß sie doch Dietmar … ich finde, so sparen wir uns ein Radio! Nur finde ich, Lizzy, du solltest vielleicht noch was singen oder so … hehe ...”
“Mmmppfffff ....mmmppfff!!!” Diese verdammten Kerle! Na wartet … ich versuche mich von Dietmar loszureißen - aber es will nicht hinhauen - wie zwei Schraubstöcke hält er verbissen meine Hände fest:
“Ruhig Lizzy - nicht aufregen …Tim, Dennis - ihr beide geht jetzt wieder an eure Arbeit - und ich will jetzt keine Diskussion über irgendwelche Qualifikationen von euch haben!”
Murrend trollen sich die beiden, dann höre ich von hinten wieder James laut nachdenken:
“120 Restaurants? Donnerwetter! Die müssen sich wohl vermehrt haben - gestern hatten wir nämlich nur 19 ... Mampf … hmmm … also wegen der Duftsäulen habe ich immer so Hunger … interessant … ”
“Den hast du doch so oder so James!” lacht Ingo “Aber mal ehrlich: ich finde auch das es hier im Gebäude manchmal trotzdem komisch riecht … ich hatte neulich schon mal eine Beschwerde deshalb bekommen!”
“Mmmmpffff mmmmmhhhhhh!” heftig nicke ich mit dem Kopf …
“Pah! Wenn du öfter als 2 x im Monat deine Socken wechseln würdest, hätten wir hier keine Geruchs-Probleme Ingo!”
“Zweimal ist völlig ausreichend ...” protestiert Ingo und Marc, der sich inzwischen auf einen weiteren freien Bürosessel gesetzt hat, verzieht angewidert das Gesicht: “Iiiihhhh … also wirklich ...”
"Und waschen solltest Du deine Quanten auch öfters als einmal im Jahr - Ingo!"
"James - du bist ein altes Lästermaul - ich wasche meine Füße wöchentlich - so!"
“Ingo sag mal … wolltest du nicht Pause machen?” beendet Dietmar schnell jede weitere aufkeimende Diskussion über Fuß- oder sonstige Hygiene.
“Öööhhh ja … ja … genau … wollte ich … James? Was ist mit dir? Das bißchen Freßchen da reicht dir doch eh nicht bis zum Mittagessen - kommst du mit?”
“Hmm … naja … in meinem Magen hätte ich noch Platz für ein Verdauungsschnäppschen … ok …”
Die beiden ziehen ab und lassen mich mit Dietmar und Marc alleine in diesem komischen … äh … Büro zurück ...
“Puh! Also schön! Endlich wieder Ruhe hier! Also Lizzy, daß das jetzt ein für allemal klar ist: Du bleibst hier und damit basta! Und ich will nie wieder so einen Unsinn wegen der Duftis … äh Duftsäulen hören! Schon gar nicht, wenn Kollegen, Gäste oder sonstige Dritte sich in der Nähe aufhalten - mal ganz abgesehen davon, daß du dich mit so einer Story ganz schön lächerlich machst … ist das jetzt klar?!!!” giftet Dietmar, der mich immer noch festhält.
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Folge 4: Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen!
"... Und ich will nie wieder so einen Unsinn wegen der Duftis … äh Duftsäulen hören! Schon gar nicht, wenn Kollegen, Gäste oder sonstige Dritte sich in der Nähe aufhalten - mal ganz abgesehen davon, daß du dich mit so einer Story ganz schön lächerlich machst … ist das jetzt klar?!!!"
“Hmmmpfffffff .... mmmmmhhh”
“Wie? Ach so ...” Ratsch!
“Aua!!!”
“Nun?”
“Na gut … aber ich weiß, daß ich recht hatte! Da kannst du mir sagen was du willst! Und ich hasse dich dafür, daß du mich zwingen willst hierzubleiben!!!”
“Meinetwegen … dann haßt du mich halt ...” Dietmar zuckt mit den Schultern und wendet sich Marc zu:
“Tja Marc - wie ich gehört habe, willst du für uns auch in der Winterzeit arbeiten! Leider haben wir zur Zeit keine Verwendung für dich im Park - aber hier im Zentrum gibt es Arbeit genug! Also - wie sieht es aus? Hast du Interesse, hier mit anzupacken?”
“Toll! Großartig! Marc wird wenigstens gefragt!” maule ich, verstumme aber sofort, als Dietmar mir einen äußerst giftigen Blick zuwirft …
“Tja … ich glaube, mir würde das hier schon gefallen - aber … bin ich denn dafür überhaupt … äh … qualifiziert?” fragt Marc etwas unsicher.
“Ich denke ja … sonst hätte ich dich auch nicht hierher holen lassen, Marc!” erwiedert Dietmar lächelnd und fährt schnell fort bevor Marc weitere Zweifel und mir weitere Einwände einfallen:
“Tja … ihr beiden, nachdem das nun geklärt ist, schlage ich vor, daß ihr euch gleich mal nützlich macht!”
Und ehe wir es uns versehen, stecken Marc und ich erstens in solch seltsamen Schutzanzügen samt Atemmasken, wie sie Tim und Dennis vorher anhatten - und zweitens bis über beide Ohren in einer Lüftung, die unbedingt gereinigt werden muß! Alles ist voller Staub samt toter Fliegen …
Widerliche verdammte Drecksarbeit!
“Lüftung reinigen - pah! Das sieht Dietmar mal wieder ähnlich! Ich bin verdammt noch mal Grafikerin oder wenigstens Dekorateurin und keine Putzfrau!!!” protestiere ich lautstark.
“Ach Lizzy - nun jammer doch nicht! Laß uns lieber so schnell wie möglich diese unangenehme Arbeit hinter uns bringen ...” ächzt Marc.
“Pah! Und wo sind Tim und Dennis? Die sollten das hier doch fertig machen!”
“Die sind von Dietmar vielleicht noch woanders hingeschickt worden ....”
“Unsinn! Weg sind sie!!! Haben sich erfolgreich gedrückt! So ist das nämlich! Und wir sind nun die Dummen! Genau! Und Dietmar ist in diese ach so wichtige Besprechung verschwunden - glaub' mir, ich kenne das - der ist frühestens in 2 Stunden wieder da und wir dürfen uns jetzt alleine mit diesem Mist abrackern!”
"Jetzt sei doch nicht so sauer Liz! Mensch, sei doch froh, daß wir wieder ein Team sind! Ich ... ich hab' mich richtig gefreut, als ich dich vorhin im Büro sah! Als Steve vorhin mich hier herüberschickte, dachte ich ich wäre der Einzige der hierher versetzt wurde ... Ehrlich, ich bin echt froh, daß Du auch da bist und wir so wie im Sommer wieder zusammenarbeiten können!"
"Marc, dagegen habe ich doch eigentlich auch nix - aber die Art und Weise wie man mich hierhergebracht hatte, das war echt das Letzte! Und jetzt noch diese Drecks-Arbeit hier! Dietmar weiß genau, wie sehr ich Putz-Arbeiten hasse!"
Nach weiteren 30 Minuten reicht es mir - von Tim und Dennis weiterhin keine Spur. Und von Marc habe ich leider keine Hilfe für eine kleine Revolte bzw. einen kleinen Streik zu erwarten. Strebsam wie er nun mal ist, arbeitet er ohne murren unverdrossen weiter. Aber nicht mit mir - meine Herren! So haben wir nicht gewettet!
“Äh … Marc … du … ich geh mal kurz auf’s Klo ...”
“Hmmm … jaja ...”
Nix wie raus hier! Ärgerlich pfeffere ich die Atem-Maske in die nächste Ecke und mache mich auf in Richtung Fahrstühle.
Eine Sauwut habe ich auf Dietmar! Ich hab es mir doch gleich gedacht, daß ich mich hier halb tot arbeiten darf - und dann auch noch putzen! Ich hasse sowas! Ehrlich! Und dafür soll ich dankbar sein? Gut, da der Job bei meiner Freundin geplatzt ist und da die Parkverwaltung auch niemand im Winter brauchen kann - stecke ich tatsächlich in der Klemme. Und eigentlich müßte ich tatsächlich für alles dankbar sein, was man mir anbietet - naja fast alles! Aber das hier geht mir echt zuweit! Und dann noch der Kommentar von Dietmar, daß die Technik für all das zuständig sein soll, was sonst keiner gerne macht ... Großartig! Wirklich! Das sind ja schöne Aussichten!
Ooahh, und der Magen knurrt mir vielleicht! Ich muß jetzt was essen - sonst haut es mich glatt um! Wenn ich hier schon arbeiten muß wie ein Ochse, dann will ich wenigstens nicht dabei verhungern!
Hmmm - mal sehen, ich weiß, daß es hier 19 unterschiedliche Restaurants, Bars und Bistros gibt … und ich weiß außerdem, daß Angestellte hier angeblich hier verbilligte Preise erhalten - also so eine Art Mitarbeiter-Rabatt … oder gilt diese Regelung nur für Abteilungsleiter und deren Stellvertreter?
Na schön Dietmar, hehe ... ich verleibe mir jetzt auf deine Kosten, daß größte und opulenteste Frühstück aller Zeiten ein! Oder besser gesagt: Brunch! Genau! Den größten und opulentesten Brunch, den die Welt je gesehen hat! Nachdem es jetzt schon nach 11.00 Uhr ist, werfe ich Frühstück und Mittagessen doch gleich zusammen! Ha!!!
Ich fahre zwei, drei Etagen tiefer auf das sogenannte ‘Promenaden-Deck’. Naja, eigentlich heißt dieser Bereich ja anders - aber Heinz hat es einmal so getauft und ich finde, daß der Name viel besser dazu paßt! Hier läuft ein arrogantes Volk spazieren: Neureiche, Geschäftsleute, Frauen in teuren Kostümen, die ihren Schmuck spazierentragen und das Geld ihrer stinkreichen Männer oder Liebhaber auf den Kopf hauen, sowie sonstige Möchtegern-Wichtige, die man auf den ersten Blick nicht recht einordnen kann …
Vermutlich miefen die Duftis auf vollen Touren vor sich hin! Mein Hunger wird immer stärker und es riecht hier wirklich seltsam. Tja … ich hatte vorhin nicht übertrieben! Im Park haben wir diese Dinger ja auch - und zwar in 'Fantasia', unserer noch nicht ganz fertigen neuen Attraktion. Allerdings verströmen die dort nur so einen Duft der an Dschungel oder so erinnert - und der meines Wissens nach auch nicht hungrig macht. Aber laut Heinz, gibt es für die Duftis eine unglaubliche Vielfalt an Düften! Und manche von denen, sind tatsächlich appetitanregend … und diese wiederum werden eben gerne im Hotel- und Gaststätten-Gewerbe benutzt - laut Heinz - ein Schelm ist, wer böses dabei denkt …
Hmmmm … was sehe ich denn da? Ein hübsches Restaurant - mit einer tollen Auswahl verschiedenster und feinster Speisen … Oho! Aber bestimmt zu gesalzenen Preisen! Was solls - soll Dietmar doch dafür blechen!
Schnell setze ich mich an einen freien Tisch. Seltsam - warum schauen die anderen Gäste mich hier so komisch an? So … als würde ich vom Mars kommen! Oh nein! Ich habe ja immer noch diesen Reinigungs-Schutzanzug an! Kein Wunder! Ich hätte ihn wohl besser ausziehen sollen zumal ich in diesem Ding furchtbar schwitze. Hinzu kommt noch, daß er auch nicht mehr ganz so sauber ist! Ach was solls! Dann sieht man wenigstens, daß ich hier arbeite!
Ein junger etwas kurzgeratene Kellner, der auf mich einen leicht unsicheren Eindruck macht, ist fleißig am Bedienen und Kassieren. Offenbar scheint er die einzige Bedienung weit und breit zu sein - zumindest kann ich außer ihm keine andere sehen. Immerhin ist es um diese Zeit aber auch nicht so voll - nur ein Drittel der Tische ist belegt.
Hmmm an meinem Platz liegt keine Karte … hoffentlich kommt der Kellner bald - mein Magen meldet sich abermals lautstark - solangsam wird es wirklich Zeit!
Ein älteres Ehepaar am Nachbartisch, daß wohl schon zuende gespeist hat, schaut mich kopfschüttelnd an. Der Herr überfliegt die Rechnung, zückt schließlich seinen prallen Geldbeutel und mit einem Blick zu mir, spricht er den heraneilenden Kellner an:
“Sagen Sie … dürfen hier eigentlich alle herein? Ich dachte, dies wäre ein Restaurant für die gehobenere Gesellschaft!”
Dem jungen Kerl, der mich jetzt erst sieht, ist die Sache sichtlich peinlich und so beginnt er nun etwas verlegen zu stottern:
“Ähem … ist es auch … äh … heute … ist erst mein zweiter Tag hier … äh … wissen Sie … ich … werde mich sofort darum kümmern ...”
Oh je … ich hatte es mir gleich gedacht, ein Frischling - klarer Fall! Man erkennt das alleine durch seinen etwas verlegenen Blick nach links oder rechts … sein nervöses Fußtippen auf dem Boden … Nun gut! Um so leichter werde ich es gleich haben - hehe ...
Die älteren Herrschaften werfen mir noch einen bitterbösen Blick zu, dann verlassen sie das Etablissement.
Der Kellner kommt nun an meinen Tisch, sieht mich von oben bis unten groß an und flüstert dann etwas pikiert:
“Entschuldigung, aber die Mitarbeiter-Kantine ist 2 Etagen höher!”
"Wie bitte? Ich verstehe Sie so schlecht! Reden Sie doch etwas lauter!"
"Ähem... ich habe Sie eben darauf hingewiesen, daß die Mitarbeiter-Kantine 2 Etagen höher ist!"
“Tatsächlich? Sehe ich so aus, als würde ich dort essen wollen?” gebe ich unschuldig zurück.
“Allerdings … genau so sehen Sie aus!”
“Ach?! An meinem Aussehen kann man gerne etwas ändern ...” rufe ich laut und mit theatralischem Gehabe stehe ich auf, und schaue ihn mit dem schönsten Unschuldslächeln an.
Alle Blicke der anwesenden Gäste sind nun auf mich und den jungen Mann gerichtet - sehr gut!
"Sagen Sie Herr Ober, wäre es denn besser, wenn ich diesen Anzug nicht anhätte?" frage ich etwas leiser den jungen Kerl.
"Äh ... naja ... also ..." meint der etwas verlegen.
"Na da kann ich doch weiterhelfen ... hier ist es sowieso viel zu warm!" donnere ich abermals laut los, so daß es alle Anwesenden bequem hören können. Dann beginne ich mit einem vielsagendem Blick, ein klein wenig den Verschluß des Anzugs zu öffnen - begleitet von einem leisen Tuscheln, welches durch den Saal geht ...
“Aber … aber … das geht doch nicht!” meint der Ober empört, und schaut sich dann verlegen um … prima!
Klar geht das ...”
“Hören Sie … das … können Sie doch nicht machen ...”
wispert er und fummelt an seiner Fliege herum, so als würde er plötzlich an Atemnot leiden… herrlich!
“Doch das kann ich sehr wohl ...” wieder öffne ich den Verschluß des Anzugs um ein paar Milimeter gerade soweit, daß man nicht erkennen kann, ob ich nun noch etwas darunter anhabe oder nicht - dabei grinse ich äußerst süffisant.
Ein Raunen geht durchs Publikum ...
Dem jungen Kerl wird das nun zuviel. Verzweifelt stammelt er: “Also … was .... was … wollen Sie denn eigentlich?”
“Was ich will? Ist das nicht offensichtlich? Warum setzt man sich wohl in ein Restaurant - hm?”
“Um … äh … äh ...” Hochrot ist er geworden - sehr gut!
“Na? Was ist? Warum werde ich wohl hiersein?”
“Ich … ich …” Seine Stirn dekoriert sich selbstständig mit hübschen kleinen Schweißperlen - hehe …
“Bitte … hören Sie doch … ich … ich … weiß nicht … was ich sagen soll ...”
Schließlich beende ich das kleine Spielchen gnädig (bevor der Kerl mir noch in Tränen ausbricht) mit den Worten:
“Also mein Lieber … wenn Sie nicht wollen, daß ich vor versammelter Mannschaft hier eine Striptease mache, dann bringen Sie mir jetzt ganz schnell die Karte! Ok?”
“Äh... äh … ja … so … sofort ...”
Erleichtert trollt er sich und kommt mit einer Karte zurück, die er mir mit zitternden Händen überreicht. Und so beginne ich, mir die langersehnte Mahlzeit … zu bestellen, die genauso opulent ausfällt, wie ich es geplant hatte - opulent und vor allem sauteuer! Obwohl das Meiste frühstückstechnisch gesehen eigentlich Standard ist (außer dem Schampus), kenne ich viele Speisen nichtmal, die ich hier für den zweiten Teil - also das Mittagsessen - bestellte, noch konnte ich sie sehr zum Leidwesen des armen Obers richtig aussprechen - zu dumm, daß ich in der Schule auch nie einen Französisch-Kurs belegt hatte. Aber egal - in erster Linie achtete ich bei der Gesamt-Bestellung hauptsächlich darauf, daß der Preis in den etwas höheren Kategorien angesiedelt ist so unter dem Motto: Teuer gleich Gut! Dietmar soll ruhig bluten!
Es wird aufgetragen und ich kann in einer der silbernen Abdeckhauben für das Essen mein Gesicht spiegeln sehen … ähem … naja … ich hätte nicht gedacht, in dieser verdammten Lüftung so schmutzig geworden zu sein … Nun ja … wo gehobelt wird, da fallen eben Späne und die empörten Blicke der Gäste stören mich in keinster Weise! Sollen die ruhig mal die schwer-arbeitende Bevölkerung aus diesem Vergnügungsbunker aus der Nähe sehen - das schadet denen nicht … Mir schmeckt es jedenfalls!
Als es bei mir dann ans Zahlen geht, kommt plötzlich mit dem jungen Kellner noch ein langer Lulatsch daher: An der Kleidung kann ich erkennen, daß dieser wohl in einer etwas höheren Position sein muß:
“Sagen Sie mal … Sie sind doch aus der Technik - oder? Seit wann ist es Ihnen erlaubt, hier im feinsten Restaurant des Zentrums in einem solchen Aufzug zu speisen? Und überhaupt: seit wann verdient man bei Ihnen so gut, daß man sich ein Essen in dieser Preiskategorie leisten kann?”
Der Kerl guckt mich giftig an - und ich widerum werfe einen interessierten Blick auf die Rechnung. Oho! Beinahe 200.- DM - tja, das liegt wohl hauptsächlich an der Flasche Champagner die ich bestellt hatte. Nicht daß ich sie ganz ausgetrunken hätte - die Hälfte der Flasche ist noch voll, da ich eigentlich keinen Alkohol vertrage, aber ich dachte mir, daß der Schampus eigentlich ganz gut zur sonstigen Bestellung passen würde ... Mit einem unschuldigen Augenaufschlag meine ich dann zu dem zornigen Vorgesetzten:
“Ach … feinstes Restaurant? Äh … wissen Sie … ich bin neu hier! Mein erster Tag - sie verstehen? Also ich dachte wirklich, daß dies hier die Kantine wäre!”
“Bitte????? Kantine!!!” donnert der prompt los - wieder sind alle Blicke auf uns gerichtet!
Der Kerl läuft hochrot an und wendet sich wütend an den jungen bedauernswerten Kellner, der mich so nett hatte bedienen müssen:
“Herr Plötsch! Sagen Sie mal ...”
“Herr Gaubritz ich schwöre ihnen - ich hatte es der Dame vorhin schon zweimal gesagt, daß die Kantine 2 Etagen höher ist … aber … da … da … wollte sie … Also .... sie drohte plötzlich damit, sich auszuziehen, wenn ich ihr nicht sofort was zu essen bringe - stellen sie sich das mal vor ...”
“Wie bitte?"
“Ja … mein Gott … vor all’ den Leuten - ja was hätte ich denn machen sollen?”
“Ich mich ausziehen? Aber wo denken sie hin! Warum sollte ich? Ich finde sowieso, daß es hier irgendwie etwas kühl ist ...” kann ich mir nicht verkneifen.
“Sicher wollten sie das! Ich habe es doch genau gesehen! Und gesagt haben Sie daß auch! Herr Gaubritz ich … ich schwöre Ihnen ...”
“Herr Plötsch! Das ist ja wohl ...”
Hmmm ich denke, es wird nun Zeit für einen schnellen und sauberen Abgang:
“Meine Herren! Bitte beruhigen Sie sich doch - hier handelt es sich ja offenbar nur um ein kleines Mißverständnis ...!
"Mißverständnis? Und wer zahlt nun diese Rechnung?" fährt mir der Ober-Kellner dazwischen.
Ich zucke mit den Schultern und meine dann nur gleichgültig: "Wissen Sie was? Schicken Sie die Rechnung doch einfach an Herrn Rheineck - das ist der neue stellvertretende Abteilungsleiter der Zentrums-Technik! Er wird für alle Kosten gerne aufkommen, die ich hier versehentlich verursacht habe!”
“Aber ...” meint der Vorgesetzte - kommt aber nicht weit da ich sofort weiterrede:
“Tja … ich muß jetzt wieder an die Arbeit meine Herren! Sie glauben ja gar nicht, wie dreckig eine Lüftung sein kann! Seien sie nur froh, daß Sie hier so einen angenehmen und sauberen Job haben! Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag - und richten Sie doch bitte einen besonders lieben Gruß an den Küchenchef aus: So gut habe ich lange nicht mehr gefuttert .... ähem .... gespeist ...”
Die beiden sehen sich fassungslos an, während ich mich elegant erhebe und dann hocherhobenen Hauptes aus dem Restaurant spaziere.
Puh! Hoffentlich holen die nicht noch die Security - andererseits, soooo schlimm war es ja auch nicht, was ich da getrieben habe - oder? Evil Dick oder Steve möchte ich jetzt nicht unbedingt schon wieder über den Weg laufen. Andererseits müßte die Security doch eigentlich für … hmmm … schlimmere Fälle zuständig sein, als für ein kleines Zahlungs-Problemchen, daß Dietmar sicher bald erledigen wird ...
Langsam wandle ich an den Schaufenstern, der im Haus integrierten Geschäfte vorbei. Auch hier wieder alles vom Feinsten und vom Teuersten: Schmuck, Klamotten, Merchandising-Artikel einer bestimmten edlen Automarke … Es gibt sogar ein Schreibwaren-Geschäft, welches Füllfederhalter und Schreibtischutensilien anbietet, die vom Design (und vom Preis) jeden Firmen-Manager zur Ehre gereichen würden! Ich frage mich wirklich, wer sich wohl sowas leisten kann?!
Mein Bauch beginnt langsam unangenehm zu rumoren von den vielen Köstlichkeiten, die ich mir einverleibt hatte.
Was jetzt nicht schlecht wäre, wäre vielleicht ein Verdauungsschnapps!
Mal sehen - ah! Ein Bistro! Die könnten sowas haben!
“Tag! Habt Ihr hier was Leckeres zum Verdauen?” frag ich an der Theke die brünette weibliche Bedienung.
“Was zum Verdauen?” meint diese verwirrt.
“Ja … ich habe gerade gebruncht und mein Bauch ist ziemlich voll und stöhnt ...”
“Hm - ich verstehe … tja einen Magenbitter habe ich zwar nicht - aber das da ist auch nicht schlecht ...” Und sofort erhalte ich etwas mit vielen Prozenten …oder wie Tim immer zu sagen pflegt: ‘Etwas mit ein paar Umdrehungen!’
“Hust! Was was ist das denn?”
“Zwetschgen-Geist! Genau richtig für den Magen!” meint die Bedienung grinsend.
“Ach ja? Hmmm … vielleicht sollte ich dann noch einen trinken - der macht einen so schönen warmen Hals … äh … Gaumen ...”
Der zweite Durchgang klappt schon bedeutend besser - ich muß nicht mal husten!
“Noch einen?” fragt die Bedienung zuvorkommend.
“Äh … soll ich? Ich weiß nicht … ich würde schon gerne … ich bin das auch gar nicht gewohnt wissen Sie?!”
“Ach - einer geht sicher noch!” grinst diese und füllt erneut mein Gläschen mit dem leckeren Zeugs “Das ist wie Medizin - wirklich sehr gut für den Magen ...”
“Na denn wenn Sie es sagen! Prost!” meine ich und leere das Glas mit einem Zug. So, jetzt reicht es aber! Mir wird schon etwas komisch zumute ...
“Tja das macht dann 18.60 DM zusammen!” eröffnet mir die Bedienung freudestrahlend.
“Kein Problem! Die Rechnung zahlt dann mein Chef!” grinse ich frech und mache auf dem Absatz kehrt.
“Moment! Und wer bitte ist Ihr Chef?” ruft die Bedienung entsetzt mir nach.
“Herr Rheineck aus der Technik! Tschüühüüüss!”
Solangsam gefällt es mir hier immer besser! Allerdings wird es langsam eigentlich Zeit zurück zu Marc und seiner Lüftung zu gehen - aber richtig Lust habe ich eigentlich nicht. Und um ehrlich zu sein, weiß ich eigentlich auch gar nicht mehr den Weg zurück, geschweige denn den Weg zurück ins Technik-Büro ... Hmmm was mach ich jetzt? Und döselig ist mir auch - ob das an den Schnäppsen liegt? Oder am Schampus? Oder an der Kombination Schampus und Schnäppse? Mist! Eigentlich bin ich sowas ja echt nicht gewohnt - aber andererseits: ich habe doch sooo viel gegessen, da dürfte doch das bißchen Alkohol nicht ins Gewicht fallen! Und die Bedienung meinte ja auch, daß die Schnäppse Medizin seien und ... naja ... nu' isses zu spät!
Ach, wenn die Beleuchtung hier nur nicht so grell wäre! Irgendwie ist mir das vorhin gar nicht so aufgefallen - ich muß unbedingt mit Dietmar sprechen und ihm sagen, daß man das Licht dimmen soll! Es tut einem ja direkt schon in den Augen weh! Und der Boden unter meinen Füßen fühlt sich irgendwie so unsicher an ... kann es sein daß er vibriert? Vielleicht liegt das an den Rolltreppen davorne! Vielleicht sind die falsch eingestellt! Merkwürdig ist nur, daß es den anderen Gästen wohl gar nix ausmacht - seltsam ...
'Herzlichen Glückwunsch! Sie haben soeben die Toiletten gefunden!' steht da plötzlich ein Schild vor mir das auf einen Seitengang zeigt. Hmmmmm ... Toiletten ... die hab' ich zwar nicht gesucht - aber wenn man schon mal da ist ...
Bis auf das übliche Chaos, was man öfters in manchen Kabinen der Damentoiletten so vorfindet (Wie bringen meine Geschlechtsgenossinnen das eigentlich immer fertig?), ist eigentlich alles recht ordentlich und modern eingerichtet. Und endlich habe ich nun auch die Gelegenheit den verdammten Putz-Anzug loszuwerden! Mann, bin ich vielleicht ins Schwitzen gekommen, denn darunter habe ich noch meine normalen Klamotten an: T-Schirt und Jeans! Was mache ich jetzt nur mit dem abgelegtem Kleidungsteil - hmmmm ... ach am besten hänge ich es einfach über die Tür der Kabine, die so chaotisch aussieht - ein deutliches Zeichen für den Service hier für Ordnung zu sorgen - hihi!
Soooo - noch ein prüfender Blick in den Spiegel - Himmel! Seh ich vielleicht aus! Das Spiegelbild auf den silbernen Abdeckhauben im Restaurant war ja schon schlimm - aber hier bei der hellen Beleuchtung (die ebenfalls viiiiiel zu grell ist) sehe ich erst, wie schlimm ich wirklich aussehe! Diese blöde Lüftung hat mich vielleicht schmutzig gemacht. Das restliche Bißchen Seife das hier noch erhältlich ist, reicht gerade mal für die Hände. Mist! Man sollte hier dringend Seife nachfüllen ...
Ach, dann bleib ich halt schwarz im Gesicht! Aber eine Nachricht über den Seife-Notstand sollte man dem Service-Team schon übermitteln. Da liegt ein vergessener Lippenstift herum - Prima!
Mit großen Buchstaben schreibe ich damit auf die zahlreichen Spiegel:
'Die Seife ist aus !!!'
So! Wenn das nächste Mal jemand hier hereinkommt, weiß er ja was er zu tun hat!
Zufrieden mit meiner Arbeit verlasse ich die Toilette. Vielleicht sollte ich mich als, äh ... Controller anstellen lassen! Nicht für die Toiletten - eher für andere Bereiche! Mir fallen nämlich meistens die Dinge auf, die anderen nicht auffallen! Alleine auf dem Weg hierher habe ich nebst der viel zu hellen Beleuchtung und des vibrierenden Bodens auch zahlreiche kaputte Glühbirnen gesehen! Einige Pflanzen lechzen dringend nach Wasser und dann noch diese unmöglich zu verstehende Wegbeschreibungen! Ein wahrer Skandal!
Wie spät ist es eigentlich? Oh Himmel - meine Mittags- äh Klopause hat sich aber doch verdammt in die Länge gestreckt: Es ist jetzt 12.30 Uhr! Fast eineinhalb Stunden bin ich schon unterwegs. Ob Marc mit der Lüftung inzwischen fertig geworden ist? Ob Dietmar aus seiner Besprechung wohl schon zurück ist und mich nun wutentbrannt sucht? Naja, wenn ich dem jetzt oder einen von seinen Leuten über den Weg laufe, kann ich zumindest sagen, daß ich mich verlaufen habe und nicht mehr zurückfinde - da kann mir dann keiner einen Strick draus drehen! Und außerdem wäre es nicht mal eine Ausrede - ich weiß nämlich wirklich nicht mehr wo ich bin ...
Was ist denn das dahinten? Ein Gewächshaus? Das muß ich mir näher ansehen!
Tatsächlich! Irgendeinem Architekten ist es wohl eingefallen, hier eine Art gigantischen Wintergarten anzubauen. Mit riesigen und hohen Glas-Wänden. Eine tolle Konstruktion, die einen halben Urwald beheimatet! Das beste aber daran ist, daß dies wohl so eine Art Ruhezone darstellen soll - zwischen den Pflanzen hat man überall Bänke, Stühle - ja sogar Liegen aufgestellt! In diesem Urwald scheinen außer mir nur 2 weitere Gäste sich aufzuhalten und hinten im Eck kann ich eine Liege ausmachen, die erstens nicht besetzt ist und zweitens verdammt gemütlich aussieht.
Nur 5 Minuten hinlegen! Das wäre jetzt wirklich nicht schlecht! Genüßlich lasse ich mich auf dem freien Platz nieder. Die ganze Aufregung heute morgen, die anstrengende Arbeit in der Lüftung und nun noch das opulente Mal samt Schnäppse (deren hochprozentige Anteile mir immer mehr zu Kopf steigen) haben dafür gesorgt, daß ich … äh … wirklich etwas müde werde … Nur kurz hinlegen, dann mach ich mich ... Gähn! ... wieder auf die Suche nach Marc oder dem Technik-Büro ...
Oh ist das herrlich! Und sooo gemütlich!!! Gähn! Nur 2 Minuten die Augen schließen und entspannen, dann … werde ich … Gähn! … sicher ganz … schnell … wieder … fit … sein ...
Sooo that`s all folks! Wem das nun zuviel war um es hier online zu lesen, der möge es sich ausdrucken - Ihr werdet Euch schon zu helfen wissen :-)
Weiter mit der Stairway geht's dann am nächsten Mittwoch - da wird uns Dieb wieder mit einer Folge beglücken! Bis dahin wünsche ich Euch einen guten Start in die Woche! Macht's gut und viele Grüße
Eure
Twisi
Alle alten Folgen der Sommer-Edition (IE-optimiert):
http://www.seriousandfun.de/html/heaven/Coverklein.gif
http://www.seriousandfun.de/html/heaven/Indexheaven.htm
http://www.seriousandfun.de/bilder/Serious2.gif
http://www.seriousandfun.de
Nachdem ich gestern einen herrlichen Tag im PL erleben durfte, bin ich heute eigentlich auch ganz gut drauf :-) Und wenn ich Glück habe, soll es Euch auch so gehen. Deshalb gibt es heute eine fette Doppel-Folge Stairway aus der Sicht von Lizzy geschrieben. Viel Spaß!
Folge 3 Die Chaoten Abteilung
„Aber so etwas habe ich doch auch noch nie gemacht! Ich weiß doch gar nicht was ich da machen muß. Und überhaupt möchte ich viel lieber in der Verwaltung arbeiten, oder bei meiner Freundin in der Agentur, oder im Park bei der Technik! Und sowieso bin ich Grafikerin und keine Hilfsarbeiterin und es gefällt mir hier überhaupt nicht und ihr seit Alle so gemein zu mir und und und...“
Rumms! Gerade ist man so richtig in Fahrt, da wird man auch schon unterbrochen! Mit einer ruckartigen Bewegung wird die Tür zum Büro aufgestoßen und eine aufgeregt durcheinanderplappernde Menge von seltsamer Gestalten strömt halb ins Büro herein. Zu Tode erschrocken fahre ich herum:
“Waaahhh.... Marsmenschen!”
In der Tat - so sehen sie aus mit ihren Schutzkleidungen und Atemmasken … zumindest 2 davon, die in der vordersten Front stehen! Diese beiden erheben auch sofort das Wort:
“Ach Dietmar … wieso müssen wir uns eigentlich um Lüftungen kümmern? Kann das nicht jemand anderes machen? Wir sind … äh unter- … äh … überqualifiziert für sowas!”
Diese Stimme kenne ich doch! Klar, der Vermummte da - das ist Dennis von den Parktechnikern …
“Genau! Überqualifiziert - und außerdem ist es dringend Zeit für eine Frühstückspause!”
Und das müßte Tim sein Kollege sein! Was machen die hier? Sollte Evil Dick doch recht gehabt haben mit seiner Versprechung, daß hier doch mehr Leute arbeiten, die ich kenne?
“Frühstückspause? Da bin ich auch dafür! Morgen Chef!”
Mit diesen Worten drück sich einziemlich stämmiger Typ an den beiden vorbei und läuft zielstrebig zu einem Schreibtisch hinter mir, öffnet eine Schublade und holt daraus eine Riesen Tüte mit den unterschiedlichsten Fressalien hervor. Dann fällt sein Blick auf mich: "Huch! Eine Frau bei uns? Hehe ... morgen Blondie!"
"Ich heiße nicht Blondie!" meine ich sauer.
"Pffff - jetzt schon! Du darfst mich übrigens James nennen!" grinst er frech und macht sich über seine Fressalien her.
Ich schüttle nur verärgert den Kopf - was fällt dem eigentlich ein? Ich hasse es, wenn man mich auf meine Haarfarbe reduziert!
Dietmar währendessen nimmt sich Tim und Dennis zur Brust: “Was heißt hier, ihr seid zu überqualifiziert, eine Lüftung sauberzumachen? Ihr macht euch jetzt sofort ...” weiter kommt er nicht denn von hinten mischt sich noch jemand Bekanntes ein:
“Bin ich hier richtig? Steve sagte mir, daß ich mich hier melden soll ...”
Marc kommt mit einem hageren Typ herein, der mich vom Aussehen her direkt an einen Kerl erinnert, den ich neulich mal in einer Werbesendung gesehen hatte.
“Ja Marc hier bist du richtig … äh ...” meint Dietmar und blickt dann den Hageren fragend an. Der grinst nur und meint:
“Morgen Chef! Wollte nur sagen, daß die Anlage im Konferenzraum 3 aufgebaut ist - wenn es sonst nix mehr zu tun gibt, verschwinde ich jetzt in die Pau … oh … hallo … ja wen haben wir denn da? Eine neue Mitarbeiterin?”
“Pah! Von wegen! In diesem Irrenhaus bleibe ich keine Minute länger!” entfährt es mir.
“Warum? Wieso Irrenhaus? Was oder wer soll hier irr sein? Ich bin übrigens Ingo!”
“Hehe … das ist Super-Ingo! Der Beste, der Besten, der Allerbesten!” meint James hinter mir und grinst mich erwartungsvoll an, als ich mich zu ihm umdrehe. Als er merkt, daß ich seinen letzten Kommentar nicht komisch finde, beißt er wieder in einen Hamburger und blättert in einem der Männermagazine, die auf seinem Schreibtisch herumliegen.
“Ja ja … mach Du Dich nur lustig James … Jedenfalls bin ich hier Techniker ...” meint Ingo weiter.
“Ach was - ehrlich Ingo? Hehe … wer hätte das gedacht … Ein Techniker ... soso ... und das an diesem Ort ... äußerst ungewöhnlich ...” kommt es wieder von hinten.
Ingo fährt seinen Kollegen wütend an: “Dürfte ich mal ausreden?”
“Klar - mach' halt weiter … mampf ...”
Ingo schüttelt den Kopf, dann fährt er wieder etwas freundlicher an mich gewandt fort: “Ja also … äh … also ich bin Techniker und mein Spezialgebiet ist Ton- und Konferenztechnik - vereinfacht ausgedrückt!” Dann sieht er mich erwartungsvoll an.
“Na und? Ich bin Lizzy - und ich bin Grafikerin! Und meine Spezialgebiete sind Internet und Werbemittel - und ich hau jetzt ab … einen schönen Tag noch ihr Chaoten ....” gebe ich schnippisch zurück und will aufstehen gerade aufstehen, da drückt mich Dietmar an der Schulter wieder in den Bürosessel und droht:
“Lizzy! Du bleibst jetzt hier sitzen oder ich binde dich fest!”
“Brauchst du Panzertape Chef ? Oder ein paar Kabelbinder? Damit kann man jeden prima an einen Bürostuhl fesseln - stimmts Ingo?! Hehe!” höre ich von hinten, wo James immer noch mit seinen Fressalien und Männermagazinen beschäftigt ist:
“Miss November! Wow! Hat die große ...” dann mit einem Blick zu mir: “Äh … hehe … Augen … hehe ...”
“Kabelbinder? Panzertape?” fragt Marc verwirrt ...
Ingo stemmt die Arme in die Seiten und protestiert: “Ja - damit haben mich James und ein paar Kollegen mal an diesen Stuhl gefesselt!” dabei zeigt er genau auf den Sessel in dem ich sitze.
“Was? Ich muß weg! Dietmar! Laß mich los! Ich bleibe keine Minute länger hier!” rufe ich entsetzt.
James lacht nur: “Hehe … das war ein Spaß!”
“Pah! Wenn ihr das noch einmal mit mir macht ...” giftet Ingo sauer.
"Wenn du neulich nicht so frech gewesen wärst, hätten wir das auch nicht mit dir gemacht … hehe … hmmm mampf … selber schuld! Aber was wir mit dir machen konnten, können wir doch auch mit Blondie anstellen! Hehe … wäre doch lustig … und dann könnten wir noch ...”
“Dietmar! Du kannst dich auf den Kopf stellen und ‘La Paloma’ singen - aber ich bleibe auf keinen Fall hier! Die haben hier doch alle einen an der Waffel!” fahre ich erbost dazwischen.
“Ist ja gut Blon … äh Lizzy! Die machen doch nur Spaß - beruhige dich ...” versucht Dietmar mich zu beschwichtigen ...
“Waffel? Hat sie gerade Waffel gesagt? Ich liebe Waffeln! Hmmm ja … das wäre jetzt genau der richtige Nachtisch … naja … zur Not tut’s auch ein Donut … mampf!”
“Pah! Der denkt wohl nur ans Essen, was?” frage ich verärgert über den neuerlichen Zwischenruf “Der ist ja schlimmer noch als Evil Dick!”
“Ich bin nicht dick! Ich bin höchstens ein wenig vollschlank!” kommt von hinten prompt der Protest!
“Doch, bist du wohl! Und ja Lizzy … der denkt wirklich nur ans Essen!” mischt sich Ingo wieder ein …
“Mein Gott! Na und? Mir schmeckt es halt!”
“Ja - das sehe ich auch! Und wißt Ihr auch an was das liegt?! Das ist bestimmt wegen der Duftis!” rufe ich laut und mit angewidertem Gesichtsausdruck.
“Hä? Was soll das denn sein?” fragen Ingo, Marc, Tim, Dennis und James im Chor
“Ach nun tut nicht so als würdet ihr das nicht wissen! Ich weiß genau was hier gespielt wird!”
“Was denn? James verstehst du das?”
“Ach Ingo … Blondie meint bestimmt die Stinkys - die Rockgruppe, die sich bei uns im Heizungskeller einquartieren will ...”
“Moment mal! Was wollen die? Chef! Das geht doch nicht ...” entsetzt sich Ingo und blickt Dietmar fragend an - bevor der aber antworten kann, fahre ich erneut ungeduldig dazwischen:
“Ich meine nicht irgendwelche Rockstars in irgendwelchen Kellern - ich meine eure dämlichen Duftsäulen! Heinz vom Park drüben hat mir genau alles darüber erzählt! Ihr nebelt hier jeden mit diesem Geruch ein, dann bekommt man Hunger und dann sieht man bald so aus wie der da!” damit zeige ich wütend auf James “Und das mache ich bestimmt nicht mit!”
“Duftsäulen? Die sind wegen der Frischluft da … wegen … der Raumbeduftung - damit es hier nicht so mieft und man sich wohlfühlt … Aber seit wann machen die denn Appetit?” Ingo kann es nicht fassen und stellt ein äußerst intelligentes Gesicht zur Schau.
Mir platzt nun endgültig der Kragen! Können oder wollen die mich hier nicht verstehen? Und da Dietmar mich inzwischen nicht mehr festhält, stehe ich nun doch auf, erhebe eine Faust Richtung Himmel und schreie laut durch den Raum:
“Schon immer machen diese blöden Dinger Appetit! Seit es dieses dumme Zentrum mit seinen 120 Restaurants gibt - ja was glaubt ihr denn?! Und was glaubt ihr wohl, warum hier alle essen wollen? Hä? Eine Riesen-Schweinerei ist sowas! Ich sag es ja … das ist die reinste Mani … Manipu-Dings da! Und daher rufe ich laut: Nieder mit den Duftsäu ..." - Patsch! - "hmmmpppffffff mmppfffffff!!!”
Weiter komme ich nicht, weil Dietmar mir von hinten eines von Dick’s dagelassenen Pflaster auf den Mund patscht! Als ich danach greifen will, packt er meine Hände und hält diese fest:
"Danke Lizzy - das genügt!"
"Hmmppfff mmmmmhhhhh!!!"
“Och Mönsch … gerade wird es doch interessant? Chef - warum hast du das getan?” meint Ingo enttäuscht.
“Weil Lizzy eine unglaubliche Phantasie hat - das müßt ihr euch jetzt wirklich nicht anhören ...”
"Hmmpppffmmmmhhh!!!!"
“Nene … die hat ein unglaubliches Mundwerk, die Lizzy - stimmts Dennis?” meint Tim und sein Kumpel nickt prompt mit dem Kopf: “Jepps! Hat sie! Aber laß sie doch Dietmar … ich finde, so sparen wir uns ein Radio! Nur finde ich, Lizzy, du solltest vielleicht noch was singen oder so … hehe ...”
“Mmmppfffff ....mmmppfff!!!” Diese verdammten Kerle! Na wartet … ich versuche mich von Dietmar loszureißen - aber es will nicht hinhauen - wie zwei Schraubstöcke hält er verbissen meine Hände fest:
“Ruhig Lizzy - nicht aufregen …Tim, Dennis - ihr beide geht jetzt wieder an eure Arbeit - und ich will jetzt keine Diskussion über irgendwelche Qualifikationen von euch haben!”
Murrend trollen sich die beiden, dann höre ich von hinten wieder James laut nachdenken:
“120 Restaurants? Donnerwetter! Die müssen sich wohl vermehrt haben - gestern hatten wir nämlich nur 19 ... Mampf … hmmm … also wegen der Duftsäulen habe ich immer so Hunger … interessant … ”
“Den hast du doch so oder so James!” lacht Ingo “Aber mal ehrlich: ich finde auch das es hier im Gebäude manchmal trotzdem komisch riecht … ich hatte neulich schon mal eine Beschwerde deshalb bekommen!”
“Mmmmpffff mmmmmhhhhhh!” heftig nicke ich mit dem Kopf …
“Pah! Wenn du öfter als 2 x im Monat deine Socken wechseln würdest, hätten wir hier keine Geruchs-Probleme Ingo!”
“Zweimal ist völlig ausreichend ...” protestiert Ingo und Marc, der sich inzwischen auf einen weiteren freien Bürosessel gesetzt hat, verzieht angewidert das Gesicht: “Iiiihhhh … also wirklich ...”
"Und waschen solltest Du deine Quanten auch öfters als einmal im Jahr - Ingo!"
"James - du bist ein altes Lästermaul - ich wasche meine Füße wöchentlich - so!"
“Ingo sag mal … wolltest du nicht Pause machen?” beendet Dietmar schnell jede weitere aufkeimende Diskussion über Fuß- oder sonstige Hygiene.
“Öööhhh ja … ja … genau … wollte ich … James? Was ist mit dir? Das bißchen Freßchen da reicht dir doch eh nicht bis zum Mittagessen - kommst du mit?”
“Hmm … naja … in meinem Magen hätte ich noch Platz für ein Verdauungsschnäppschen … ok …”
Die beiden ziehen ab und lassen mich mit Dietmar und Marc alleine in diesem komischen … äh … Büro zurück ...
“Puh! Also schön! Endlich wieder Ruhe hier! Also Lizzy, daß das jetzt ein für allemal klar ist: Du bleibst hier und damit basta! Und ich will nie wieder so einen Unsinn wegen der Duftis … äh Duftsäulen hören! Schon gar nicht, wenn Kollegen, Gäste oder sonstige Dritte sich in der Nähe aufhalten - mal ganz abgesehen davon, daß du dich mit so einer Story ganz schön lächerlich machst … ist das jetzt klar?!!!” giftet Dietmar, der mich immer noch festhält.
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Folge 4: Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen!
"... Und ich will nie wieder so einen Unsinn wegen der Duftis … äh Duftsäulen hören! Schon gar nicht, wenn Kollegen, Gäste oder sonstige Dritte sich in der Nähe aufhalten - mal ganz abgesehen davon, daß du dich mit so einer Story ganz schön lächerlich machst … ist das jetzt klar?!!!"
“Hmmmpfffffff .... mmmmmhhh”
“Wie? Ach so ...” Ratsch!
“Aua!!!”
“Nun?”
“Na gut … aber ich weiß, daß ich recht hatte! Da kannst du mir sagen was du willst! Und ich hasse dich dafür, daß du mich zwingen willst hierzubleiben!!!”
“Meinetwegen … dann haßt du mich halt ...” Dietmar zuckt mit den Schultern und wendet sich Marc zu:
“Tja Marc - wie ich gehört habe, willst du für uns auch in der Winterzeit arbeiten! Leider haben wir zur Zeit keine Verwendung für dich im Park - aber hier im Zentrum gibt es Arbeit genug! Also - wie sieht es aus? Hast du Interesse, hier mit anzupacken?”
“Toll! Großartig! Marc wird wenigstens gefragt!” maule ich, verstumme aber sofort, als Dietmar mir einen äußerst giftigen Blick zuwirft …
“Tja … ich glaube, mir würde das hier schon gefallen - aber … bin ich denn dafür überhaupt … äh … qualifiziert?” fragt Marc etwas unsicher.
“Ich denke ja … sonst hätte ich dich auch nicht hierher holen lassen, Marc!” erwiedert Dietmar lächelnd und fährt schnell fort bevor Marc weitere Zweifel und mir weitere Einwände einfallen:
“Tja … ihr beiden, nachdem das nun geklärt ist, schlage ich vor, daß ihr euch gleich mal nützlich macht!”
Und ehe wir es uns versehen, stecken Marc und ich erstens in solch seltsamen Schutzanzügen samt Atemmasken, wie sie Tim und Dennis vorher anhatten - und zweitens bis über beide Ohren in einer Lüftung, die unbedingt gereinigt werden muß! Alles ist voller Staub samt toter Fliegen …
Widerliche verdammte Drecksarbeit!
“Lüftung reinigen - pah! Das sieht Dietmar mal wieder ähnlich! Ich bin verdammt noch mal Grafikerin oder wenigstens Dekorateurin und keine Putzfrau!!!” protestiere ich lautstark.
“Ach Lizzy - nun jammer doch nicht! Laß uns lieber so schnell wie möglich diese unangenehme Arbeit hinter uns bringen ...” ächzt Marc.
“Pah! Und wo sind Tim und Dennis? Die sollten das hier doch fertig machen!”
“Die sind von Dietmar vielleicht noch woanders hingeschickt worden ....”
“Unsinn! Weg sind sie!!! Haben sich erfolgreich gedrückt! So ist das nämlich! Und wir sind nun die Dummen! Genau! Und Dietmar ist in diese ach so wichtige Besprechung verschwunden - glaub' mir, ich kenne das - der ist frühestens in 2 Stunden wieder da und wir dürfen uns jetzt alleine mit diesem Mist abrackern!”
"Jetzt sei doch nicht so sauer Liz! Mensch, sei doch froh, daß wir wieder ein Team sind! Ich ... ich hab' mich richtig gefreut, als ich dich vorhin im Büro sah! Als Steve vorhin mich hier herüberschickte, dachte ich ich wäre der Einzige der hierher versetzt wurde ... Ehrlich, ich bin echt froh, daß Du auch da bist und wir so wie im Sommer wieder zusammenarbeiten können!"
"Marc, dagegen habe ich doch eigentlich auch nix - aber die Art und Weise wie man mich hierhergebracht hatte, das war echt das Letzte! Und jetzt noch diese Drecks-Arbeit hier! Dietmar weiß genau, wie sehr ich Putz-Arbeiten hasse!"
Nach weiteren 30 Minuten reicht es mir - von Tim und Dennis weiterhin keine Spur. Und von Marc habe ich leider keine Hilfe für eine kleine Revolte bzw. einen kleinen Streik zu erwarten. Strebsam wie er nun mal ist, arbeitet er ohne murren unverdrossen weiter. Aber nicht mit mir - meine Herren! So haben wir nicht gewettet!
“Äh … Marc … du … ich geh mal kurz auf’s Klo ...”
“Hmmm … jaja ...”
Nix wie raus hier! Ärgerlich pfeffere ich die Atem-Maske in die nächste Ecke und mache mich auf in Richtung Fahrstühle.
Eine Sauwut habe ich auf Dietmar! Ich hab es mir doch gleich gedacht, daß ich mich hier halb tot arbeiten darf - und dann auch noch putzen! Ich hasse sowas! Ehrlich! Und dafür soll ich dankbar sein? Gut, da der Job bei meiner Freundin geplatzt ist und da die Parkverwaltung auch niemand im Winter brauchen kann - stecke ich tatsächlich in der Klemme. Und eigentlich müßte ich tatsächlich für alles dankbar sein, was man mir anbietet - naja fast alles! Aber das hier geht mir echt zuweit! Und dann noch der Kommentar von Dietmar, daß die Technik für all das zuständig sein soll, was sonst keiner gerne macht ... Großartig! Wirklich! Das sind ja schöne Aussichten!
Ooahh, und der Magen knurrt mir vielleicht! Ich muß jetzt was essen - sonst haut es mich glatt um! Wenn ich hier schon arbeiten muß wie ein Ochse, dann will ich wenigstens nicht dabei verhungern!
Hmmm - mal sehen, ich weiß, daß es hier 19 unterschiedliche Restaurants, Bars und Bistros gibt … und ich weiß außerdem, daß Angestellte hier angeblich hier verbilligte Preise erhalten - also so eine Art Mitarbeiter-Rabatt … oder gilt diese Regelung nur für Abteilungsleiter und deren Stellvertreter?
Na schön Dietmar, hehe ... ich verleibe mir jetzt auf deine Kosten, daß größte und opulenteste Frühstück aller Zeiten ein! Oder besser gesagt: Brunch! Genau! Den größten und opulentesten Brunch, den die Welt je gesehen hat! Nachdem es jetzt schon nach 11.00 Uhr ist, werfe ich Frühstück und Mittagessen doch gleich zusammen! Ha!!!
Ich fahre zwei, drei Etagen tiefer auf das sogenannte ‘Promenaden-Deck’. Naja, eigentlich heißt dieser Bereich ja anders - aber Heinz hat es einmal so getauft und ich finde, daß der Name viel besser dazu paßt! Hier läuft ein arrogantes Volk spazieren: Neureiche, Geschäftsleute, Frauen in teuren Kostümen, die ihren Schmuck spazierentragen und das Geld ihrer stinkreichen Männer oder Liebhaber auf den Kopf hauen, sowie sonstige Möchtegern-Wichtige, die man auf den ersten Blick nicht recht einordnen kann …
Vermutlich miefen die Duftis auf vollen Touren vor sich hin! Mein Hunger wird immer stärker und es riecht hier wirklich seltsam. Tja … ich hatte vorhin nicht übertrieben! Im Park haben wir diese Dinger ja auch - und zwar in 'Fantasia', unserer noch nicht ganz fertigen neuen Attraktion. Allerdings verströmen die dort nur so einen Duft der an Dschungel oder so erinnert - und der meines Wissens nach auch nicht hungrig macht. Aber laut Heinz, gibt es für die Duftis eine unglaubliche Vielfalt an Düften! Und manche von denen, sind tatsächlich appetitanregend … und diese wiederum werden eben gerne im Hotel- und Gaststätten-Gewerbe benutzt - laut Heinz - ein Schelm ist, wer böses dabei denkt …
Hmmmm … was sehe ich denn da? Ein hübsches Restaurant - mit einer tollen Auswahl verschiedenster und feinster Speisen … Oho! Aber bestimmt zu gesalzenen Preisen! Was solls - soll Dietmar doch dafür blechen!
Schnell setze ich mich an einen freien Tisch. Seltsam - warum schauen die anderen Gäste mich hier so komisch an? So … als würde ich vom Mars kommen! Oh nein! Ich habe ja immer noch diesen Reinigungs-Schutzanzug an! Kein Wunder! Ich hätte ihn wohl besser ausziehen sollen zumal ich in diesem Ding furchtbar schwitze. Hinzu kommt noch, daß er auch nicht mehr ganz so sauber ist! Ach was solls! Dann sieht man wenigstens, daß ich hier arbeite!
Ein junger etwas kurzgeratene Kellner, der auf mich einen leicht unsicheren Eindruck macht, ist fleißig am Bedienen und Kassieren. Offenbar scheint er die einzige Bedienung weit und breit zu sein - zumindest kann ich außer ihm keine andere sehen. Immerhin ist es um diese Zeit aber auch nicht so voll - nur ein Drittel der Tische ist belegt.
Hmmm an meinem Platz liegt keine Karte … hoffentlich kommt der Kellner bald - mein Magen meldet sich abermals lautstark - solangsam wird es wirklich Zeit!
Ein älteres Ehepaar am Nachbartisch, daß wohl schon zuende gespeist hat, schaut mich kopfschüttelnd an. Der Herr überfliegt die Rechnung, zückt schließlich seinen prallen Geldbeutel und mit einem Blick zu mir, spricht er den heraneilenden Kellner an:
“Sagen Sie … dürfen hier eigentlich alle herein? Ich dachte, dies wäre ein Restaurant für die gehobenere Gesellschaft!”
Dem jungen Kerl, der mich jetzt erst sieht, ist die Sache sichtlich peinlich und so beginnt er nun etwas verlegen zu stottern:
“Ähem … ist es auch … äh … heute … ist erst mein zweiter Tag hier … äh … wissen Sie … ich … werde mich sofort darum kümmern ...”
Oh je … ich hatte es mir gleich gedacht, ein Frischling - klarer Fall! Man erkennt das alleine durch seinen etwas verlegenen Blick nach links oder rechts … sein nervöses Fußtippen auf dem Boden … Nun gut! Um so leichter werde ich es gleich haben - hehe ...
Die älteren Herrschaften werfen mir noch einen bitterbösen Blick zu, dann verlassen sie das Etablissement.
Der Kellner kommt nun an meinen Tisch, sieht mich von oben bis unten groß an und flüstert dann etwas pikiert:
“Entschuldigung, aber die Mitarbeiter-Kantine ist 2 Etagen höher!”
"Wie bitte? Ich verstehe Sie so schlecht! Reden Sie doch etwas lauter!"
"Ähem... ich habe Sie eben darauf hingewiesen, daß die Mitarbeiter-Kantine 2 Etagen höher ist!"
“Tatsächlich? Sehe ich so aus, als würde ich dort essen wollen?” gebe ich unschuldig zurück.
“Allerdings … genau so sehen Sie aus!”
“Ach?! An meinem Aussehen kann man gerne etwas ändern ...” rufe ich laut und mit theatralischem Gehabe stehe ich auf, und schaue ihn mit dem schönsten Unschuldslächeln an.
Alle Blicke der anwesenden Gäste sind nun auf mich und den jungen Mann gerichtet - sehr gut!
"Sagen Sie Herr Ober, wäre es denn besser, wenn ich diesen Anzug nicht anhätte?" frage ich etwas leiser den jungen Kerl.
"Äh ... naja ... also ..." meint der etwas verlegen.
"Na da kann ich doch weiterhelfen ... hier ist es sowieso viel zu warm!" donnere ich abermals laut los, so daß es alle Anwesenden bequem hören können. Dann beginne ich mit einem vielsagendem Blick, ein klein wenig den Verschluß des Anzugs zu öffnen - begleitet von einem leisen Tuscheln, welches durch den Saal geht ...
“Aber … aber … das geht doch nicht!” meint der Ober empört, und schaut sich dann verlegen um … prima!
Klar geht das ...”
“Hören Sie … das … können Sie doch nicht machen ...”
wispert er und fummelt an seiner Fliege herum, so als würde er plötzlich an Atemnot leiden… herrlich!
“Doch das kann ich sehr wohl ...” wieder öffne ich den Verschluß des Anzugs um ein paar Milimeter gerade soweit, daß man nicht erkennen kann, ob ich nun noch etwas darunter anhabe oder nicht - dabei grinse ich äußerst süffisant.
Ein Raunen geht durchs Publikum ...
Dem jungen Kerl wird das nun zuviel. Verzweifelt stammelt er: “Also … was .... was … wollen Sie denn eigentlich?”
“Was ich will? Ist das nicht offensichtlich? Warum setzt man sich wohl in ein Restaurant - hm?”
“Um … äh … äh ...” Hochrot ist er geworden - sehr gut!
“Na? Was ist? Warum werde ich wohl hiersein?”
“Ich … ich …” Seine Stirn dekoriert sich selbstständig mit hübschen kleinen Schweißperlen - hehe …
“Bitte … hören Sie doch … ich … ich … weiß nicht … was ich sagen soll ...”
Schließlich beende ich das kleine Spielchen gnädig (bevor der Kerl mir noch in Tränen ausbricht) mit den Worten:
“Also mein Lieber … wenn Sie nicht wollen, daß ich vor versammelter Mannschaft hier eine Striptease mache, dann bringen Sie mir jetzt ganz schnell die Karte! Ok?”
“Äh... äh … ja … so … sofort ...”
Erleichtert trollt er sich und kommt mit einer Karte zurück, die er mir mit zitternden Händen überreicht. Und so beginne ich, mir die langersehnte Mahlzeit … zu bestellen, die genauso opulent ausfällt, wie ich es geplant hatte - opulent und vor allem sauteuer! Obwohl das Meiste frühstückstechnisch gesehen eigentlich Standard ist (außer dem Schampus), kenne ich viele Speisen nichtmal, die ich hier für den zweiten Teil - also das Mittagsessen - bestellte, noch konnte ich sie sehr zum Leidwesen des armen Obers richtig aussprechen - zu dumm, daß ich in der Schule auch nie einen Französisch-Kurs belegt hatte. Aber egal - in erster Linie achtete ich bei der Gesamt-Bestellung hauptsächlich darauf, daß der Preis in den etwas höheren Kategorien angesiedelt ist so unter dem Motto: Teuer gleich Gut! Dietmar soll ruhig bluten!
Es wird aufgetragen und ich kann in einer der silbernen Abdeckhauben für das Essen mein Gesicht spiegeln sehen … ähem … naja … ich hätte nicht gedacht, in dieser verdammten Lüftung so schmutzig geworden zu sein … Nun ja … wo gehobelt wird, da fallen eben Späne und die empörten Blicke der Gäste stören mich in keinster Weise! Sollen die ruhig mal die schwer-arbeitende Bevölkerung aus diesem Vergnügungsbunker aus der Nähe sehen - das schadet denen nicht … Mir schmeckt es jedenfalls!
Als es bei mir dann ans Zahlen geht, kommt plötzlich mit dem jungen Kellner noch ein langer Lulatsch daher: An der Kleidung kann ich erkennen, daß dieser wohl in einer etwas höheren Position sein muß:
“Sagen Sie mal … Sie sind doch aus der Technik - oder? Seit wann ist es Ihnen erlaubt, hier im feinsten Restaurant des Zentrums in einem solchen Aufzug zu speisen? Und überhaupt: seit wann verdient man bei Ihnen so gut, daß man sich ein Essen in dieser Preiskategorie leisten kann?”
Der Kerl guckt mich giftig an - und ich widerum werfe einen interessierten Blick auf die Rechnung. Oho! Beinahe 200.- DM - tja, das liegt wohl hauptsächlich an der Flasche Champagner die ich bestellt hatte. Nicht daß ich sie ganz ausgetrunken hätte - die Hälfte der Flasche ist noch voll, da ich eigentlich keinen Alkohol vertrage, aber ich dachte mir, daß der Schampus eigentlich ganz gut zur sonstigen Bestellung passen würde ... Mit einem unschuldigen Augenaufschlag meine ich dann zu dem zornigen Vorgesetzten:
“Ach … feinstes Restaurant? Äh … wissen Sie … ich bin neu hier! Mein erster Tag - sie verstehen? Also ich dachte wirklich, daß dies hier die Kantine wäre!”
“Bitte????? Kantine!!!” donnert der prompt los - wieder sind alle Blicke auf uns gerichtet!
Der Kerl läuft hochrot an und wendet sich wütend an den jungen bedauernswerten Kellner, der mich so nett hatte bedienen müssen:
“Herr Plötsch! Sagen Sie mal ...”
“Herr Gaubritz ich schwöre ihnen - ich hatte es der Dame vorhin schon zweimal gesagt, daß die Kantine 2 Etagen höher ist … aber … da … da … wollte sie … Also .... sie drohte plötzlich damit, sich auszuziehen, wenn ich ihr nicht sofort was zu essen bringe - stellen sie sich das mal vor ...”
“Wie bitte?"
“Ja … mein Gott … vor all’ den Leuten - ja was hätte ich denn machen sollen?”
“Ich mich ausziehen? Aber wo denken sie hin! Warum sollte ich? Ich finde sowieso, daß es hier irgendwie etwas kühl ist ...” kann ich mir nicht verkneifen.
“Sicher wollten sie das! Ich habe es doch genau gesehen! Und gesagt haben Sie daß auch! Herr Gaubritz ich … ich schwöre Ihnen ...”
“Herr Plötsch! Das ist ja wohl ...”
Hmmm ich denke, es wird nun Zeit für einen schnellen und sauberen Abgang:
“Meine Herren! Bitte beruhigen Sie sich doch - hier handelt es sich ja offenbar nur um ein kleines Mißverständnis ...!
"Mißverständnis? Und wer zahlt nun diese Rechnung?" fährt mir der Ober-Kellner dazwischen.
Ich zucke mit den Schultern und meine dann nur gleichgültig: "Wissen Sie was? Schicken Sie die Rechnung doch einfach an Herrn Rheineck - das ist der neue stellvertretende Abteilungsleiter der Zentrums-Technik! Er wird für alle Kosten gerne aufkommen, die ich hier versehentlich verursacht habe!”
“Aber ...” meint der Vorgesetzte - kommt aber nicht weit da ich sofort weiterrede:
“Tja … ich muß jetzt wieder an die Arbeit meine Herren! Sie glauben ja gar nicht, wie dreckig eine Lüftung sein kann! Seien sie nur froh, daß Sie hier so einen angenehmen und sauberen Job haben! Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag - und richten Sie doch bitte einen besonders lieben Gruß an den Küchenchef aus: So gut habe ich lange nicht mehr gefuttert .... ähem .... gespeist ...”
Die beiden sehen sich fassungslos an, während ich mich elegant erhebe und dann hocherhobenen Hauptes aus dem Restaurant spaziere.
Puh! Hoffentlich holen die nicht noch die Security - andererseits, soooo schlimm war es ja auch nicht, was ich da getrieben habe - oder? Evil Dick oder Steve möchte ich jetzt nicht unbedingt schon wieder über den Weg laufen. Andererseits müßte die Security doch eigentlich für … hmmm … schlimmere Fälle zuständig sein, als für ein kleines Zahlungs-Problemchen, daß Dietmar sicher bald erledigen wird ...
Langsam wandle ich an den Schaufenstern, der im Haus integrierten Geschäfte vorbei. Auch hier wieder alles vom Feinsten und vom Teuersten: Schmuck, Klamotten, Merchandising-Artikel einer bestimmten edlen Automarke … Es gibt sogar ein Schreibwaren-Geschäft, welches Füllfederhalter und Schreibtischutensilien anbietet, die vom Design (und vom Preis) jeden Firmen-Manager zur Ehre gereichen würden! Ich frage mich wirklich, wer sich wohl sowas leisten kann?!
Mein Bauch beginnt langsam unangenehm zu rumoren von den vielen Köstlichkeiten, die ich mir einverleibt hatte.
Was jetzt nicht schlecht wäre, wäre vielleicht ein Verdauungsschnapps!
Mal sehen - ah! Ein Bistro! Die könnten sowas haben!
“Tag! Habt Ihr hier was Leckeres zum Verdauen?” frag ich an der Theke die brünette weibliche Bedienung.
“Was zum Verdauen?” meint diese verwirrt.
“Ja … ich habe gerade gebruncht und mein Bauch ist ziemlich voll und stöhnt ...”
“Hm - ich verstehe … tja einen Magenbitter habe ich zwar nicht - aber das da ist auch nicht schlecht ...” Und sofort erhalte ich etwas mit vielen Prozenten …oder wie Tim immer zu sagen pflegt: ‘Etwas mit ein paar Umdrehungen!’
“Hust! Was was ist das denn?”
“Zwetschgen-Geist! Genau richtig für den Magen!” meint die Bedienung grinsend.
“Ach ja? Hmmm … vielleicht sollte ich dann noch einen trinken - der macht einen so schönen warmen Hals … äh … Gaumen ...”
Der zweite Durchgang klappt schon bedeutend besser - ich muß nicht mal husten!
“Noch einen?” fragt die Bedienung zuvorkommend.
“Äh … soll ich? Ich weiß nicht … ich würde schon gerne … ich bin das auch gar nicht gewohnt wissen Sie?!”
“Ach - einer geht sicher noch!” grinst diese und füllt erneut mein Gläschen mit dem leckeren Zeugs “Das ist wie Medizin - wirklich sehr gut für den Magen ...”
“Na denn wenn Sie es sagen! Prost!” meine ich und leere das Glas mit einem Zug. So, jetzt reicht es aber! Mir wird schon etwas komisch zumute ...
“Tja das macht dann 18.60 DM zusammen!” eröffnet mir die Bedienung freudestrahlend.
“Kein Problem! Die Rechnung zahlt dann mein Chef!” grinse ich frech und mache auf dem Absatz kehrt.
“Moment! Und wer bitte ist Ihr Chef?” ruft die Bedienung entsetzt mir nach.
“Herr Rheineck aus der Technik! Tschüühüüüss!”
Solangsam gefällt es mir hier immer besser! Allerdings wird es langsam eigentlich Zeit zurück zu Marc und seiner Lüftung zu gehen - aber richtig Lust habe ich eigentlich nicht. Und um ehrlich zu sein, weiß ich eigentlich auch gar nicht mehr den Weg zurück, geschweige denn den Weg zurück ins Technik-Büro ... Hmmm was mach ich jetzt? Und döselig ist mir auch - ob das an den Schnäppsen liegt? Oder am Schampus? Oder an der Kombination Schampus und Schnäppse? Mist! Eigentlich bin ich sowas ja echt nicht gewohnt - aber andererseits: ich habe doch sooo viel gegessen, da dürfte doch das bißchen Alkohol nicht ins Gewicht fallen! Und die Bedienung meinte ja auch, daß die Schnäppse Medizin seien und ... naja ... nu' isses zu spät!
Ach, wenn die Beleuchtung hier nur nicht so grell wäre! Irgendwie ist mir das vorhin gar nicht so aufgefallen - ich muß unbedingt mit Dietmar sprechen und ihm sagen, daß man das Licht dimmen soll! Es tut einem ja direkt schon in den Augen weh! Und der Boden unter meinen Füßen fühlt sich irgendwie so unsicher an ... kann es sein daß er vibriert? Vielleicht liegt das an den Rolltreppen davorne! Vielleicht sind die falsch eingestellt! Merkwürdig ist nur, daß es den anderen Gästen wohl gar nix ausmacht - seltsam ...
'Herzlichen Glückwunsch! Sie haben soeben die Toiletten gefunden!' steht da plötzlich ein Schild vor mir das auf einen Seitengang zeigt. Hmmmmm ... Toiletten ... die hab' ich zwar nicht gesucht - aber wenn man schon mal da ist ...
Bis auf das übliche Chaos, was man öfters in manchen Kabinen der Damentoiletten so vorfindet (Wie bringen meine Geschlechtsgenossinnen das eigentlich immer fertig?), ist eigentlich alles recht ordentlich und modern eingerichtet. Und endlich habe ich nun auch die Gelegenheit den verdammten Putz-Anzug loszuwerden! Mann, bin ich vielleicht ins Schwitzen gekommen, denn darunter habe ich noch meine normalen Klamotten an: T-Schirt und Jeans! Was mache ich jetzt nur mit dem abgelegtem Kleidungsteil - hmmmm ... ach am besten hänge ich es einfach über die Tür der Kabine, die so chaotisch aussieht - ein deutliches Zeichen für den Service hier für Ordnung zu sorgen - hihi!
Soooo - noch ein prüfender Blick in den Spiegel - Himmel! Seh ich vielleicht aus! Das Spiegelbild auf den silbernen Abdeckhauben im Restaurant war ja schon schlimm - aber hier bei der hellen Beleuchtung (die ebenfalls viiiiiel zu grell ist) sehe ich erst, wie schlimm ich wirklich aussehe! Diese blöde Lüftung hat mich vielleicht schmutzig gemacht. Das restliche Bißchen Seife das hier noch erhältlich ist, reicht gerade mal für die Hände. Mist! Man sollte hier dringend Seife nachfüllen ...
Ach, dann bleib ich halt schwarz im Gesicht! Aber eine Nachricht über den Seife-Notstand sollte man dem Service-Team schon übermitteln. Da liegt ein vergessener Lippenstift herum - Prima!
Mit großen Buchstaben schreibe ich damit auf die zahlreichen Spiegel:
'Die Seife ist aus !!!'
So! Wenn das nächste Mal jemand hier hereinkommt, weiß er ja was er zu tun hat!
Zufrieden mit meiner Arbeit verlasse ich die Toilette. Vielleicht sollte ich mich als, äh ... Controller anstellen lassen! Nicht für die Toiletten - eher für andere Bereiche! Mir fallen nämlich meistens die Dinge auf, die anderen nicht auffallen! Alleine auf dem Weg hierher habe ich nebst der viel zu hellen Beleuchtung und des vibrierenden Bodens auch zahlreiche kaputte Glühbirnen gesehen! Einige Pflanzen lechzen dringend nach Wasser und dann noch diese unmöglich zu verstehende Wegbeschreibungen! Ein wahrer Skandal!
Wie spät ist es eigentlich? Oh Himmel - meine Mittags- äh Klopause hat sich aber doch verdammt in die Länge gestreckt: Es ist jetzt 12.30 Uhr! Fast eineinhalb Stunden bin ich schon unterwegs. Ob Marc mit der Lüftung inzwischen fertig geworden ist? Ob Dietmar aus seiner Besprechung wohl schon zurück ist und mich nun wutentbrannt sucht? Naja, wenn ich dem jetzt oder einen von seinen Leuten über den Weg laufe, kann ich zumindest sagen, daß ich mich verlaufen habe und nicht mehr zurückfinde - da kann mir dann keiner einen Strick draus drehen! Und außerdem wäre es nicht mal eine Ausrede - ich weiß nämlich wirklich nicht mehr wo ich bin ...
Was ist denn das dahinten? Ein Gewächshaus? Das muß ich mir näher ansehen!
Tatsächlich! Irgendeinem Architekten ist es wohl eingefallen, hier eine Art gigantischen Wintergarten anzubauen. Mit riesigen und hohen Glas-Wänden. Eine tolle Konstruktion, die einen halben Urwald beheimatet! Das beste aber daran ist, daß dies wohl so eine Art Ruhezone darstellen soll - zwischen den Pflanzen hat man überall Bänke, Stühle - ja sogar Liegen aufgestellt! In diesem Urwald scheinen außer mir nur 2 weitere Gäste sich aufzuhalten und hinten im Eck kann ich eine Liege ausmachen, die erstens nicht besetzt ist und zweitens verdammt gemütlich aussieht.
Nur 5 Minuten hinlegen! Das wäre jetzt wirklich nicht schlecht! Genüßlich lasse ich mich auf dem freien Platz nieder. Die ganze Aufregung heute morgen, die anstrengende Arbeit in der Lüftung und nun noch das opulente Mal samt Schnäppse (deren hochprozentige Anteile mir immer mehr zu Kopf steigen) haben dafür gesorgt, daß ich … äh … wirklich etwas müde werde … Nur kurz hinlegen, dann mach ich mich ... Gähn! ... wieder auf die Suche nach Marc oder dem Technik-Büro ...
Oh ist das herrlich! Und sooo gemütlich!!! Gähn! Nur 2 Minuten die Augen schließen und entspannen, dann … werde ich … Gähn! … sicher ganz … schnell … wieder … fit … sein ...
Sooo that`s all folks! Wem das nun zuviel war um es hier online zu lesen, der möge es sich ausdrucken - Ihr werdet Euch schon zu helfen wissen :-)
Weiter mit der Stairway geht's dann am nächsten Mittwoch - da wird uns Dieb wieder mit einer Folge beglücken! Bis dahin wünsche ich Euch einen guten Start in die Woche! Macht's gut und viele Grüße
Eure
Twisi
Alle alten Folgen der Sommer-Edition (IE-optimiert):
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