Ich bin auch mit dem Atari aufgewachsen, mein erster Computer war ein Atari 130 XE. Sozusagen Ataris Antwort auf den C128.
Damals stimmte es, dass Atari besser als Commodore war, denn die Atari 400/800/XL/XE Serie ist leistungsmäßig dem C64/128 um Längen voraus. Man bedenke nur mal die Grafik: C64 hatte 16 Farben in 160x200 bzw. 16 Farben aufgeteilt in 40x25 8x8-Pixel-Quadrate, von denen jedes 2 Farben haben durfte, bei 320x200.
Atari konnte mit geschickter Programmierung all seine 128 bzw. 256 Farben (kommt auf den Grafikchip an, der CTIA kann 128, der GTIA 256) darstellen.
Beim Sound ist der C64 besser, was Synthesizerei angeht, aber Digitalsound klingt aufm Atari besser, außerdem hat der Atari 8-bit-Rechner 4 Stimmen, der C-64 zwar auch, aber aufgeteilt in 3 Musikstimmen (Synthi) und 1 Digitalstimme (8 bit, 11 kHz), die auf späteren C64 viel zu leise ist.
Dann kan 1984 der Atari ST, das war vor dem Amiga. Amiga kam offiziell 1985. Und hatte eine bessere Hardwarekonfiguration.
Der "Lorraine", der als Amiga 1000 auf den Markt kam, hatte 512 kb RAM, von denen 256 für das von Diskette nachzuladende Betriebssystem verwendet wurde. Außerdem gab es einen 68000 Prozessor mit 7.19 MHz (genau wie beim Atari ST), diesen tollen Grafikchip und den PAULA Soundchip.
Der Nachteil war, dass dieses "Geschoss" fast 6000 DM kostete, somit kauften viele den mit ca. 2000 Mark billigeren Atari 260ST bzw. 520ST, den es für dieses Geld inkl. S/W-Monitor gab.
1987 kam dann der Amiga 500, welcher den Atari ST als Rechner für Heimanwender mit gehobenen Ansprüchen ablöste. Gleiche Konfiguration wie der Amiga 1000, nur PAL-kompatibles Betriebssystem (neue Version) in Extra-ROM. Somit standen dem Nutzer die gesamten 512 KB zur Verfügung, was damals in etwa mit 256 MB heute zu vergleichen war. Da er für 1000 Mark, später für 750-800 Mark zu haben war und man ihn mit Spezial-Modulator an den Fernseher anschließen konnte und seine Grafik- und Soundfähigkeiten es möglich machten, Spielhallengames in fast 1:1-Qualität auf diese Maschine zu konvertieren, wurde er schnell als C64-Ersatz angesehen und so kam das Missverständnis "Amiga ist ein Spielcomputer" auf. Hinzu kam noch der Neid der PC-User, die, bis es SVGA und Soundblaster Pro gab (also ca. 1992), mit VGA-Klötzchengrafik und rumgepiepse bzw. schlechtem Adlib-Synthesizer- oder dumpfem, verrauschten 8bit-Mono-Klang oder PC-Speaker-Gepiepse auskommen mussten. Die sagten dann: "Amiga hat solche Fähigkeiten nur für Spiele." und vergaßen, dass man dies auch für sinnvollere Aufgaben wie Videonachbearbeitung und 3D-Grafik (Raytracing) einsetzte.
Dass Amiga kaputtging, ist allein die Schuld des Missmanagements von Commodore, die den Amiga nicht zum Nachmachen freigegeben hatten und außerdem ihn viel zu teuer machten und nicht groß weiterentwickelten. Wäre das nicht gewesen, wäre heute in den Fernsehstudios/beim Film der Amiga nicht mehr wegzudenken.
Beim Atari war es ähnlich. 1984 war der 260ST bzw. 520ST mit seiner Konfiguration sicherlich ein toller Rechner, vor allem Musiker setzen ihn heute noch ein, weil er durch die MIDI-Anschlüsse und durch die Benutzerfreundlichkeit sehr dafür geeignet ist. Aber auch hier war Missmanagement die Schuld, der ST wurde nicht groß weiterentwickelt und Atari ging pleite.
Wären die Pleiten nicht gewesen, würde es heute so aussehen:
Buchhaltung/Rechnung/Internet: PC
Multimedia/3D-Grafik/Video/Film: Amiga
Musik: Atari
DTP: Apple
Spiele: Amiga, PC, Spielekonsolen
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