Teil 23 - Stairway to heaven

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Teil 23 - Stairway to heaven

Mary blickte plötzlich aufmerksam um sich. Sie hörte ein Klirren, etwas wie einen Schraubenschlüssel, der zu Boden fällt. Auf einer Baustelle eigentlich nichts ungewöhnliches, doch erstens war es sonst schon fast verdächtig still, und zweitens: hatte sie nicht eben die Gruppe der Schweizer Baufirma etwas weiter vorne in einer Versammlung gesehen. Sie stoppte das sehr leise Elektromobil in einer Nische, und stieg ab. „Jesus“, dachte sie „da wird doch nichts Krummes laufen?“

Mit vorsichtigen Schritten näherte sie sich der Baustelle. Immer darauf bedacht, möglichst jeden Schatten, jede sich bietende Ecke auszunutzen und dabei trotzdem doch noch irgendwie unauffällig auszusehen. Ihr Herz klopfte merklich schneller; irgendein Sinn schrillte wie eine Alarmsirene in ihr auf. Die Nerven bis zum Äußersten gespannt, drückte sie sich an einem der letzten Bauzäune entlang. Wenn, dann würde es hinter dieser Ecke...

***

Steve wurde langsam klarer im Kopf. Die geschmolzenen Eiswürfel in dem Beutel auf seiner Stirn machten ihm klar, dass er wohl etwas länger eingenickt war. Und schon kam auch die Erinnerung zurück. Dick, die Security, das Gespräch in diesem Raum und... und die Versetzung. Er setzte sich ächzend auf. Nunja, dann werde ich mit dieser Situation wohl leben müssen.

Einige Schritte auf und ab im Raum, und schon wurde im langweilig. Seine Augen, die recht gut mit dem Dämmerlicht in diesem kleinen Erste-Hilfe-Raum zurecht kamen, erspähten eine kleine Tischuhr. Hmmm, Mittagszeit, ging es ihm durch den Kopf. In den Flur hinaustretend dachte er sich, dass es kaum schaden könne, wenn er sich was zu Essen besorgen würde.

Im Flur erkannte er auch das Gebäude wieder. Es war der kleine Winkel, der sich an das Hauptgebäude anschmiegte und einen grossen Teil der Security beheimatete. Neugierig wandte er sich einem Gang zu, an dessen Ende eine Tür offen stand. Ein Monitoringraum, soso.. den könnte man sich mal anschauen. Big Brother in einem Freizeitpark. Ungeniert pflanzte er sich vor die Monitorwand, bzw vor dessen Kontrollpult. Merkwürdig, dass gar keiner da war. Aber vermutlich waren sie alle zum Mittag gestürmt. Und so wie Steve mitbekommen hatte, sollte ja heute eh „Highlife“ im Park sein. Die Ruhe vor dem Sturm?

Seinem Spieltrieb folgend, drückte er völlig planlos auf den Knöpfen vor sich rum. Je nachdem welche Knöpfe gerade dran waren, änderten sich die Bilder auf den Überwachungsbildschirmen. Langsam erkannte er das System dahinter, und begann nacheinander alle Kameras durchzuschalten, die von dieser Station steuerbar waren. Leider waren das hauptsächlich Kameras, die nach der Einweihung der neuen Achterbahn und des neuen Indoorthemengeländes zum Einsatz kommen sollten. Deshalb war dieser Raum wohl auch verwaist.

Bei seinem „Durchzappen“ durch die Kanäle, blieb sein Blick immer wieder an den Achterbahnkameras hängen. Kunststück, zeigten die Indoorkameras, bis auf eine, doch nur die Schwärze der unbeleuchteten Halle. Doch plötzlich fesselte auch noch etwas anderes seine Aufmerksamkeit. Eine Kamera zeigte einen unnatürlichen Schatten. Und nun wurde dieser Schatten plötzlich zu einer Person, die sich um die Ecke drängte. Auffällig unauffällig wie ihm schien. Da ist was faul schoss ihm durch den Kopf. Steve, du solltest mal dringend nachschauen gehen, vielleicht ist das deine grosse Chance. Schliesslich bist du doch jetzt ein Securityofficer.

* * *

Mary schob sich um die Ecke, und sah sofort den Ort des Geschehens. Zwei fluchende Kerle in Blaumännern blafften sich an. „Ich habe dir jetzt tausendmal gesagt, du tust was ich will“
„Und ich habe dir ebenfalls tausendmal gesagt, dass du mich mal kannst.“
„Wenn unser Sabotage-Akt hier auffliegt, dann sind wir geliefert.“
Sabotage, ging es Mary durch den Kopf. Diese Mistkerle hatten wirklich die Dreistigkeit, und wollten die neue Achterbahn sabotieren. Plötzlich schossen ihr tausende Gedanken wie ein Blitz durch Kopf.
„Well, well friends. Sabotage, huh? What the heck...?“
„Oh nein“ stiess der kleinere, drahtigere der beiden hervor. „Mist, wir sind entdeckt worden.“
„ Ihr wollt stehen bleiben. Ich werde Verstärkung fragen.“ rief Mary den beiden in ihrem tapsigen, breitakzentuierten Deutsch herüber und griff sich an die rechte Hüfte.
Damnit, das Funkgerät. Sie hatte doch vergessen, eines mit auf diesen Kontrollgang zu nehmen...
Diesen Umstand bemerkten die beiden schrägen Vögel auch sehr schnell
„Jaja, wenn willst du rufen, Zuckerpüpchen? Und wo mit?“ schnappte der gerissene Kleine, fies grinsend.
„Komm Dicker, wir verduften“
Gerade fragte sich Mary noch, wo hin die beiden wohl türmen wollten, denn schliesslich standen sie am Ende einer Sackgasse, mit Mary am offenen Ende, da wurde sie auch schon über den Haufen gerannt.
„Los komm schon, nimm die Beine in die Hand“ hörte sie noch, und sah, zu Boden gestürzt, die beiden Saboteure um die Ecke verschwinden.
„Mist, schöne Bescherung, god damnit“

Doch unvermittelt, nur eine Sekundenbruchteile später hörte sie ein heftiges Poltern und Scheppern. Ein Schmerzensschrei, und dann wieder verdächtige Stille.
Mary rappelte sich auf, und klopfte sich den Staub aus der Uniform. Als sie um die Ecke trat, traute sie ihren Augen nicht. Da lagen die beiden Ganoven, und schräg darüber... Steve.
„Steve, oh mein Gott. Ist dir was passiert?“ in der Turbulenz der Situation schien Mary´s Deutsch plötzlich wunderbar zu funktionieren. Stöhnend rieb sich Steve den lädierten Kopf: „Warum fällt mir heute ständig der Himmel auf den Kopf?“ presste er hervor.
„Steve, ja gibt es das denn? What are you doing here?“ Mary beugte sich zu Steve hinunter. „Du hast gerade eine Sabotage verhindert. Unglaublich.“ Sprachs, und drückte ihm einen dicken Kuss auf den Mund....



Maaaaaaaaaahzel
Spontanität muss sorgfältig geplant werden :-biggrin

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