Wahrlich weltmeisterlich :-(

Diskussionsübersicht

#51

RE: The whole world according to Knebel

Antwort auf cityjudge, Beitrag #48

Schön und ausführlich zusammengefaßt. Da bleibt mir auch nichts anderes, als mich der Argumentation anzuschließen...

Mike
#52

RE: The whole world according to Knebel

Antwort auf cityjudge, Beitrag #48

Hallo Andreas, hallo alle

erst mal unter uns: ich weiss auch nicht, warum wir ständig aneinander rasseln - ich erinnere mich nur an eine Diskussion, die mal etwas knackiger geworden ist, und seit dem habe ich das Gefühl, Du suchst quasi das Haar in der Suppe. Ja, ich hab' Dich in dieser Auseinandersetzung merkbefreit genannt, was ich aber in dem Augenblick nur als, äähm, stilistisches Mittel eingesetzt habe, nicht aber grundsätzlich über Dich denke. Denn das dem nicht so ist, zeigst Du ja hier mit einem tatsächlich sehr durchdachtem Posting, auf welches ich jetzt nach Begraben des Kriegsbeils gerne eingehen würde.

Gewalttäter:
Brauchen wir uns gar nicht drüber unterhalten - wer prügelt gehört nicht ins Stadion. Dieses Thema auch etwas repressiver anzugehen halte ich nicht für falsch. Falsch ist viel mehr das Drumherum, was noch geschieht. Sei es das von Dir erwähnte Hochstilisieren der Helden der Kurve, aber auch die viel zu willkürlich ausgesprochenen Stadionverbote, und das reine Verdrängen des Problems - dazu gleich mehr.

Sicherheit in Liga 1 und 2:
Ja, die Sicherheit ist da. Aber zu welchem Preis? Wer regelmäßig auf Auswärtsfahrten geht, der weiss ein Lied vom Umgang Polizei->Fan zu singen. Und nein, ich bin auch nicht davon überzeugt, dass die genannten Methoden wirklich der Grund dafür sind, dass es diese "scheinbare Sicherheit" gibt. Im Gegenteil, ich halte durch die Bank weg alle angewandten Methoden dafür geeignet für mehr Sicherheitsrisiken zu sorgen, als es ohne sie gäbe.
Nicht das wir uns falsch verstehen, ich bin auch sehr für eine lenkende Hand bei jedem Großereignis. Aber wie in Liga 1 und 2 teilweise mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird, ist wahrlich lächerlich - nein, nicht lächerlich, sondern gefährlich!

Was die "statistisch Verletzen" angeht - klar ist jeder Verletzte einer zu viel. Keine Frage. Aaaaaber, ich traue solchen Statistiken nicht, da ich sie nicht selbst gefälscht habe. Was mich nämlich interessieren würde: Sind darunter auch verletzte Gastfans, die zB durch den vollkommen unbegründeten Einsatz von Pfefferspray beim Geleit zum Bahnhof seitens der Polizei verletzt wurden? Hier würde ich mir wirklich einmal wünschen, es würde einer nach *dieser* Dunkelziffer fragen...

Fakt ist, Gewalt geht erstens nur von Einzelpersonen aus - diese gezielt anzusprechen und herauszufiltern wäre die große Kunst. Da aber in der öffentlich Wahrnehmung jeder Fußballfan, der nicht im Lodenmantel und mit gebügeltem Schal auf die Haupttribüne geht, per se als Gefahrenquelle gesehen wird, wird auch genauso verfahren: Pauschalisierung, Sippenhaft, Gruppenschikane. Und genau hieraus entwächst das nächste, vollkommen unnötige Gefahrenpotential. Wenn ich einen normalen Menschen durchweg wie einen potentiellen Straftäter behandel, dann benimmt er sich auch irgendwann so. Wenn ich jemandem ständig und dauerhaft einen Teil seiner Freiheit (die sein Recht ist!) nehme, dann sucht er sich irgendwann andere Freiräume, notfalls mit Gewalt. Falling down Syndrom gefolgt von selfullfilling prophecy.

So löst man keine Probleme, man verdrängt sie höchstens und schafft weitere! Worauf es in den beiden oberen Spielklassen im Moment hinausläuft, ist eine "fenced community" - wer drin ist, ist froh, dass jemand dafür sorgt, dass die anderen draußenbleiben. Ich sperre die Probleme einfach aus, notfalls wieder mit Gewalt, und bin dann froh "wenn der Köter in Nachbars Garten #####t" (Zitat eines Fanbeauftragten). Genau das ist die Taktik seit Jahrzehnten. Man WEISS, dass da was im Argen liegt, man WEISS, dass man das Problem nur verdrängt, und man WEISS, dass irgendwas getan werden muss. Aber bitte schön, das sollen andere tun - ich will doch nur Fußball schauen. Irgendeiner wird das Problem schon lösen.

Aber wer?

Und genau *dieses* Problem steht seit Jahrzehnten (seit Anfang/Mitte der 1980er Jahre) ungelöst im Raum. Der DFB sagt: Ist nicht unser Problem, soll sich die Polizei drumkümmern. Die sagt, okay, brauchen wir nur die technischen Mittel und kriegt sie auch. Die Gesellschaft steht staunend daneben, und wenn mal wieder eine Sau durchs Dorf getrieben wurde, schreien wir im Chor: Sind eh alles Verbrecher, Knüppel aus dem Sack!

Tolle Strategie!

Doch der Krug geht, das zeigt das Beispiel Italien, bekanntlich nur so lange zum Brunnen, bis er bricht. Und er wird brechen. Auch bei uns. Es ist nur eine Frage der Zeit. Wenn wir nicht endlich von unserem hohen Ross herunterkommen, und einen echten, unverschleierten Blick auf das wagen, was wir uns da selbst heranzüchten, dann werden wir die Quittung dafür irgendwann bekommen. Der Fußball ist nur ein Spiegelbild einer Gesellschaft. Und das wir immer wieder auch die häßliche Fratze davon zu sehen bekommen, muss einen Grund haben. Das wissen wir - seit mehr als 25 Jahren.

Wann handeln wir endlich? Wer übernimmt endlich Verantwortung statt nach dem Knüppel zu rufen? Die Antwort lautet wohl wie immer: Irgendwann - irgendjemand....

Gruß
Marcel

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