Langer Donnerstag in Schleswig-Holstein - ABER KEIN Kunde kommt !!!

Diskussionsübersicht

#51

RE: Verfluchte 24/7 Gesellschaft

Antwort auf Maaahzel, Beitrag #50

Das ist das, was ich versucht habe zu sagen, wo darf ich das unterschreiben?


Meine ganze Zustimmung!


_________________________
Morrrpheus - stimmt zu
#52

RE: Verfluchte 24/7 Gesellschaft

Antwort auf Maaahzel, Beitrag #50

Letzte Bearbeitung am 13-Dez-06 um 09:30 Uhr ()

Jep, absolute Zustimmung!

Nicht zu vergessen, Eigentümer von Einkaufszentren sind vor allem deshalb an flexiblen Öffnungszeiten interessiert, weil sie dadurch den kleinen Geschäften, für die es nicht lohnt offen zu halten, natürlich Kunden abwerben. Die Verkäufer in den Zentren bekommen dann für Wochenenden aber oftmals nur Arbeitsverträge als Geringfügigbeschäftigte, ohne irgendwelche Nacht- oder Feiertagszuschläge. Von solchen Einkommen kann man nur sehr schlecht leben. Es profitieren wieder einmal nur die paar Reichen, die noch Reicher werden - super! }>

Ja, ja, es ist bequem und lustig jederzeit einkaufen zu können! }>
#53

RE: Verfluchte 24/7 Gesellschaft

Antwort auf Maaahzel, Beitrag #50

Bezogen auf die Ladenöffnungszeiten muß ich hier leider widersprechen. Wenn der Handel sich nicht den Bedürfnissen der Käufer anpaßt (und die befürworten laut diversen Umfragen ja die längeren Öffnungszeiten), wird er noch mehr Boden verlieren. Seitdem man im Internet rund um die Uhr einkaufen kann (und das meist auch noch zu günstigeren Preisen), war dieser Schritt mehr als überfällig. Man kann sicher die "Internettisierung der Gesellschaft" mit all ihren negativen Begleiterscheinungen kritisieren, aber wenn der klassische Handel sich da nicht anpaßt (oder anpassen kann), wird er langfristig nicht bestehen können. Zur Zeit gibt es noch genug "alte Säcke", die mit den neuen Medien nichts am Hut haben, aber das wird sich schneller ändern als uns vielleicht lieb sein kann. Wer heute nicht die richtigen Weichen für die Zukunft stellt, darf sich nicht wundern, wenn der Zug dann irgendwann gegen eine Wand donnert.
#54

RE: Verfluchte 24/7 Gesellschaft

Antwort auf Maaahzel, Beitrag #50

Hallo,

bevor ich gleich meine sozialen Stunden Nr. 3 und 4 diese Woche absolviere, nämlich BB-Training für Jugendliche, und dann pünktlich zum Trainingsende um 20 Uhr NICHTS mehr einkaufen kann, möchte ich diesen Thread um einen belanglosen Beitrag ergänzen.

>... aber manchmal frage ich mich, was haben wir eigentlich *alle*
>davon. Auf unsere Gesellschaft bezogen?
>
>Klar, ein Dienstleistungsgedanke an sich ist ja nicht verkehrt, aber was haben wir
>eigentlich von der immer weiter voranschreitenden Flexibilisierung unserer
>Gesellschaft?

Ladenöffnungszeiten sind nicht unbedingt das Megathema bei der Globalisierungsdebatte, aber ich denke, dass durchaus ein paar nette innovative Konzepte bei kleinen familiengeführten Geschäften aufkommen werden. Dabei denke ich eher an den Türken und den Vietnamesen im Viertel, als an Aldi und Lidl. Vielleicht können genau diese kleinen Läden wieder Marktanteile zurückgewinnen, die man an Tankstellen und Discounter abgegeben hat.

>Gut, wir können bis 22 Uhr einkaufen, rund um die Uhr eine Technikhotline
>anrufen, sonntags Brötchen kaufen, sind ständig erreichbar, ständig auf dem Sprung.

Damit hat es m.E. nichts zu tun.

>Weil alles schneller und einfacher geht, müssen wir viel mehr in unsere Zeit
>reinpressen.

Muss man nicht. Es geht vielleicht auch um Qualitätssteigerung.

>Weil unser Job immer flexibler kündigbar sein soll, müssen wir pendeln,
>umziehen oder beides.

Tja, war das "früher" anders? Meine Urgroßeltern sind jedenfalls Anfang des letzten Jahrhunderts von Ostpreußen ins Rheinland gezogen. Heute ruft man nach dem Verfassungsgericht, wenn die Pendlerpauschale etwas gekürzt wird.

>Und außerdem muss jeder noch viel mehr für sich selbst verantwortlich sein.

Ich habe immer wieder den Eindruck, dass genau das Gegenteil gefordert wird. Um beim Lebensmittelhandel zu bleiben, wird dort mittlerweile einem schon das Denken abgenommen, da überall der 100g- oder kg-Preis ausgezeichnet ist.

Die GKVs zahlen heute für Behandlungen, an die man vor 20 Jahren in den kühnsten Träumen nicht hätte denken können. Trotzdem fordert die Gesellschaft immer noch Vollkaskoschutz ohne Selbstbeteiligung. Sinnvoll? Unsere Kinder werden uns das danken, denn neben den 1,5*10^12 EUR Staatschulden kommen aus Ansprüchen der jetzigen Gesellschaft in den sozialen Sicherungssystemen ähnliche Beträge auf die nachfolgenden Generationen zu. Da kann ich nur sagen, dass es vollkommen nachvollziehbar und konsequent ist, für sich selbst verantwortlich zu sein, denn de facto ist man das heut nur sehr bedingt. Es ist auch sehr bequem ...

>Wer nicht vorsorgt kriegt nix, und wer vorsorgt aber auch gerade
>keinen Lohn kriegt, muss an das Angesparte, und hat dann am Ende wieder... meist nix.

Die "goldene Generation" der letzten (und wohl auch der nächsten) 1000 Jahre in Westeuropa kommt langsam ins Rentenalter oder bezieht diese schon. Alle Älteren und Jüngeren haben das von dir angesprochene Problem, was aber für unsere Urgroßeltern und die davor Lebenden vollkommen normal war. Haben wir Kinder und Enkel der "goldenen Generation" vielleicht das Eigenverantwortlich-Sein verlernt?

>Und das Kippen des Ladenschlussgesetzes jetzt macht nahtlos an der Stelle weiter.

Das ist jetzt aber ein wenig überinterpretiert.

>Aber was ist mit den Arbeitern? Glaubt einer hier, dass durch solche Aktionen wirklich
>neue, sozialversicherungspflichtige Jobs entstehen?

Nein. Aber der Nichtabbau derselben ist im Einzelhandel schon mehr als man sich wünschen kann.

>Wer glaubt, durch veränderte Öffnungszeit gäbe es mehr Umsatz und Gewinn, und es
>enstünden zahllose neue Arbeitsplätze, der war die letzten 20 Jahre nicht in der
>westlichen Welt. Wachstum entsteht nicht aus dem Nichts, dass hat die New Economy
>bewiesen. Es wird einfach nur zu einem neuen Wettkampf kommen, und der wird wieder
>hauptsächlich eines: verdrängen, und den anhaltenden Trend verstärken.

Der Trend, immer mehr Online zu bestellen, wird dadurch verstärkt? Hätte ich jetzt nicht gedacht.
Ich habe kaum Zeit, mal zu Shoppen (im weiblichen Sinne), da ich mehrfach die Woche in der Halle stehe und Samstag nachmittags grundsätzlich auch unterwegs bin. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie die Elberfelder Innenstadt aussieht. Gibt es da einen Weihnachtsmarkt? Heute ab 21 Uhr hätte ich auch Zeit, mal zu gucken; da aber wahrscheinlich alles zu ist, hätte das wenig Sinn. (BTW: Ich habe mich über evtl. neue Öffnungszeiten nicht informiert.)

>Was wiederum heißt, dass langfristig weiter Arbeitsplätze verloren gehen, noch weniger
>Volksguthaben im Umlauf sein wird, und Werte wie Familie, Bildung und soziale
>Kompetenz, weiter abnehmen. (Klingt weit dahergeholt, soll aber trotzdem als Konklusion
>dieser kurzen Polemik dienen)

Ich denke und hoffe etwas anderes. Wenn man mich fragen würde, sollte die MwSt auf 25% erhöht werden und alle "versicherungsfremden Leistungen" aus den Sozialsystemen herausgenommen werden, dadurch weniger Lohnnebenkosten. Hört sich wie eine FDP-Forderung an, wofür ich mich schäme, aber in diesem Zusammenhang durchaus Sinn machen könnte. Die Verteuerung der Produkte - auch im Hinblick auf Importwaren (insbesondere China) - und die gleichzeitige Verbilligung der Arbeitskräfte in D im Zusammenhang mit innovativen Ideen und Produktivitätszuwachs kann das Gegenteil bewirken. Allerdings müsste klar sein, dass Arbeitsplätze in der Industrie nicht wieder in großen Zahlen zurückkommen werden; Hauptaugenmerk müsste auf den Dienstleistungsbereich gelegt werden. Neben dem Ladenschlussgesetz gibt es aber eine Anzahl von Verordnungen, Bestimmungen und Gesetze im 6-stelligen Bereich, die einen das Leben unendlich schwer machen können. Hat jemand schon mal mit dem Gedanken gespielt, eine 24/7-Videothek zu eröffnen. Bei der heutigen (zumindest im Oktober noch gültigen) Gesetzeslage steht die Staatsanwaltschaft schon auf der Matte, wenn man den Gedanken nur mal zu Ende denkt. Noch schlimmere Schildbürgerstreiche, die die Gesellschaft vor dem "totalen Konsum a la keine Ladenöffnungszeiten" usw. schützen sollen, sieht man regelmäßig bei Frontal21, Monitor, et al. Die Abschaffung einer Vorschrift scheint bei vielen den reflexhaften Wunsch nach staatlicher Wärme hervorzurufen. Das Ganze klappt aber nur bei jährlichen Wachstumsraten von über 5%. Davon ist D schon seit mindestens 25 Jahren weit entfernt, so dass wir seit dem mehr oder weniger den Wohlfahrtstaat auf Kosten anderer betrieben haben. Und das ein solches Wachstum auf Dauer nicht besonders toll ist, haben die Meadows schon 1972 gezeigt, auch wenn deren Modelle mMn ziemlich grober Unfug waren und sind. Ein chaotisches System kann man nicht modellieren, und wenn, dann sind die Ergebnisse nach einer kurzen Zeit völlig belanglos. Tendenzen sind aber trotzdem ablesbar. (Wer weiß, wovon ich schreibe, bekomme einen Gummipunkt und darf die Welt gedanklich retten.)

Zurück zu deinem Posting:
>Geiz ist halt geil, und wer nicht flexibel ist, muss halt gucken wo er bleibt. Oder
>überspitzt formuliert: Wer gesund ist konsumiert - für den Rest dann die Reste.

Hä, das ist doch jetzt ein brennendes Plädoyer für die 24/7 [zumindest 10-22h] Gesellschaft, oder? Ich bin nicht besonders flexibel, weil ich mich heute mit Kindern für 2h beschäftigen darf. Also forderst du für mich längere Öffnungszeiten, oder?

>24/7 ist nicht die Lösung. 24/7 ist das Problem. (eins von vielen)

Also doch nicht. Die, die sich sozial engagieren, sind die Gear*. Die, die arbeiten, auch; schon mal im Discounter nach 18 Uhr vernünftiges Obst und Gemüse gesehen? Und der kleine Türke um die Ecke darf auch nicht länger aufmachen, wo ich noch ein vertrauensvolles Sortiment an oben genannten gesunden Sachen finden könnte. Hier könnte die nicht arbeitende Mutter vielleicht sogar eine 400EUR Stelle bekommen, wo sie 2x die Woche von 17 bis 22 Uhr abreiten könnte. Geht in deiner Gesellschaft nicht. Dann kann sie nichts dazuverdienen, muss ALG2 oder Wohngeld beziehen und ich kann die Extra-Euros nicht beim fiktiven Geschäft um die Ecke um 21.30h ausgeben, sondern muss das Geld dem Staat zur Finanzierung des o.g. Wohngeldes geben.

Darauf keine Lust habende Grüße

Marc

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