Raketenmotoren verhindern Freizeitpark
Aus für den Märchenpark
Raketen stoppen Freizeitprojekt - Suche nach neuem Platz
Der Griff nach den Sternen verhindert einen Märchenpark. Die Touristenattraktion kann nicht gebaut werden, weil in der Nähe Raketenmotoren getestet werden und eine Katastrophe nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen ist.
HANS GEORG FRANK
WIDDERN· Ein idealeres Gelände ist für einen Freizeitpark kaum zu finden: keine ruhebedürftigen Anwohner, das Areal im Besitz der verkaufswilligen Gemeinde, Autobahnanschluss, eine Ortsdurchfahrt wäre selbst bei größtem Andrang nicht verstopft worden. Die 25 Hektar bei Widdern (Kreis Heilbronn) schienen wie geschaffen für das Vorhaben der Firma Heimo aus Jagsthausen (Kreis Heilbronn): Sie wollte einen Märchenpark mit beweglichen Riesenfiguren aus eigener Produktion einrichten.
¸¸Wir müssen das Projekt leider bleiben lassen'', bedauert Bürgermeister Michael Reinert (41). Schuld sind gravierende Sicherheitsbedenken der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR), die in der Nachbargemeinde seit 1974 Antriebe für Raketen wie die ¸¸Ariane'' umfangreichen Tests unterzieht.
Bei diesen Probeläufen muss das 40 Hektar große DLR-Areal evakuiert werden. Alarmstufe 1 gilt dann auch auf dem zwei Kilometer entfernten Gehöft Seehaus, wo der Park entstehen sollte. Falls wider Erwarten ein Raketenmotor explodieren würde, könnten Trümmer weit geschleudert und Treibstoff freigesetzt werden, erklärt Klaus Fehrer (59), leitender Sicherheitsingenieur der DLR. ¸¸Diese Gefahr ist zwar extrem unwahrscheinlich, aber eben nicht ganz auszuschließen.'' Im schlimmsten Fall zöge eine Gaswolke bis zum Seehaus: ¸¸Da kann man zu Tode kommen.'' Bei einem solchen GAU (größter anzunehmender Unfall) müsse das Gebiet innerhalb von 15 Minuten evakuiert werden. In einem Freizeitpark, mit Hunderten von Kindern, wäre eine schnelle Räumung unmöglich.
Große Hoffnungen geplatzt
Der Einspruch der DLR erfolge ¸¸aus reiner Vorsorge'', betont Fehrer, ¸¸bisher gab es einen solchen Unfall nicht''. Die Raketenforscher haben allerdings noch einen zweiten Grund für ihre Absage an den Märchenpark: ¸¸Wir wollen uns den Rücken freihalten für Erweiterungen.''
Die DLR ist wohl der einzige Gegner des ehrgeizigen Projektes, in das die Firma Heimo zwölf Millionen Mark investieren wollte. Der Plan war auf breite Zustimmung, sogar Begeisterung, gestoßen. Bürgermeister Reinert (41) erhoffte sich für seine arme Kommune erkleckliche Steuereinnahmen, 100 Arbeitsplätze, auch für weniger qualifizierte Bewerber und den nötigen Anstoß für den Tourismus im Jagsttal.
Der Regionalverband wollte die rechtlichen Voraussetzungen schaffen, denn bei einer Erörterung habe sich gezeigt, dass ¸¸keine unüberbrückbaren Hindernisse diesem Vorhaben entgegenstehen würden''. Offenbar hatten die Bürokraten die Nähe zum Forschungszentrum schlicht vergessen. Zu groß war wohl die Vorfreude, hätte doch der Touristenmagnet den strukturschwachen Raum beleben sollen.
Ingo Mordelt (33), Junior-Chef von Heimo, will dennoch einen Märchenpark bauen: ¸¸Wir strecken jetzt die Fühler aus, schön wäre ein heimatnahes Grundstück.'' Der Rückschlag mit Widdern ist bereits der zweite: Der Bau im Hohenlohekreis war an Wucherpreisen der Grundbesitzer gescheitert.
Der Spezialist für bewegliche Dekorationen und Kirmesfiguren, der seine bis zu 14 Metern hohen Fantasiegestalten in 45 Ländern exportiert, hatte früher einen Märchengarten neben der eigenen Fabrik betrieben. In den besten Zeiten kamen dort jährlich 140000 Besucher, bis 1981 geschlossen werden musste, weil Nachbarn den Rummel nicht länger ertrugen.
JUK
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http://www.hansaparkfan.de
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Der Griff nach den Sternen verhindert einen Märchenpark. Die Touristenattraktion kann nicht gebaut werden, weil in der Nähe Raketenmotoren getestet werden und eine Katastrophe nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen ist.
HANS GEORG FRANK
WIDDERN· Ein idealeres Gelände ist für einen Freizeitpark kaum zu finden: keine ruhebedürftigen Anwohner, das Areal im Besitz der verkaufswilligen Gemeinde, Autobahnanschluss, eine Ortsdurchfahrt wäre selbst bei größtem Andrang nicht verstopft worden. Die 25 Hektar bei Widdern (Kreis Heilbronn) schienen wie geschaffen für das Vorhaben der Firma Heimo aus Jagsthausen (Kreis Heilbronn): Sie wollte einen Märchenpark mit beweglichen Riesenfiguren aus eigener Produktion einrichten.
¸¸Wir müssen das Projekt leider bleiben lassen'', bedauert Bürgermeister Michael Reinert (41). Schuld sind gravierende Sicherheitsbedenken der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR), die in der Nachbargemeinde seit 1974 Antriebe für Raketen wie die ¸¸Ariane'' umfangreichen Tests unterzieht.
Bei diesen Probeläufen muss das 40 Hektar große DLR-Areal evakuiert werden. Alarmstufe 1 gilt dann auch auf dem zwei Kilometer entfernten Gehöft Seehaus, wo der Park entstehen sollte. Falls wider Erwarten ein Raketenmotor explodieren würde, könnten Trümmer weit geschleudert und Treibstoff freigesetzt werden, erklärt Klaus Fehrer (59), leitender Sicherheitsingenieur der DLR. ¸¸Diese Gefahr ist zwar extrem unwahrscheinlich, aber eben nicht ganz auszuschließen.'' Im schlimmsten Fall zöge eine Gaswolke bis zum Seehaus: ¸¸Da kann man zu Tode kommen.'' Bei einem solchen GAU (größter anzunehmender Unfall) müsse das Gebiet innerhalb von 15 Minuten evakuiert werden. In einem Freizeitpark, mit Hunderten von Kindern, wäre eine schnelle Räumung unmöglich.
Große Hoffnungen geplatzt
Der Einspruch der DLR erfolge ¸¸aus reiner Vorsorge'', betont Fehrer, ¸¸bisher gab es einen solchen Unfall nicht''. Die Raketenforscher haben allerdings noch einen zweiten Grund für ihre Absage an den Märchenpark: ¸¸Wir wollen uns den Rücken freihalten für Erweiterungen.''
Die DLR ist wohl der einzige Gegner des ehrgeizigen Projektes, in das die Firma Heimo zwölf Millionen Mark investieren wollte. Der Plan war auf breite Zustimmung, sogar Begeisterung, gestoßen. Bürgermeister Reinert (41) erhoffte sich für seine arme Kommune erkleckliche Steuereinnahmen, 100 Arbeitsplätze, auch für weniger qualifizierte Bewerber und den nötigen Anstoß für den Tourismus im Jagsttal.
Der Regionalverband wollte die rechtlichen Voraussetzungen schaffen, denn bei einer Erörterung habe sich gezeigt, dass ¸¸keine unüberbrückbaren Hindernisse diesem Vorhaben entgegenstehen würden''. Offenbar hatten die Bürokraten die Nähe zum Forschungszentrum schlicht vergessen. Zu groß war wohl die Vorfreude, hätte doch der Touristenmagnet den strukturschwachen Raum beleben sollen.
Ingo Mordelt (33), Junior-Chef von Heimo, will dennoch einen Märchenpark bauen: ¸¸Wir strecken jetzt die Fühler aus, schön wäre ein heimatnahes Grundstück.'' Der Rückschlag mit Widdern ist bereits der zweite: Der Bau im Hohenlohekreis war an Wucherpreisen der Grundbesitzer gescheitert.
Der Spezialist für bewegliche Dekorationen und Kirmesfiguren, der seine bis zu 14 Metern hohen Fantasiegestalten in 45 Ländern exportiert, hatte früher einen Märchengarten neben der eigenen Fabrik betrieben. In den besten Zeiten kamen dort jährlich 140000 Besucher, bis 1981 geschlossen werden musste, weil Nachbarn den Rummel nicht länger ertrugen.
JUK
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