Ganz frisch aus der Schweriner Volkszeitung vom 20. 01. 2001
Was halten Sie von Käpp'n Brass?
Idee des Erlebnisparks findet Anklang/Bürger erwarten gewissen Anspruch/Bedenken wegen Finanzierung
Kennen Sie Käpp'n Brass? Auf diese Fragen werden, nach Ansicht des Projektvaters Thomas Frank, die Leute auch jenseits der Rostocker Stadtgrenzen mit "Ja", antworten. Was jetzt noch in Kinderschuhen steckt, soll im Jahr 2004 bundesweit und für alle Ostseeanliegerländer in Sachen Unterhaltung und Freizeit der Anlaufpunkt schlechthin werden. Der Park bei Brinckmansdorf soll zum Schmelztiegel für Kultur, Attraktion, Natur, Spass und Spiel werden. Das ganze Jahr über blieben damit Rostock und die Mecklenburgische Küste im touristischen Gespräch. Vorzüge für Stadt und Region sind absehbar. Mit 1700 Arbeitsplätzen rechnet man insgesamt, der Ruf als Vorbild für die gelungene Verbindung von Dienstleistung und Freizeit scheint Rostock gewiss. Auch Oberbürgermeister Arno Pöker schätzt diese Vision als realistisch ein, gibt aber auch zu bedenken, dass noch viele Hürden zu nehmen seien. Was die Rostocker vom geplanten Käpp'n Brass halten, das wollten NNN im "Thema der Woche" in Erfahrung bringen. Text, Umfrage: Christina Aude
Liebe Leserinnen und Leser,
schreiben Sie uns Ihre Meinung oder schlagen Sie ein Thema vor, das demnächst als "Thema der Woche" erörtert werden sollte. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften an die Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten, Bergstraße 10, 18057 Rostock.
Antje Gosselck (29), Fremdsprachensekretärin, fordert gute Zusammenarbeit.
Das Konzept des Käpp'n-Brass-Parks klingt sehr gut. Mir kommt es besonders darauf an, heimische Ressourcen zu nutzen und den Bau mit bereits Bestehendem zu verbinden. Damit meine ich beispielsweise eine Zusammenarbeit der Bühnen mit dem Volkstheater und der Musikschule ebenso wie eine gelungene Anpassung des Parks an die Umwelt, ohne dabei Naturreservate zu zerstören.
Frank Meyer (34), Konstrukteur, sorgt sich um langfristige Finanzierung.
Ich bin skeptisch. So ein Park mag sich für die zwei bis drei Sommermonate rentieren. Aber was ist im Winter? Ich befürchte, dass Käpp'n Brass auf die Dauer nicht kostendeckend arbeiten kann. Ausserdem muss man die Sache anders anpacken. Zuerst braucht die Wirtschaft Aufschwung, es müssen sich Konzerne und mehr Menschen siedeln, erst dann kann man sich ums Vergnügen kümmern.
Susanne Dittrich (21), Studentin, erwartet Anspruch, keinen Kommerz.
Der Park muss den Anspruch haben, mehr als nur eine Kopie von Disney-World zu sein. Mich würde es ungeheuer stören, wenn alles nur auf Vergnügen ausgerichtet wäre. Ich erwarte auch kulturelle Veranstaltungen, Freiluftkonzerte, Sommertheater und interaktive Museen. Eine totale Kommerzialisierung wäre das Schlimmste, was man aus der ansonsten sehr guten Idee machen kann.
Karl-Dieter Dobratz (34), Fleischer, sieht in Käpp'n Brass Rostocks Chancen.
Abwechslung, Spass und gute Laune, dafür gehe ich oft in solche Freizeitparks. Aber um neben den zahlreichen anderen hervorzustechen, sollte sich der Käpp'n-Brass-Park ruhig ein paar Besonderheiten einfallen lassen. Es wäre übrigens eine prima Idee, in ein Erholungsgebiet Freizeitmöglichkeiten zu integrieren. Das zieht Leute an und gibt Rostock die Chance, landesweit bekannter zu werden.
Marianne Wisnieski (51), Invalidenrentnerin, hofft auf Verkehrsanbindungen.
Eigentlich spricht so ein großer Erlebnispark eher Jugendliche an. Aber der Abwechslung halber würde auch ich einmal dort vorbeischauen. Mir ist jedoch wichtig, dass man auch an die Leute ohne Auto denkt und sich bemüht, gute Verkehrsanbindungen für Bus und Bahn zu schaffen. Ansonsten halte ich das für einen vorteilhaften Plan, bei dem im Grunde gar nicht mehr viel schief gehen kann.
Klaus-Peter Taege (46), Maurer, begeistert sich für diese Freizeitmöglichkeit.
Hier gibt es doch weit und breit kein vernünftiges Freizeitangebot. Da wurde es für einen Park wie Käpp'n Brass endlich einmal Zeit. Besonders für Familien mit Kindern wird es die Attraktion werden, schließlich kann sich nicht jeder eine Karte für Disney-World leisten. Meine Angst ist nur, dass wir uns mit dem Bau verschulden, denn allein mit dem Ostseestadion haben wir finanziell schon genug zu tun.
JUK
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