Ermittlungen nach Unfall
VON SUSANNE GENATH
Bruno Schmelter, Chef des Ittertaler Freizeitparks, kann sich nicht erklären, warum der Drehkranz mit acht Fahrgästen abgestürzt ist.
(RP) Sachverständige sollen klären, warum der Drehkranz des Kettenkarussells im Freizeitpark Ittertal abbrechen konnte und ob dem Betreiber fahrlässige Körperverletzung vorzuwerfen ist. Der Park bleibt weiter geöffnet.
Im Freizeitpark Ittertal herrschte gestern Ruhe. Ponys drehen im Streichelzoo ihre Runden, im Gehege daneben balanciert Ziege Frieda auf einem Stuhl und auf dem Teich lassen sich Enten und Schwäne langsam treiben. Montags ist der Park für Besucher geschlossen. Trotz der Stille haben die Tiere keinen Blick übrig für das nostalgische Kettenkarussell, dessen Drehkranz abgebrochen neben dem Tragmast hängt und von rot-weißem Flatterband der Polizei abgesperrt ist.
Bruno Schmelter, Chef des Familienparadieses, kann das Geschehen vom Sonntagabend immer noch nicht fassen. „Die Krone ist an der Rundschweißung am Tragmast abgebrochen“, berichtet der 63-Jährige, der in sechster Generation das Schaustellergewerbe betreibt. „So etwas hat es noch nie gegeben.“ Die Schweißnaht sei vor über 100 Jahren vom Hersteller des Karussells angebracht worden und habe seitdem gehalten. „Dass sie brechen könnte, damit rechnet man nicht. Es ist ein Wunder, dass bei dem Unfall nicht mehr passiert ist“, sagt Schmelter.
Sieben Kinder und ein Erwachsener hatten sich Schürfwunden zugezogen, als sie kurz nach Anlauf des Karussells mit dem Drehkranz hinabstürzten. „Zum Glück ist niemand hysterisch geworden“, berichtet der Inhaber des Freizeitparkes. Die Kinder hätten sich vor allem sehr erschreckt. „Es hat keiner geschimpft oder Schuldzuweisungen ausgesprochen. Alles ist sehr fair abgelaufen.“ Die Besucher seien froh gewesen, dass nichts Schlimmeres passiert sei. „Und der Froheste von allen bin ich.“
Das nostalgische Kettenkarussell wurde 1904 im Münsterland hergestellt und bietet Platz für 24 Fahrgäste.
Im Jahr 2004 hatte Freizeitpark-Chef Bruno Schmelter die Attraktion ins Ittertal geholt. „Es war ein Tauschgeschäft unter Kollegen.“
Seitdem haben Tag für Tag rund 100 Besucher ihre Runden auf dem Karussell gedreht, an Wochenenden auch mehr.
Wie es zu dem Unfall kommen konnte, steht noch nicht fest. Sachverständige sollen im Auftrag von Polizei und Staatsanwaltschaft klären, warum der Drehkranz abgebrochen ist und ob möglicherweise fahrlässige Körperverletzung vorliegt. „Solche technischen Gutachten dauern in der Regel mehrere Wochen“, berichtet Polizeisprecher Alexander Kresta. Vertreter von Berufsgenossenschaft und Versicherung waren dagegen schon gestern im Ittertal vor Ort, um sich ein Bild von dem Unfall zu machen.
Verletzte bei Einsturz eines Kettenkarussells
Das Solinger Ordnungsamt ist bislang noch nicht in das Geschehen verwickelt. „Die Geräte hat Herr Schmelter nach eigenen Angaben immer selbst überprüft“, berichtet Detlef Münch, Leiter des Stadtdienstes Ordnung. Eine regelmäßige Überprüfung durch den TÜV sei nicht nötig gewesen. Eventuell müsse das Amt dennoch tätig werden. Unter anderem dann, wenn die Gutachter von Polizei und Staatsanwaltschaft zu dem Ergebnis kommen, dass es sich zwar nicht um eine Straftat, sondern um eine Ordnungswidrigkeit handelt. Gegebenenfalls müsse dann das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz zugrunde gelegt werden – ein neues Feld für die Beamten. „Das haben wir bisher noch nie angewendet“, sagt Münch. Zuletzt hat die Bauaufsicht im Frühjahr Geräte des Familienparks kontrolliert und dabei nichts beanstandet. Ein Besucher hatte sich damals beschwert.
Bruno Schmelter will den Freizeitpark heute wieder öffnen. „Allerdings erst, wenn das Karussell abgebaut ist“, sagt der 63-Jährige. „Es kommt weg und wird nicht mehr in Betrieb genommen – auch wenn es schade ist.“ Vorerst soll nun eine kleine Hüpfburg an der Stelle des Karussells am Teich errichtet werden.
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