Quelle:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/index_frameset.html?/news/artikel.php?id=119340[h2]Die Traumjobs platzen wie eine Seifenblase[/h2]
Die Polizei ermittelt gegen "Atlantes e.V.", die in Bad Breisig einen Freizeitpark mit Delphintherapie bauen wollte - Potenzielle Mitarbeiter zahlten Kaution für ihre spätere Dienstwohnung
Von Dagmar Blesel und Andreas Wetzlar
Bonn/Bad Breisig. Die Polizei ist einem offenbar perfekt inszenierten Betrug auf der Spur, dem möglicherweise hunderte von Menschen in der Region auf den Leim gegangen sind. Im Mittelpunkt stand ein Traum, dem offenbar besonders viele Arbeitslose und Geringverdiener erlagen: Auf dem Gelände der ehemaligen Veba-Glas und den angrenzenden Kiesgruben in Bad Breisig sollte ein Freizeitpark entstehen.
"Atlantes e.V." sollte Arbeitsplätze bringen, den wirtschaftlichen Aufschwung für Stadt und Region. In Stellenanzeigen wurden unter vielen anderen Schreiner, Maurer, Installateure, Friseusen oder Ärzte, Physiotherapeuten, Delphintrainer und Animateure gesucht. Geplant hatte "Atlantes" einen Freizeitpark zum Thema Wasser mit Delphintherapie, Fitness und Erholung.
Jetzt hat die Bonner Kripo ein Ermittlungsverfahren gegen mehrere Personen wegen des Verdachts des Betruges eingeleitet. So gegen einen 23-Jährigen aus Bornheim, der nach GA-Informationen polizeibekannt ist - wegen Betrugskriminalität. Aufmerksam geworden war die Polizei Anfang Dezember. Da informierte ein Teilnehmer eines so genannten Vorstellungsgesprächs in einem Bonner Hotel die Polizei über den angeblichen Verein, weil ihm die Sache suspekt vorkam.
Das Betrugskommissariat nahm Ermittlungen auf. Wie Polizeisprecher Robert Scholten dem GA am Donnerstag bestätigte, erstattete dann ein Mann Anzeige gegen "Atlantes". In mindestens zwei anderen Polizeibehörden in NRW gingen ebenfalls Anzeigen ein.
Erfahrungen mit "Atlantes" hat Wilfried Scheffler, Eigentümer der Immobilie in Bad Breisig und der scheinbar benötigten Grundstücke, gesammelt. "Bei einem Ortstermin haben sich zwei Herren und eine Dame das Gelände angesehen, immer nur mit den Köpfen genickt und davon gesprochen, dass das Areal wie geschaffen für den Freizeitpark sei. Dass der Kiesabbau noch bis zum Jahre 2007 weiter laufen soll, schien sie nicht zu stören", erinnert sich Scheffler.
Erste Zweifel kamen dem Bad Breisiger, als über die Termine gesprochen wurde. Obwohl der Ortstermin Ende Oktober war, wollte man bereits zum Jahreswechsel mit den Arbeiten beginnen. Obwohl detaillierte Pläne nicht vorgelegt werden konnten, wollte man seitens "Atlantes" sofort zum Notar schreiten und den Verkauf perfekt machen. "Das ging mir dann aber doch alles viel zu schnell.
Auf ein Anderkonto sollte ein Sicherungsbetrag eingezahlt werden, um anfallende Kosten zu decken. Doch das Geld kam nicht. Schließlich kam ein Schreiben eines Bonner Rechtsanwalts mit einer Absage von "Atlantes", sagt Scheffler. Karl-Heinz Braun berichtet, dass die zweite Vorsitzende des Vereins, wie sie sich selber nannte, Kaufinteresse an einer noblen Villa in Oberbreisig gezeigt hätte.
Braun, der Verkäufer, und sie seien sich über den millionenschweren Kaufpreis einig geworden, der Kaufvertrag beim Notar sei abgeschlossen worden. Das Geld sei aber nicht geflossen, und so sei er, Braun, auf über 20 000 Euro Notar- und Maklerkosten sitzen geblieben. Er habe daraufhin Anzeige erstattet.
Auch bei der Verwaltung der Stadt Bad Breisig stieß das Geschäftsgebahren von "Atlantes" auf kritische Fragen. "Ich wurde lediglich in einem Gespräch über einen geplanten Freizeitpark informiert. Pläne, Anfragen oder Modelle haben zu keiner Zeit vorgelegen", sagt Bürgermeister Bernd Weidenbach.
Die Verwaltung habe daher zunächst nichts unternommen. Als aber aus der Bevölkerung und von vermeintlich Geschädigten immer mehr Anfragen kamen - eine städtische Mitarbeiterin berichtete von bis zu zehn Anrufen täglich - habe man sich mit der Polizei in Verbindung gesetzt.
"Atlantes" habe viele Versprechungen gemacht, sagen Betroffene. In Stellenanzeigen wurde mit einem Entertainmentpark geworben, der im Sommer 2006 im Köln/Bonner Raum eröffnet werden sollte. Gelockt wurde mit Besuchen im Phantasialand und Center-Parks, für die geringe Kosten anfallen würden, und mit eigenen Wohnungen, die auf dem Gelände gebaut werden sollten. Zu zahlen seien 500 Euro Kaution.
Nach GA-Informationen wurde einem Autoschlosser ein Job als Delphin-Trainer zugesagt. Doch dieser Traum platzte wie eine Seifenblase. Als "Vorstand" fungieren ein Mann, der seinen Wohnsitz in Guatemala hat und eine Frau aus Österreich, die sich zeitweise in Bornheim aufhielt - in der Wohnung des 23-Jährigen. Die Polizei hat ihre Ermittlungen inzwischen intensiviert.
Dazu auch der Kommentar: "Ausgenutzte Hoffnungen"
Quelle:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/index_frameset.html?/news/artikel.php?id=119341[h2]Ausgenutzte Hoffnungen[/h2]
Kommentar
Von Dagmar Blesel
Der Traum von einem Traumjob in einer Traumfabrik ist ausgeträumt. Menschen, die sich Hoffnungen gemacht hatten, einen besseren Job mit entsprechender Bezahlung gefunden zu haben oder überhaupt endlich wieder Arbeit zu bekommen, sind bitter enttäuscht worden. Ihre Hoffnungen sind geplatzt wie eine Seifenblase.
Skepsis oder Zweifel hatten die wenigstens bei den Angeboten von "Atlantes". Zu seriös und profihaft haben die angeblichen Mitarbeiter sich bei den "Bewerbungsgesprächen" in einem Bonner Hotel präsentiert.
Und sich dabei die Gutgläubigkeit und die Hoffnung der Menschen zu Nutze gemacht. "Atlantes" versprach feste Gehälter, festen Urlaub. Darüber hinaus wurde mit einer Ausbildung in den USA gelockt. Doch diese Traum-Vorstellungen haben sich für Viele bereits nach kurzer Zeit als leere Versprechungen entpuppt.
Es ist gut, dass Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen intensiviert haben. Dabei können ihr die Betroffenen am besten helfen. Opfer sollten sich nicht in ihr Schicksal ergeben, sondern Anzeige erstatten. Angesichts des "professionellen" Vorgehens der "Atlantes" muss damit gerechnet werden, dass der Verein in großem Stil abkassiert hat.
Vielen Dank für den Artikeltipp