Brandstiftung bei HEIMO
Wachmann legt Feuer, um in der Firma "super dazustehen "
Von Martin Hennings
Amtsgericht Heilbronn: Bewährungsstrafe für 31-jährigen psychisch Kranken - Zwei weitere Brandstiftungen bei heimo in Jagsthausen bleiben ungeklärt
Drei Mal hat 1999 und 2000 bei der Firma heimo in Jagsthausen ein Feuerteufel gewütet. Schaden: über sechs Millionen Mark. Gestern hat das Amtsgericht Heilbronn einen 31-Jährigen, der eines der Feuer gelegt hat, wegen Brandstiftung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die beiden anderen Fälle bleiben ungeklärt.
Eigentlich sollte der 31-Jährige bei heimo, das Teile für Freizeitparks produziert, für Sicherheit sorgen. Als Wachmann, angestellt bei einem privaten Wachdienst. Doch stattdessen zündet er in der Nacht zum 30. November 1999 einen Karton an, schiebt ihn brennend vor ein Rolltor und fährt davon. Später kehrt er zurück und alarmiert die Feuerwehr. " Ich dachte, wenn ich das Feuer entdecke, stehe ich super da in der Firma ", sagt er.
Die Flammen richten einschließlich Produktionsausfall einen Schaden von über drei Millionen Mark an, unter anderem wird ein Ausstellungsraum total zerstört. Die Brandstiftung war nicht der einzige Fehltritt, mit dem der 31-Jährige Aufmerksamkeit und Anerkennung ernten wollte.
Auch anderswo zündelt der Wachmann, der im nördlichen Landkreis Heilbronn zuhause ist, wirft Scheiben ein, täuscht Einbrüche vor, um sich dann als Unglücksverhinderer und Straftatentdecker aufzuspielen.
Eine kombinierte Persönlichkeitsstörung hat ein Psychiater beim Angeklagten festgestellt. Überforderung, Geltungsstreben, der Versuch, innere Spannungen abzubauen, hätten die Taten des 31-Jährigen ausgelöst. Der formuliert es einfacher: "Es kam über mich." Der Ex-Wachmann, der jetzt in psychologischer Betreuung ist, habe ohne Zweifel seelische Probleme, so der Psychiater, schuldunfähig sei er deshalb aber nicht.
Staatsanwalt und Verteidigung plädieren auf eine Bewährungsstrafe. Der geständige Angeklagte ist nicht vorbestraft. Das Gericht folgt den Anträgen und verhängt zwei Jahre Haft, die der 31-Jährige aber nicht absitzen muss, wenn er sich fünf Jahre lang nichts mehr zuschulden kommen lässt. Und wenn er die begonnene Therapie erfolgreich beendet. Richter Peter Schlosser-Greiner bezeichnet das Urteil als "letzte Chance des Angeklagten".
Mit dem Spruch des Amtsgerichts ist nur eine von drei Brandstiftungen bei heimo juristisch aufgearbeitet. Im Mai 1999 war ein Lkw in Flammen aufgegangen, dann folgte die Tat des 31-Jährigen.
Und in der Nacht von 1. auf 2. Januar 2000 lodern schon wieder die Flammen beim Jagsthäuser Familienbetrieb, bei dem 70 Mitarbeiter beschäftigt sind. Auch diesmal liegt der Schaden bei rund drei Millionen Mark.
Ein ehemaliger heimo-Angestellter wird verhaftet, es gelingt aber nicht, ihm die Brandstiftung nachzuweisen. Sicher ist, dass der jetzt Verurteilte mit dem dritten Feuer nichts zu tun hat.
Im Januar saß er in der geschlossenen Psychiatrie.
"Das alles hat uns sehr, sehr wehgetan", sagt heimo-Geschäftsführer Ingo Mordelt zurückblickend. Der dritte Brand ging überregional durch die Presse, Kunden wurden zurückhaltend, Aufträge blieben aus. "Jetzt hat es sich aber zum größten Teil wieder eingespielt", sagt Mordelt. "Auch dank des großen Einsatzes aller Mitarbeiter."
JUK
http://www.henson.com/cards/images/everyday_06s.gif
Von Martin Hennings
Amtsgericht Heilbronn: Bewährungsstrafe für 31-jährigen psychisch Kranken - Zwei weitere Brandstiftungen bei heimo in Jagsthausen bleiben ungeklärt
Drei Mal hat 1999 und 2000 bei der Firma heimo in Jagsthausen ein Feuerteufel gewütet. Schaden: über sechs Millionen Mark. Gestern hat das Amtsgericht Heilbronn einen 31-Jährigen, der eines der Feuer gelegt hat, wegen Brandstiftung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die beiden anderen Fälle bleiben ungeklärt.
Eigentlich sollte der 31-Jährige bei heimo, das Teile für Freizeitparks produziert, für Sicherheit sorgen. Als Wachmann, angestellt bei einem privaten Wachdienst. Doch stattdessen zündet er in der Nacht zum 30. November 1999 einen Karton an, schiebt ihn brennend vor ein Rolltor und fährt davon. Später kehrt er zurück und alarmiert die Feuerwehr. " Ich dachte, wenn ich das Feuer entdecke, stehe ich super da in der Firma ", sagt er.
Die Flammen richten einschließlich Produktionsausfall einen Schaden von über drei Millionen Mark an, unter anderem wird ein Ausstellungsraum total zerstört. Die Brandstiftung war nicht der einzige Fehltritt, mit dem der 31-Jährige Aufmerksamkeit und Anerkennung ernten wollte.
Auch anderswo zündelt der Wachmann, der im nördlichen Landkreis Heilbronn zuhause ist, wirft Scheiben ein, täuscht Einbrüche vor, um sich dann als Unglücksverhinderer und Straftatentdecker aufzuspielen.
Eine kombinierte Persönlichkeitsstörung hat ein Psychiater beim Angeklagten festgestellt. Überforderung, Geltungsstreben, der Versuch, innere Spannungen abzubauen, hätten die Taten des 31-Jährigen ausgelöst. Der formuliert es einfacher: "Es kam über mich." Der Ex-Wachmann, der jetzt in psychologischer Betreuung ist, habe ohne Zweifel seelische Probleme, so der Psychiater, schuldunfähig sei er deshalb aber nicht.
Staatsanwalt und Verteidigung plädieren auf eine Bewährungsstrafe. Der geständige Angeklagte ist nicht vorbestraft. Das Gericht folgt den Anträgen und verhängt zwei Jahre Haft, die der 31-Jährige aber nicht absitzen muss, wenn er sich fünf Jahre lang nichts mehr zuschulden kommen lässt. Und wenn er die begonnene Therapie erfolgreich beendet. Richter Peter Schlosser-Greiner bezeichnet das Urteil als "letzte Chance des Angeklagten".
Mit dem Spruch des Amtsgerichts ist nur eine von drei Brandstiftungen bei heimo juristisch aufgearbeitet. Im Mai 1999 war ein Lkw in Flammen aufgegangen, dann folgte die Tat des 31-Jährigen.
Und in der Nacht von 1. auf 2. Januar 2000 lodern schon wieder die Flammen beim Jagsthäuser Familienbetrieb, bei dem 70 Mitarbeiter beschäftigt sind. Auch diesmal liegt der Schaden bei rund drei Millionen Mark.
Ein ehemaliger heimo-Angestellter wird verhaftet, es gelingt aber nicht, ihm die Brandstiftung nachzuweisen. Sicher ist, dass der jetzt Verurteilte mit dem dritten Feuer nichts zu tun hat.
Im Januar saß er in der geschlossenen Psychiatrie.
"Das alles hat uns sehr, sehr wehgetan", sagt heimo-Geschäftsführer Ingo Mordelt zurückblickend. Der dritte Brand ging überregional durch die Presse, Kunden wurden zurückhaltend, Aufträge blieben aus. "Jetzt hat es sich aber zum größten Teil wieder eingespielt", sagt Mordelt. "Auch dank des großen Einsatzes aller Mitarbeiter."
JUK
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