Mal wieder was zum Thema Kirmes
"Kirmes-Krise" schreckt die Politiker auf
Rolf Seydewitz
Rummelplatz Bundestag: Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat sich das Hohe Haus gestern mit "Volksfesten in Deutschland" befasst. Dass seriöse Parlamentarier bierernst über ein eher fröhliches Thema debattieren, hat einen unerfreulichen Hintergrund: Immer mehr Schausteller bangen um ihre Existenz, immer mehr Jahrmärkte beklagen zurückgehende Umsatz- und Besucherzahlen.
Die deutsche "Kirmes-Krise" hat Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen alarmiert und über Rettungsmaßnahmen nachdenken lassen. Das Ergebnis: Zwei nahezu gleichlautende Anträge von Union auf der einen, SPD, Grünen, FDP und PDS auf der anderen Seite. Darin wird die Regierung aufgefordert, etwas zu unternehmen für die Sicherung der "deutschen Volksfestkultur". Schließlich seien die "tief im volkstümlichen Brauchtum verwurzelten Jahrmärkte, Kirmessen, Wochen- und Weihnachtsmärkte einzigartig auf der ganzen Welt" und damit "schützenswert". Zudem steigere der Rummel die Lebensqualität der Bevölkerung und sei Anziehungspunkt für in- und ausländische Gäste.
Im Gegensatz zu anderen Kulturbereichen, die oft erheblich subventioniert würden, fehle es den jährlich rund 10 000 Volksfesten im Land aber oftmals an jeglicher Unterstützung, würden die Schausteller zunehmend mit Gebührenerhöhungen, Abgaben oder Bagatellsteuern traktiert. "Den Produzenten von Frohsinn und Geselligkeit vergeht das Lachen", meint der FDP-Abgeordnete Ernst Burgbacher. Über die vielerorts erhobenen "Phantasie-Gebühren" - etwa für das Abstellen eines Wohnwagens - mokiert sich auch der Vizepräsident des Deutschen Schaustellerbundes (DSB), Albert Ritter. "Das sind Strafzölle für Gewerbetreibende", kritisierte er gestern in einem Gespräch mit der Main-Post.
Einig sind sich DSB und die Bundestagsfraktionen auch in der Forderung an die Gemeinden, Volksfeste in eigener Trägerschaft zu veranstalten statt sie an Privatunternehmen zu übertragen. Die Mehrkosten könnten auch durch höhere Preise nicht mehr aufgefangen werden. Ein Dorn im Auge ist Politikern und Schaustellern auch die "Fest-Inflation". Immer mehr Freizeit-Veranstaltungen, "die oftmals nicht den gleichen hygiene-, arbeits- und steuerrechtlichen Anforderungen unterliegen", machten den traditionellen Volksfesten Konkurrenz. Weitere Belastungen entstünden den rund 4500 deutschen Schaustellerbetrieben durch neue gesetzliche Auflagen vor allem im Lebensmittel- und Verkehrsbereich.
Dass für ihren Forderungskatalog meist nicht der Bund, sondern Länder und Gemeinden die richtigen Adressaten seien, räumen DSB-Vize Ritter und auch der CDU-Tourismusexperte Klaus Brähmig ein. Dennoch: Eine Signalwirkung auf die zuständigen Behörden werde von den Bundestagsanträgen schon ausgehen, sind beide optimistisch.
JUK
http://www.henson.com/cards/images/everyday_06s.gif
Rolf Seydewitz
Rummelplatz Bundestag: Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat sich das Hohe Haus gestern mit "Volksfesten in Deutschland" befasst. Dass seriöse Parlamentarier bierernst über ein eher fröhliches Thema debattieren, hat einen unerfreulichen Hintergrund: Immer mehr Schausteller bangen um ihre Existenz, immer mehr Jahrmärkte beklagen zurückgehende Umsatz- und Besucherzahlen.
Die deutsche "Kirmes-Krise" hat Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen alarmiert und über Rettungsmaßnahmen nachdenken lassen. Das Ergebnis: Zwei nahezu gleichlautende Anträge von Union auf der einen, SPD, Grünen, FDP und PDS auf der anderen Seite. Darin wird die Regierung aufgefordert, etwas zu unternehmen für die Sicherung der "deutschen Volksfestkultur". Schließlich seien die "tief im volkstümlichen Brauchtum verwurzelten Jahrmärkte, Kirmessen, Wochen- und Weihnachtsmärkte einzigartig auf der ganzen Welt" und damit "schützenswert". Zudem steigere der Rummel die Lebensqualität der Bevölkerung und sei Anziehungspunkt für in- und ausländische Gäste.
Im Gegensatz zu anderen Kulturbereichen, die oft erheblich subventioniert würden, fehle es den jährlich rund 10 000 Volksfesten im Land aber oftmals an jeglicher Unterstützung, würden die Schausteller zunehmend mit Gebührenerhöhungen, Abgaben oder Bagatellsteuern traktiert. "Den Produzenten von Frohsinn und Geselligkeit vergeht das Lachen", meint der FDP-Abgeordnete Ernst Burgbacher. Über die vielerorts erhobenen "Phantasie-Gebühren" - etwa für das Abstellen eines Wohnwagens - mokiert sich auch der Vizepräsident des Deutschen Schaustellerbundes (DSB), Albert Ritter. "Das sind Strafzölle für Gewerbetreibende", kritisierte er gestern in einem Gespräch mit der Main-Post.
Einig sind sich DSB und die Bundestagsfraktionen auch in der Forderung an die Gemeinden, Volksfeste in eigener Trägerschaft zu veranstalten statt sie an Privatunternehmen zu übertragen. Die Mehrkosten könnten auch durch höhere Preise nicht mehr aufgefangen werden. Ein Dorn im Auge ist Politikern und Schaustellern auch die "Fest-Inflation". Immer mehr Freizeit-Veranstaltungen, "die oftmals nicht den gleichen hygiene-, arbeits- und steuerrechtlichen Anforderungen unterliegen", machten den traditionellen Volksfesten Konkurrenz. Weitere Belastungen entstünden den rund 4500 deutschen Schaustellerbetrieben durch neue gesetzliche Auflagen vor allem im Lebensmittel- und Verkehrsbereich.
Dass für ihren Forderungskatalog meist nicht der Bund, sondern Länder und Gemeinden die richtigen Adressaten seien, räumen DSB-Vize Ritter und auch der CDU-Tourismusexperte Klaus Brähmig ein. Dennoch: Eine Signalwirkung auf die zuständigen Behörden werde von den Bundestagsanträgen schon ausgehen, sind beide optimistisch.
JUK
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