LR-Online: 'Militärgelände bei Sperenberg soll Freizeitpark werden'
[h5]Ensis sucht nach Scheitern im Spreewald Standort[/h5]
„Falls sich das Projekt bei uns verwirklichen lässt, bleiben die Arbeitsplätze wenigstens in Brandenburg“
Detlef Gärtner, Baudezernent im Landkreis Teltow-Fläming
Detlef Gärtner, Beigeordneter und Baudezernent im Landkreis Teltow-Fläming, bestätigt, was die RUNDSCHAU bereits gemeldet hatte: «Eine Vertreterin der niederländischen Firma Ensis BV hat uns das Projekt eines Freizeit- und Themenparks vorgestellt. Wir haben unser Interesse signalisiert.»
Nach dem Scheitern des Vorhabens im Spreewald will Ensis BV die Erlebniswelt offensichtlich auf einem 3500 Hektar großen ehemaligen russischen Militärgelände in Sperenberg-Kummersdorf-Gut verwirklichen. Ensis-Managerin Marianne Balke bleibt dazu wortkarg, dementiert entsprechende RUNDSCHAU-Recherchen aber nicht. «Wir haben Stillschweigen vereinbart. Ich halte mich an die Abmachungen» , erklärt sie.
Gegenwärtig hängt noch viel bürokratischer Nebel über der Verwendung des ehemaligen Übungsplatzes der Sowjetarmee zwischen Jüterbog, Luckenwalde und Zossen. «Ensis BV hat sich um das Gelände beworben. Die Oberfinanzdirektion Cottbus kann aber über einen Verkauf nicht verhandeln, solange nicht entschieden ist, ob das Land Brandenburg die Liegenschaft übernimmt» , ist von der Sprecherin der Cottbuser Behörde, Andrea Nipperdey-Malth, zu hören.
Auch im Potsdamer Finanzministerium ist nach Auskunft von Ministeriumssprecherin Katrin Beck das Interesse von Ensis BV an dem brachliegenden Areal bekannt. «Etwas Schriftliches gibt es aber noch nicht» , ergänzt Katrin Beck. Es werde noch eine ganze Zeit dauern, bis entschieden ist, ob Brandenburg Anspruch auf die Liegenschaft erhebt. Geklärt werden müsse, wie stark das Gelände belastet ist, wie hoch die Kosten sind, um es verkaufsfähig zu machen und ob eine öffentliche Ausschreibung notwendig ist, so Beck.
Der Landkreis Teltow-Fläming steht einem Freizeit- und Themenpark, wie er im Spreewald entstehen sollte, durchaus aufgeschlossen gegenüber. «Wir wissen natürlich seit einiger Zeit, dass so etwas in unserem Nachbarkreis Dahme-Spreewald vorgesehen war, sind ja als einer der Träger öffentlicher Belange um eine Stellungnahme gebeten worden. Falls sich das Projekt bei uns verwirklichen lässt, bleiben die Arbeitsplätze wenigstens in Brandenburg» , sagt Detlef Gärtner. Die ersten Gespräche seien im Juli geführt worden. Dabei wurde neben anderen Standorten über das Gelände bei Sperenberg diskutiert, so Gärtner. Mit dem geplanten vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 101 bis zum Jahre 2007, mit der A 9 und den Bahnstrecken nach Leipzig und Dresden gibt es in der Infrastruktur gute Voraussetzungen, erläutert der Baudezernent.
Zu den Querelen um das Planverfahren am einstigen Standort bei Lübben will er sich nicht näher äußern. Man könne ein solches Projekt auch mit einem einfachen Planverfahren und entsprechenden städtebaulichen Verträgen durchziehen, sagt Gärtner lediglich.
Dieses so genannte qualifizierte Planungsverfahren hatte Projektentwickler Ensis BV favorisiert. Den Antrag lehnten die Stadtverordneten von Lübben, die Gemeindevertretung von Bersteland und der Planungsverband Spreewald allerdings als zu risikoreich ab. «Die Mitglieder des Planungsverbandes sehen sich einem Risiko von finanziellen Belastungen in Höhe von vielen Millionen Euro gegenüber» , so die Begründung. Sie befürchten, so heißt es in einer Erklärung weiter, auf unkalkulierbaren Erschließungskosten sitzen zu bleiben und die Verwirklichung des Gesamtprojektes nicht mehr beeinflussen zu können. Das qualifizierte Planverfahren beinhalte nämlich keine Baupflicht, so eines der Argumente. Die Gremien im Spreewald beharrten auf einem vorhabenbezogenen Planverfahren, bei dem der Investor die Kosten tragen und das Bauvorhaben entsprechend der Planungen verwirklichen muss. Als letztlich ausschlaggebend für die Haltung der Kommunen wurde durch den Planungsverband Spreewaldpark hervorgehoben, dass bis zum Schluss unbekannt geblieben sei, «wer Investor ist und wer das Projekt finanziert» .
In den Freizeit- und Themenpark will der niederländische Projektentwickler Ensis BV nach eigenen Angaben 560 Millionen Euro investieren, die von Geldanlegern in Amerika aufgebracht werden sollen. Entstehen sollen neben Themenparks ein Golfplatz, Hotels, ein See mit Feriendorf und Wasserattraktionen. In Aussicht gestellt wurden etwa 3000 direkte und 10 000 indirekte Arbeitsplätze. Seit 1996 sorgte das Vorhaben immer wieder für Gesprächsstoff. Zunächst war eine holländische Firma namens Heycur BV aktiv. Seit 1998 will Ensis BV das Projekt verwirklichen.
[div align=right]Von Wolfgang Swat (Artikel vom 11.08.2003 01:08)[/div]
(c) Lausitzer Rundschau Online
mfg Boris
"denkt daran, der Geek, den Ihr heute auslacht, ist wahrscheinlich derselbe Typ, der morgen Euren Gehaltsscheck unterschreibt" (chuckgutz)
„Falls sich das Projekt bei uns verwirklichen lässt, bleiben die Arbeitsplätze wenigstens in Brandenburg“
Detlef Gärtner, Baudezernent im Landkreis Teltow-Fläming
Detlef Gärtner, Beigeordneter und Baudezernent im Landkreis Teltow-Fläming, bestätigt, was die RUNDSCHAU bereits gemeldet hatte: «Eine Vertreterin der niederländischen Firma Ensis BV hat uns das Projekt eines Freizeit- und Themenparks vorgestellt. Wir haben unser Interesse signalisiert.»
Nach dem Scheitern des Vorhabens im Spreewald will Ensis BV die Erlebniswelt offensichtlich auf einem 3500 Hektar großen ehemaligen russischen Militärgelände in Sperenberg-Kummersdorf-Gut verwirklichen. Ensis-Managerin Marianne Balke bleibt dazu wortkarg, dementiert entsprechende RUNDSCHAU-Recherchen aber nicht. «Wir haben Stillschweigen vereinbart. Ich halte mich an die Abmachungen» , erklärt sie.
Gegenwärtig hängt noch viel bürokratischer Nebel über der Verwendung des ehemaligen Übungsplatzes der Sowjetarmee zwischen Jüterbog, Luckenwalde und Zossen. «Ensis BV hat sich um das Gelände beworben. Die Oberfinanzdirektion Cottbus kann aber über einen Verkauf nicht verhandeln, solange nicht entschieden ist, ob das Land Brandenburg die Liegenschaft übernimmt» , ist von der Sprecherin der Cottbuser Behörde, Andrea Nipperdey-Malth, zu hören.
Auch im Potsdamer Finanzministerium ist nach Auskunft von Ministeriumssprecherin Katrin Beck das Interesse von Ensis BV an dem brachliegenden Areal bekannt. «Etwas Schriftliches gibt es aber noch nicht» , ergänzt Katrin Beck. Es werde noch eine ganze Zeit dauern, bis entschieden ist, ob Brandenburg Anspruch auf die Liegenschaft erhebt. Geklärt werden müsse, wie stark das Gelände belastet ist, wie hoch die Kosten sind, um es verkaufsfähig zu machen und ob eine öffentliche Ausschreibung notwendig ist, so Beck.
Der Landkreis Teltow-Fläming steht einem Freizeit- und Themenpark, wie er im Spreewald entstehen sollte, durchaus aufgeschlossen gegenüber. «Wir wissen natürlich seit einiger Zeit, dass so etwas in unserem Nachbarkreis Dahme-Spreewald vorgesehen war, sind ja als einer der Träger öffentlicher Belange um eine Stellungnahme gebeten worden. Falls sich das Projekt bei uns verwirklichen lässt, bleiben die Arbeitsplätze wenigstens in Brandenburg» , sagt Detlef Gärtner. Die ersten Gespräche seien im Juli geführt worden. Dabei wurde neben anderen Standorten über das Gelände bei Sperenberg diskutiert, so Gärtner. Mit dem geplanten vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 101 bis zum Jahre 2007, mit der A 9 und den Bahnstrecken nach Leipzig und Dresden gibt es in der Infrastruktur gute Voraussetzungen, erläutert der Baudezernent.
Zu den Querelen um das Planverfahren am einstigen Standort bei Lübben will er sich nicht näher äußern. Man könne ein solches Projekt auch mit einem einfachen Planverfahren und entsprechenden städtebaulichen Verträgen durchziehen, sagt Gärtner lediglich.
Dieses so genannte qualifizierte Planungsverfahren hatte Projektentwickler Ensis BV favorisiert. Den Antrag lehnten die Stadtverordneten von Lübben, die Gemeindevertretung von Bersteland und der Planungsverband Spreewald allerdings als zu risikoreich ab. «Die Mitglieder des Planungsverbandes sehen sich einem Risiko von finanziellen Belastungen in Höhe von vielen Millionen Euro gegenüber» , so die Begründung. Sie befürchten, so heißt es in einer Erklärung weiter, auf unkalkulierbaren Erschließungskosten sitzen zu bleiben und die Verwirklichung des Gesamtprojektes nicht mehr beeinflussen zu können. Das qualifizierte Planverfahren beinhalte nämlich keine Baupflicht, so eines der Argumente. Die Gremien im Spreewald beharrten auf einem vorhabenbezogenen Planverfahren, bei dem der Investor die Kosten tragen und das Bauvorhaben entsprechend der Planungen verwirklichen muss. Als letztlich ausschlaggebend für die Haltung der Kommunen wurde durch den Planungsverband Spreewaldpark hervorgehoben, dass bis zum Schluss unbekannt geblieben sei, «wer Investor ist und wer das Projekt finanziert» .
In den Freizeit- und Themenpark will der niederländische Projektentwickler Ensis BV nach eigenen Angaben 560 Millionen Euro investieren, die von Geldanlegern in Amerika aufgebracht werden sollen. Entstehen sollen neben Themenparks ein Golfplatz, Hotels, ein See mit Feriendorf und Wasserattraktionen. In Aussicht gestellt wurden etwa 3000 direkte und 10 000 indirekte Arbeitsplätze. Seit 1996 sorgte das Vorhaben immer wieder für Gesprächsstoff. Zunächst war eine holländische Firma namens Heycur BV aktiv. Seit 1998 will Ensis BV das Projekt verwirklichen.
[div align=right]Von Wolfgang Swat (Artikel vom 11.08.2003 01:08)[/div]
(c) Lausitzer Rundschau Online
mfg Boris
"denkt daran, der Geek, den Ihr heute auslacht, ist wahrscheinlich derselbe Typ, der morgen Euren Gehaltsscheck unterschreibt" (chuckgutz)

