Spreepark - Bleibt nur das Riesenrad?
Berliner Morgenpost. 22. 05. 2003
Bleibt nur das Riesenrad?
Spreepark-Bewerber ändert sein Angebot: Alte Fahrgeschäfte sollen abgeschafft werden
Von Sabine Flatau
Birkenzweige wiegen sich im Wind, Pappeln und Buchen spenden Schatten, Frösche quaken am Teich. Der Spreepark zeigt seine landschaftliche Schönheit in diesen Maitagen. Allerdings durch einen schwarzen Fleck verunziert. Am vergangenen Freitag stand einer der Holzpavillons mit Reetdach in Flammen - kurz vor Mitternacht wurde die Feuerwehr gerufen, um den Brand zu löschen. Nur verkohlte Balken und etwas Schilf sind noch übrig. Die Kriminalpolizei untersucht, ob es sich um vorsätzliche Brandstiftung handelt.
Während die Natur grünt und blüht, stehen die Karussells seit Herbst 2001 still, die Restaurants und Buden sind geschlossen. Drei Plastik-Dinosaurier auf einer Wiese hinterm Riesenrad erinnern noch an alte Glanzzeiten, ein vierter liegt umgeworfen im Gras. Für die Achterbahn und eine Schiffsschaukel hat sich bereits ein Käufer gefunden. Grund für Rolf Deichsel, einen der beiden Bewerber um den Spreepark, sein bisheriges Angebot zu ändern. Er wollte den 21 Hektar großen Park und die technischen Anlagen für 7,5 Millionen Euro kaufen. Diesen Preis hält er nicht mehr aufrecht, nennt jedoch noch keine neue Summe. Aber neue Konditionen. "Ich will nur noch zehn Hektar übernehmen, das übrige Gelände könnte aufgeforstet werden", sagt der 55-Jährige, dem das Westerndorf im Park gehört.
Er will auch die vorhandenen Fahrgeschäfte nicht mehr übernehmen. "Die meisten sind mindestens zwölf Jahre alt" sagt er. "Wenn man sie wieder nutzen will, reicht eine Tüv-Prüfung nicht mehr aus", so Deichsel. Wegen des langen Stillstands müssten die Fahrgeschäfte geröntgt werden, um ihre Betriebssicherheit nachzuweisen. "Das kann teuer werden."
Rolf Deichsel will stattdessen Betreiber mit neuen Fahrgeschäften in den Plänterwald holen. Eine Ausnahme würde er beim Riesenrad, dem Symbol des Spreeparks, machen. "Wenn es nicht verkauft werden kann, dann übernehme ich es. Aber es käme dann an einen Standort hinter dem Westerndorf." Dort sei es besser über die Spree hinweg sichtbar.
Deichsel kämpft um den Park, in dem er seit 1976 arbeitet und seit 1995 wohnt. Sein finanzieller Partner ist der Stuttgarter Schausteller Rolf Schmidt, der sich vor einem Jahr um den Spreepark bewarb, dann aber zurückzog. Beide setzen auf einen neuen Gesprächstermin mit dem Insolvenzverwalter.
Ex-Spreepark-Betreiber Norbert Witte hat offensichtlich kein Interesse an seiner früheren Wirkungsstätte. Die geleasten Fahrgeschäfte aus dem Plänterwald, die er per Schiff nach Peru bringen ließ, sollen in der peruanischen Hauptstadt auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Betrieb sein. Es heißt, dass Norbert Witte in der vergangenen Woche nach Berlin zurückgekehrt ist und jetzt zusammen mit seiner Frau eine Diskothek einrichtet. Dem Vernehmen nach handelt es sich um eine Eckkneipe am Olivaer Platz in Wilmersdorf, die im Sommer eröffnen soll.
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Ebenfalls Berliner Morgenpost vom 22. 05. 2003
Info: Spreepark
Im Frühjahr 2002 hat die Spreepark Berlin Freizeit und Vergnügungspark GmbH & Co. KG Insolvenz angemeldet. Sie hinterließ 15 Millionen Euro Schulden, Hauptgläubiger ist die Deutsche Bank. Das Grundstück gehört dem Land Berlin, das mit dem einstigen Betreiber einen Erbbaurechtsvertrag hat. Der Liegenschaftsfonds verwaltet das insgesamt 29 Hektar große Areal. Der eigentliche Vergnügungspark ist 21 Hektar groß und umzäunt. Weitere acht Hektar, auf denen sich die Gaststätte "Eierhäuschen" befindet, liegen benachbart im Landschaftsschutzgebiet. Zwei Interessenten bemühen sich um den Spreepark und haben vom Insolvenzverwalter Vertragsentwürfe bekommen. Es sind der Berliner Rolf Deichsel und die französische Firma Grévin & Cie., die bereits zehn Freizeitparks in Europa betreibt. Sie will das Areal für 80 Jahre pachten. Grévin ist heute mit Bürgerinitiativen aus dem Plänterwald im Gespräch und will morgen mit dem Liegenschaftsfonds und dem Insolvenzverwalter Vertragsverhandlungen führen.
saf
Bleibt nur das Riesenrad?
Spreepark-Bewerber ändert sein Angebot: Alte Fahrgeschäfte sollen abgeschafft werden
Von Sabine Flatau
Birkenzweige wiegen sich im Wind, Pappeln und Buchen spenden Schatten, Frösche quaken am Teich. Der Spreepark zeigt seine landschaftliche Schönheit in diesen Maitagen. Allerdings durch einen schwarzen Fleck verunziert. Am vergangenen Freitag stand einer der Holzpavillons mit Reetdach in Flammen - kurz vor Mitternacht wurde die Feuerwehr gerufen, um den Brand zu löschen. Nur verkohlte Balken und etwas Schilf sind noch übrig. Die Kriminalpolizei untersucht, ob es sich um vorsätzliche Brandstiftung handelt.
Während die Natur grünt und blüht, stehen die Karussells seit Herbst 2001 still, die Restaurants und Buden sind geschlossen. Drei Plastik-Dinosaurier auf einer Wiese hinterm Riesenrad erinnern noch an alte Glanzzeiten, ein vierter liegt umgeworfen im Gras. Für die Achterbahn und eine Schiffsschaukel hat sich bereits ein Käufer gefunden. Grund für Rolf Deichsel, einen der beiden Bewerber um den Spreepark, sein bisheriges Angebot zu ändern. Er wollte den 21 Hektar großen Park und die technischen Anlagen für 7,5 Millionen Euro kaufen. Diesen Preis hält er nicht mehr aufrecht, nennt jedoch noch keine neue Summe. Aber neue Konditionen. "Ich will nur noch zehn Hektar übernehmen, das übrige Gelände könnte aufgeforstet werden", sagt der 55-Jährige, dem das Westerndorf im Park gehört.
Er will auch die vorhandenen Fahrgeschäfte nicht mehr übernehmen. "Die meisten sind mindestens zwölf Jahre alt" sagt er. "Wenn man sie wieder nutzen will, reicht eine Tüv-Prüfung nicht mehr aus", so Deichsel. Wegen des langen Stillstands müssten die Fahrgeschäfte geröntgt werden, um ihre Betriebssicherheit nachzuweisen. "Das kann teuer werden."
Rolf Deichsel will stattdessen Betreiber mit neuen Fahrgeschäften in den Plänterwald holen. Eine Ausnahme würde er beim Riesenrad, dem Symbol des Spreeparks, machen. "Wenn es nicht verkauft werden kann, dann übernehme ich es. Aber es käme dann an einen Standort hinter dem Westerndorf." Dort sei es besser über die Spree hinweg sichtbar.
Deichsel kämpft um den Park, in dem er seit 1976 arbeitet und seit 1995 wohnt. Sein finanzieller Partner ist der Stuttgarter Schausteller Rolf Schmidt, der sich vor einem Jahr um den Spreepark bewarb, dann aber zurückzog. Beide setzen auf einen neuen Gesprächstermin mit dem Insolvenzverwalter.
Ex-Spreepark-Betreiber Norbert Witte hat offensichtlich kein Interesse an seiner früheren Wirkungsstätte. Die geleasten Fahrgeschäfte aus dem Plänterwald, die er per Schiff nach Peru bringen ließ, sollen in der peruanischen Hauptstadt auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Betrieb sein. Es heißt, dass Norbert Witte in der vergangenen Woche nach Berlin zurückgekehrt ist und jetzt zusammen mit seiner Frau eine Diskothek einrichtet. Dem Vernehmen nach handelt es sich um eine Eckkneipe am Olivaer Platz in Wilmersdorf, die im Sommer eröffnen soll.
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Ebenfalls Berliner Morgenpost vom 22. 05. 2003
Info: Spreepark
Im Frühjahr 2002 hat die Spreepark Berlin Freizeit und Vergnügungspark GmbH & Co. KG Insolvenz angemeldet. Sie hinterließ 15 Millionen Euro Schulden, Hauptgläubiger ist die Deutsche Bank. Das Grundstück gehört dem Land Berlin, das mit dem einstigen Betreiber einen Erbbaurechtsvertrag hat. Der Liegenschaftsfonds verwaltet das insgesamt 29 Hektar große Areal. Der eigentliche Vergnügungspark ist 21 Hektar groß und umzäunt. Weitere acht Hektar, auf denen sich die Gaststätte "Eierhäuschen" befindet, liegen benachbart im Landschaftsschutzgebiet. Zwei Interessenten bemühen sich um den Spreepark und haben vom Insolvenzverwalter Vertragsentwürfe bekommen. Es sind der Berliner Rolf Deichsel und die französische Firma Grévin & Cie., die bereits zehn Freizeitparks in Europa betreibt. Sie will das Areal für 80 Jahre pachten. Grévin ist heute mit Bürgerinitiativen aus dem Plänterwald im Gespräch und will morgen mit dem Liegenschaftsfonds und dem Insolvenzverwalter Vertragsverhandlungen führen.
saf

