Nachnutzung Expo
Stuttgarter Zeitung 27. 10. 2000
Der Papier-Pavillon aus Japan soll zu Schulheften verarbeitet werden
Noch ist die Expo nicht zu Ende, doch die Versteigerer sind schon angerückt. Die ersten Ausstellungsstücke des ,,Themenparks'' sind bereits unter den Hammer gekommen. Für 150000 Mark gingen Konsumgüter, Spielzeug und Werbetafeln an ein Kindermuseum.
Von Klaus Wallbaum, Hannover
Etwas abgeschirmt vom übrigen Geschehen auf der Expo konnten Gebote abgegeben werden. Ausrichter ist die Firma Troostwijk. Bald geht die Versteigerung weiter: am 31. Oktober sind Pavillons im Angebot, darunter der tschechische für eine Mark. Am 7. und 8. Dezember stehen Topfpflanzen, Straßenlaternen, Büromöbel und Fahnenmasten auf dem Programm. Schlussverkauf auf der Expo.
Während die Expo-Besucher von den Versteigerungen nur wenig merken, spiegelt sich in den Gesichtern vieler Expo-Mitarbeiter Wehmut wider. Nun geht die große Ausstellung unweigerlich zu Ende. Oft genug haben sie über den Stress geklagt, über lange Arbeitszeiten und über den ausgefallenen Sommerurlaub. Nun, da sich die Ursache all dieses vermeintlichen Übels aufzulösen beginnt, hört man nur noch Gutes über die Weltausstellung.
,,Reißt nicht alles nieder'', war in einer hannoverschen Zeitung zu lesen. ,,Lasst wenigstens einige Teile der Ausstellung noch bis Jahresende geöffnet'', hieß es in einer anderen. Doch die Aussichten sind düster: Für die wenigsten Expo-Pavillons gibt es verbindlich festgelegte Nachnutzungen. Das Schicksal vieler Bauten ist ungewiss, einige davon werden unvermeidlich Opfer der Abrissbirne.
Noch ist auch unklar, welches Profil das Expo-Gelände bekommt. Ein Großteil war vorher Messegelände und wird dies auch wieder werden. Aber die Flächen im Osten, auf denen 35 Nationen ihre Hallen errichtet hatten, werden für die Messe nicht benötigt. Ein Wissenschaftspark könnte hier entstehen - aber dafür fehlen bisher Investoren. Für Fach- und Einkaufsmärkte gibt es zwar schon Interessenten, aber der hannoversche Einzelhandel wehrt sich mit Händen und Füßen. Nur die Dänen haben die Genehmigung für ein Bekleidungsgeschäft erhalten, außerdem die Franzosen, die in ihrem Pavillon eine Funsport-Halle und ein Sportartikelgeschäft der Firma Decathlon einrichten werden.
Fest steht, dass die meisten Pavillons im Westen des Expo-Geländes recht schnell neuen Parkplätzen weichen müssen. Der Abriss dürfte noch in diesem Jahr vonstatten gehen. Der Papier-Pavillon aus Japan soll zu Schulheften verarbeitet werden, das Gebäude von Mexiko wird in Braunschweig aufgebaut - als Hochschulbibliothek. Der kunstvoll geschnitzte Pavillon aus Nepal, eine Perle unter den Bauten auf der Expo, dürfte rasch einen Abnehmer finden. Viele Interessenten haben sich schon gemeldet, die Stadt Goslar im Harz und die hannoversche Messegesellschaft sind darunter. Die Stätte des Vatikans soll ein Gemeindezentrum in Lettland werden, Sri Lankas Pavillon ist als Sporthalle im Gespräch. Begehrt ist das Gebäude von Venezuela, das einer Blume gleicht. Niedersachsens Agrarminister Uwe Bartels hat schon ein Auge auf diesen Pavillon geworfen - als Schmuckstück einer Landesgartenschau.
Der Christus-Pavillon im Mittelteil des Geländes kommt als Klosterkirche nach Thüringen. Mehr Zeit hat die Expo für das Ost- Gelände. Der Pavillon des Jemen zum Beispiel, kunstvoll verziert und für Besuchermassen äußerst verlockend, soll länger stehen bleiben dürfen. Mit der Zeit kommt vielleicht ein gutes Nutzungskonzept. Das üppige Wüstenfort der Vereinigten Arabischen Emirate könnte stehen bleiben und zu einem arabischen Museum ausgestattet werden. Abgesehen von der Finanzierung gibt es hier jedoch noch ein anderes Problem: der Bau müsste winterfest gemacht werden. So zeigen sich in vielen Fällen Detailprobleme, die eine neue Nutzung der Bauten erschweren.
Als ,,Expo-Wahrzeichen'' wurde beispielsweise der Wal des CVJM angepriesen. Nun stellt sich heraus, dass das Gebäude im Landschaftsschutzgebiet liegt. Soll es stehen bleiben, so müsste der Bebauungsplan geändert werden. Die Pavillons der Türkei, Großbritanniens und Chinas sind äußerlich schlicht, dafür aber ideal für neue Nutzungen geeignet. Nur haben sich noch keine Interessenten gefunden. Der holländische Pavillon, ein ,,Sandwich'' verschiedener Landschaften, ist laut Baurecht 15 Meter zu hoch. Der ,,Postturm'' gar, ein stabiles Gebäude der Deutschen Post AG, überragt die maximal erlaubte Höhe um 21 Meter. In beiden Fällen laufen die Verhandlungen noch.
Der runde, an ein Ufo erinnernde ,,Planet m'' von Bertelsmann bleibt wohl erhalten und wird sogar von Bertelsmann weiter betrieben. Nebenan hoffen die Manager der Preussag-Arena, in der 13500 Menschen Platz haben, auf ein reges Veranstaltungsprogramm in Hannover - von Konzerten über Parteitage bis hin zu Boxkämpfen und Eishockeyspielen. Für 2001 liegen schon mehrere Termine vor.
Der gläserne deutsche Pavillon sollte eigentlich zu einem Wissenschaftszentrum werden, aber die Geldgeber warten ab. Jetzt könnte die neue niedersächsische Mediengesellschaft hier einziehen - doch sie bräuchte nur ein paar Räume. Was aus dem Rest wird, ist noch ungewiss.
Am Ende dürfte das Expo-Gelände wie ein gerupftes Huhn aussehen: Hier und da ein paar Überbleibsel, sonst nur Lücken und Löcher. Zu den schönsten Ausstellungsstücken zählten die Inhalte des ,,Themenparks'' - Halbeier, die selbstgesteuert über den Fußboden fahren, ein Fahrstuhl, der in ein Erdöl-Bohrloch fährt und Entspannungsliegen, die den Rücken massieren. Für viele Dinge hat sich der Wissens-Freizeitpark der Stadt Oberhausen interessiert. Die Konkurrenz reicht von einem Freizeit-Center in Florida bis zur Hannover-Messe; auch die VW-Autostadt Wolfsburg meldet Wünsche an.
Was bleibt in Hannover? Die Expo will in einer Straßenbahnhaltestelle einen Raum einrichten, in dem sämtliche Geschenke ausgestellt werden, die Expo-Chefin Birgit Breuel erhalten hat. Sollte das alles sein, was in einigen Jahren noch an die Expo erinnert?
Der Papier-Pavillon aus Japan soll zu Schulheften verarbeitet werden
Noch ist die Expo nicht zu Ende, doch die Versteigerer sind schon angerückt. Die ersten Ausstellungsstücke des ,,Themenparks'' sind bereits unter den Hammer gekommen. Für 150000 Mark gingen Konsumgüter, Spielzeug und Werbetafeln an ein Kindermuseum.
Von Klaus Wallbaum, Hannover
Etwas abgeschirmt vom übrigen Geschehen auf der Expo konnten Gebote abgegeben werden. Ausrichter ist die Firma Troostwijk. Bald geht die Versteigerung weiter: am 31. Oktober sind Pavillons im Angebot, darunter der tschechische für eine Mark. Am 7. und 8. Dezember stehen Topfpflanzen, Straßenlaternen, Büromöbel und Fahnenmasten auf dem Programm. Schlussverkauf auf der Expo.
Während die Expo-Besucher von den Versteigerungen nur wenig merken, spiegelt sich in den Gesichtern vieler Expo-Mitarbeiter Wehmut wider. Nun geht die große Ausstellung unweigerlich zu Ende. Oft genug haben sie über den Stress geklagt, über lange Arbeitszeiten und über den ausgefallenen Sommerurlaub. Nun, da sich die Ursache all dieses vermeintlichen Übels aufzulösen beginnt, hört man nur noch Gutes über die Weltausstellung.
,,Reißt nicht alles nieder'', war in einer hannoverschen Zeitung zu lesen. ,,Lasst wenigstens einige Teile der Ausstellung noch bis Jahresende geöffnet'', hieß es in einer anderen. Doch die Aussichten sind düster: Für die wenigsten Expo-Pavillons gibt es verbindlich festgelegte Nachnutzungen. Das Schicksal vieler Bauten ist ungewiss, einige davon werden unvermeidlich Opfer der Abrissbirne.
Noch ist auch unklar, welches Profil das Expo-Gelände bekommt. Ein Großteil war vorher Messegelände und wird dies auch wieder werden. Aber die Flächen im Osten, auf denen 35 Nationen ihre Hallen errichtet hatten, werden für die Messe nicht benötigt. Ein Wissenschaftspark könnte hier entstehen - aber dafür fehlen bisher Investoren. Für Fach- und Einkaufsmärkte gibt es zwar schon Interessenten, aber der hannoversche Einzelhandel wehrt sich mit Händen und Füßen. Nur die Dänen haben die Genehmigung für ein Bekleidungsgeschäft erhalten, außerdem die Franzosen, die in ihrem Pavillon eine Funsport-Halle und ein Sportartikelgeschäft der Firma Decathlon einrichten werden.
Fest steht, dass die meisten Pavillons im Westen des Expo-Geländes recht schnell neuen Parkplätzen weichen müssen. Der Abriss dürfte noch in diesem Jahr vonstatten gehen. Der Papier-Pavillon aus Japan soll zu Schulheften verarbeitet werden, das Gebäude von Mexiko wird in Braunschweig aufgebaut - als Hochschulbibliothek. Der kunstvoll geschnitzte Pavillon aus Nepal, eine Perle unter den Bauten auf der Expo, dürfte rasch einen Abnehmer finden. Viele Interessenten haben sich schon gemeldet, die Stadt Goslar im Harz und die hannoversche Messegesellschaft sind darunter. Die Stätte des Vatikans soll ein Gemeindezentrum in Lettland werden, Sri Lankas Pavillon ist als Sporthalle im Gespräch. Begehrt ist das Gebäude von Venezuela, das einer Blume gleicht. Niedersachsens Agrarminister Uwe Bartels hat schon ein Auge auf diesen Pavillon geworfen - als Schmuckstück einer Landesgartenschau.
Der Christus-Pavillon im Mittelteil des Geländes kommt als Klosterkirche nach Thüringen. Mehr Zeit hat die Expo für das Ost- Gelände. Der Pavillon des Jemen zum Beispiel, kunstvoll verziert und für Besuchermassen äußerst verlockend, soll länger stehen bleiben dürfen. Mit der Zeit kommt vielleicht ein gutes Nutzungskonzept. Das üppige Wüstenfort der Vereinigten Arabischen Emirate könnte stehen bleiben und zu einem arabischen Museum ausgestattet werden. Abgesehen von der Finanzierung gibt es hier jedoch noch ein anderes Problem: der Bau müsste winterfest gemacht werden. So zeigen sich in vielen Fällen Detailprobleme, die eine neue Nutzung der Bauten erschweren.
Als ,,Expo-Wahrzeichen'' wurde beispielsweise der Wal des CVJM angepriesen. Nun stellt sich heraus, dass das Gebäude im Landschaftsschutzgebiet liegt. Soll es stehen bleiben, so müsste der Bebauungsplan geändert werden. Die Pavillons der Türkei, Großbritanniens und Chinas sind äußerlich schlicht, dafür aber ideal für neue Nutzungen geeignet. Nur haben sich noch keine Interessenten gefunden. Der holländische Pavillon, ein ,,Sandwich'' verschiedener Landschaften, ist laut Baurecht 15 Meter zu hoch. Der ,,Postturm'' gar, ein stabiles Gebäude der Deutschen Post AG, überragt die maximal erlaubte Höhe um 21 Meter. In beiden Fällen laufen die Verhandlungen noch.
Der runde, an ein Ufo erinnernde ,,Planet m'' von Bertelsmann bleibt wohl erhalten und wird sogar von Bertelsmann weiter betrieben. Nebenan hoffen die Manager der Preussag-Arena, in der 13500 Menschen Platz haben, auf ein reges Veranstaltungsprogramm in Hannover - von Konzerten über Parteitage bis hin zu Boxkämpfen und Eishockeyspielen. Für 2001 liegen schon mehrere Termine vor.
Der gläserne deutsche Pavillon sollte eigentlich zu einem Wissenschaftszentrum werden, aber die Geldgeber warten ab. Jetzt könnte die neue niedersächsische Mediengesellschaft hier einziehen - doch sie bräuchte nur ein paar Räume. Was aus dem Rest wird, ist noch ungewiss.
Am Ende dürfte das Expo-Gelände wie ein gerupftes Huhn aussehen: Hier und da ein paar Überbleibsel, sonst nur Lücken und Löcher. Zu den schönsten Ausstellungsstücken zählten die Inhalte des ,,Themenparks'' - Halbeier, die selbstgesteuert über den Fußboden fahren, ein Fahrstuhl, der in ein Erdöl-Bohrloch fährt und Entspannungsliegen, die den Rücken massieren. Für viele Dinge hat sich der Wissens-Freizeitpark der Stadt Oberhausen interessiert. Die Konkurrenz reicht von einem Freizeit-Center in Florida bis zur Hannover-Messe; auch die VW-Autostadt Wolfsburg meldet Wünsche an.
Was bleibt in Hannover? Die Expo will in einer Straßenbahnhaltestelle einen Raum einrichten, in dem sämtliche Geschenke ausgestellt werden, die Expo-Chefin Birgit Breuel erhalten hat. Sollte das alles sein, was in einigen Jahren noch an die Expo erinnert?

