Schlammschlacht in Berlin ???

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Schlammschlacht in Berlin ???

Artikel Berliner Morgenpost, 29. 11. 2001

Neue Vorwürfe gegen Baustadtrat
«Er hat uns erpresst», sagt ein Spreepark-Mitarbeiter - «Unverschämte Lüge», antwortet Dieter Schmitz (SPD) und droht mit einer Verleumdungsklage
Von Dirk Banse und Michael Behrendt

Treptow-Köpenick - Gegen den Baustadtrat von Treptow-Köpenick, Dieter Schmitz (SPD), werden erneut schwere Korruptionsvorwürfe laut. Er soll zusammen mit dem Leiter des Bereichs Grünflächen im Bezirk, Martin Kleinlosen, Gegenleistungen für Baugenehmigungen verlangt haben. Diese Beschuldigungen erhebt Norbert Witte, Mitarbeiter des Spreeparks im Plänterwald. «Wir sind erpresst worden», behauptet Witte. Er wird jetzt Strafanzeige gegen beide stellen.

Nach Angaben von Witte, der als Macher des Vergnügungsparks gilt, handelt es sich um mehrere Fälle. «Wenn wir etwas im Park genehmigen lassen wollten, mussten wir bei Herrn Kleinlosen Arbeiten im Haus verrichten. Schausteller von uns bauten Jalousien ein, sogar ein Schaukelpferd im Wert von mehr als 2000 Mark wollte er von uns haben», sagt Witte. «Da die Existenz unserer Mitarbeiter von den Genehmigungen abhing, mussten wir diese Forderungen erfüllen. Baustadtrat Dieter Schmitz wusste alles. Schlimmer noch, er hat uns auch erpresst. So mussten wir 200 000 Mark für eine Kinderplansche im Plänterwald sponsern. Ansonsten hätten wir keine Baugenehmigung bekommen», sagt Norbert Witte.

«Eine Unverschämtheit», sagt Baustadtrat Schmitz. «Wenn Herr Witte diese Vorwürfe öffentlich äußert, werden wir ihn wegen Verleumdung verklagen.» Die Vorwürfe träfen in keiner Weise zu.

Auch Martin Kleinlosen schüttelt den Kopf. «Das stimmt alles nicht. Anfang der 90er-Jahre hat Herr Witte freiwillig die Plansche gesponsert. Niemand hat ihn dazu gezwungen.» Genehmigungen für den Spreepark seien nie an irgendwelche Gegenleistungen gebunden worden, so Kleinlosen. Sondern: «Vieles ist nicht genehmigt worden, was Herr Witte beantragt hat.»

Witte selbst stand kürzlich selbst schon unter Korruptionsverdacht. Angeblich soll er mit dem Stadtrat für Stadtentwicklung, Oliver Scholz (CDU), illegale Absprachen getätigt haben. Vorwurf: Druck von CDU-Wahlkampfmaterial gegen Spreepark-Freikarten. Das jedoch bestreitet Witte vehement.

Mit den Vorwürfen gegen Schmitz und Kleinlosen gehe er jetzt an die Öffentlichkeit, weil er sich nicht erpressen lassen wolle und der Spreepark bereits wirtschaftlich kaputt sei, so Witte. Und das habe seinen Grund: «Da unser Park nach Abschluss des Vertrages mit uns zum Landschaftsschutzgebiet erklärt worden ist, hatten wir nie die Möglichkeit, ausreichend Parkplätze für unsere Gäste zur Verfügung zu stellen. Uns wurde systematisch das Wasser abgegraben.» Petra Reetz, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, bestreitet das: «Das Marketing des Spreeparks stimmt nicht. Das Parkplatzproblem ist nicht das Einzige, das für den wirtschaftlichen Niedergang des Vergnügungsparks verantwortlich ist.»

Die Spreepark-Mitarbeiter weisen solche Behauptungen entschieden zurück. Sie verweisen auf ein Gutachten, das von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Auftrag gegeben worden war. Daraus gehe hervor, dass die Parkplatzsituation in der Tat verheerend ist. Norbert Witte und seine Mitarbeiter drängen nun darauf, dass der Park auf ein Gelände an der Treskowallee umziehen kann. Doch bislang gebe es keine Entscheidung vom Senat oder vom Bezirk. «Die hängen doch alle zusammen. Mir reicht es jetzt. Dieser Korruptionsskandal kann nicht mehr geheim gehalten werden», sagt Witte wütend.

Nun hat er sich an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gewandt. Witte regt an, den Fall des Spreeparks mit Wowereit und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) zu besprechen. «Nur so können wir und das Land Berlin gemeinsam aus dieser Misere herauskommen.»



Jens Uwe Kupka

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