Artikel vom Soester Anzeiger zum Thema "Sicherheit auf der Allerheiligenkirmes"

#1

Artikel vom Soester Anzeiger zum Thema "Sicherheit auf der Allerheiligenkirmes"

[h1Eine klasse Kirmes - mit Sicherheit][/h1]
[h2]Ein Unglück ist unwahrscheinlich, der Rettungseinsatz aber penibel geplant[/h2]

SOEST • In dem grellroten Ordner steckt unendlich viel Planungsarbeit. Und doch möchten seine Urheber und Autoren, dass ihre Arbeit nie benötigt wird. Denn sie ist allein für den höchst seltenen und unwahrscheinlichen Fall geleistet worden, dass auf der Soester Allerheiligenkirmes ein Unglück größeren Ausmaßes passiert. Sollten also wirklich einmal eine Massenschlägerei oder ein grässlicher Karussell-Unfall 30 oder gar noch mehr Verletzte fordern, sind die Einsatzkräfte gewappnet.

Solche Pläne liest niemand gern. Als Feuerwehrchef Günter Kock und sein Vize Eberhard Meier sich Nächte lang hinsetzten, um den Fall des Falles zu planen, wollten Offizielle von dem Papier am liebsten gar nichts wissen: "Ihr wollt uns nur die Kirmes mies machen!", lautete die erste Reaktion.

Doch genau ums Gegenteil geht es. Sollte nämlich ein Unglück passieren und sich später herausstellen, dass dafür kein Notfallplan existierte und die Helfer aufgescheucht und wenig effektiv über den Platz rennen, wäre das vermutlich das Aus für Europas größte Innenstadtkirmes. "Uns geht es darum, den Bestand der Kirmes zu sichern", sagen Klaus Matteikat vom städtischen Veranstaltungsbüro und Heinz Jungbluth, Chef des Soester Ordnungsamts.

Man kann sich gar nicht alle Eventualitäten ausdenken

Ein bestimmtes Szenario wie etwa ein umgekipptes Riesenrad haben sie nicht vor Augen. Die Phantasie - das Beispiel der zerstörten World-Trade-Center-Türme in New York hat es unlängst grauenvoll vor Augen geführt - reicht ohnehin nicht aus, sich alle möglichen Eventualitäten auszudenken.

Vielmehr sind die Planer eher nüchtern an ihre Aufgabe herangetreten und haben "durchgespielt", was zu tun ist, wenn plötzlich 20, 30, 40 oder gar noch mehr Opfer versorgt werden müssen.

Um die zu gewährleisten, müssen konsequent die Rettungswege frei gehalten werden. Funkhilfe und ein Wachdienst patrouillieren die Straßen und schreiten sofort ein, wenn an neuralgischen Punkten falsch geparkt und die Durchfahrt blockiert wird.

Wegen der Menschenmassen auf den Plätzen und in den Gassen rücken die Einsatzfahrzeuge im Notfall trotzdem nicht bis zur Unfallstelle vor. Die letzten Meter legen Sanitäter und Helfer zu Fuß zurück; über mobile Roll-Tragen würden Verletzte zu den Krankenwagen transportiert.

In 14 Rettungsbereiche ist die Kirmes aufgeteilt. Für jeden Abschnitt ist alles genau festgelegt. Kracht es etwa auf dem Petrikirchhof, setzt sich sofort einer der beiden Erkunder, die sich im Rathaus aufhalten, zur Unfallstelle in Bewegung. Von dieser ersten Lage-Beurteilung hängt alles Weitere ab: Wie viel Kräfte und Fahrzeuge werden benötigt? Binnen Minuten sind die drei wichtigsten Einsatzleiter zur Stelle: der Feuerwehrchef, der Leitende Notarzt und der Organisations-Leiter Rettungsdienst.

Sogar Hubschrauber-Einsatz

bei Nacht ist vorbereitet

Die Einsatzfahrzeuge rücken über die Thomästraße vor und stoppen vor dem Potsdamer Platz. Von Westen her rollt die Feuerwehr über die Jakobistraße an und nimmt Aufstellung vor der Puppenstraße. Die gesamte Hospitalgasse vor der Post dient ebenso wie der wenig frequentierte Kungelmarkt als "Verletzten-Ablage". Sowohl von der Sparkasse, dem Morgnerhaus als auch dem Petri-Gemeindehaus haben die Helfer Schlüssel, um auch hier die Räume sofort als Lazarett herrichten und Verwundete dicht am Ort des Geschehens zu versorgen, bevor sie in die Krankenhäuser gebracht werden können.

Abends ab 18 Uhr ist die Feuerwehr ohnehin ständig in Zugstärke präsent, also mit 24 Mann. "So viele Kräfte", sagt ihr Chef Kock nicht ohne Stolz, "hält nicht mal die Berufsfeuerwehr in Hamm vor."

Nach und nach können sämtliche 350 Feuerwehrmänner alarmiert werden. Ähnlich sieht es mit den Sanitätern und den Ärzten aus. Müssen gar mehr Verletzte stationär aufgenommen werden, als in den Soester Krankenhäusern Platz ist, steht die Sassendorfer Feuerwehr parat, um den Flughafen in Lohne auszuleuchten. Hier würden die Opfer hintransportiert und zu umliegenden Krankenhäusern per Hubschrauber geflogen.

Feuerwehrchef Kock zeigt dennoch Grenzen auf: "Unfälle lassen sich nur bis zu einer bestimmten Größenordnung beherrschen." Darüber hinaus - siehe New York - werde es immer Katastrophen geben, wo nicht alles von vornherein geplant und Vorsorge getroffen werden kann. • hs

[10.11.2001]

Gruß Marco vom EP Fan Team
http://www.ep-fans.de/Grafik/Mauswinter.jpg
http://www.ep-fans.de

Reaktion auswählen