Schausteller Familie Klünder

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Schausteller Familie Klünder

Mindener Tageblatt

Im eigenen Haus nur im Winter zu Besuch
Schaustellerfamilie Klünder in ganz Deutschland unterwegs / Anderer Beruf kommt nicht in Frage / Kinder rücken nach

Von Stefan Koch

Minden (mt). Ihr Haus an der Königsstraße überlassen die Klünders die meiste Zeit im Jahr der Schwiegermutter. Oft sind sie zudem an getrennten Orten im Einsatz. Dafür wollen die Kinder das werden, was die Eltern sind: Nämlich Schausteller.

Wenn jetzt auf Kanzlers Weide die Karussells im Novemberabend leuchten, ist auch die Familie Klünder mit ihrem "Vortex" am Stromnetz. In Heidelberg, Landshut, Erlangen, Kreuznach, Augsburg und vielen anderen Städten Deutschlands sowie den Niederlanden hat er sich in diesem Jahr wieder gedreht. Am Ende der Saison werden seine Besitzer aber in ihrer Heimat überwintern. Und die ist Minden, wo das eigene Zweifamilienhaus steht.

Ilka Klünder (42), ist gebürtige Stuttgarterin und lernte ihren Mann Karl-Heinz vor mehr als zwei Jahrzehnten in Soest kennen. Da auch sie aus einer Schaustellerfamilie stammte, gabÕs mit der weiteren Lebensplanung keine Probleme: "Einen anderen Beruf als den im Schaustellergewerbe würde ich nie ausüben." Die ständige Mobilität vermittele ihr ein besonderes Gefühl der Freiheit. Jeder Tag verlaufe anders, als der vorherige. Durch die zahlreichen Kollegen, die sie an den jeweiligen Standorten antreffe, habe sie einen riesigen Bekanntenkreis. Und durch das Reiseleben habe sie eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten erleben können.

Aufs Reisen verzichten möchte auch Schwiegermutter Grete Klünder nicht. Denn nur zur Hälfte der Saison hütete die 70-Jährige das Haus an der Königsstraße, das der Rest der Familien nur im Winter bezieht. Oft ist die unter Insidern als "Tante Grete" Bezeichnete mit dem Glasirrgarten im norddeutschen Raum unterwegs. Jene Attraktion hatten sich die Klünders einst beschafft, nachdem sie mit Imbiss und Ausschank beruflich Fuß gefasst hatten.

Dem technischen Fortschritt folgend ist Vater Karl-Heinz heute dagegen mit der 0,92 Millionen Euro (1,8 Millionen Mark) teuren Wasserbahn in Deutschland unterwegs. Ehefrau Ilka betreibt dagegen zusammen mit dem ältesten Sohn Willy den "Vortex", der 0,97 Millionen in Euro gekostet hatte. Zudem sind die Klünders beim Weihnachtsmarkt mit dem großen Imbisswagen dabei - den allerdings bewirtschaften sie im jährlichen Wechsel mit der Firma Lohmeyer und Radecke.

Ob durch das Reiseleben an unterschiedlichen Orten das Familienleben leidet, weil sich die Mitglieder selten sehen? "Ich bin mit meinem Mann schon 20 Jahre verheiratet", so Ilka Klünder. Viele, die sich täglich sehen, seien doch in so einem solchen Zeitraum längst geschieden.

Nicht nur Sohn Willy, sondern auch dessen 16-jähriger Bruder der zurzeit noch die Kurt-Tucholsky-Gesamtschule besucht, will später den Schaustellerberuf ergreifen. ObÕs darum je Diskussionen in der Familie gegeben hat? Für Ilka Klünder ist es selbstverständlich, dass ihre Kinder nicht Bäcker oder Bankangestellte werden wollten. "Weil bei uns trotz der räumlichen Trennung ein intensives Familienleben herrscht, gibt es keine Generationsprobleme." Kinder und Alte würden gleichermaßen respektiert und jeder habe seine Aufgaben. So wachse der Nachwuchs in seine künftigen Aufgaben hinein. Und schließlich habe man es ja auch meist mit gut gelaunt Gästen zu tun - da mache einem die Arbeit selbst viel Spaß.

Ob da jemals ein Schausteller den Beruf gewechselt habe? "Einer hat mal mehrere Hamburger-Filialen in Köln betrieben." Aber dem sei dann die Decke derart auf den Kopf gefallen, dass er nebenbei noch auf Festplätzen gearbeitet habe.



Jens Uwe Kupka

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