Korruption im verschuldeten Vergnügungspark?

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Korruption im verschuldeten Vergnügungspark?

LETZTE BEARBEITUNG AM 02-Nov-2001 UM 00:10 Uhr ()

Artikel Berliner Morgenpost

Korruption im verschuldeten Vergnügungspark?
Anonymer Brief bringt die Spreepark-Betreiber in Bedrängnis
Von Dirk Banse und Michael Behrendt

Plänterwald - Verluste in Millionenhöhe, Dauerstreit um Parkplätze und jetzt auch noch ein anonymer Brief gegen die Betreiber - den Machern des Vergnügungsparks im Plänterwald ist das Lachen längst vergangen. Neuester Vorwurf eines anonymen Schreibers: Der Spreepark ist in einen Korruptionsskandal verwickelt.

Der unbekannte Verfasser des Briefes, der der Berliner Morgenpost vorliegt, will am Rande der Bezirksverordneten-Versammlung in Treptow zufällig Zeuge eines Gesprächs zwischen dem Stadtrat für Stadtentwicklung, Oliver Scholz (CDU), Norbert Witte vom Spreepark und einer dritten Person gewesen sein. Wörtlich heißt es in dem Brief an verschiedene Politiker: «Es ging um die Kosten für das Drucken von Wahlkampfmaterial der CDU. Es wurde vereinbart, dass die Rechnungen von der Druckerei an den Spreepark zu Händen Herrn Witte geschickt werden sollten, und dass der Spreepark somit diese bezahlt. Der mir Unbekannte erhielt 500 Freikarten für den Spreepark, die er an die CDU Lichtenberg weitergeben sollte. Weiterhin wurde über fehlende Baugenehmigungen gesprochen. Herr Scholz sicherte zu, diese Dinge irgendwie zu klären und gegebenenfalls ein Handeln des Bauamtes wegen Schwarzbauten zu verhindern. Dies sollte auch für den Parkplatz der früheren Gaststätte Plänterwald gelten.»

Norbert Witte, bei der Spreepark GmbH als Mitarbeiter tätig, wies gestern die Vorwürfe erneut als haltlos zurück und erstattete inzwischen Strafanzeige wegen Verleumdung. Außerdem setzte er eine «Fangprämie» in Höhe von 5000 Mark aus, um den anonymen Schreiber zu identifizieren.

Der Spreepark ist schon seit Jahren in den Schlagzeilen. Und immer geht es ums Geld. In den vergangenen fünf Jahren machte der Familienpark 17 Millionen Mark Verlust. Norbert Witte: «Da das Areal inzwischen zum Landschaftsschutzgebiet geworden ist, dürfen wir keine Parkplätze bauen und das Gelände nicht erweitern. Logisch, dass die Besucher und auch das Geld ausbleiben. Selbst in einem vom Land Berlin in Auftrag gegebenen Gutachten heißt es, dass alle unsere Forderungen nach mehr Parkplätzen berechtigt sind und anders keine Wirtschaftlichkeit erzielt werden kann. Und genau jenes Gutachten wurde uns zwei Jahre lang vorenthalten.»

Die PDS-Abgeordnete Jutta Matuschek macht aber die Spreepark GmbH für die Krise verantwortlich. «Bei der Unterzeichnung des Erbpachtvertrages hat das Land Berlin Wert darauf gelegt, dass der Betreiber ökologische Kriterien erfüllt. Kaum war der Vertrag unter Dach und Fach, wollte die Spreepark GmbH davon nichts mehr wissen. Zudem war eine Auflage, dass das auf dem Spreepark-Gelände befindliche ,Eierhäuschen´ denkmalgerecht zu einem Restaurant umgebaut wird. Nichts ist passiert. Ich verstehe deshalb nicht, warum der Senat den Vertrag nicht überprüft.»

Bekannt ist bereits, dass die Spreepark Berlin GmbH immer wieder Zahlungsrückstände bei der Erbpacht aufweist. «Die Rahmenbedingungen stimmen nicht mehr, wir wollen deshalb auf ein Gelände an der Treskowallee umziehen. Doch die Politiker zögern das Ganze hinaus», sagt Norbert Witte. Der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Klaus Ulbricht (SPD), teilte lediglich mit, dass im Fall des Spreeparks Klärungsbedarf bestehe. Stadtrat Oliver Scholz war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Witte: «Die Politiker sind jetzt gefragt. Wir wollen in der Treskowallee einen Media-Park errichten, doch dafür müssen endlich mal die Voraussetzungen geschaffen werden.» Böse Zungen behaupten, dass sich Witte die Gunst der Politiker erkaufen will. So soll seine GmbH immer wieder Spenden an Parteien getätigt haben. Darüber kann Witte nur lachen: «Wir haben lediglich Freikarten zur Verfügung gestellt. Das ist ein ganz legaler Vorgang.»

Witte war schon einmal in den Schlagzeilen. Der 15. August 1981 wird ihm für ewig in Erinnerung bleiben. Damals starben auf dem Hamburger Dom sieben Menschen, als eine Achterbahn mit einem Teleskop-Kran kollidierte. Witte selbst hatte als Schausteller den 28 Meter hohen Kran gesteuert und musste sich deshalb wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Er wurde zu einem Jahr Bewährungsstrafe verurteilt.

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