In der Schmiede der Giganten

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In der Schmiede der Giganten

Die Firma Huss aus Hastedt baut Vergnügungs-Riesen für die ganze Welt

Von unserem Redakteur
Friedrich Caron-Bleiker

„Das richtige Fahrgefühl“, sagt Wolfgang Richter und schaut über seine Brille, „das richtige Fahrgefühl lässt sich maschinentechnisch nicht ausrechnen.“ Richter ist Vorsitzender der Geschäftsleitung der Huss Maschinenfabrik in Bremen und verdient sein Geld damit, andere Leute durch die Gegend zu schleudern.
Die Firma Huss ist Weltmarktführer bei Hoch- und Rundfahrgeschäften, die Namen wie „Break Dancer“, „Frisbee“, „Top Spin“, „Countdown“ oder „Happy Traveller“ tragen. Sie sind in der ganzen Welt zu finden und stehen für den Einzug der Hoch-Technologie in die Jahrmarktszene. Neben Zelten, in denen Ponys im Kreis laufen, neben Wurstbuden und Kinderkarussells haben sich in den letzten Jahrzehnten Giganten breit gemacht, die mit den üblichen Fahrgeschäften in etwa so viel gemein haben wie die Dampfwalze mit dem Dreirad. Riesen aus Stahl, bis zu 60 Meter hoch, an die 200 Tonnen schwer, die in jeder Stunde bis zu 1500 Passagiere in den mentalen Ausnahmezustand versetzen können.
Die Zentrale des Karussellbauers steht an der Stresemannstraße in Hastedt. Auf dem großen Hof zwischen Geschäftstrakt und Montagehalle lagert das Kernstück eines Top Spin – in diesen Tagen wird die Looping-Schaukel nach Guatemala verschifft. Ein weiteres Exemplar ist in der Fertigung. Bestimmungsort: Kansas City im US-Bundesstaat Missouri.
In der Halle riecht es nach Farbe. Ein feuerwehrroter Countdown-Turm steht kurz vor der Vollendung, bald geht’s ab an den festen Standort in Süditalien, zwischen Bari und Brindisi. „90 Prozent unserer Produktion gehen in den Export“, verrät Geschäftsführer Wilhelm Hundsdörfer. Derzeit wird die Errichtung von vier Türmen der Marke „Sky Tower“ in Mexiko vorbereitet – Aussichtsstürme, wie sie die Firma Huss auch schon nach Hongkong, in das Königreich Kutei auf Borneo, Sevilla oder in den Heidepark Soltau geliefert hat. Große Probleme gab es bei der Montage des Sky Towers in Brunei. Um den Turm im Sumpfgebiet stabil zu verankern, musste ein Fundament auf Betonpfählen errichtet werden, die 65 Meter tief in die Erde reichen.
„Global Player“ Huss unterhält eine Vertretung in Sarasota/Florida, eine andere in Singapur, die gemeinsam mit dem Bremer Ex- und Importeur Melchers betrieben wird. Weltweit sind derzeit 200 Vergnügungsanlagen der Bremer Firma in Betrieb. Die im Grunde baugleichen Geräte, die von Bremen und dem zweiten Fertigungsstandort Budapest aus um die Welt geschickt werden, unterscheiden sich aber in wichtigen Details. Der „Frisbee“ zum Beispiel präsentiert sich in den Niederlanden als eine Windmühle im Fachwerkmuster.
„Thematisierung ist bei uns ein absolutes Muss“, erläutert Wolfgang Richter. Da wirkt dann die Gondel mit den Passagieren auch schon mal wie die Faust eines Catchers, der seinen Gegner zu Boden schleudert – viele amerikanische Vergnügungspark-Besucher sind Wrestling-verrückt.
K.o. zu gehen – dieses Schicksal bleibt den Kunden der großen Fahrgeschäfte, die ihre Maschinen von der Firma Huss beziehen, erspart. „Wir arbeiten fürchterlich solide“, gesteht Richter. Trotzdem sind vereinzelte Zwischenfälle nie ganz auszuschließen. Vor zwei Jahren knickte auf dem Freimarkt einer der Tragarme des Break Dancers während der Fahrt ab – mitsamt Gondel, doch von den Passagieren wurde niemand verletzt. Ursache des Beinahe-Unglücks: Material-Ermüdung.
Jährlich und vor jedem Aufbau wird jede Anlage einem kompletten Sicherheitstest unterzogen. Schon in der Planung lassen sich die Huss-Ingenieure einiges einfallen. Wenn zum Beispiel der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass beim Countdown beide Stahlseile auf einmal reißen, müssen sich die Passagiere nicht fürchten: Die Gondel rauscht dann zwar nach unten – aber hinein in das für diesen Fall angelegte Bremssystem. Und bevor ein Träger in einen Turm eingebaut wird, müssen seine doppelt gesicherten Verriegelungen 100000 Testfahrten durchstehen. Hundsdörfer: „Die Leute freuen sich auf eine Fahrt mit unseren Geräten. Wir wollen ihr Vergnügen nicht trüben.“

Quelle: Weser Kurier, 31.10.2001

MfG
Nick

Diskussionsübersicht

  1. #1 In der Schmiede der Giganten NickShp
    1. #3 RE: In der Schmiede der Giganten HUSS_Fanatiker
      1. #4 RE: In der Schmiede der Giganten JUK
        1. #5 RE: In der Schmiede der Giganten Tron
#2

Derzeit auf dem Hof

Antwort auf NickShp, Beitrag #1

Der Artikel ist schön!

Derzeit steht auf dem Betriebshof von Huss ein Top-Spin, der mir persönlich total unbekannt ist. Weiß jemand mehr?

Miro
#3

RE: In der Schmiede der Giganten

Antwort auf NickShp, Beitrag #1

Hi Leser,

im Artikel haben sich Fehler eingeschlichen:

Heide-Park besitzt zwar zwei Aussichtstürme, stammen aber beide von Intamin. Hiermit ist der Hansa-Park gemeint.

Guatemala ??? Gibt da überhaupt ein Park ?

Der italienische Park, der den "feuerroten" Countdown bekommen soll, und "zwischen Bari und Brindisi" liegt, hat bereits ein Mega Drop von Fabbri !!!! *Wunder*

Kansas ist klar = Ein Top Spin für Worlds of Fun !!

Besten Gruß

Huss-Fanatiker
#4

RE: In der Schmiede der Giganten

Antwort auf HUSS_Fanatiker, Beitrag #3

Volle Zustimmung in Richtung Huss-Fanatiker...

Wer denn Top Spin auf dem Gelände gesehen hat, der kann sich kaum vorstellen, das dieser außerhalb von Europa stehen wird. Guatemala ist damit nur ein Schutzaussage von Huss um den Käufer zu schützen...


Jens Uwe Kupka
#5

RE: In der Schmiede der Giganten

Antwort auf JUK, Beitrag #4

Ähm, will ja nich als dumm dastehen, aber kann mir mal einer die url zur Huss-Homepage geben %-) (sofern die eine haben, hab ja keine ahnung :-))

thanx
tron

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www.themenparx.de - die Freizeitpark-Community
#6

RE: In der Schmiede der Giganten

Antwort auf Tron, Beitrag #5

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