Artikel Flying Saucer
Berliner Morgenpost
Werben in der dritten Dimension
Die Fliegende Untertasse plant Themenparks für die Industrie
Von Jens Kohrs
Berlin - Die perfekte Welt entsteht im fünften Stock des Kreuzberger Ritterhofs. Immer wieder. In den Köpfen von Alexander Bresinsky und Stefan Scholze. Die beiden Gründer und Geschäftsführer des jungen Unternehmens Flying Saucer konzipieren Freizeitanlagen, Besucherzentren und Themenparks. Und die müssen perfekt sein. Alles werde bis ins Detail inszeniert, sagt der 33-jährige Bresinsky - damit das gelingt, was Macher und Auftraggeber wollen: die Besucher zu faszinieren.
Den Wert solch hoch technisierter Erlebniswelten entdecken neben kommerziellen Investoren mittlerweile auch in Europa immer mehr Firmen für sich. Als zusätzlicher Teil der Werbestrategie sollen sie helfen, Marken und Produkte in den Köpfen der Verbraucher zu verankern - wie die Wolfsburger Autostadt von Volkswagen oder das Spieleland von Ravensburger. Gehen dessen Besucher beispielsweise im «Moorhuhn-Interactive-Haus» auf Federviehjagd, hat Flying Saucer die Hände im Spiel.
Damit unterscheiden sich Bresinsky und Scholze deutlich von so genannten Eventagenturen. Anders als deren effektvolle Veranstaltungen für einen Abend oder mehrere Tage haben die Anlagen der Kreuzberger dauerhaft Bestand. Im Dienst von Emotion und Erlebnis kombiniert das Duo klassische Ausstellungselemente mit Show- und Theaterteilen sowie Licht-, Ton- und Bildtechnik. Das Ziel ist die perfekte Inszenierung.
Bei aller Fantasie und ihrem Hang zum Visionären behalten beide immer die Machbarkeit im Auge. Dabei kommen Bresinsky, der Theater- und Veranstaltungstechnik studiert hat, und Kommunikationswissenschaftler Scholze ihre Erfahrungen als Produzent und Berater verschiedener Agenturen zugute. So waren beide schon gemeinsam für den Multimediadienstleister Pixelpark und in Bresinskys erster, auf Lasershows spezialisierter Firma Lichtwerk kreativ.
Zurzeit arbeiten die Berliner vor allem an mehreren Besucherattraktionen für VWs Gläserne Manufaktur in Dresden, wo die Autobauer bald bis zu 150 Luxus-Limousinen täglich vor den Augen von Kunden und Besuchern montieren wollen. Über Bildschirme, die auf Berührung reagieren, sollen die Gäste beispielsweise Einblicke in Planung und Produktion des neuen Wagens bekommen und per Fingerdruck unter anderem auch eine von rund 40 Live-Kameras auf dem Werksgelände ansteuern können.
Der deutsche Markt für derartige «dreidimensionale Werbespots», wie Bresinsky sie nennt, ist jung und groß. Rund 22 Millionen Besucher wurden zuletzt an den Kassen von Freizeitparks gezählt, sagt der Firmenchef, und der Sektor des «Location Based Entertainments» wachse weiter, genau wie die Anforderungen an Perfektion, Dramaturgie und Technik. «Vor allem in kleineren Angeboten mit einem Investitionsvolumen im unteren zweistelligen Millionenbereich steckt sehr, sehr viel Potenzial», sagt Stefan Scholze. Zudem braucht jeder Park immer neue Kicks: «Die leben von Wiederholungsbesuchern.»
Mit sechs bis acht freien Designern, Programmierern und Drehbuchautoren plant das Gründerduo in diesem Jahr einen Umsatz von einer Million DM. «Für 2002 gilt plus/minus 30 Prozent», sagt der 34-jährige Scholze vorsichtig. Genau darum setzen die Fliegenden Untertassen auch weiter auf ihre schlanke Firmenstruktur und planen keine festen Einstellungen. Einziger Luxus: ein Partner in Los Angeles, der Kontakt zu US-Firmen hält und neue Trends aufspürt.
Das wichtigste Kapital des kreativen Duos ist der geübte Blick für das Besondere im Alltag und die Neugier, immer und überall hinter die Kulissen zu schauen. Beide sehen sich weniger als Verführer und Manipulierer, denn als Geschichtenerzähler, die andere in ihrer Freizeit ablenken, sie überraschen und zum Lachen bringen. Und dann ist da noch das Didaktische, das in deutschen Freizeitparks fast immer dazu gehört.
Wie in der «Biosphäre Potsdam», mit der künftig die zentrale Halle der Bundesgartenschau genutzt werden soll. Im Auftrag der Projektgesellschaft Triad plante Flying Saucer medientechnisch einen mystischen Regenwald-Erlebnispark samt Lautsprechern, Monitoren, Verstärkern, Projektoren und dem abschließenden «Motion Ride» im aufwändigen Bewegungssimulator, der die Besucher in die Wirklichkeit zurückholen soll.
Im Idealfall haben Bresinsky und Scholze sie dann nicht nur gut unterhalten, sondern auch Anstöße gegeben, die Dinge einmal anders zu betrachten. Also doch eine Verführung - in die perfekte Welt.
Jens Uwe Kupka
Werben in der dritten Dimension
Die Fliegende Untertasse plant Themenparks für die Industrie
Von Jens Kohrs
Berlin - Die perfekte Welt entsteht im fünften Stock des Kreuzberger Ritterhofs. Immer wieder. In den Köpfen von Alexander Bresinsky und Stefan Scholze. Die beiden Gründer und Geschäftsführer des jungen Unternehmens Flying Saucer konzipieren Freizeitanlagen, Besucherzentren und Themenparks. Und die müssen perfekt sein. Alles werde bis ins Detail inszeniert, sagt der 33-jährige Bresinsky - damit das gelingt, was Macher und Auftraggeber wollen: die Besucher zu faszinieren.
Den Wert solch hoch technisierter Erlebniswelten entdecken neben kommerziellen Investoren mittlerweile auch in Europa immer mehr Firmen für sich. Als zusätzlicher Teil der Werbestrategie sollen sie helfen, Marken und Produkte in den Köpfen der Verbraucher zu verankern - wie die Wolfsburger Autostadt von Volkswagen oder das Spieleland von Ravensburger. Gehen dessen Besucher beispielsweise im «Moorhuhn-Interactive-Haus» auf Federviehjagd, hat Flying Saucer die Hände im Spiel.
Damit unterscheiden sich Bresinsky und Scholze deutlich von so genannten Eventagenturen. Anders als deren effektvolle Veranstaltungen für einen Abend oder mehrere Tage haben die Anlagen der Kreuzberger dauerhaft Bestand. Im Dienst von Emotion und Erlebnis kombiniert das Duo klassische Ausstellungselemente mit Show- und Theaterteilen sowie Licht-, Ton- und Bildtechnik. Das Ziel ist die perfekte Inszenierung.
Bei aller Fantasie und ihrem Hang zum Visionären behalten beide immer die Machbarkeit im Auge. Dabei kommen Bresinsky, der Theater- und Veranstaltungstechnik studiert hat, und Kommunikationswissenschaftler Scholze ihre Erfahrungen als Produzent und Berater verschiedener Agenturen zugute. So waren beide schon gemeinsam für den Multimediadienstleister Pixelpark und in Bresinskys erster, auf Lasershows spezialisierter Firma Lichtwerk kreativ.
Zurzeit arbeiten die Berliner vor allem an mehreren Besucherattraktionen für VWs Gläserne Manufaktur in Dresden, wo die Autobauer bald bis zu 150 Luxus-Limousinen täglich vor den Augen von Kunden und Besuchern montieren wollen. Über Bildschirme, die auf Berührung reagieren, sollen die Gäste beispielsweise Einblicke in Planung und Produktion des neuen Wagens bekommen und per Fingerdruck unter anderem auch eine von rund 40 Live-Kameras auf dem Werksgelände ansteuern können.
Der deutsche Markt für derartige «dreidimensionale Werbespots», wie Bresinsky sie nennt, ist jung und groß. Rund 22 Millionen Besucher wurden zuletzt an den Kassen von Freizeitparks gezählt, sagt der Firmenchef, und der Sektor des «Location Based Entertainments» wachse weiter, genau wie die Anforderungen an Perfektion, Dramaturgie und Technik. «Vor allem in kleineren Angeboten mit einem Investitionsvolumen im unteren zweistelligen Millionenbereich steckt sehr, sehr viel Potenzial», sagt Stefan Scholze. Zudem braucht jeder Park immer neue Kicks: «Die leben von Wiederholungsbesuchern.»
Mit sechs bis acht freien Designern, Programmierern und Drehbuchautoren plant das Gründerduo in diesem Jahr einen Umsatz von einer Million DM. «Für 2002 gilt plus/minus 30 Prozent», sagt der 34-jährige Scholze vorsichtig. Genau darum setzen die Fliegenden Untertassen auch weiter auf ihre schlanke Firmenstruktur und planen keine festen Einstellungen. Einziger Luxus: ein Partner in Los Angeles, der Kontakt zu US-Firmen hält und neue Trends aufspürt.
Das wichtigste Kapital des kreativen Duos ist der geübte Blick für das Besondere im Alltag und die Neugier, immer und überall hinter die Kulissen zu schauen. Beide sehen sich weniger als Verführer und Manipulierer, denn als Geschichtenerzähler, die andere in ihrer Freizeit ablenken, sie überraschen und zum Lachen bringen. Und dann ist da noch das Didaktische, das in deutschen Freizeitparks fast immer dazu gehört.
Wie in der «Biosphäre Potsdam», mit der künftig die zentrale Halle der Bundesgartenschau genutzt werden soll. Im Auftrag der Projektgesellschaft Triad plante Flying Saucer medientechnisch einen mystischen Regenwald-Erlebnispark samt Lautsprechern, Monitoren, Verstärkern, Projektoren und dem abschließenden «Motion Ride» im aufwändigen Bewegungssimulator, der die Besucher in die Wirklichkeit zurückholen soll.
Im Idealfall haben Bresinsky und Scholze sie dann nicht nur gut unterhalten, sondern auch Anstöße gegeben, die Dinge einmal anders zu betrachten. Also doch eine Verführung - in die perfekte Welt.
Jens Uwe Kupka

