Wasen Artikel

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LETZTE BEARBEITUNG AM 02-Okt-2001 UM 11:47 Uhr ()

Artikel aus der Stuttgarter Zeitung vom 02.10.2001

Wasenbesucher suchen stets den Nervenkitzel
Neuheiten bei den Fahrgeschäften sind rar geworden

In einer Stahlkugel gen Himmel fliegen - für 35 Mark lässt sich dieser Wunsch erfüllen. Hot Shot heißt die kostspielige Neuheit auf dem Cannstatter Volksfest. Das Publikum verlangt nach Neuem. Für den Veranstalter aber wird es immer schwieriger, Attraktionen zu finden.

Von Nicole Höfle

Vor dem neuen Fahrgeschäft sammeln sich die Neugierigen, auch dann, wenn vor den anderen Buden noch Flaute herrscht. Die Szene erinnert entfernt an ein Tennisturnier, nur bewegen sich die Köpfe der Zuschauer nicht von links nach rechts, sondern von oben nach unten - je nachdem, wo sich die Stahlkugel gerade befindet. Zwei Menschen passen in das Gefährt, das an Gummiseilen hängt und zunächst von einem Magneten am Boden gehalten wird. Auf Knopfdruck hin setzt dieser aus, und die Kugel schnellt 50 Meter nach oben, dreht sich um die eigene Achse, pendelt sich aus und wird schließlich wieder auf den Boden geholt.

"Echt cool'', kommentiert der 17 Jahre alte Timo aus Waiblingen die wenigen Sekunden, die er in dem Gefährt verbracht hat und die ihn die Hälfte seines monatlichen Taschengeldes gekostet haben. Cool aber ist der Schüler nicht wirklich geblieben, wie die roten Flecken im Gesicht deutlich machen.

Hot Shot ist die einzige Neuheit, die das Cannstatter Volksfest diesmal zu bieten hat: "Wir hatten schon Jahre, in denen wir drei bis vier neue Fahrgeschäfte präsentieren konnten'', sagt Werner Alt von der städtischen Marktgesellschaft VMS, die das Volksfest organisiert. In den 80er Jahren hatten die Veranstalter der Volksfeste reiche Auswahl, seit einigen Jahren aber müssen sie ihre Erwartungen zurückschrauben: "Die wirtschaftliche Situation der Schausteller hat sich verschlechtert, deshalb ist die Investitionsfreuigkeit auch nicht mehr so groß'', so Alt. Was den Schaustellern zu schaffen macht, sind die rückläufigen Besucherzahlen auf Volksfesten und die wachsende Konkurrenz durch Vergnügungsparks. Hinzu kommen die gestiegenen Preise bei den Fahrgeschäften. Nach Auskunft von Schaustellerpräsident Walter Weitmann ist selbst ein einfaches Kettenkarussell nicht unter drei Millionen Mark zu haben. "Eine aufwendige Neuheit kann sich kaum mehr einer leisten'', sagt Weitmann.

Die Familie Dölle, der die fliegende Stahlkugel gehört, hat deshalb auch lange überlegt, bevor sie die Million investiert hat. "Man weiß nie, ob ein Fahrgeschäft auch ankommt'', erklärt Josef Dölle das lange Zögern. Als Schausteller der siebten Generation weiß er um die Tücken des Publikumsgeschmacks. Bei Hot Shot allerdings war das Risiko aus seiner Sicht abschätzbar: Das Fahrgeschäft ist bereits in Frankreich gut angekommen - und auf der Expo in Hannover waren die Besucher im vergangenen Jahr bereit, 50 Mark für das Erleben der fünffachen Erdbeschleunigung zu zahlen. In Stuttgart sind sie immerhin bereit, 35 Mark zu berappen. "Weniger können wir nicht verlangen, da wir nur zwei Fahrgäste unterbringen'', rechtfertigt Dölle den stolzen Preis.

Wie schnell Neuheiten in die zweite Reihe rutschen, zeigt das Beispiel Freifallturm. Im Herbst 1998 war der mehr als 50 Meter hohe und fünf Millionen Mark teure Turm die Attraktion auf dem Platz. Der simulierte freie Fall hat zwar noch immer seine Fans - aber lange nicht mehr so viele.
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Und noch ein zweiter Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten

Neue Müllgebühren ärgern Schausteller
180000 Mark zusätzliche Kosten für Volksfest-Beschicker

Unter den Beschickern auf dem Volksfest herrscht große Unsicherheit darüber, wie sich die neue Wasen-Müllgebührenregelung auswirkt. Erstmals müssen Wirte und Schausteller den Restmüll selbst bezahlen. Welche Kosten tatsächlich anfallen - kaum einer der Beschicker kann das abschätzen.

VON TORSTEN SCHÖLL

Werner Alt schon. Der Volksfestverantwortliche des Veranstalters VMS rechnet damit, dass inklusive Auf- und Abbau in den großen Bierzelten am Ende Restmüll für rund 12000 Mark (rund 6100 Euro) anfällt. Karl Maier, Wirt des kleineren Festzeltes Göckelesmaier, sieht zusätzliche Kosten von rund 5000 Mark auf sich zukommen. Maier gehört zu denjenigen auf dem Wasen, die ahnen, wie sich die neue Abfallgebührenregelung auswirken könnte, die seit diesem Jahr auf dem Volksfest gilt. Dinkelacker-Wirt Werner Klauß will sich nicht auf eine Schätzung festlegen: "Die aufwendige Hopfendekoration im Zelt könnte teuer werden'', sagt Klauß. Auch die meisten Betreiber von kleineren Imbissbuden lassen die Rechnung einfach auf sich zukommen.

Werner Alt will beruhigen: "Wer seinen Müll richtig sortiert, wird am Ende kaum eine hohe Müllgebühr bezahlen müssen.'' Denn wie in der Vergangenheit bleibt die Entsorgung von Holz, Papier, Pappe, Glas, Konservendosen, Schrott, organischem Müll und Kunststoff für die Beschicker kostenlos. Der Rest allerdings schlägt zu Buche: Das Kilo Restmüll koste derzeit 60 Pfennig (0,31 Euro), jede Tonne also 600 Mark (rund 307 Euro). Der Preis, erklärt Alt, liege etwas über dem Abgabepreis. Von der Differenz werde der Restmüll bezahlt, der auf Flächen anfällt, die keinem Beschicker zuzuordnen sind. Werner Klauß könnte aufatmen: Seine Hopfendekoration fällt in die Kategorie organischer Müll und ist demnach kostenlos.

Trotzdem zeigen sich die meisten Schausteller über die neue Regelung, wie nicht anders zu erwarten ist, wenig begeistert: Besonders Betreiber von Fahrgeschäften, die selbst so gut wie keinen Müll produzieren, müssen den Kehricht vor der eigenen Tür bezahlen. Pommesschalen, die Volksfestbesucher wegwerfen, landen in der Regel nicht dort im Müllsack, wo sie gekauft wurden. Alt sagt, "das ist eben das Solidaritätsprinzip, das auf dem Wasen herrscht''.

Registriert wird der abgegebene Müll über eine Codekarte: Im Recyclinghof der VMS auf dem Wasen, direkt neben der großen Achterbahn, wiegen VMS-Mitarbeiter den Restmüll ab. Nach Ende des Volksfests wird dann abgerechnet. Insgesamt erwartet Werner Alt 300 Tonnen Restmüll, der auf dem Wasen anfällt. Mehrkosten für die 320 Wasenbetriebe: 180000 Mark (rund 92000 Euro). Im Schnitt bezahlt also jeder etwa 562 Mark (rund 287 Euro) für den Müll.

VMS zufolge zeitigt die neue Regelung bereits Erfolge: "Die Beschicker'', sagt Alt, "sortieren ihren Müll weitaus besser als in der vergangenen Jahren.'' Eine pauschale Erhöhung der Standgebühren, um steigende Müllkosten zu finanzieren, hätte nicht zu diesem Ergebnis geführt, ist sich der VMS-Mitarbeiter sicher.


Jens Uwe Kupka

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