Autostadt Artikel

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Wolfsburger Nachrichten

Otto Ferdinand Wachs schildert im WN-Interview Strategie und Ziele der Autostadt - "Mitarbeiter dürfen keine Routine bekommen"

Erst Frauen, dann Kinder und dann die Männer
Nach nur 16 Monaten wurde in der Autostadt am Donnerstag der dreimillionste Besucher begrüßt. Worin liegt das Erfolgsgeheimnis der Autostadt begründet und wie soll es weitergehen mit der größten Publikums-Attraktion der Region? WN-Mitarbeiterin Katharina Rosch erfuhr alle Einzelheiten im Gespräch mit dem Autostadt-Chef Otto Ferdinand Wachs.

Was ist Ihrer Meinung nach der Hauptgrund für das enorme Interesse des Publikums an der Autostadt?

Das hat sicher sehr viel mit unserem Anspruch an die Inhalte und die Attraktionen zu tun. Aber ganz wesentliches Rückgrat ist der Service, das Verständnis unserer Mitarbeiter, die eine sehr gute Dienstleistung erbringen. Deswegen kommen die Besucher gerne in die Autostadt.

Wenn sich der Erfolg auf hohem Niveau eingependelt hat, dann ist es sicherlich nicht leicht, dieses Niveau zu halten oder gar auszubauen. Was wird die Autostadt mittelfristig tun, um den Besucherandrang nicht absacken zu lassen?

Das ist eine sehr berechtigte Frage, weil man sich in Wolfsburg daran gewöhnt hat. Es ist sicherlich nicht einfach, den hohen Erwartungen von über zwei Millionen Besuchern gerecht zu werden. Wir arbeiten mit 50 Kreativen aus der ganzen Welt an den Projekten, wie beispielsweise dem neuen Simulatorenfilm oder dem Autolab, welches Anfang Oktober wiedereröffnet wird. Wir müssen weiter daran arbeiten. Die Mitarbeiter dürfen keine Routine in ihrer Arbeit bekommen. Sie müssen jeden Tag genauso sauber putzen, jeden Tag genauso freundlich sein. Das ist für alle Beteiligten nicht einfach. Aber der Erfolg gibt uns recht.

Normalerweise sinken die Besucherzahlen in Erlebnisparks im zweiten Jahr um 20 bis 25 Prozent. Wir können sicher davon ausgehen, dass das bei uns nicht passieren wird. Wir sind in etwa auf Vorjahresniveau und das ist ein außerordentlicher Erfolg. Wir sind sehr zuversichtlich, dass es weiter so geht. Vom 1. Juni bis 1. September haben wir mehr als 700 000 Besucher gezählt. Es gibt also keinen Grund, besorgt zu sein. Aber wir sind hellwach und entwickeln uns weiter.

Wie groß ist die Bedeutung der Einzel-Events im Verhältnis zu den dauerhaften Elementen wie den Pavillons und dem Zeithaus für den Erfolg der Autostadt? Und: Wird die Autostadt mehr und mehr zur Bühne für Einzelveranstaltungen, die mit dem Automobil nur noch ab und zu etwas zu tun haben? Ganz sicher haben die saisonalen Inszenierungen wie beispielsweise das Wintermärchen eine große Bedeutung. Aber diese Events sind eher für die Bevölkerung im Umkreis von 100 Kilometern wichtig. Diese kommen bewusst dafür hierher. Mittlerweile kommen jedoch mehr als 60 Prozent unserer Besucher aus Entfernungen von mehr als 100 Kilometern. Für die spielen diese Events weniger eine Rolle. Aber die saisonalen Events haben natürlich eine wesentliche Bedeutung. Wir wollen die Autostadt mit zusätzlichen Angeboten wie dem Autokino oder dem Club nach Sechs als kulturellen Ort verankern. Unser Auftrag ist auch ein kultureller. Wir sind ein Ort, der für die Region hochattraktiv ist.

Zum zweiten Teil der Frage: Die Autostadt ist deswegen so anziehend, weil wir eine überraschende Inszenierung haben. Eben weil wir nicht nur wie auf der IAA in Frankfurt Autos ausstellen. Wir hätten auch Autos in die Piazza stellen können. Aber dann hätten die Menschen sich zurecht gefragt, was sie hier sehen können, das sie nicht auch bei ihrem Händler anschauen können.

Wir haben den Auftrag, Gäste und neue Zielgruppen auf den VW-Konzern aufmerksam zu machen. Die Einflussnahme der Autostadt auf Volkswagen ist indirekt. Es ist unsere Pflicht, hierfür Events zu inszenieren. Die Gäste wollen auch Rückzugsmöglichkeiten haben. Der Gast hat das Recht zu sagen, "das möchte ich, das möchte ich nicht". Wir wollen auf unsere Gäste sehr wohl positiv einwirken. Wir wissen aus Marktforschungsergebnissen, dass die Autostadt deutliche Kaufimpulse auslöst.

Es ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit und Sympathie. Wir richten uns nicht an die klassische erste Zielgruppe Männer, sondern zuerst an Frauen, dann an Kinder und Jugendliche und schließlich an die Männer. Frauen gehen viel emotionaler mit den Themen um. Und auch Kinder und Jugendliche sind viel emotionaler und nicht so voreingenommen. Wir wollen sie durch unsere Ansprache für uns gewinnen.

Kann man angesichts des großen Erfolgs der Autostadt schon Prognosen zur Belegschaft machen? Wird es in absehbarer Zeit noch mehr Arbeitsplätze in der Autostadt geben? Wenn ja: Welche Art von Jobs werden das sein? Wir haben in den vergangenen 16 Monaten unsere Belegschaft kontinuierlich aufgebaut. Wir hatten auch selbst nicht so viele Mitarbeiter erwartet. Für die Autostadt arbeiten mehr als 2100 Menschen. In der Autostadt GmbH sind über 800 Mitarbeiter beschäftigt, in den Restaurants und im Hotel sind es noch einmal 600. Weitere rund 700 Mitarbeiter sind bei VW und in der Auslieferung für die Autostadt tätig. Wir gehen angesichts des Erfolges davon aus, dass wir in absehbarer Zeit die Personalstärke halten können. Allerdings gibt es traditionell in der Dienstleistungsbranche eine hohe Fluktuation. Wir werden also entsprechend der Fluktuation immer weitere Mitarbeiter einstellen.

Gibt es konzeptionelle Elemente, die sich seit Eröffnung der Autostadt vor 16 Monaten nicht bewährt haben und die Sie deshalb geändert oder ganz gestrichen haben?

Wir haben festgestellt, dass unsere Besucher sich ganz auf die Autostadt konzentrieren. Durchschnittlich verbringen die Besucher etwa fünf Stunden hier. Sie nutzen in der Zeit unser attraktives Angebot.

Unser Spar- und Sicherheitstraining wird jetzt verstärkt angenommen. Das war anfangs nicht der Fall. Wir haben gelernt, dass sich das Geschehen in der Autostadt konzentriert.

Erfreulich viele Besucher wollen auch das Werk sehen. Früher gab es rund 300 Werksbesucher, heute sind es 1500. Das führt auch schon mal zu Engpässen bei den Kollegen im Werk.

Wir sind häufig gefragt worden, warum nicht mehr Besucher über die Brücke in die Stadt gehen. Der Grund dafür ist leicht zu erklären: Die meisten Besucher wollen sich entspannen und die Autostadt genießen. Sie kommen nicht unbedingt zum Einkaufen hierher.

Man sollte nicht zu hohe Erwartungen an einen Austausch der Besucher stellen. Was wir jedoch stärken müssen, um diese Auswirkungen zu lindern, sind die mehrtägigen Aufenthalte



Jens Uwe Kupka

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