Heide Park Pfahlsitzer Artikel

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Heide Park Pfahlsitzer Artikel

Heilbronner Stimme

"Man lebt hier von einer Stunde auf die andere"

Roland Maier aus Cleebronn will den Weltrekord im Pfahlsitzen brechen - auf Pfahl 9 im Freizeitpark Heide-Park Soltau



Stolz wie ein König hockt der Mann auf seinem 2,50 Meter hohen Holzpfahl und blickt gelassen über sein kleines Reich im Freizeitpark " Heide-Park Soltau" in Niedersachsen: Auf das nachgebaute holländische Dorf, Schwebebahn und Minizug, die mit Getöse vorbeirauschen.

Auf Menschen die "Durchhalten!" oder "Aufgeben!" rufen. Leierkastenmusik dudelt im Hintergrund. Roland Maier stört das nicht mehr. Er sitzt seit 134 Tagen unter freien Himmel auf Pfahl 9. "Ich kenne hier jeden Grashalm", sagt er, streckt abwechselnd die Beine nach oben und kreist mit den Füßen.

Der 38-jährige Wachmann aus Cleebronn will die fünfte Weltmeisterschaft im Pfahlsitzen gewinnen und den neuen Weltrekord aufstellen. " Letztes Jahr hat ein Bayer mit 3884 Stunden gewonnen. Dies entspricht 167 Tagen. Dieses Jahr sollte der Weltrekord nach Baden-Württemberg gehen."

Die Chancen stehen gut. Außer Roland Maier harren nur noch zwei zähe Mitstreiter auf ihren Pfählen aus. Der Cleebronner führt mit 30 Minuten Vorsprung. "Es kann noch ein harter Kampf werden", gibt Maier zu.

Er verzichtet öfter mal auf Pausen, um Zeit einzusparen. Die anderen sieben Pfähle im Heide-Park sind verwaist - viele haben nach wenigen Tagen aufgegeben. Letztes Jahr hielt auch Maier nur eine Woche durch.Disziplin und Sitzfleisch sind beim Pfahlsitzen gefragt.

Die Teilnehmer müssen Tag und Nacht auf blanken 60 mal 40 Zentimeter großen Holzsitzen hocken. Alle zwei Stunden dürfen sie für zehn Minuten von ihrem Hochsitz runter klettern, um zum Beispiel schnell aufs Klo zu rennen. "Wer nur eine Minute zu spät kommt, scheidet aus", erzählt Elke Song vom Wettbewerbsbüro.

Die Jury-Mitglieder haben die Pfähle von einer Holzhütte aus immer im Blick. Das Team bringt den Pfahlsitzern dreimal täglich Mahlzeiten und wechselt die Videokassetten, mit denen der Wettbewerb aufgezeichnet wird. Roland Maier braucht kein Bett zum Schlafen. Seine Hose ist an den Knien schon ganz durchgescheuert, weil dort das Kissen liegt, auf dem er vorn übergebeugt schläft.

Er trägt mehrere Hosen, Pullover und Socken übereinander. Tagsüber vertreibt er sich die Zeit mit Gymnastik, Lesen, Fernsehen, Telefonieren, Faxe verschicken und Small-Talk mit den Parkbesuchern. "Man lebt hier von einer Stunde auf die andere." Die Pfahlsitzer untereinander reden nicht viel miteinander.

"Hier herrscht ein harter Konkurrenzkampf", sagt Roland Maier. Umso mehr freut er sich über Post oder Besuch aus der Heimat. "Ich würde mich freuen, wenn mir noch mehr Leute schreiben würden. Schließlich kämpfe ich für Baden-Württemberg." Was er dort oben vermisst? "Ich vermisse die Natur, würde gerne sehen wie das Getreide wächst."

Der Ehrgeiz treibt ihn an. Als Wachmann hat Roland Maier gleich zweimal auf seinen Jahresurlaub verzichtet, um am Wettbewerb teilzunehmen. Zur Vorbereitung fuhr er täglich 60 Kilometer mit dem Fahrrad zur Arbeit. Vielleicht ist er deshalb trotz schlechter Witterung nicht krank geworden. Das wäre der einzige Grund für ihn, aufzugeben. Reich werden kann Roland Maier mit der "Dauer-Hocketse" nicht.

Der Sieger darf sich Weltmeister nennen und gewinnt 20 000 Mark. Wer den Weltrekord überbietet, bekommt zusätzlich 15 000 Mark. Die Aussteiger erhalten eine Zeitprämie von 200 Mark pro "Sitzwoche". InfoInfoPost an Roland Maier, Heidepark Soltau Pfahl 9, 29614 Soltau, Telefon 051/91-309, E-Mail: pfahl9 heide-park.de.

Viel Abwechslung hat Roland Maier auf seinem hölzernen Hochsitz nicht. Er freut sich daher über jeden Small-Talk mit Heide-Parkbesuchern und über Post aus der Heimat.


27.09.2001



Jens Uwe Kupka

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