In Rostock keimen Zweifel am Käpp'n-Brass-Freizeitpark
:-biggrin Da haben doch meine und die eines Freizeitparks getätigten Recherchen Früchte getragen... Endlich hat mal eine Zeitung hinter Herrn Frank´s Fassade geschaut.
Artikel Ostsee Zeitung
Geduldspiele an der Warnow
In Rostock keimen Zweifel am Käpp'n-Brass-Freizeitpark
1200 Arbeitsplätze und 500 bei Zulieferern. 400 Millionen Mark Investitionen. Ein in Rostock geplanter Freizeitpark soll Dimensionen sprengen. Jetzt kommen Zweifel am Projekt auf.
Rostock (OZ) Wenn ein Besucher das Büro von Thomas Johnannes Frank am Rostocker Hafens verlässt, drückt ihm der Gastgeber zuweilen ein kleines Spiel in die Hand. Das Ei des Kolumbus. Was für Tüftler. Braucht man Geduld.
Die benötigen auch Menschen, die Freizeitparks planen. Wie der Projektentwickler Thomas J. Frank. 400 Millionen Mark Investitionen. 1200 ganzjährige Arbeitsplätze, 500 weitere im Zulieferbereich verspricht er. „Und das sind keine Schiffschaukelbremser“, sagt Frank.
„Käpp'n Brass-Park“ soll die Freizeit-Oase an der Ostsee heißen und 2004 in Betrieb gehen. Frank sagt, ihm habe ein Makler erzählt, dass in Rostock für ein Gelände der Wohnungsgesellschaft WIRO und der Firma „Baltic Bau“ ein Käufer gesucht werde. Also hat Frank sein Konzept vorgelegt. Die Chefs seien begeistert gewesen.
Doch so groß die Pläne sind, so groß sind inzwischen auch die Zweifel an ihnen. Als Entwickler hat Frank zwar eine lange Referenzliste. Darin finden sich Pläne für eine Menge Parks. Gebaut wurde aber bislang kein einziger. Die Konzeption übernimmt Frank für die Firma „Projektionierung von Freizeitparks pfp“ mit Sitz in Deisenhofen. Er ist Geschäftsführer. Im Handelsregister wird die GmbH auf den Namen von Ehefrau Sabine Frank geführt. Thomas Frank hat, laut Auskunft von Creditreform, 1998 vor dem Amtsgericht die eidesstattliche Versicherung über seine Vermögensverhältnisse abgegeben. Offenbarungseid.
Für 2001 wird bei pfp eine Umsatzerwartung von 50 Millionen angegeben, während der Umsatz im Jahr 2000 noch bei Null lag. 150 Mitarbeiter werden unter der Firmenadresse geführt. Die Erreichbarkeit läuft über Anrufbeantworter. Frank ruft persönlich zurück.
Beteiligungen besitzen bei pfp unter anderem „Tivoli Freizeitpark GmbH“ in Berlin. Dort war Frank Gesellschafter, Geschäftsführer und einziger Mitarbeiter bis 1997. Ziel: In der Hauptstadt einen Tivoli-Park nach dem Vorbild des Kopenhagener Unternehmens zu bauen. Gescheitert sei er daran, dass das Grundstück je zur Hälfte auf Berliner und auf Brandenburger Boden lag, sagt Frank. Gescheitert ist er auch daran, dass sich das Tivoli Kopenhagen von ihm trennte. Mittlerweile ist die Berliner „Tivoli GmbH“ mit unbekannter Anschrift verzogen.
Eine Beteiligung bei pfp sitzt in Rostock: Die KBP-Käpp'Brass-Park GmbH. Bei KBP findet sich der Eintrag von 1200 Mitarbeitern am Firmensitz Oberhaching – und wieder hat nur der Anrufbeantworter Zeit. In der Rostocker Niederlassung sitzt eine Bürokraft.
Die Rostocker Geschäftspartner von Frank reagierten erst verstimmt, als sie davon Wind bekamen, dass ihr Projektentwickler das Käpp'n-Brass-Konzept auch im bayrischen Schondra als „Rhönpark“ verkaufen wollte. Hans-Jürgen Gruel, einer der Geschäftsführer von „Baltic Bau“ aus Rostock: „Wir waren erstaunt.“ Mittlerweile habe man sich jedoch geeinigt. Gruel: „Tja, wess Brot ich ess, des Lied ich sing.“
An der Machbarkeitsstudie für Käpp'n-Brass haben 20 Experten-Teams mitgearbeitet. Gekostet hat das Papier 800 000 Mark. Wirtschaftlich kommt die Studie zu einem positiven Ergebnis. Der Rostocker BWL-Professor Martin Benkenstein (44) hält die Idee für sinnvoll. Fazit: „Die Investitionen können sich lohnen.“ Vorausgesetzt, zwei Millionen Besucher werden über 15 Jahre angelockt.
Frank will deshalb den Brass-Park ganzjährig öffnen. In Deutschland ist dies jedoch noch keinem Park gewinnbringend gelungen. Sein Konzept sei der Mix, erklärt er. Ein bisschen Themenpark, ein bisschen Rummelbude, regionaler Bezug und übliche Freizeitpark-Angebote plus Infotainment.
Große Unternehmen seien aufgesprungen, wirbt Frank. Siemens und Jenoptik zum Beispiel. Klaus Schnell von „Siemens Business Services“ aus München sieht sich bei Käpp'n-Brass als technischen Dienstleister. „Wir helfen, das Projekt zu entwickeln.“ Nur Geld, das gibt Siemens nicht. In Rostock scheint mittlerweile die Verunsicherung groß zu sein. Oberbürgermeister Arno Pöker (SPD) mag sich nicht verbindlich äußern. Er spricht von einer großen Chance für die Region. Hoffnung auf Arbeitsplätze. Ein Projekt, das oberste Priorität hat. Geduld soll das wohl heißen.
MICHAEL MEYER
Jens Uwe Kupka
Artikel Ostsee Zeitung
Geduldspiele an der Warnow
In Rostock keimen Zweifel am Käpp'n-Brass-Freizeitpark
1200 Arbeitsplätze und 500 bei Zulieferern. 400 Millionen Mark Investitionen. Ein in Rostock geplanter Freizeitpark soll Dimensionen sprengen. Jetzt kommen Zweifel am Projekt auf.
Rostock (OZ) Wenn ein Besucher das Büro von Thomas Johnannes Frank am Rostocker Hafens verlässt, drückt ihm der Gastgeber zuweilen ein kleines Spiel in die Hand. Das Ei des Kolumbus. Was für Tüftler. Braucht man Geduld.
Die benötigen auch Menschen, die Freizeitparks planen. Wie der Projektentwickler Thomas J. Frank. 400 Millionen Mark Investitionen. 1200 ganzjährige Arbeitsplätze, 500 weitere im Zulieferbereich verspricht er. „Und das sind keine Schiffschaukelbremser“, sagt Frank.
„Käpp'n Brass-Park“ soll die Freizeit-Oase an der Ostsee heißen und 2004 in Betrieb gehen. Frank sagt, ihm habe ein Makler erzählt, dass in Rostock für ein Gelände der Wohnungsgesellschaft WIRO und der Firma „Baltic Bau“ ein Käufer gesucht werde. Also hat Frank sein Konzept vorgelegt. Die Chefs seien begeistert gewesen.
Doch so groß die Pläne sind, so groß sind inzwischen auch die Zweifel an ihnen. Als Entwickler hat Frank zwar eine lange Referenzliste. Darin finden sich Pläne für eine Menge Parks. Gebaut wurde aber bislang kein einziger. Die Konzeption übernimmt Frank für die Firma „Projektionierung von Freizeitparks pfp“ mit Sitz in Deisenhofen. Er ist Geschäftsführer. Im Handelsregister wird die GmbH auf den Namen von Ehefrau Sabine Frank geführt. Thomas Frank hat, laut Auskunft von Creditreform, 1998 vor dem Amtsgericht die eidesstattliche Versicherung über seine Vermögensverhältnisse abgegeben. Offenbarungseid.
Für 2001 wird bei pfp eine Umsatzerwartung von 50 Millionen angegeben, während der Umsatz im Jahr 2000 noch bei Null lag. 150 Mitarbeiter werden unter der Firmenadresse geführt. Die Erreichbarkeit läuft über Anrufbeantworter. Frank ruft persönlich zurück.
Beteiligungen besitzen bei pfp unter anderem „Tivoli Freizeitpark GmbH“ in Berlin. Dort war Frank Gesellschafter, Geschäftsführer und einziger Mitarbeiter bis 1997. Ziel: In der Hauptstadt einen Tivoli-Park nach dem Vorbild des Kopenhagener Unternehmens zu bauen. Gescheitert sei er daran, dass das Grundstück je zur Hälfte auf Berliner und auf Brandenburger Boden lag, sagt Frank. Gescheitert ist er auch daran, dass sich das Tivoli Kopenhagen von ihm trennte. Mittlerweile ist die Berliner „Tivoli GmbH“ mit unbekannter Anschrift verzogen.
Eine Beteiligung bei pfp sitzt in Rostock: Die KBP-Käpp'Brass-Park GmbH. Bei KBP findet sich der Eintrag von 1200 Mitarbeitern am Firmensitz Oberhaching – und wieder hat nur der Anrufbeantworter Zeit. In der Rostocker Niederlassung sitzt eine Bürokraft.
Die Rostocker Geschäftspartner von Frank reagierten erst verstimmt, als sie davon Wind bekamen, dass ihr Projektentwickler das Käpp'n-Brass-Konzept auch im bayrischen Schondra als „Rhönpark“ verkaufen wollte. Hans-Jürgen Gruel, einer der Geschäftsführer von „Baltic Bau“ aus Rostock: „Wir waren erstaunt.“ Mittlerweile habe man sich jedoch geeinigt. Gruel: „Tja, wess Brot ich ess, des Lied ich sing.“
An der Machbarkeitsstudie für Käpp'n-Brass haben 20 Experten-Teams mitgearbeitet. Gekostet hat das Papier 800 000 Mark. Wirtschaftlich kommt die Studie zu einem positiven Ergebnis. Der Rostocker BWL-Professor Martin Benkenstein (44) hält die Idee für sinnvoll. Fazit: „Die Investitionen können sich lohnen.“ Vorausgesetzt, zwei Millionen Besucher werden über 15 Jahre angelockt.
Frank will deshalb den Brass-Park ganzjährig öffnen. In Deutschland ist dies jedoch noch keinem Park gewinnbringend gelungen. Sein Konzept sei der Mix, erklärt er. Ein bisschen Themenpark, ein bisschen Rummelbude, regionaler Bezug und übliche Freizeitpark-Angebote plus Infotainment.
Große Unternehmen seien aufgesprungen, wirbt Frank. Siemens und Jenoptik zum Beispiel. Klaus Schnell von „Siemens Business Services“ aus München sieht sich bei Käpp'n-Brass als technischen Dienstleister. „Wir helfen, das Projekt zu entwickeln.“ Nur Geld, das gibt Siemens nicht. In Rostock scheint mittlerweile die Verunsicherung groß zu sein. Oberbürgermeister Arno Pöker (SPD) mag sich nicht verbindlich äußern. Er spricht von einer großen Chance für die Region. Hoffnung auf Arbeitsplätze. Ein Projekt, das oberste Priorität hat. Geduld soll das wohl heißen.
MICHAEL MEYER
Jens Uwe Kupka

