Web Tipp: Süddeutsche Zeitung
Die Süddeutsche Zeitung hat sowohl in der papiernen als auch in der Webausgabe ein sehr interessantes Special über das Oktoberfest (und vor allem über die dazugehörigen Sicherheitsvorkehrungen) veröffentlicht. Híer einer der vielen Artikel, mehr (u.a.: Blasmusik Version von Lennon's "Give peace a chance", die Sicherheitsmaßnahmen im Einzelnen und eine Abstimmung zum Thema) gibt's unter http://www.sueddeutsche.de/index.php?url=/muenchen/
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[h3] "Es wird sicher keine lustige Wiesn" [/h3]
Polizei und Stadt kündigen schärfste Sicherheitsmaßnahmen für das Oktoberfest an – die CSU fordert noch mehr.
Von Berthold Neff und Christian Rost
(SZ vom 21.9.2001) - Mit scharfen Kontrollen, Überwachung durch Videokameras, Spürhunden und einem verdoppelten Polizeiaufgebot wollen Münchens Polizeipräsident Roland Koller und KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle für Sicherheit auf der Wiesn sorgen. Das Überflugverbot für die Festwiese war gestern allerdings noch nicht genehmigt. Die CSU forderte unterdessen Sicherheitsmaßnahmen für die gesamte Stadt.
Polizei rechnet nicht mit Anschlägen
Nach den Terrorakten in den USA rechnet Münchens Polizeipräsident Roland Koller zwar nicht mit Anschlägen auf das Oktoberfest, schon weil „es nicht die Symbolkraft eines World Trade Centers oder des Pentagons hat“, dennoch rüsten die Sicherheitskräfte für das größte Volksfest der Welt auf.
Zwei Tage vor Beginn der Wiesn 2001 stellte Koller gestern mit dem Chef des Kreisverwaltungsreferats, Wilfried Blume-Beyerle, ein neues Sicherheitskonzept vor.
Danach stellt das Bayerische Innenministerium 200 Polizisten und Grenzschützer zusätzlich für den Einsatz auf dem Oktoberfest zur Verfügung, die Stadt lässt vier Überwachungskameras installieren, und es wird scharfe Personenkontrollen geben, auch im weiteren Umfeld der Theresienwiese.
„Es wird sicher keine besonders lustige Wiesn“, sagte Polizeipräsident Koller, der schon nicht mehr damit gerechnet hatte, vom Innenministerium zusätzliche Beamte zu bekommen.
Überflugsverbot steht aus
Die Genehmigung eines Überflugsverbotes für die Festwiese, das KVR-Chef Blume-Beyerle beim Bundesverkehrsministerium dringend eingefordert hat, stand bis gestern noch aus.
Zwar besteht laut Blume-Beyerle die theoretische Möglichkeit, dass OB Christian Ude den Wiesn-Auftakt noch per Dringlichkeitsanordnung absagt, doch damit rechnen die Behörden nicht.
Man müsse jetzt die „Grundrisiken“ minimieren, sagte Koller. „Wir werden alles tun, damit die Wiesn 2001 ordnungsgemäß ablaufen kann.“
Im Visier hat er dabei auch „Personen mit psychopatischen Zügen“, die mit Bombendrohungen und deswegen möglichen Evakuierungen Panik erzeugen wollen.
18 Drohungen
Bis gestern registrierte die Münchner Polizei 18 Drohungen von anonymen Anrufern, wobei es sich in zehn Fällen um Bombendrohungen handelte, die im Zusammenhang mit dem Wiesnauftakt stehen.
Koller bezeichnete die Anrufer als „Trittbrettfahrer“, die zum Teil bereits ermittelt seien. Größere Probleme sieht der Polizei-Chef für den Fall, dass ein Zelt geräumt werden muss.
Mit beruhigenden Lautsprecherdurchsagen sollen die Beamten zwar Panik verhindern. So eine Situation werde aber „schwierig“ werden, räumte Koller ein.
Die Münchner CSU forderte gestern, dass die Stadt schnell auf den Terror reagiert und Maßnahmen ergreift, um die Sicherheit zu verbessern.
Wolf will kriminielle Ausländer abschieben lassen
Der CSU-OB-Kandidat Aribert Wolf präsentierte dazu eine Reihe von Forderungen. Er will schwer kriminelle Ausländer und straffällig gewordene Asylbewerber ebenso unverzüglich abschieben wie extremistische Ausländer, gegen die verfassungsschutzrechtliche Erkenntnise vorliegen.
Die Stadt solle ihre öffentlichen Gebäude durch Wachpersonal schützen, ein Katastrophenschutzzentrum einrichten, die Schutzräume ertüchtigen, eine zweite Leitstelle für den Fall des Ausfalls der integrierten Leitstelle schaffen, sich nicht länger der Videoüberwachung öffentlicher Bereiche verschließen und einen kommunalen Ordnungsdienst etablieren.
Notfallübungen
Auch sollten die städtischen Krankenhäuser zusammen mit den Universitätskliniken Notfallübungen organisieren, um im Ernstfall gerüstet zu sein.
Städtische Mitarbeiter in sensiblen Bereichen (U-Bahn, Trinkwasserversorgung) sollten künftig vom Verfassungsschutz auf extremistischen Hintergrund durchleuchtet werden.
"Datenschutz zurückfahren"
Der Datenschutz, so Wolf, solle „bis an die Grenze des rechtlich Möglichen zurückgefahren“ werden.
Auch müsse die Berufsfeuerwehr verstärkt werden, nachdem Rot-Grün seit 1990 massiv Personal gestrichen habe.
Der CSU-Fraktionschef Hans Podiuk sagte, er werde die entsprechenden Anträge demnächst im Stadtrat vorlegen.
Anders als der Berliner CDU-Spitzenkandidat Frank Steffel, der ebenfalls gestern einen 21-Punkte-Katalog für mehr Sicherheit vorlegte und die Kosten dafür mit 90 Millionen Mark bezifferte, mochte Wolf nicht sagen, wie teuer seine Forderungen der Stadt kämen, sondern sagte nur: „Dieses Konzept wird mit Sicherheit nicht zum Nulltarif zu haben sein.“
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[h3] "Es wird sicher keine lustige Wiesn" [/h3]
Polizei und Stadt kündigen schärfste Sicherheitsmaßnahmen für das Oktoberfest an – die CSU fordert noch mehr.
Von Berthold Neff und Christian Rost
(SZ vom 21.9.2001) - Mit scharfen Kontrollen, Überwachung durch Videokameras, Spürhunden und einem verdoppelten Polizeiaufgebot wollen Münchens Polizeipräsident Roland Koller und KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle für Sicherheit auf der Wiesn sorgen. Das Überflugverbot für die Festwiese war gestern allerdings noch nicht genehmigt. Die CSU forderte unterdessen Sicherheitsmaßnahmen für die gesamte Stadt.
Polizei rechnet nicht mit Anschlägen
Nach den Terrorakten in den USA rechnet Münchens Polizeipräsident Roland Koller zwar nicht mit Anschlägen auf das Oktoberfest, schon weil „es nicht die Symbolkraft eines World Trade Centers oder des Pentagons hat“, dennoch rüsten die Sicherheitskräfte für das größte Volksfest der Welt auf.
Zwei Tage vor Beginn der Wiesn 2001 stellte Koller gestern mit dem Chef des Kreisverwaltungsreferats, Wilfried Blume-Beyerle, ein neues Sicherheitskonzept vor.
Danach stellt das Bayerische Innenministerium 200 Polizisten und Grenzschützer zusätzlich für den Einsatz auf dem Oktoberfest zur Verfügung, die Stadt lässt vier Überwachungskameras installieren, und es wird scharfe Personenkontrollen geben, auch im weiteren Umfeld der Theresienwiese.
„Es wird sicher keine besonders lustige Wiesn“, sagte Polizeipräsident Koller, der schon nicht mehr damit gerechnet hatte, vom Innenministerium zusätzliche Beamte zu bekommen.
Überflugsverbot steht aus
Die Genehmigung eines Überflugsverbotes für die Festwiese, das KVR-Chef Blume-Beyerle beim Bundesverkehrsministerium dringend eingefordert hat, stand bis gestern noch aus.
Zwar besteht laut Blume-Beyerle die theoretische Möglichkeit, dass OB Christian Ude den Wiesn-Auftakt noch per Dringlichkeitsanordnung absagt, doch damit rechnen die Behörden nicht.
Man müsse jetzt die „Grundrisiken“ minimieren, sagte Koller. „Wir werden alles tun, damit die Wiesn 2001 ordnungsgemäß ablaufen kann.“
Im Visier hat er dabei auch „Personen mit psychopatischen Zügen“, die mit Bombendrohungen und deswegen möglichen Evakuierungen Panik erzeugen wollen.
18 Drohungen
Bis gestern registrierte die Münchner Polizei 18 Drohungen von anonymen Anrufern, wobei es sich in zehn Fällen um Bombendrohungen handelte, die im Zusammenhang mit dem Wiesnauftakt stehen.
Koller bezeichnete die Anrufer als „Trittbrettfahrer“, die zum Teil bereits ermittelt seien. Größere Probleme sieht der Polizei-Chef für den Fall, dass ein Zelt geräumt werden muss.
Mit beruhigenden Lautsprecherdurchsagen sollen die Beamten zwar Panik verhindern. So eine Situation werde aber „schwierig“ werden, räumte Koller ein.
Die Münchner CSU forderte gestern, dass die Stadt schnell auf den Terror reagiert und Maßnahmen ergreift, um die Sicherheit zu verbessern.
Wolf will kriminielle Ausländer abschieben lassen
Der CSU-OB-Kandidat Aribert Wolf präsentierte dazu eine Reihe von Forderungen. Er will schwer kriminelle Ausländer und straffällig gewordene Asylbewerber ebenso unverzüglich abschieben wie extremistische Ausländer, gegen die verfassungsschutzrechtliche Erkenntnise vorliegen.
Die Stadt solle ihre öffentlichen Gebäude durch Wachpersonal schützen, ein Katastrophenschutzzentrum einrichten, die Schutzräume ertüchtigen, eine zweite Leitstelle für den Fall des Ausfalls der integrierten Leitstelle schaffen, sich nicht länger der Videoüberwachung öffentlicher Bereiche verschließen und einen kommunalen Ordnungsdienst etablieren.
Notfallübungen
Auch sollten die städtischen Krankenhäuser zusammen mit den Universitätskliniken Notfallübungen organisieren, um im Ernstfall gerüstet zu sein.
Städtische Mitarbeiter in sensiblen Bereichen (U-Bahn, Trinkwasserversorgung) sollten künftig vom Verfassungsschutz auf extremistischen Hintergrund durchleuchtet werden.
"Datenschutz zurückfahren"
Der Datenschutz, so Wolf, solle „bis an die Grenze des rechtlich Möglichen zurückgefahren“ werden.
Auch müsse die Berufsfeuerwehr verstärkt werden, nachdem Rot-Grün seit 1990 massiv Personal gestrichen habe.
Der CSU-Fraktionschef Hans Podiuk sagte, er werde die entsprechenden Anträge demnächst im Stadtrat vorlegen.
Anders als der Berliner CDU-Spitzenkandidat Frank Steffel, der ebenfalls gestern einen 21-Punkte-Katalog für mehr Sicherheit vorlegte und die Kosten dafür mit 90 Millionen Mark bezifferte, mochte Wolf nicht sagen, wie teuer seine Forderungen der Stadt kämen, sondern sagte nur: „Dieses Konzept wird mit Sicherheit nicht zum Nulltarif zu haben sein.“
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