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„Die Leute wollen immer mehr Action“
Die Achterbahn: Drei Millionen teuer, 420 Meter lang/Gerne auf der Rüsselsheimer Kerb
Vom 20.08.2001
„Die Leute brauchen Abwechslung und suchen nach Attraktionen“, heißt es bei der Familie Gormanns. Ihre Achterbahn soll beides bieten und ist ein „Highlight“ auf der diesjährigen Rüsselsheimer Kerb. Die „Main-Spitze“ blickte hinter die Kulissen der Schausteller-Familie.
Von
Peter Kämmerer
Hans Gormanns ist keiner von denen, die ständig über die böse Welt klagen. Der Rheinländer ist einer, der anpackt und der weiß, was er will. Das hat der Spross einer alten Schausteller-Familie schon früh gelernt. „Mit 16“, berichtet der massige Chef einer Schausteller-Dynastie stolz, „habe ich schon mein eigenes Karussell gehabt, mit dem ich auf Tour gegangen bin“. Arbeiten, seinen Job gut machen, überall und jederzeit – das sind die wichtigsten Maximen im Leben von Hans Gormanns.
Doch er weiß auch, dass das allein heute nicht mehr ausreichend ist: „Die Leute wollen immer mehr Action“, analysiert er knapp. „Wir kriegen das zu spüren.“ Er berichtet von neuen, waghalsigen Fahrgeschäften, bei der sich eine Bahn mit über 100 Stundenkilometern senkrecht im Kreis fahrend fortbewegt und wo die Gondeln durch die Fliehkraft noch einen zusätzlichen Kick bekommen – Höllenmaschinen zur Volksbelustigung, über die selbst ein Profi wie Gormanns nur Staunen kann.
Jeder Mode und jedem Trend rennt der Dürener nicht hinterher: „Ich weiß, was ich kann“, sagt Gormanns, der im Gespräch mehr als einmal zu verstehen gibt, dass Schausteller zu sein kein Beruf ist, den man einfach so lernen kann. Für jemanden wie Gormanns, der seine Profession quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat, ist die Schaustellerei eine Berufung.
Das Rüsselsheimer Publikum beehrt der Schausteller in diesem Jahr mit einer Achterbahn. An der Rüsselsheimer Kerb ist der „Crazy Coaster“ der Gormanns eine der großen Attraktionen, die das Publikum locken. Gut und gerne drei Millionen Mark hat die Anschaffung dieses Vergnügungsgeschäfts gekostet. „Aber es lohnt sich“, sagt Gormanns. „Das ist eine richtige tolle Sache.“ Die technischen Daten sind beeindruckend: 16 Meter hoch ist seine Achterbahn, 43 Meter lang, 20 Meter breit. Die Schienenlänge beträgt 420 Meter, die neun Wagen, die sich noch einmal um die eigene Achse drehen, können vier Personen transportieren. Trotz der vermeintlichen Übersättigung des Publikums kann sich der Besitzer über fehlendes Publikum nicht beklagen: „Die Geschäfte laufen gut. Nur heute wird es ein bisschen dauern.“ Schumi läuft im Fernsehen, „da kommen die Leute etwas später. Aber das ist normal und absolut nicht außergewöhnlich.“
Seit den siebziger Jahren kommt Hans Gormanns regelmäßig in die Opelstadt. „Rüsselsheim ist ein gutes Pflaster“, findet Hans Gormanns, auch wenn ihm die Gebührensätze ein wenig aufs rheinische Gemüt schlagen: 4000 Mark für seinen Standplatz, „das ist doch übertrieben. So hoch wie in Rüsselsheim sind die Gebühren andernorts nicht.“
Trotz dieser Widrigkeiten kann sich Hans Gormanns keinen schöneren Beruf als den des Schausteller vorstellen. Auch auf seinen 23-jährigen Sohn Alex, der in fünfter Generation die Familientradition fortsetzt, hat das abgefärbt. Dass er sich beim Aufbau der Achterbahn den rechten Daumennagel abriss und deshalb einen dicken Verband tragen muss, hält ihn – ganz der Vater – nicht davon ab, beim Aufbau selbst Hand anzulegen. Auch wenn die Achterbahn in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch abmontiert wird, wird Sohn Alex das Kommando führen. Der nächste Termin wartet schließlich schon.
„Die Leute wollen immer mehr Action“
Die Achterbahn: Drei Millionen teuer, 420 Meter lang/Gerne auf der Rüsselsheimer Kerb
Vom 20.08.2001
„Die Leute brauchen Abwechslung und suchen nach Attraktionen“, heißt es bei der Familie Gormanns. Ihre Achterbahn soll beides bieten und ist ein „Highlight“ auf der diesjährigen Rüsselsheimer Kerb. Die „Main-Spitze“ blickte hinter die Kulissen der Schausteller-Familie.
Von
Peter Kämmerer
Hans Gormanns ist keiner von denen, die ständig über die böse Welt klagen. Der Rheinländer ist einer, der anpackt und der weiß, was er will. Das hat der Spross einer alten Schausteller-Familie schon früh gelernt. „Mit 16“, berichtet der massige Chef einer Schausteller-Dynastie stolz, „habe ich schon mein eigenes Karussell gehabt, mit dem ich auf Tour gegangen bin“. Arbeiten, seinen Job gut machen, überall und jederzeit – das sind die wichtigsten Maximen im Leben von Hans Gormanns.
Doch er weiß auch, dass das allein heute nicht mehr ausreichend ist: „Die Leute wollen immer mehr Action“, analysiert er knapp. „Wir kriegen das zu spüren.“ Er berichtet von neuen, waghalsigen Fahrgeschäften, bei der sich eine Bahn mit über 100 Stundenkilometern senkrecht im Kreis fahrend fortbewegt und wo die Gondeln durch die Fliehkraft noch einen zusätzlichen Kick bekommen – Höllenmaschinen zur Volksbelustigung, über die selbst ein Profi wie Gormanns nur Staunen kann.
Jeder Mode und jedem Trend rennt der Dürener nicht hinterher: „Ich weiß, was ich kann“, sagt Gormanns, der im Gespräch mehr als einmal zu verstehen gibt, dass Schausteller zu sein kein Beruf ist, den man einfach so lernen kann. Für jemanden wie Gormanns, der seine Profession quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat, ist die Schaustellerei eine Berufung.
Das Rüsselsheimer Publikum beehrt der Schausteller in diesem Jahr mit einer Achterbahn. An der Rüsselsheimer Kerb ist der „Crazy Coaster“ der Gormanns eine der großen Attraktionen, die das Publikum locken. Gut und gerne drei Millionen Mark hat die Anschaffung dieses Vergnügungsgeschäfts gekostet. „Aber es lohnt sich“, sagt Gormanns. „Das ist eine richtige tolle Sache.“ Die technischen Daten sind beeindruckend: 16 Meter hoch ist seine Achterbahn, 43 Meter lang, 20 Meter breit. Die Schienenlänge beträgt 420 Meter, die neun Wagen, die sich noch einmal um die eigene Achse drehen, können vier Personen transportieren. Trotz der vermeintlichen Übersättigung des Publikums kann sich der Besitzer über fehlendes Publikum nicht beklagen: „Die Geschäfte laufen gut. Nur heute wird es ein bisschen dauern.“ Schumi läuft im Fernsehen, „da kommen die Leute etwas später. Aber das ist normal und absolut nicht außergewöhnlich.“
Seit den siebziger Jahren kommt Hans Gormanns regelmäßig in die Opelstadt. „Rüsselsheim ist ein gutes Pflaster“, findet Hans Gormanns, auch wenn ihm die Gebührensätze ein wenig aufs rheinische Gemüt schlagen: 4000 Mark für seinen Standplatz, „das ist doch übertrieben. So hoch wie in Rüsselsheim sind die Gebühren andernorts nicht.“
Trotz dieser Widrigkeiten kann sich Hans Gormanns keinen schöneren Beruf als den des Schausteller vorstellen. Auch auf seinen 23-jährigen Sohn Alex, der in fünfter Generation die Familientradition fortsetzt, hat das abgefärbt. Dass er sich beim Aufbau der Achterbahn den rechten Daumennagel abriss und deshalb einen dicken Verband tragen muss, hält ihn – ganz der Vater – nicht davon ab, beim Aufbau selbst Hand anzulegen. Auch wenn die Achterbahn in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch abmontiert wird, wird Sohn Alex das Kommando führen. Der nächste Termin wartet schließlich schon.

