Freizeitpark feierte Geburtstag

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Freizeitpark feierte Geburtstag

Artikel Weser Kurier

Vor 30 Jahren gegründet / Neue Eigentümer wollen an erfolgreiche Zeiten anknüpfen

Von unserem Mitarbeiter
Andreas Becker

Verden. Im Reigen der vielen Freizeitparks in der Region, die mit Achterbahnen und anderen High-Tech-Attraktionen um die Kundschaft buhlen, wirkt der Freizeitpark in Verden fast wie ein Anachronismus. Ein Märchenwald, in dem Kinder und Eltern gemütlich von „Dornröschen“ zu „Hänsel und Gretel“ schlendern können, Riesenrad und Kettenflieger – die Attraktionen des Parks wirken fast wie aus vergangenen Zeiten in die Gegenwart gerettet.
„Wir wollen bei unseren Besuchern Erinnerungen an die Kinderzeit wecken“, sagt Petra Steiger anlässlich des 30-jährigen Park-Bestehens, das am Sonnabend ohne viel Brimborium gefeiert wurde. Erst seit Anfang des Jahres leitet die 23-jährige Juniorchefin mit ihrer Mutter Monika Steiger den Freizeitpark.
Die beiden Frauen stammen aus einer alten Schaustellerfamilie. Der Großvater begann vor 50 Jahren mit einem Riesenrad, und dieser Tradition sind die Steigers treu geblieben. Auch auf dem Bremer Freimarkt sind sie seit vielen Jahren mit ihrem Fahrgeschäft vertreten. Nach dem Tod des Vaters vor zehn Jahren übernahm ein Cousin das Riesenrad, „weil diese schwere Arbeit für Männer besser geeignet ist“, wie Petra Steiger sagt. Die Frauen machten sich mit einem Imbisswagen selbstständig, bis sie des fahrenden Gewerbes überdrüssig wurden.
Vom Vorbesitzer Paul Bornscheuer aus Hamburg erwarben sie schließlich den Freizeitpark in Verden, um einen festen Standort zu haben. Für den Kaufpreis und die anstehenden Investitionen in das Gelände kalkulieren die Steigers einen „siebenstelligen Betrag“. „Das Projekt ist für uns eine Herausforderung und natürlich auch eine Investition in die Zukunft“, betont die junge Geschäftsfrau, die nach dem Tod des Vaters früh lernen musste, auf eigenen Beinen zu stehen. Ob der Freizeitpark diese Erwartungen langfristig erfüllt, vermögen die Chefinnen jedoch nicht zu sagen. „Die Anlage ist in einem schlechteren Zustand als wir gedacht hatten“, zieht Petra Steiger Bilanz. Offenbar habe der Vorbesitzer kein Interesse mehr an dem Park gehabt und dem zu Folge auch nichts mehr in die Erhaltung investiert.
„Uns geht es in diesem Jahr darum, die laufenden Kosten zu bezahlen und den Park allmählich wieder in einen guten Zustand zu versetzen“, betont Monika Steiger. Wie teuer das unter dem Strich wird, sei noch nicht klar. „Wir holen gerade Kostenvoranschläge ein“, so Petra Steiger. Sicher ist nur, dass die momentane Auslastung der Anlage langfristig nicht ausreicht. „Wir hatten in den Sommerferien rund 1000 Besucher am Tag. Das war zu wenig, um die Kosten zu decken“, rechnet die Juniorchefin. Zumal die exakten Investitionen noch gar nicht abzusehen seien, und eine Crew von fünf bis sechs Mitarbeitern auch in den Wintermonaten außerhalb der Saison bezahlt werden müsse. „Wir werden viel selbst machen müssen, um Personalausgaben zu sparen“, so Monika Steiger.
Trotz dieser Unwägbarkeiten sind die Steigers fest von ihrem Erfolg überzeugt. Mit den 60 Attraktionen, die auf 160 000 Quadratmetern Fläche auf Jung und Alt warten, glauben sie gegen die Konkurrenz bestehen zu können. „Ausdauer ist in diesem Metier wichtig“, sagt Petra Steiger entschieden, „außerdem kann ich hier arbeiten, was mir Spaß macht, und jeder Tag bringt eine neue Herausforderung“. An dem Konzept ihrer Vorgänger wollen die Steigers in jedem Fall festhalten. Nur besser werden soll alles. Schließlich gebe es einen Märchenpark nur ein Mal in der Region, er sei eben unverwechselbar.
Festhalten am Bewährten, die Substanz verbessern und ein Werbeetat von rund 300 000 Mark allein in diesem Jahr – das ist die Formel, mit der die neuen Besitzerinnen des Freizeitparks Verden wieder an erfolgreiche Zeiten anknüpfen wollen. „Unsere Zielgruppe sind Kinder von drei bis zwölf Jahren und die wollen wir nicht aus den Augen verlieren“, betont Petra Steiger. High-Tech-Fahrgeschäfte werde es in Verden auch in Zukunft nicht geben. Dass sie mit diesem Rezept auf der richtigen Spur sind, glauben die Steigers an den Gesichtern ihrer jungen Besucher ablesen zu können. „Wenn man durch den Park läuft und die Kinder lächeln sieht, ist das eine tolle Belohnung“, sagt Petra Steiger. Und was ist ihr Lieblingsmärchen auf dem Gelände? – „Ganz klar: Dornröschen“.

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