Sicherheitsprüfung
Artikel Allgemeine Zeitung
Stolperfallen und spitze Nägel
In Sachen Verkehrssicherheit kennt die Bauaufsicht kein Pardon
Vom 17.08.2001
Von
Isabel Mittler
Das mulmige Gefühl lässt sich nicht immer verdrängen, liefert man sich einem rasanten Karussell aus. Wer einmal mit den Männern der Bauaufsicht der Stadt unterwegs war, ist allerdings sicher: Der Stempel im Prüfbuch des Schaustellers garantiert, dass dessen Fahrgeschäft gründlichst untersucht wurde.
Was Heinz-A. Pauly und sein Kollege ins Visier nehmen, sind jedoch nicht etwa die technischen Finessen. Das erledigen die Fachleute des TÜV bei Untersuchungen jährlich oder alle zwei Jahre. Vielmehr geht es bei dieser Abnahme von der Stadt um die Verkehrssicherheit für das Publikum. Konkret: Stolperfallen an Zelteingängen, zu hohe Rampen an den Karussells, wacklige Geländer, hervorstehende Nägel und ähnliches werden bemängelt. Geschaut wird darauf, ob in den Zelten Notausgänge ausgewiesen sind, die Aggregate für eine eventuelle Notstromversorgung bereit stehen.
Damit auch unter die teils mächtigen Fahrgeschäfte geguckt werden kann, ist die Bauaufsicht schon 14 Tage vor dem Startschuss des Volksfestes auf der Pfingstwiese unterwegs. Nur so können die Unterbauten inspiziert werden. Mit Argusaugen wacht Pauly auf jeden sichtbaren Bolzen, nicht selten fehlen Splinte „ im Eifer des schnellen Aufbaus vergessen „ die von den Schaustellern nach Ermahnung flugs eingesetzt werden. Denn keiner möchte auch nur für eine Stunde den Fahrbetrieb gesperrt bekommen.
In aller Regel wird das Prüfteam dann auch freundlich begrüßt, das Prüfbuch liegt parat. Die letzten Eintragungen von TÜV und den Aufsichtskollegen anderer Standplätze werden vorgelegt. Hier findet Pauly auch Hinweise auf mögliche Schwachstellen eines Geschäftes. „Besonderer Kontrolle bedürfen bei der nächsten TÜV-Abnahme die Schweißnähte der Wassertanks“, steht da geschrieben.
Wassertanks geben den großen Fahrgeschäften zusätzlichen Halt, beim Revolution sind es beispielsweise 30000 Liter, die der großen Wippe je rechts und links zusätzliche Standbeine verleihen. Hier geht Pauly auch mal durch die Sitzreihen. „Keine Hindernisse, alles O.K.“
Im Naheweinzelt muss nachgebessert werden. Die Windverbände unterm Zelthimmel haben sich gelockert. Bei Wind und Gewittersturm darf sich das Zeltdach nicht heben. Zu gefährlich. Also wird jedes Seil nachgespannt. Und bei Blitz und Donner? Da bekommen die Karussells schon vom Hersteller Einrichtungen eingebaut, die auch dem Schutz der teuren Elektronik dienen.
Wenn der Jahrmarkt rum ist, atmet Pauly schon mal tief durch: „Nichts passiert.“ Schließlich müssen auch die Schausteller dafür sorgen, dass die Sicherheit ihrer Fahrgäste gewährleistet ist. Nach einer gewissen Anzahl von Fahrten wird auch die Technik überprüft.
Auf Nummer Sicher geht Pauly, wenn er mit der Familie unterwegs in einem Freizeitpark ist. „Da erlaube ich meinen Kindern nicht alle Karussells“. Wenn dem gelernten Statiker ein Geschäft schon von außen nicht geheuer ist, dann geht er kein Risiko ein.
Stolperfallen und spitze Nägel
In Sachen Verkehrssicherheit kennt die Bauaufsicht kein Pardon
Vom 17.08.2001
Von
Isabel Mittler
Das mulmige Gefühl lässt sich nicht immer verdrängen, liefert man sich einem rasanten Karussell aus. Wer einmal mit den Männern der Bauaufsicht der Stadt unterwegs war, ist allerdings sicher: Der Stempel im Prüfbuch des Schaustellers garantiert, dass dessen Fahrgeschäft gründlichst untersucht wurde.
Was Heinz-A. Pauly und sein Kollege ins Visier nehmen, sind jedoch nicht etwa die technischen Finessen. Das erledigen die Fachleute des TÜV bei Untersuchungen jährlich oder alle zwei Jahre. Vielmehr geht es bei dieser Abnahme von der Stadt um die Verkehrssicherheit für das Publikum. Konkret: Stolperfallen an Zelteingängen, zu hohe Rampen an den Karussells, wacklige Geländer, hervorstehende Nägel und ähnliches werden bemängelt. Geschaut wird darauf, ob in den Zelten Notausgänge ausgewiesen sind, die Aggregate für eine eventuelle Notstromversorgung bereit stehen.
Damit auch unter die teils mächtigen Fahrgeschäfte geguckt werden kann, ist die Bauaufsicht schon 14 Tage vor dem Startschuss des Volksfestes auf der Pfingstwiese unterwegs. Nur so können die Unterbauten inspiziert werden. Mit Argusaugen wacht Pauly auf jeden sichtbaren Bolzen, nicht selten fehlen Splinte „ im Eifer des schnellen Aufbaus vergessen „ die von den Schaustellern nach Ermahnung flugs eingesetzt werden. Denn keiner möchte auch nur für eine Stunde den Fahrbetrieb gesperrt bekommen.
In aller Regel wird das Prüfteam dann auch freundlich begrüßt, das Prüfbuch liegt parat. Die letzten Eintragungen von TÜV und den Aufsichtskollegen anderer Standplätze werden vorgelegt. Hier findet Pauly auch Hinweise auf mögliche Schwachstellen eines Geschäftes. „Besonderer Kontrolle bedürfen bei der nächsten TÜV-Abnahme die Schweißnähte der Wassertanks“, steht da geschrieben.
Wassertanks geben den großen Fahrgeschäften zusätzlichen Halt, beim Revolution sind es beispielsweise 30000 Liter, die der großen Wippe je rechts und links zusätzliche Standbeine verleihen. Hier geht Pauly auch mal durch die Sitzreihen. „Keine Hindernisse, alles O.K.“
Im Naheweinzelt muss nachgebessert werden. Die Windverbände unterm Zelthimmel haben sich gelockert. Bei Wind und Gewittersturm darf sich das Zeltdach nicht heben. Zu gefährlich. Also wird jedes Seil nachgespannt. Und bei Blitz und Donner? Da bekommen die Karussells schon vom Hersteller Einrichtungen eingebaut, die auch dem Schutz der teuren Elektronik dienen.
Wenn der Jahrmarkt rum ist, atmet Pauly schon mal tief durch: „Nichts passiert.“ Schließlich müssen auch die Schausteller dafür sorgen, dass die Sicherheit ihrer Fahrgäste gewährleistet ist. Nach einer gewissen Anzahl von Fahrten wird auch die Technik überprüft.
Auf Nummer Sicher geht Pauly, wenn er mit der Familie unterwegs in einem Freizeitpark ist. „Da erlaube ich meinen Kindern nicht alle Karussells“. Wenn dem gelernten Statiker ein Geschäft schon von außen nicht geheuer ist, dann geht er kein Risiko ein.

