Für´s Blutspenden gabs ne Freizeitpark Eintrittskarte
Spendeaktion soll Sommerloch bei Blutkonserven stopfen
Von Eva Herre
Warum Blutkonserven in der Urlaubszeit besonders wichtig sind - In drei Tagen kamen "sensationelle" 913 Spendewillige zum Erlebnispark Tripsdrill
Ferienzeit ist keine Blutspendezeit. Viele Spendewillige sind im Urlaub oder machen mit Kind und Kegel einen Ausflug. Zum Beispiel nach Tripsdrill. Deshalb startete das Deutsche Rote Kreuz (DRK) vor den Toren des Erlebnisparks eine dreitägige Aktion: Wer spendet, hat freien Eintritt.
Helmut Solowy liegt auf einer der acht Tragen im Blutentnahme-Zelt. Durch Öffnen und Schließen der linken Hand pumpt der 55-Jährige rhythmisch das Blut in Richtung Oberarm.
"Wie viel habe ich schon, Vanessa?", fragt er seine neunjährige Tochter, die mit ihrer Schwester das Prozedere geduldig vom Stuhl aus beobachtet. 410 Gramm zeigt die digitale Waage an, die das Blut durch hin und her wippen gleichmäßig im Transfusionbeutel verteilt.
90 Gramm Blut fehlen noch, dann ist ihm die Eintrittskarte und der Nachmittag mit seinen Kindern im Erlebnispark Tripsdrill sicher. Und er hat etwas Gutes getan.
Denn seit Anfang Juni hat das DRK keine Blut-Sicherheitsreserven mehr. "Normalerweise haben wir 6000 Konserven im Lager, die für alle Krankenhäuser in Baden-Württemberg rund drei Tage reichen", sagt Rudolf Feix, Organisationsreferent vom DRK Baden-Baden.
Zusätzlich werden durch den Reiseverkehr in Baden-Württemberg und den damit verbundenen Unfällen in der Ferienzeit mehr Konserven gebraucht.
Dazu kommt, dass viele Mehrfachspender im Urlaub sind. Für den Monat August fehlen 5000 Blutkonserven, die durch 181 Aktionen reingeholt werden müssen. Eine davon hat Tripsdrill-Gesellschafter Helmut Fischer initiiert.
Vor den Toren des Erlebnisparks stehen vier Zelte. Vier Ärzte, sechs Blutentnahme-Schwestern und 20 freiwillige Mitarbeiter vom DRK Brackenheim versorgen die Spendewilligen. In den drei Tagen kamen 913 Spendewillige. 790 davon wurden zur Ader gelassen, darunter 200 Erstspender. "Das sensationelle Ergebnis hat alle Erwartungen übertroffen - ich bin absolut überwältigt", so Rudolf Feix.
Ein Durchzug im Zelt bläst den Wurst- und Krautgeruch vom Imbiss in Richtung Blutentnahme-Zone. 500 Gramm zeigt die Anzeige bei Helmut Solowy auf der stillstehenden Waage an. Eine Schwester zieht die Kanüle und drückt einen Tupfer auf die Einstichstelle. In Richtung Ruheraum führt ihn eine Helferin: Zehn Minuten Liegen und fünf Minuten Sitzen stehen jetzt auf dem Programm.
Seine Frau Gabriele wollte auch spenden, aber weil sie Schnupfen hat, darf sie nicht. Trotzdem: "Alle Spendewilligen bekommen eine kostenlose Tageskarte", sagt Helmut Fischer, "auch diejenigen, die beim Gesundheits-Check rausfliegen." Nicht nur die Karten, auch das Essen, die Getränke und die Idee stammen von Fischer.
"Jetzt will ich es wagen", sagt Gabriele Kutscher. Auf einer Bierbank im "Empfangszelt" sitzt die 38-jährige Bönnigheimerin und füllt den Fragebogen über ihren Gesundheitszustand aus. Die Erstspenderin wusste nicht, dass gerade ein Engpass bei Blutkonserven herrscht.
Jetzt hofft sie, dass sie alle Kriterien für eine Spende erfüllt: Im zweiten Zelt werden ihr Blutdruck, Herz, Puls untersucht, gleichzeitig informiert sie eine Ärtzin. Danach darf sie zur Blutentnahme.
Vor jeder Station haben sich kleine Schlangen gebildet. Nur am Imbiss ist kein Andrang. Salat, Kraut, Würstchen und Apfelschorle gibt es als Aufputschmittel. Helmut Solowy stärkt sich, bevor er mit seinen Kindern in den Erlebnispark geht. Etwas enttäuscht ist seine Tochter Jessica aber: "Er darf nirgends mehr mitfahren, das ist so schade".
09.08.2001 Heilbronner Stimme
Von Eva Herre
Warum Blutkonserven in der Urlaubszeit besonders wichtig sind - In drei Tagen kamen "sensationelle" 913 Spendewillige zum Erlebnispark Tripsdrill
Ferienzeit ist keine Blutspendezeit. Viele Spendewillige sind im Urlaub oder machen mit Kind und Kegel einen Ausflug. Zum Beispiel nach Tripsdrill. Deshalb startete das Deutsche Rote Kreuz (DRK) vor den Toren des Erlebnisparks eine dreitägige Aktion: Wer spendet, hat freien Eintritt.
Helmut Solowy liegt auf einer der acht Tragen im Blutentnahme-Zelt. Durch Öffnen und Schließen der linken Hand pumpt der 55-Jährige rhythmisch das Blut in Richtung Oberarm.
"Wie viel habe ich schon, Vanessa?", fragt er seine neunjährige Tochter, die mit ihrer Schwester das Prozedere geduldig vom Stuhl aus beobachtet. 410 Gramm zeigt die digitale Waage an, die das Blut durch hin und her wippen gleichmäßig im Transfusionbeutel verteilt.
90 Gramm Blut fehlen noch, dann ist ihm die Eintrittskarte und der Nachmittag mit seinen Kindern im Erlebnispark Tripsdrill sicher. Und er hat etwas Gutes getan.
Denn seit Anfang Juni hat das DRK keine Blut-Sicherheitsreserven mehr. "Normalerweise haben wir 6000 Konserven im Lager, die für alle Krankenhäuser in Baden-Württemberg rund drei Tage reichen", sagt Rudolf Feix, Organisationsreferent vom DRK Baden-Baden.
Zusätzlich werden durch den Reiseverkehr in Baden-Württemberg und den damit verbundenen Unfällen in der Ferienzeit mehr Konserven gebraucht.
Dazu kommt, dass viele Mehrfachspender im Urlaub sind. Für den Monat August fehlen 5000 Blutkonserven, die durch 181 Aktionen reingeholt werden müssen. Eine davon hat Tripsdrill-Gesellschafter Helmut Fischer initiiert.
Vor den Toren des Erlebnisparks stehen vier Zelte. Vier Ärzte, sechs Blutentnahme-Schwestern und 20 freiwillige Mitarbeiter vom DRK Brackenheim versorgen die Spendewilligen. In den drei Tagen kamen 913 Spendewillige. 790 davon wurden zur Ader gelassen, darunter 200 Erstspender. "Das sensationelle Ergebnis hat alle Erwartungen übertroffen - ich bin absolut überwältigt", so Rudolf Feix.
Ein Durchzug im Zelt bläst den Wurst- und Krautgeruch vom Imbiss in Richtung Blutentnahme-Zone. 500 Gramm zeigt die Anzeige bei Helmut Solowy auf der stillstehenden Waage an. Eine Schwester zieht die Kanüle und drückt einen Tupfer auf die Einstichstelle. In Richtung Ruheraum führt ihn eine Helferin: Zehn Minuten Liegen und fünf Minuten Sitzen stehen jetzt auf dem Programm.
Seine Frau Gabriele wollte auch spenden, aber weil sie Schnupfen hat, darf sie nicht. Trotzdem: "Alle Spendewilligen bekommen eine kostenlose Tageskarte", sagt Helmut Fischer, "auch diejenigen, die beim Gesundheits-Check rausfliegen." Nicht nur die Karten, auch das Essen, die Getränke und die Idee stammen von Fischer.
"Jetzt will ich es wagen", sagt Gabriele Kutscher. Auf einer Bierbank im "Empfangszelt" sitzt die 38-jährige Bönnigheimerin und füllt den Fragebogen über ihren Gesundheitszustand aus. Die Erstspenderin wusste nicht, dass gerade ein Engpass bei Blutkonserven herrscht.
Jetzt hofft sie, dass sie alle Kriterien für eine Spende erfüllt: Im zweiten Zelt werden ihr Blutdruck, Herz, Puls untersucht, gleichzeitig informiert sie eine Ärtzin. Danach darf sie zur Blutentnahme.
Vor jeder Station haben sich kleine Schlangen gebildet. Nur am Imbiss ist kein Andrang. Salat, Kraut, Würstchen und Apfelschorle gibt es als Aufputschmittel. Helmut Solowy stärkt sich, bevor er mit seinen Kindern in den Erlebnispark geht. Etwas enttäuscht ist seine Tochter Jessica aber: "Er darf nirgends mehr mitfahren, das ist so schade".
09.08.2001 Heilbronner Stimme

