Oktoberfest Artikel
Süddeutsche Zeitung
Ozählt is!
Noch 52 Tage: Der Countdown zur Wiesn 2001 läuft – und auf dem Festgelände herrscht schon Hochbetrieb
Von Claudia Wessel
Noch 52 Tage bis zur Wiesn und an der Zeit, den offiziellen Countdown zu eröffnen. Traditionell Ende Juli, wenn auch der Aufbau der Zelte schon begonnen hat, treten die Macher zur Pressekonferenz an: Fremdenverkehrschefin Gabriele Weishäupl und der Leiter der Abteilung „Veranstaltungen“ in ihrem Amt, Gerhard Hickel, präsentieren die Neuheiten, Wirtesprecher Willi Heide verrät den aktuellen Bierpreis, der heuer letztmals in Mark entrichtet wird, und man lässt die Zahlen des Vorjahres nochmals genüsslich Revue passieren.
6,9 Millionen Besucher, zehn Millionen zusätzliche MVV-Fahrgäste, 6,4 Millionen verkaufte Maß Bier, 681242 verzehrte Brathendl, 62490 Schweinshaxn und 94 Ochsen. Auch die Zahlen für heuer sind bereits jetzt beeindruckend: 1329 Schausteller und Gastronomen haben sich für die Wiesn beworben, 657 von ihnen wurde der Zuschlag erteilt, wobei die meisten bereits altbewährt sind. Es gibt jedoch auch immer wieder Neuerungen. 355 Marktkaufleute, etwa 209 Schausteller und 82 Gastronomiebetriebe werden vom 22. September bis 7. Oktober (auf einer ganz „normalen“, da 16-tägigen Wiesn ohne Verlängerung) ihren „kommerziellen Höhepunkt“ (Weishäupl) erleben.
Der Bierpreis schwankt von Zelt zu Zelt zwischen 11,70 Mark und 12,80 Mark. Zur Millenniums-Wiesn 2000 betrug er noch 11,20 Mark bis 12, 60 Mark, es ist also eine 2,3 prozentige Preissteigerung zu verzeichnen. „Die Wirte begründen das ja immer sehr ausführlich“, ließ die Fremdenverkehrschefin gütig lächelnd wissen. „Und wir sind schon jetzt gespannt auf den ersten Bierpreis in Euro.“ Die Preise auf der Wiesn seien im übrigen keinesfalls besonders hoch. „Wir vergleichen sie immer mit denen in der Innenstadt-Gastronomie.“ Und dazu passen sie.
31 Hektar „Lebensfreude pur“ und noch immer „das größte Volksfest der Welt“ – 97000 Sitzplätze gibt es auf der Wiesn, die erfahrungsgemäß dreimal täglich neu besetzt werden. 12000 Menschen sind dienstlich da – von der Bedienung bis zum Polizeibeamten, vom Fremdenverkehrsmitarbeiter bis zur Aushilfe beim Brezn-Verkauf. Und die Touristen strömen aus aller Welt herbei.
„Oktoberfest ist weltweit das bekannteste Wort, das für Deutschland steht“, ließ Gabriele Weishäupl wissen. Und bei einer Umfrage in London rangierte es mit Abstand vor den Begriffen Goethe, Autobahn und Bratwurst. .. Auch das Thema Reservierungen, das im vergangenen Jahr aufgrund der vielbeklagten „Promi-Wiesn“ für Aufregung gesorgt hatte, wurde angesprochen. „Im Grunde hat sich nichts geändert, außer dass freitags die Hälfte des Mittelschiffs unreserviert bleiben muss statt ein Drittel.“
„Fahrt zur Hölle“ und andere Neuheiten
Die Aufforderung „Fahr zur Hölle“ lässt sich heuer auf dem Oktoberfest mit Vergnügen befolgen. Die Höllenfahrt gehört zu den Neuheiten auf der Wiesn. Das Gruselvergnügen in einer Geisterbahn mit neuartigen, geschlossenen Kabinen führt über eine Schienenstrecke von 180 Metern Länge und auf zwei Etagen an 24 beweglichen Monsterfiguren vorbei. Spezialeffekte durch Laser- und Lichtinstallationen sorgen für möglichst echtes Ambiente. Der Tripp durch die Hölle ist für jedermann möglich, die Bahn ist sowohl familien-, als auch behindertengerecht.
Auf andere Weise gruseln kann man sich in der neu dazukommenden Achterbahn „CyberSpace“, für die keine andere Achterbahn, sondern einige Spiel- und Schießbuden weichen mussten. Auf einer Höhe von rund 20 Metern und auf einer Schienenlänge von 420 Metern erreichen die acht viersitzigen Gondeln eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 60Kilometern die Stunde. Der besondere Kick: Jeweils zwei Paare sitzen Rücken an Rücken in einem Wagen, der sich um die eigene Achse dreht. Je nach Gewichtsverteilung stürzt das Gefährt vorwärts, rückwärts oder seitwärts in die Tiefe. Also, aufgepasst, mit wem man in die Gondel steigt!
Zu Fuß das Gruseln lernen kann man im „Asia“, in welchem einen zwei 17 Meter hohe Schwertkämpfer und ein vierarmiger Buddha empfangen. Der Weg führt über Irrwege, Erdbebengebiete und schwankende Hängebrücken, man muss vor Schwertkämpfern flüchten, die den Besucher köpfen wollen, und einstürzende Balkone und Wände sowie vibrierende Fußböden überwinden.
Doch auch für zart Besaitete gibt es Neuheiten. Etwa das Nostalgische Pferdekarussell, das Original eines Springpferdkarussells aus dem Jahre 1870, oder die „Bayerische Herzl-Zentrale“. Dort kann man sich vor einem Hintergrund und in bayerischer Tracht fotografieren lassen. Das Bildchen wird dann auf ein Herzl geklebt.
Beim Schichtl muss man sich nicht mehr nüchtern köpfen lassen. Das Traditionsunternehmen erhielt die Erlaubnis, seinen Betrieb um eine „Himmlische Schänke“ zu erweitern, wo es Bier, Sekt, Alkoholfreies und kleine Schmankerl gibt – Henkersmahlzeiten sozusagen. An der richtigen Adresse sind heuer auch Suppenkasper auf der Wiesn. Die Münchner Suppenküche wird mit einem neuen Zelt vertreten sein – einer Art Denkmal für den 1999 verstorbenen Kunstmaler Rupert Stöckl. Zur Erinnerung an ihn werden seine Bilder ausgestellt. Die Schlemmerhütte mit Fleisch in der Semmel als Mitnahme-Snack und ein Stand mit Kartoffelspezialitäten kommen ebenfalls hinzu.Neu ist heuer aber auch folgendes: Der traditionelle Abend „Folklore International“ wird nicht im Zirkus Krone, sondern im Auditorium des ICM auf der Messe stattfinden. Und im Olympischen Reitstadion wird es ein Wiesn-Camp geben.
Neu ist auch die Internet Adresse wap.wiesn.de, wo man mit internetfähigem Handy alle Neuigkeiten von der Wiesn gleich vor Ort abrufen oder über eine „interaktive Flirtline“ nette Begleitung finden kann. Claudia Wessel
Ozählt is!
Noch 52 Tage: Der Countdown zur Wiesn 2001 läuft – und auf dem Festgelände herrscht schon Hochbetrieb
Von Claudia Wessel
Noch 52 Tage bis zur Wiesn und an der Zeit, den offiziellen Countdown zu eröffnen. Traditionell Ende Juli, wenn auch der Aufbau der Zelte schon begonnen hat, treten die Macher zur Pressekonferenz an: Fremdenverkehrschefin Gabriele Weishäupl und der Leiter der Abteilung „Veranstaltungen“ in ihrem Amt, Gerhard Hickel, präsentieren die Neuheiten, Wirtesprecher Willi Heide verrät den aktuellen Bierpreis, der heuer letztmals in Mark entrichtet wird, und man lässt die Zahlen des Vorjahres nochmals genüsslich Revue passieren.
6,9 Millionen Besucher, zehn Millionen zusätzliche MVV-Fahrgäste, 6,4 Millionen verkaufte Maß Bier, 681242 verzehrte Brathendl, 62490 Schweinshaxn und 94 Ochsen. Auch die Zahlen für heuer sind bereits jetzt beeindruckend: 1329 Schausteller und Gastronomen haben sich für die Wiesn beworben, 657 von ihnen wurde der Zuschlag erteilt, wobei die meisten bereits altbewährt sind. Es gibt jedoch auch immer wieder Neuerungen. 355 Marktkaufleute, etwa 209 Schausteller und 82 Gastronomiebetriebe werden vom 22. September bis 7. Oktober (auf einer ganz „normalen“, da 16-tägigen Wiesn ohne Verlängerung) ihren „kommerziellen Höhepunkt“ (Weishäupl) erleben.
Der Bierpreis schwankt von Zelt zu Zelt zwischen 11,70 Mark und 12,80 Mark. Zur Millenniums-Wiesn 2000 betrug er noch 11,20 Mark bis 12, 60 Mark, es ist also eine 2,3 prozentige Preissteigerung zu verzeichnen. „Die Wirte begründen das ja immer sehr ausführlich“, ließ die Fremdenverkehrschefin gütig lächelnd wissen. „Und wir sind schon jetzt gespannt auf den ersten Bierpreis in Euro.“ Die Preise auf der Wiesn seien im übrigen keinesfalls besonders hoch. „Wir vergleichen sie immer mit denen in der Innenstadt-Gastronomie.“ Und dazu passen sie.
31 Hektar „Lebensfreude pur“ und noch immer „das größte Volksfest der Welt“ – 97000 Sitzplätze gibt es auf der Wiesn, die erfahrungsgemäß dreimal täglich neu besetzt werden. 12000 Menschen sind dienstlich da – von der Bedienung bis zum Polizeibeamten, vom Fremdenverkehrsmitarbeiter bis zur Aushilfe beim Brezn-Verkauf. Und die Touristen strömen aus aller Welt herbei.
„Oktoberfest ist weltweit das bekannteste Wort, das für Deutschland steht“, ließ Gabriele Weishäupl wissen. Und bei einer Umfrage in London rangierte es mit Abstand vor den Begriffen Goethe, Autobahn und Bratwurst. .. Auch das Thema Reservierungen, das im vergangenen Jahr aufgrund der vielbeklagten „Promi-Wiesn“ für Aufregung gesorgt hatte, wurde angesprochen. „Im Grunde hat sich nichts geändert, außer dass freitags die Hälfte des Mittelschiffs unreserviert bleiben muss statt ein Drittel.“
„Fahrt zur Hölle“ und andere Neuheiten
Die Aufforderung „Fahr zur Hölle“ lässt sich heuer auf dem Oktoberfest mit Vergnügen befolgen. Die Höllenfahrt gehört zu den Neuheiten auf der Wiesn. Das Gruselvergnügen in einer Geisterbahn mit neuartigen, geschlossenen Kabinen führt über eine Schienenstrecke von 180 Metern Länge und auf zwei Etagen an 24 beweglichen Monsterfiguren vorbei. Spezialeffekte durch Laser- und Lichtinstallationen sorgen für möglichst echtes Ambiente. Der Tripp durch die Hölle ist für jedermann möglich, die Bahn ist sowohl familien-, als auch behindertengerecht.
Auf andere Weise gruseln kann man sich in der neu dazukommenden Achterbahn „CyberSpace“, für die keine andere Achterbahn, sondern einige Spiel- und Schießbuden weichen mussten. Auf einer Höhe von rund 20 Metern und auf einer Schienenlänge von 420 Metern erreichen die acht viersitzigen Gondeln eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 60Kilometern die Stunde. Der besondere Kick: Jeweils zwei Paare sitzen Rücken an Rücken in einem Wagen, der sich um die eigene Achse dreht. Je nach Gewichtsverteilung stürzt das Gefährt vorwärts, rückwärts oder seitwärts in die Tiefe. Also, aufgepasst, mit wem man in die Gondel steigt!
Zu Fuß das Gruseln lernen kann man im „Asia“, in welchem einen zwei 17 Meter hohe Schwertkämpfer und ein vierarmiger Buddha empfangen. Der Weg führt über Irrwege, Erdbebengebiete und schwankende Hängebrücken, man muss vor Schwertkämpfern flüchten, die den Besucher köpfen wollen, und einstürzende Balkone und Wände sowie vibrierende Fußböden überwinden.
Doch auch für zart Besaitete gibt es Neuheiten. Etwa das Nostalgische Pferdekarussell, das Original eines Springpferdkarussells aus dem Jahre 1870, oder die „Bayerische Herzl-Zentrale“. Dort kann man sich vor einem Hintergrund und in bayerischer Tracht fotografieren lassen. Das Bildchen wird dann auf ein Herzl geklebt.
Beim Schichtl muss man sich nicht mehr nüchtern köpfen lassen. Das Traditionsunternehmen erhielt die Erlaubnis, seinen Betrieb um eine „Himmlische Schänke“ zu erweitern, wo es Bier, Sekt, Alkoholfreies und kleine Schmankerl gibt – Henkersmahlzeiten sozusagen. An der richtigen Adresse sind heuer auch Suppenkasper auf der Wiesn. Die Münchner Suppenküche wird mit einem neuen Zelt vertreten sein – einer Art Denkmal für den 1999 verstorbenen Kunstmaler Rupert Stöckl. Zur Erinnerung an ihn werden seine Bilder ausgestellt. Die Schlemmerhütte mit Fleisch in der Semmel als Mitnahme-Snack und ein Stand mit Kartoffelspezialitäten kommen ebenfalls hinzu.Neu ist heuer aber auch folgendes: Der traditionelle Abend „Folklore International“ wird nicht im Zirkus Krone, sondern im Auditorium des ICM auf der Messe stattfinden. Und im Olympischen Reitstadion wird es ein Wiesn-Camp geben.
Neu ist auch die Internet Adresse wap.wiesn.de, wo man mit internetfähigem Handy alle Neuigkeiten von der Wiesn gleich vor Ort abrufen oder über eine „interaktive Flirtline“ nette Begleitung finden kann. Claudia Wessel

