kr Leverkusen - Zu einem spektakulären Unfall kam es in der Nacht zum Dienstag bei den Abbauarbeiten auf einer Kirmes in Leverkusen-Opladen. Der etwa 40 Meter lange Hydraulik-Arm eines Fahrgeschäfts knickte ab und stürzte auf das Dach eines nahe gelegenen Gymnasiums.
Ein 19-jähriger Arbeiter, der zum Unfall-Zeitpunkt auf dem Stahl-Koloss saß, raste mit in die Tiefe und verletzte sich leicht. Die Unfallursache ist unklar.
Habe weiteren Artikel dazu im Stadt Anzeiger gefunden.
Unglück bei Kirmes-Abbau Stahl knickte wie Gras
Von Gerrit Krieger
Wem es sonst auf jeder Kirmes die Fahrgeschäfte mit den waghalsigsten Flug-Manövern angetan haben, der musste bei diesem Anblick am Dienstagmorgen schon heftig schlucken:
Am so genannten "Sling Shot" auf der Opladener Kram- und Trödelkirmes, mit dem noch bis Montagnacht ungezählte Besucher in einer Kugel 60 Meter hoch in die Luft schnellten, knickte wenige Stunden später bei den nächtlichen Abbauarbeiten der etwa 40 Meter lange Hydraulik-Arm ab wie ein überdimensionaler Grashalm.
Es handelt sich um jenen Teil des Geräts, der die Kugel hält, auf der je zwei "Fluggäste" gen Himmel sausen können. Wie es zu dem Unfall kam, ist unklar.
Arbeiter, die während des Zwischenfalls vor Ort waren, schwiegen bislang zum Hergang. Glück im Unglück für alle Beteiligten: Nur eine Person wurde leicht verletzt.
Der 19-Jährige hatte sich während der Demontage auf dem ausfahrbaren Stahlarm befunden und war mit ihm in die Tiefe gestürzt.
In dem Trakt des Landrat-Lucas-Gebäudes, auf dessen Dach der Stahlkoloss stürzte, befand sich zum Zeitpunkt des Unfalls offenbar niemand. Wegen der Schulferien standen die Räume der ehemaligen Ina-Seidel-Schule leer.
Was geschehen wäre, wenn sich der Unfall während des Kirmesbetriebs ereignet hätte - nicht auszudenken. Diese Überlegung drängte sich am Dienstagmittag auf dem Schulhof auf.
Doch der Sachverständige Heinz-Hilmar Dill, der die Unfallursache klären soll, versicherte: "Das hätte während des Betriebs nicht passieren können."
Dann nämlich werde der riesige Hydraulik-Arm von starken Stahlseilen gehalten. Beim Abbau, bei dem diese Seile gelöst würden, sei die Statik dagegen sehr empfindlich. Dann könne auch eine Windböe böse Folgen haben.
Ob eine solche oder eher ein technischer Defekt zu dem Unfall führten, werde erst in einigen Wochen klar sein, so Hill. Sicher ist nach Aussagen des Versicherungsfachmanns aber schon jetzt: Der Hydraulik-Arm wird auf keinem Jahrmarkt mehr zum Einsatz kommen. Eine Reparatur sei nicht möglich.
Ein Drama vor allem für die Betreiberfamilie aus Solingen, die am Dienstagmittag verständlicherweise nur wenig zum Unfall sagen wollte. Erst vor einem Jahr habe man das Gerät angeschafft, berichtete die Besitzerin.
Wie es zu dem Unglück kommen konnte, war auch ihr gestern ein Rätsel. Der Schaden allerdings dürfte ganz beträchtlich sein.
Der Versicherungsvertreter geht von "mindestens 200 000 Mark" für das Fahrgeschäft aus. Die Polizei spricht dagegen von einem Schaden in Höhe von weit über einer Million Mark.
Wie stark das Flachdach-Gebäude der Schule in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist noch unklar, eingestürzt ist es jedenfalls nicht.
Angestellte eines Kölner Spezialunternehmens waren gestern noch bis weit in den Nachmittag hinein damit beschäftigt, den quer auf dem Schuldach liegenden Kran zu bergen.
Die gesamte Elektronik musste entfernt, die Unfallstelle gesichert werden. Für den Abtransport wurde der Stahlarm auseinander genommen.
Erst Stunden nach dem Unfall verließ er das Schulgelände und ging auf die Fahrt - seine letzte.