Tilburger Kirmes (Niederlande)

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Tilburger Kirmes (Niederlande)

Der Bericht:

Tilburg, 50 km nordöstlich von Eindhoven, ist eigentlich eine Stadt, die nicht unbedingt zu den bekanntesten Städten der Niederlanden zählt. Unter den Volksfestfreunden sieht das ein wenig anders aus, denn diese große Innenstadtkirmes gehört zu den wichtigsten Veranstaltungen unseres Nachbarlandes. Doch bevor der Rummel starten kann, müssen die Schausteller ein interessantes Prozedere über sich ergehen lassen. Neben einer normalen Bewerbung müssen die Schausteller einen Standplatz ersteigern. Nur Top-Neuheiten und außergewöhnliche Fahrgeschäfte erhalten eine Vorabzusage. Hierbei spielt die Nationalität, Gott sei Dank, keine Rolle. So gastieren in Tilburg neben den einheimischen Schaustellern auch Deutsche, Belgier und Briten. Die erzielten Platzgelder bescheren der Stadt Tilburg jährlich Einnahmen in Millionenhöhe und jedes Jahr werden neue Rekordeinnahmen vermeldet. Ein markantes Beispiel für die schwindelerregenden Platzgelder ist der Preis für die Riesenradbetreiber. Schlappe 100.000 DM mußte der diesjährige Beschicker berappen. Ob sich eine solche Ausgabe mit den Einnahmen decken kann? Dazu später mehr.

Der Rummel ist sehr einfach zu erreichen. Zahlreiche Hinweisschilder helfen den nicht Ortskundigen schnell einen Parkplatz außerhalb des Stadtzentrums zu finden. Von dort fährt ein Bus direkt zum Geschehen. Beide Einrichtungen sind kostenlos. Diese Verfahrensweise sollte ein Vorbild für viele andere Städte sein, denn P&R-Gebühren bis 12 DM sind keine Seltenheit.

Besucher, die den niederländischen Rummel nicht kennen, müssen sich zunächst einmal umgewöhnen. Statt der, auf deutschen Festplätzen, unzähligen Getränke– und Speisenstände, findet man zig Glücksspielbuden. Ob Losbuden, einarmige Banditen, Schießstände usw.; kein Genre wurde ausgelassen., und keines dieser Geschäfte ist mit roten Zahlen nach Hause gefahren. Doch beginnen wir direkt an der Haltestelle des Pendelbusses, wo gleich die erste Kuriosität auf den Besucher wartete. Gleich 6 Großattraktionen standen direkt nebeneinander und erhofften sich viele zahlende Gäste: Sling Shot, Asia, Afterburner, Free-Fall-Tower, Achterbahn und Breakdance. Und schon traf man auf den zweiten Gewöhnungseffekt. Liegen die Preise in Deutschland noch zwischen 3,50 DM und 7,— DM bei Fahrgeschäften, so muß man in Tilburg ein wenig tiefer in die Tasche greifen. Für Standardfahrgeschäfte, wie z.B. Breakdance und Petersburger Schlittenfahrt, sind 7 Gulden absolute Normalität. Leider wurden zudem die Fahrten in der Prime-Time äußerst kurz gehalten. So fuhr der Free-Fall-Tower nur ein Mal nach oben, verweilte dort ein paar Sekunden und schon ging es wieder abwärts. Ganz schön wenig für 8 Gulden. Im weiteren Verlauf trafen wir noch auf ca. 30 Fahrgeschäfte. Eine komplette Aufstellung fügen wir am Ende dieses Berichtes an.
Hervorheben möchten wir an dieser Stelle einige außergewöhnliche Fahr– und Belustigungsgeschäfte. Da wäre zum einen, ein für den Kirmesplatz freigegebenes Haus, in dem es Krokodile, Flamingos, Skorpione, Vogelspinnen, Stinktiere, Schlangen und Papageien zu bestaunen gab. Der Betreiber, ein ansässiges Tierheim, gab dieser Attraktion den Namen „Jungle Life“. Unserer Meinung nach passend, originell und sehenswürdig. Und wenn so ein Tierheim unterstützt werden kann, soll es erst recht seine Daseinsberechtigung auf dem Rummel haben. Ganz Mutige konnten sich im Inneren mit einer Schlange oder einer Vogelspinne auf dem Arm fotografieren lassen.

Daß ein Breakdance nicht nur ein Rundfahrgeschäft ist, haben uns die Betreiber gezeigt. Auf den Kassenhäuschen tanzten junge und hübschaussehende Mädels, auf dem Fahrstand platziert man einen DJ, der die Fahrgäste richtig anheizte.

Eine der beiden Topattraktionen war die Schienenbahn „Euro-Coaster“ der Schaustellerfamilie Buwalda. Der Euro-Coaster ist der Wilden Maus recht ähnlich, nur daß diese Bahn über Suspended-Gondeln verfügt. Die 10 Gulden je Person haben uns nicht gestört, denn eine solche Attraktion sieht man nicht alle Tage. Die Fahrt war phänomenal und wir hoffen, diese Bahn auch demnächst in Deutschland zu sehen. Die Wartezeit hielt
sich, obwohl ca. 100 Personen vor uns standen, stark in Grenzen. Zudem hielt der Betreiber die Leute durch Musik bei Lust und Laune.

Zum ersten Mal trafen wir auch auf die große Version des „Move it“. Die Ähnlichkeit zu dem Transformer/Star Gate ist verblüffend. Der Move it wirkt aber von der Beweglichkeit wesentlich interessanter, auch was die Beleuchtung betrifft. Die Fahrweise wurde von dem Betreiber sehr extrem gestaltet, das Gerät lief ständig auf Hochtouren, mit passender Musik und keinem sinnlosen Geschwafel, frei nach dem Motto: „Wollt Ihr noch mal???“

Die zweite Top-Neuheit wurde präsentiert von der Firma Ordelmann, der Mega Booster. Ein gigantischer „Stahl-
Balken“ mit insgesamt 50 Meter Länge. An den Enden sind jeweils 2 Suspended-Gondeln mit je 2 Personen Fassungsvermögen. Doch mit nur 8 Personen je Fahrt ist die Kapazität sehr gering gehalten. Dies schlägt sich sogleich im Fahrpreis nieder, der bei sagenhaften 30 Gulden lag. Wir hätten gerne eine Fahrt mitgemacht, doch 30 Gulden bei einer Fahrzeit von einer Minute sind zu heftig.

Deutschland wurde dieses Jahr gleich dreifach im Fahrgeschäftsbereich vertreten: Familie Kaiser aus München präsentierte den Circus-Wellenflug, Fa. Klünder ihren Vortex und die Gebrüder Bügler das Top-Laufgeschäft Asia.

Alles in allem können die Beschicker der Tilburger Kirmes auf 9 erfolgreiche Tage zurückblicken. Die Fahrgeschäfte waren bis auf zwei drei Ausnahmen gut besucht, auch die Glücksspielbetreiber haben ihr Geld gemacht.

Für die Kirmesfans ist Tilburg ein absolutes Muß, denn hier findet man am ehesten Novitäten und Außergewöhnliches. Die Tilburger Kirmes findet immer Ende Juli statt und wir werden nächstes Jahr wieder mit von der Partie sein.

Attraktionen:

Sling Shot, Asia, Extreme, Mega Drop, Achterbahn, Breakdance, Euro Coaster, Snow Jet, Calypso, Ghost Train, Cake Walk, Nostalgisches Pferdekarussell, The Ring, Jungle Life, Roller Ghoster, Riesenrad, Gravitron, Crazy Hotel, Mirage, Fun Circus, Octopussy, Breakdance, 2 x Simulator, Top Buzz, Tornado, 2 Autoscooter, Move it, Techno Dance, Blower, Super Mouse, Mega Booster, Vortex, Dino Ride, Teenager Club, Wellenflug, Steile Wand


Bilder findet ihr auf unserer Seite:

http://www.kirmesplatz.com


Torsten Frenz
Markus Brüchler

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