ZDF Medienpark Investor
Aus der Berliner Zeitung
Derrick im Feuchtbiotop
Das ZDF hat für den geplanten Medienpark einen Investor - die Gegner des Projekts klagen weiter
Guido Augustin
Nach langer Zurückhaltung hat das ZDF nun endlich den Investor für seinen ZDF-Medienpark bekannt gegeben. Gemeinsam mit der Firma Hortana Development aus Frankfurt soll in Mainz auf einem 55 Hektar großen Areal direkt hinter dem jetzigen ZDF-Gelände ein Park entstehen, den seine geistigen Väter für einmalig halten. Zwar sind noch keine detaillierten Pläne bekannt, doch so viel ist klar: Zur Eröffnung im Frühjahr 2004 sollen in verschiedenen Erlebniswelten die Marken des ZDF wie "Derrick" oder das "Traumschiff" für jährlich 1,4 Millionen Besucher umgesetzt werden. Das Investitionsvolumen beträgt 250 Millionen Mark.
Vorschlag: ZDF-Logo entfernen
Auch eine Bürgerinitiative hält den ZDF-Medienpark für einmalig. Mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfen Anwohner gegen das Projekt. Denn das Gelände zwischen den Mainzer Stadtteilen Drais, Lerchenberg und Bretzenheim ist ein Naherholungsgebiet mit Obstplantagen und Feuchtbiotop. Die Medienpark-Gegner befürchten unzumutbare Belastungen durch Lärm, Verkehr und zweifelhafte Optik. Gleichsam als "Krönung" des Vorhabens soll ein Traumschiff im Originalformat stehen - eine Vorstellung, an die sich nicht nur Wein- und Obstbauern kaum gewöhnen wollen. Die Bürgerinitiative hat die Planungen bereits erheblich verzögert, denn ursprünglich sollte der Medienpark bereits Ostern 2001 fertig sein.
Mitunter treibt der Ärger über die Pläne des ZDF auch kuriose Blüten: Im Ortsbeirat von Mainz-Lerchenberg wurde auf Antrag der Ökologisch-Demokratischen Partei gar beraten, ob man das ZDF-Logo aus dem Ortswappen radieren solle. Doch Besonnenheit siegte: Der Antrag wurde abgelehnt. Auch von anderer Seite regt sich Widerstand: Vergnügungsparks in der Umgebung klagen gegen das ZDF-Vorhaben. Sie sehen in dem Medienpark eine illegitime Konkurrenz und einen Verstoß gegen den Rundfunk-Staatsvertrag sowie gegen das Kartellrecht. Dagegen argumentiert das ZDF mit dem Hinweis, dass es keinen kommerziellen Freizeitpark plane. Das Landgericht Mainz jedenfalls folgte dieser Begründung und wies die betroffenen Freizeitparks in Hassloch, Brühl und Stuckenbrock in erster Instanz ab. Nun beschäftigt sich das Oberlandesgericht Koblenz mit dem Fall und will seine Entscheidung am 21. August verkünden.
Nachdem unlängst der Mainzer Stadtrat politisch die Schranken geöffnet hat, kann nun die Genehmigungsplanung beginnen. Im August, so Peter Wagner, Geschäftsführer der eigens gegründeten ZDF-Medienpark-Entwicklungsgesellschaft, soll dann die Öffentlichkeit genauer über die Gestaltung des Medienparks informiert werden. Das wird auch Zeit, denn das ohnehin große Misstrauen in den ZDF-Medienpark wird durch die defensive Informationspolitik der Sendeanstalt noch verstärkt. Die ZDF-Pressemitteilung nannte Hortana zunächst nicht explizit als Investor. Zudem ist die Firma im Telefonbuch nicht zu finden und auch an der Firmenadresse im feinen Frankfurt Nordend-West gibt es kein Firmenschild. Immerhin, so viel weiß man, heißt der Geschäftsführer Bernhard Orgler.
Vor Ort steht ein feiner älterer Herr auf dem Bürgersteig. Es ist Josef Orgler, der Vater von Bernhard Orgler, der im gleichen Gebäude, gleich neben dem Konsulat Haitis, einen Verlag für jüdische Literatur betreibt. Geschäftsführerin ist seine Tochter. Sein Sohn Bernhard sei gerade aus Miami zurückgekommen, er bittet herein. Am schweren Konferenztisch schotten die Orglers charmant ab: Ihre Firma sei ein "Familienunternehmen", man arbeite lieber im Hintergrund, Pressearbeit sollten andere machen. Die Hortana Development finde man nicht, weil sie erst kürzlich umfirmiert worden sei. Selbst die Internetadresse hortana.de ist noch frei. Wenn die Projektbeteiligten den ZDF-Medienpark so geschickt umsetzen, wie sie es verstehen, mit Zurückhaltung Neugierde, aber auch Skepsis aufzubauen, muss der Medienpark außergewöhnlich werden.
Die Suche nach dem Begriff "Medienpark" auf der Homepage des ZDF bringt lediglich zwei Ergebnisse: Einen Link zum Programm des Mainzer Rosenmontagszugs und einen lapidaren Verweis auf die Tochter ZDF-Enterprises. Auf deren Homepage findet sich wiederum nur eine kleine Pressemeldung. Bei der Stadt Mainz ist man dennoch zuversichtlich. Oberbürgermeister Jens Beutel ist sich "sicher, dass das ZDF den Partner wohl gewählt hat". Sein Pressesprecher Markus Biagioni räumt allerdings ein, dass diese Einschätzung "nicht auf Wissen, sondern auf Vertrauen" gegenüber dem ZDF beruhe.
Derrick im Feuchtbiotop
Das ZDF hat für den geplanten Medienpark einen Investor - die Gegner des Projekts klagen weiter
Guido Augustin
Nach langer Zurückhaltung hat das ZDF nun endlich den Investor für seinen ZDF-Medienpark bekannt gegeben. Gemeinsam mit der Firma Hortana Development aus Frankfurt soll in Mainz auf einem 55 Hektar großen Areal direkt hinter dem jetzigen ZDF-Gelände ein Park entstehen, den seine geistigen Väter für einmalig halten. Zwar sind noch keine detaillierten Pläne bekannt, doch so viel ist klar: Zur Eröffnung im Frühjahr 2004 sollen in verschiedenen Erlebniswelten die Marken des ZDF wie "Derrick" oder das "Traumschiff" für jährlich 1,4 Millionen Besucher umgesetzt werden. Das Investitionsvolumen beträgt 250 Millionen Mark.
Vorschlag: ZDF-Logo entfernen
Auch eine Bürgerinitiative hält den ZDF-Medienpark für einmalig. Mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfen Anwohner gegen das Projekt. Denn das Gelände zwischen den Mainzer Stadtteilen Drais, Lerchenberg und Bretzenheim ist ein Naherholungsgebiet mit Obstplantagen und Feuchtbiotop. Die Medienpark-Gegner befürchten unzumutbare Belastungen durch Lärm, Verkehr und zweifelhafte Optik. Gleichsam als "Krönung" des Vorhabens soll ein Traumschiff im Originalformat stehen - eine Vorstellung, an die sich nicht nur Wein- und Obstbauern kaum gewöhnen wollen. Die Bürgerinitiative hat die Planungen bereits erheblich verzögert, denn ursprünglich sollte der Medienpark bereits Ostern 2001 fertig sein.
Mitunter treibt der Ärger über die Pläne des ZDF auch kuriose Blüten: Im Ortsbeirat von Mainz-Lerchenberg wurde auf Antrag der Ökologisch-Demokratischen Partei gar beraten, ob man das ZDF-Logo aus dem Ortswappen radieren solle. Doch Besonnenheit siegte: Der Antrag wurde abgelehnt. Auch von anderer Seite regt sich Widerstand: Vergnügungsparks in der Umgebung klagen gegen das ZDF-Vorhaben. Sie sehen in dem Medienpark eine illegitime Konkurrenz und einen Verstoß gegen den Rundfunk-Staatsvertrag sowie gegen das Kartellrecht. Dagegen argumentiert das ZDF mit dem Hinweis, dass es keinen kommerziellen Freizeitpark plane. Das Landgericht Mainz jedenfalls folgte dieser Begründung und wies die betroffenen Freizeitparks in Hassloch, Brühl und Stuckenbrock in erster Instanz ab. Nun beschäftigt sich das Oberlandesgericht Koblenz mit dem Fall und will seine Entscheidung am 21. August verkünden.
Nachdem unlängst der Mainzer Stadtrat politisch die Schranken geöffnet hat, kann nun die Genehmigungsplanung beginnen. Im August, so Peter Wagner, Geschäftsführer der eigens gegründeten ZDF-Medienpark-Entwicklungsgesellschaft, soll dann die Öffentlichkeit genauer über die Gestaltung des Medienparks informiert werden. Das wird auch Zeit, denn das ohnehin große Misstrauen in den ZDF-Medienpark wird durch die defensive Informationspolitik der Sendeanstalt noch verstärkt. Die ZDF-Pressemitteilung nannte Hortana zunächst nicht explizit als Investor. Zudem ist die Firma im Telefonbuch nicht zu finden und auch an der Firmenadresse im feinen Frankfurt Nordend-West gibt es kein Firmenschild. Immerhin, so viel weiß man, heißt der Geschäftsführer Bernhard Orgler.
Vor Ort steht ein feiner älterer Herr auf dem Bürgersteig. Es ist Josef Orgler, der Vater von Bernhard Orgler, der im gleichen Gebäude, gleich neben dem Konsulat Haitis, einen Verlag für jüdische Literatur betreibt. Geschäftsführerin ist seine Tochter. Sein Sohn Bernhard sei gerade aus Miami zurückgekommen, er bittet herein. Am schweren Konferenztisch schotten die Orglers charmant ab: Ihre Firma sei ein "Familienunternehmen", man arbeite lieber im Hintergrund, Pressearbeit sollten andere machen. Die Hortana Development finde man nicht, weil sie erst kürzlich umfirmiert worden sei. Selbst die Internetadresse hortana.de ist noch frei. Wenn die Projektbeteiligten den ZDF-Medienpark so geschickt umsetzen, wie sie es verstehen, mit Zurückhaltung Neugierde, aber auch Skepsis aufzubauen, muss der Medienpark außergewöhnlich werden.
Die Suche nach dem Begriff "Medienpark" auf der Homepage des ZDF bringt lediglich zwei Ergebnisse: Einen Link zum Programm des Mainzer Rosenmontagszugs und einen lapidaren Verweis auf die Tochter ZDF-Enterprises. Auf deren Homepage findet sich wiederum nur eine kleine Pressemeldung. Bei der Stadt Mainz ist man dennoch zuversichtlich. Oberbürgermeister Jens Beutel ist sich "sicher, dass das ZDF den Partner wohl gewählt hat". Sein Pressesprecher Markus Biagioni räumt allerdings ein, dass diese Einschätzung "nicht auf Wissen, sondern auf Vertrauen" gegenüber dem ZDF beruhe.

