Sachsenpark

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Sachsenpark

Der Sachsenpark war eine zu schöne Verlockung
Drei Jahre Haft für Anlagebetrug und Konkursverschleppung

Der Angeklagte wollte ein Freizeitgelände in Sachsen bauen. Dass er Anleger mit falschen Versprechungen lockte, kostet ihn jetzt seine Freiheit.

Von Ulrich Schreyer

Oberstaatsanwalt Jahn Merckens aus Ravensburg zitierte in seinem Plädoyer die Bibel: ,,Du sollst deine Häuser nicht auf Sand bauen'', hieß es schon einst im Buch der Bücher. Der Angeklagte habe aber genau das getan: Mit seinem Projekt für einen 500 Millionen Mark (256 Millionen Euro) teuren Freizeitpark in der Nähe von Chemnitz habe er lediglich ein "Luftschloss'' errichtet. Geld für das Projekt hat Karl-Heinz Jedlitschka aus Bad Saulgau bei Anlegern aus Deutschland und der Schweiz locker gemacht. Pläne wurden entworfen, ein Anlegerprospekt herausgegeben - gebaut aber wurde nie.

Insgesamt 2,5 Millionen Mark hat Jedlitschka bei gutgläubigen Mitbürgern locker gemacht, denen er sogar vorgaukelte, ihr Geld könne später als sichere Altersvorsorge verwendet werden. Hätten die Anleger brav ihre monatlichen Raten gezahlt, wäre sogar ein Schaden von rund 25 Millionen Mark entstanden. Der Konkurs von Jedlitschkas Sachsenpark AG im Jahr 1998 aber verhinderte, dass die Anleger weiter zahlten. Wegen Konkursverschleppung und Anlagebetrug wurde Jedlitschka von der 11. Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts zu einer Haft von drei Jahren verurteilt.

Sowohl der Oberstaatsanwalt als auch der Verteidiger plädierten für ein derartiges Strafmaß. Durch sein umfassendes Geständnis habe der Verurteilte dem Gericht immerhin eine wochenlange Verhandlung erspart, meinten sie übereinstimmend mit dem Vorsitzenden Richter Wolfgang Pross.

Nicht nur die sichere Geldanlage für das Alter erwies sich für die Anleger als Illusion. Auch die Angaben in Werbeveranstaltungen lenkten davon ab, dass kein Finanzier zur Verfügung stand. Mit dem Einsammeln der Gelder sei man im Plan, hatte es dabei offenbar immer wieder geheißen. Und als Werbeträger ließen sich sogar die einstigen deutschen Ski-Asse Rosi Mittermaier und Christian Neureuther einspannen. Doch eine Bank, die Geld gegeben hätte, war eben nicht aufzutreiben, obwohl der Verurteilte den Eindruck erweckt hatte, man sei ernsthaft mit einem Großfinanzier im Gespräch. Dass etliche Millionen, die bei Anlegern aufgetrieben wurden, nicht reichten, "das hätte man von Anfang an erkennen können'', meinte der Vorsitzende Richter. Und Pross rechnete vor, dass Jedlitschka wohl etliche hundert Jahre gebraucht hätte, um allein von den Anlegern seine 500 Millionen DM für die Freizeitanlage zusammenzubekommen.

Der Einstieg einer Bank wäre schon deswegen nötig gewesen, weil der gelernte Fliesenleger selbst kein Kapital zur Verfügung hatte, sondern auf einem Schuldenberg von fünf Millionen Mark saß - Ergebnis von fehlgeschlagenen Aktivitäten als Bauträger. Jedlitschka kam immer mehr auf den Geschmack: Zunächst verkaufte er nebenher Versicherungen, dann stieg er in das Bauträgergeschäft ein. Durch den Hinweis eines Bekannten, im Trend lägen Freizeitparks, kam er auf die Idee, seine Sachsenpark AG zu gründen. Dort aber waren die Ausgaben für Provisionen und Architektengehälter bald höher als die Einnahmen. Im Herbst 1997 stand er vor dem Konkurs - angemeldet aber wurde dieser erst fast ein Jahr später.

,,Schuster bleib bei deinem Leisten'', so zitierte Verteidiger Martin Rogg aus Ravensburg eine bekannte Volksweisheit, an die sich der Freizeitparkplaner leider nicht gehalten habe. Dieser habe ein Rad gedreht, das für ihn ,,mehr als fünf Nummern zu groß'' gewesen sei. Doch er drehte nicht nur dieses Rad: Mit etlichen Mitarbeitern nahm er etwa an einer Freizeit des Deutschen Skiverbandes teil, die 17000 Mark teuer war - eine Ausgabe, für die er sich eine Spendenbescheinigung ausstellen ließ.

Jedlitschka hat nicht nur für den Sachsenpark noch Geld gesammelt, als das Scheitern des Projekts längst absehbar war. Zähigkeit bewies er auch im Privatleben: Seit einem Unfall beim Drachenfliegen im Jahr 1990 sitzt er querschnittsgelähmt im Rollstuhl. Doch auch als Behinderter fährt er weiter Fahrrad, hat auch schon eine deutsche Meisterschaft im Behindertensport gewonnen. Zur Zeit arbeitet er in einem Sanitätshaus in Ravensburg, macht bei den verschiedensten Gelegenheiten anderen Mut, mit dem Leben im Rollstuhl zurechtzukommen: Auf der einen Seite der gnadenlose Abzocker, auf der anderen Seite der Helfer der Behinderten - dies sind die zwei Gesichter eines Mannes, der aus einfachsten Verhältnissen immer weiter nach oben strebte.


Stuttgarter Zeitung


Jens Uwe Kupka
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