Grünes Licht für Medienpark

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Grünes Licht für Medienpark

Hi, auch für mich ist es schwer wieder zum normalen Ablauf hier zu kommen. Ein paar Tränen sind geflossen und den Kloß im hals hab ich immer noch. Dennoch muss es weitergehen, deshalb hier ein Artikel aus der Frankfurter Rundschau zum Medienpark.

Rummelplatz der Mainzelmännchen

Die Stadt Mainz und die Regierungskoalition in Rheinland-Pfalz geben grünes Licht für ZDF-Medienpark

Von Michael Grabenströer

Nach beinahe drei Jahren heftiger Diskussion ist das Projekt ZDF-Medienpark jetzt auf die Zielgerade eingebogen: Der Stadtrat in Mainz hat den Bebauungsplan mit deutlicher Mehrheit (39 gegen 18 Stimmen) passieren lassen. Das 250-Millionen-Mark-Vorhaben auf dem Mainzer Senderhügel "Lerchenberg" ist vor allem in den angrenzenden Stadtteilen heftig umstritten. Und so ist auch trotz der Unterschriften des Mainzer Oberbürgermeisters Jens Beutel (SPD) und des ZDF-Intendanten Dieter Stolte unter einen städtebaulichen Rahmenvertrag - mit konkreten Auflagen für Verkehrsanbindung, Lärmpegel und Öffnungsperioden - das Projekt noch nicht unter Dach und Fach: Die Medienpark-Gegner haben bereits Klage gegen den Bebauungsplan angekündigt, so dass sich die für das Jahr 2004 geplante Eröffnung noch weiter verzögern könnte.

ZDF-Chef Stolte sieht die Realisierung einer Vision näher rücken. Zur Positionierung der "Dachmarke ZDF", so hatte er immer wieder in schönstem Marketing-Deutsch verkündet, sei ein "Medienpark mit strategischer Kommunikationswirkung erforderlich". Will heißen: Das ZDF will Besucher mit Programm-Highlights zum Anfassen locken und gleichzeitig die ganze Wertschöpfungskette vom Hotel bis zum Restaurant bedienen. Oberbürgermeister Beutel und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) - zugleich ZDF-Verwaltungsratsvorsitzender - werten das Vorhaben als Stärkung des Medien-Standortes.

Doch in den angrenzenden Stadtteilen hat sich längst der Widerstand gegen den geplanten 55 Hektar großen Dauer-Rummelplatz der Mainzelmännchen formiert. Was für die einen ein "Meilenstein" in der Verankerung des ZDF in der Gutenberg-Stadt ist,, für die Anlieger erscheint es als Minderung des Wohnwertes am Mainzer Stadtrand.

"Fernsehgarten täglich", befürchten sie, und das heißt vor allem Lärm und Dauerstau, wenn die erwarteten eine Million Besucher zwischen April und Oktober zum Sender pilgern. "Kultureller Schwachsinn", schimpfen die Mainzer Grünen bislang vergeblich. Und in den Ortsbeiräten der Stadtteile lehnen CDU-, SPD- und FDP-Vertreter ab, was ihre Parteifreunde für die Gesamtentwicklung der Stadt freudig befürworten.

In mehreren Verhandlungsrunden wurden ZDF und der Medienpark-Projektentwicklungsgesellschaft Auflagen abgerungen: Die Höhe für das Abbrennen von Feuerwerken und Standorte für Lärmmessungen wurde exakt festgelegt, die finanzielle Beteiligung des Investors an einer neuen Verkehrsführung und die Verwendung von Oberflächenwässer zur Verrieselung auf ZDF-eigenem Gelände. Nun scheint man gewappnet für den Baubeginn.

Das ZDF-Traumschiff vom Lerchenberg, das dort als gigantisches Modell in einem Mini-See vertäut werden soll, stampft auch durch die Koalitionsvereinbarung der rheinland-pfälzischen SPD/FDP-Landesregierung. "Die Koalitionspartner sprechen sich für den ZDF-Medienpark aus", heißt es auf Seite 47 der Grundlage der nächsten fünf Jahre Mainzer Regierungsarbeit. Offen tragen dagegen die Mainzer Grünen ihre Ablehnung zur Schau. Zur entscheidenen Stadtratssitzung erschienen sie mit T-Shirts, die den Untergang der Titanic zeigten, Symbol dafür, dass auch das unsinkbare Traumschiff auf dem Berg im ZDF-Medienpark einmal auf Grund gehen könnte.

Kenner der Unterhaltungsparkszene, die wissen, dass Parks mindestens im Drei-Jahres-Rhythmus wechselnde Attraktionen benötigen, fragen bereits, wann das Riesenschiff vom Berg talwärts fährt und kommen zu dem Ergebnis: "Spätestens dann, wenn der Kahn keine Quote mehr einfährt!"

Ein Haken ist bereit in den städtebaulichen Vertrag eingearbeitet, der Bestandteil des Bebauungsplan ist. Sollten die ausgehandelten Lärmschutzwerte zum Beispiel durch ein Gerichtsurteil hinfällig werden, ist der Vertrag gefährdet. Aber dann stünde auch das ganze Projekt infrage, das das ZDF-Programm von der Wetterkarte bis zur Terra X und dem 125 Meter langem Traumschiff-Riesenmodell mit Hotelfunktion an die eine Million Besucher jährlich bringen soll.

Das Baurecht wird frühestens nach Offenlegung der Pläne und der erneuten Beschlussfassung im Stadtrat am 27. Juni formal Bestand haben. Und dann will das ZDF auch einen Investor präsentieren. Denn die zur Zeit auf 250 Millionen Mark geschätzte Investitionssumme wird der Sender nicht aufbringen, und aus dem Gebührenaufkommen darf er es auch gar nicht. Darauf achtet schon die Konkurrenz der Freizeitparks zwischen Brühl, Stukenbrock und Hassloch, die sich weitere gerichtliche Schritte vorbehält.





Jens Uwe Kupka
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