Schausteller streiten in Stuttgart

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Schausteller streiten in Stuttgart

Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 26.4.01:

Frohe Zeiten für Juristen: Schausteller streiten wieder
Walter Weitmann erstattet Anzeige wegen Beleidigung


Früher haben die Schausteller mit ihren Einnahmen Häuser gebaut, heute finanzieren sie Rechtsanwälte. Festwirt Walter Weitmann hat gegen den Kollegen Rudolf Barth Strafanzeige wegen Beleidigung erstattet. Zudem droht der Beschicker Fritz Kinzler seinerseits Weitmann mit dem Anwalt.

VON FRANK ROTHFUSS

In Cornelia Weitmanns Zelt im Französischen Dorf wollten Rudolf Barth, Betreiber der Olympia-Achterbahn, und einige Kollegen am Montag des Tages Mühe beenden. Eigentlich ein gern gesehener Gast, "er war ein paarmal da und gab sich als Herr von Welt'', erzählt Cornelia Weitmann, "doch dem war leider nicht so''. Als sie schließen wollte, sei Barth ausfallend geworden. Er habe gebrüllt: "Dein Alter, der Gaddafi!'' und schließlich gesagt: "Zu Hitlers Zeiten hätte dein Vater vergast gehört. Aber das wäre viel zu spät gewesen, das hätte schon früher passieren müssen.'' Auch ihre Angestellten hätten dies gehört und mittlerweile bei der Wasenwache zu Protokoll gegeben.

Für Cornelias Vater Walter Weitmann ist das "eine Ungeheuerlichkeit''. Seine Familie sei im Dritten Reich verfolgt worden, "das lasse ich mir nicht gefallen''. Er erstattete postwendend Strafanzeige.

Rudolf Barth verwahrt sich gegen "diese Unterstellung''. "Davon weiß ich nichts'', sagt Barth, "damit macht sich der Herr Weitmann nur wichtig.'' Er habe bei Frau Weitmann was getrunken, insgesamt seien es an diesem Tag wohl "20 bis 25 Glas Bier'' gewesen, aber "so etwas habe ich nie gesagt''. Den Namen Hitler würde er nicht in den Mund nehmen, sagt er und bekräftigt: "Das ist nicht wahr! Ich habe gar nichts gesagt!''

Ein Rechtsstreit beim Frühlingsfest. Eigentlich das Letzte, was der auf Harmonie und positive Außenwirkung bedachte Veranstalter Versorgungsmärkte der Stadt Stuttgart (VMS) brauchen kann. Gelassen scheint VMS-Chef Wolfgang Thiele indes die Kabale zwischen den Schaustellern zu verfolgen. "Das ist ein privater Rechtsstreit'', sagt er, "es gibt für uns keinen Grund einzuschreiten.'' Der Ton "da unten'' sei ja bekannt, "ich möchte nicht wissen, was alles in den Bierzelten gesagt wird''. Auch bei einer Eskalation des Streits setzt die VMS auf Abwarten.

Anfang April erst hatten sich Walter Weitmann und Fritz Kinzler, Betreiber mehrerer Fahrgeschäfte, vor dem Amtsgericht getroffen. Weitmann hatte Kinzler wegen Beleidigung angezeigt; Kinzler wurde zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Im Zuge der Verhandlung will Weitmann erfahren haben, "dass Kinzler schon 30 Vorstrafen hat''. Dies steht nun auch in einem Brief, der an Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, Bürgermeister Dieter Blessing, verschiedene Stadträte und die VMS geschickt wurde. Absender: der Schaustellerverband Südwest und der Landesverband der Schausteller, dessen Präsident Walter Weitmann ist.

Dem Schreiben ist ein angeblicher Auszug aus Kinzlers Strafregister beigefügt, und es endet mit dem Satz: "Die Polizei verbietet öffentlich bekannten Randalierern während der Feste den Zugang zum Wasen, bei den für Kinzler jetzt gerichtsbekannten über 30 Vorstrafen (...)ist zum Schutz für andere Menschen keine andere Entscheidung mehr möglich, als ihm den Zugang zum Wasen zu verbieten.''

Fritz Kinzler hat schon reagiert: "Ich werde einen Rechtsanwalt beauftragen und ein Verfahren einleiten.'' Was in dem Schreiben stehe, sei eine Diffamierung und bodenlose Frechheit. Überhaupt "ist für die Platzvergabe die VMS und nicht der Herr Weitmann zuständig''. Bei der VMS ist das Schreiben angekommen, doch, siehe oben, man gibt sich gelassen. Thiele: "Wir haben den Brief erhalten und ziehen Erkundigungen ein.'' Ob das Resultat Auswirkungen auf die Zulassung habe, werde sich zeigen. Spricht's und seufzt: "Die haben einfach zu viel Zeit da unten.''


Fargo

#2

RE: Schausteller streiten in Stuttgart

Antwort auf Fargo, Beitrag #1

Hi,

es ist schade, dass sich (wie in jedem anderen Beruf auch) einige Schausteller gegenseitig fertig machen wollen.
Bedenklich wären die Außerungen von Rudolf Barth, sollten sie zutreffen. Bedenklich ist, dass Herr Weitmann eventuelle Vorstrafen von Herrn Kinzler outet und Herrn Kinzler bei der VMS explizit anschwärzt, obwohl eventuelle Vorstrafen dort vielleicht schon bekannt sind. Sollten die Vorstrafen nun stimmen und sollten die VMS und andere Veranstalter dem Ansinnen von Herrn Weitmann entsprechen, könnte es finanziell für Herrn Kinzler sehr eng werden. Die Stadt Münchener ist z.B. in solchen Angelegenheiten weniger zimperlich wie die Vergangenheit gezeigt hat.

Viele Grüße
Hans-Jürgen




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