Berliner Frühlingsfest - 70 Prozent weniger Umsatz

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Berliner Frühlingsfest - 70 Prozent weniger Umsatz

Das nächste Frühlingsfest fällt kürzer aus
Bis zu 70 Prozent weniger Umsatz: Schaustellerverband zieht ernüchternde Bilanz nach vier Festwochen
Nils-Viktor Sorge

Bei den Berliner Schaustellern herrscht Katerstimmung. Auf dem diesjährigen Frühlingsfest blieben die Besucherzahlen deutlich hinter den Erwartungen zurück - so deutlich, dass der Schaustellerverband eine Veröffentlichung der Bilanz ablehnt. "Im kommenden Jahr werden wir das Fest wahrscheinlich von vier auf zwei Wochen verkürzen", sagt Verbandssprecher Christian Wagner.
Einige Betriebe hatten bis zu 70 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr, sagt Wagner. Dabei war schon das damalige Frühlingsfest enttäuschend. Deshalb hätten viele Betreiber großer Fahrgeschäfte dieses Mal einen Bogen um Berlin gemacht.

Festbesucher bemängelten dann auch das Angebot auf dem Platz. Er habe besonders den ‚Power Tower‘ und eine Achterbahn vermisst, sagte Malte Schepp aus Heiligensee. Seine Ehefrau Nicole: "Es fehlt eine Attraktion mit dem gewissen Kick." Mega-Knüller wie Fünffach-Looping oder große Achterbahnen hätten sich einfach nicht nach Berlin locken lassen, sagt Wagner. Die Betreiber zögen westdeutsche Städte vor, weil in Berlin zu wenig zu verdienen sei. Schuld ist für Wagner auch der Jahrmarkt-Veranstaltungskalender in der Hauptstadt, der für eine Übersättigung sorge.

Vor allem die Inhaber der großen Fahrgeschäfte sind frustriert. Wer zum Fest kam, ging lieber ins Bierzelt als sich durch die winterliche Luft wirbeln zu lassen. An schlechten Tagen musste Peter Bergmann seine Schiffsschaukel bis zu drei Stunden ruhen lassen. "Erst ab drei Fahrgäste bekomme ich die Stromkosten für eine Fahrt wieder heraus", sagt er. Geisterbahnkassierer Andi Wagner verkaufte an manchen Tagen nur acht Tickets für den "Tanz der Vampire".

Zuletzt versuchten die Schausteller mit täglichen Sonderaktionen Besucher zu locken. Montags gab es Rabatte für Bürogemeinschaften, mittwochs für Familien. Gerade der Mittwoch wurde aber sehr schlecht angenommen, sagt die Inhaberin eines Crêpe-Standes. "Für die meisten Kollegen war das Fest eine einzige Pleite. Nun müssen viele ihre Reserven anknabbern oder Kredite aufnehmen."

Schausteller-Sprecher Wagner sieht das kalte Wetter als Hauptgrund für das Desaster. Das zeigten auch die Jahrmarkt-Bilanzen in anderen Städten. Dennoch erneuert Wagner die Kritik am zentralen Festplatz: "Die Verkehrsanbindung bleibt das Hauptmanko." Die Stadt müsse die freie Durchfahrt für Behinderte und BVG-Busse ermöglichen sowie für eine bessere Ausschilderung sorgen. Der meterhohe Erdwall zwischen Damm und Festplatz müsse zum Teil abgetragen werden, damit der Festplatz von der Straße aus zu sehen ist. Ärgerlich seien auch die Betonreste alter Bunker, die die Wege nach Regenfällen in Holperpisten verwandelten. Wagner: "Die Politik hat Verbesserungen versprochen und steht bei uns im Wort."

Berliner Zeitung


Jens Uwe Kupka
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