Großer Artikel über Freizeitparks

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Großer Artikel über Freizeitparks

Mannheimer Morgen

Die deutschen Erlebnisparks stehen in voller Blüte

In Deutschland gibt es etwa 200 Freizeitanlagen / Der Gesamtumsatz der Branchenführer beträgt 800 Millionen DM

Von unserem Redaktionsmitglied Ulla Cramer


Berlin. Den ganzen Winter wurde gebaut und repariert, gemalt und geputzt - nun erstrahlen sie wieder in neuem Glanz, die rund 200 Freizeit- und Erlebnisparks, Freilichtmuseen und Zoologischen Gärten, die es in Deutschland gibt. Jetzt in den Ostertagen öffneten sie ihre Pforten und hoffen auf zahlreiche Besucher.

Die Wurzeln der Freizeitparks in Europa sind eng verknüpft mit der Geschichte der Industrialisierung und Besiedlung. Je enger die Wohnflächen in den Städten wurden, je mehr die berufliche Belastung durch die Arbeit in den Fabriken stieg, umso größer war das Bedürfnis nach Flächen im Umfeld der Städte, auf denen man sich vergnügen und unterhalten konnte. So haben sich eine ganze Reihe von Freizeit- und Erlebnisparks aus mittelalterlichen Schützen- und Festplätzen entwickelt.

Dazu gehört beispielsweise der mittlerweile älteste deutsche Erlebnispark in Tripsdrill bei Heilbronn, dessen "Keimzelle" das Ausflugshotel Altweibermühle aus dem 19. Jahrhundert war. Auch mancher fürstliche Garten und Park, der den "Bürgerlichen" geöffnet wurde, entwickelte sich durch Kleinbühnen, Karussells, Biergärten und Cafes immer mehr zu einem Vergnügungspark.

Aus einer ganz anderen "Ecke" hingegen kommen die großen Volksparks in Schweden. Sie sind das Resultat der Unterdrückung der Arbeiterbewegung, der die Versammlungsfreiheit genommen wurde. Die Gewerkschafter mussten deshalb für ihre Treffen auf Privatgrundstücke ausweichen. Zwecks einer abwechslungsreicheren Freizeitgestaltung wurden die Areale mit Kleintierzoos, Spielplätzen und Gartenanlagen "aufgepeppt" und so zu einer "Freiluftversion" der britischen Sozial- und Gewerkschaftsclubs.

In Deutschland beginnt die Geschichte der Freizeitparks mit dem wirtschaftlichen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Die meisten Freizeitanlagen waren damals Märchenparks. Bis zu 100 000 Besucher pro Jahr konnten diese Märchenwälder anziehen. Dann folgten die Safariparks, die in ihren Freigehegen die afrikanische und asiatische Tierwelt präsentierten und die vom Start weg Millionen Besucher mobilisieren konnten.

Nach der kurzen Blütezeit der Safariparks entstanden dann vor rund 30 Jahren das Phantasialand in Brühl und der Holiday Park im pfälzischen Haßloch, die erstmals verwirklichten, was wir heute unter einem Freizeitpark verstehen: Eine Mischung zwischen dekorativen Inszenierungen, Shows und Varietes, spektakulären Fahrgeschäften, die meistens in eine Thematik eingegliedert sind, sowie Gastronomie- und Spieleeinrichtungen. Gründerväter dieser ersten großen Freizeitparks waren mittelständische Unternehmerfamilien wie die Familie Schneider (Holiday Park), Mack (Europa Park) oder Löffelhardt (Phantasialand).

Die 57 größten Parks mit über 100 000 Besuchern im Jahr sowie 11 Unternehmen aus den angrenzenden Ländern sind im "Verband Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen" (VDFU) mit Sitz in Berlin organisiert. Rund 22 Millionen Besucher ziehen diese Anlagen inzwischen jedes Jahr an. Im letzten Jahr verloren die norddeutschen Areale eine Reihe Besucher, die zur "Expo" abwanderten. Im Übrigen geht der Trend nicht nur zu den großen Parks, wie der VDFU-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Bornträger weiß. Kleinere Parks konnten sich in den letzten Jahren wieder ihr Publikum zurückerobern. Und das liegt nicht nur an den Preisen, sondern vor allem an der konsequenten Ausrichtung auf Familien mit kleinen Kindern, die sich in manchen Parks mit ihren spektakulären Attraktionen nicht mehr "wiederfinden".

Eine Fahrtzeit von anderthalb bis zu zweieinhalb Stunden akzeptieren Besucher von Freizeitparks. Die durchschnittliche Aufenthaltszeit liegt bei 5,6 Stunden, bei Großparks zwischen 7 und 8 Stunden. Daraus ergibt sich ein Problem: Aufgrund der Öffnungszeit der Parks, die maximal 10 Stunden beträgt, ist bei den großen Freizeitparks und ihrem vielfältigen Angebot der Besucher oft nicht mehr in der Lage, alle Angebote zu nutzen. Deshalb werden Zwei-Tages-Trips immer interessanter und werden von Reiseveranstaltern wie Neckermann auch zunehmend angeboten. "Alle Parks mit über einer Million Besuchern sollten eigene Hotels haben", plädiert Günther Degenhardt, bei Neckermann für den Bereich der Vergnügungsparks zuständig. Bisher gibt es aber nur im Europa-Park eigene Kapazitäten in zwei spanischen Burgen nachempfundenen Hotels, andere Unternehmen denken jedoch schon über den Bau eigener Hotels nach.

Eher mit Misstrauen sehen die mittelständischen Betreiber der Parks das Eindringen von internationalen Konzernen in ihr Geschäft. Sie bereichern die Freizeitpark-Landschaft mit so genannten "Brand-Parks" (Markenparks), die die Produkte der Firma oder ihre Firmenphilosophie in den Anlagen präsentieren. Ein Beispiel dafür ist Legoland im dänischen Billund, das demnächst in Günzburg bei Ulm einen "Ableger" erhalten soll. Der Spieleverlag Ravensburger hat in Meckenbeuren im Bodenseekreis das "Ravensburger Spieleland" in Betrieb genommen und VW hat seine für 850 Mio. DM erbaute "Autostadt" in Wolfsburg am 1. Juni 2000 eröffnet. Auch der Stahlkonzern Thyssen-Krupp und Universal Studios planen einen gemeinsamen Freizeitpark im niederrheinischen Krefeld.

Dass nicht alle "Brand-Parks" ein Renner sind, zeigt das Beispiel des Simulationsparks "Olympic Spirit", der mit viel Vorschusslorbeeren und heftigen Subventionen 1999 am Olympia-Gelände in München eröffnet wurde und bei dem der Besucher an Simulatoren die olympischen Sportarten nacherleben konnte. Er musste inzwischen Insolvenz anmelden. Auch die Erlebniswelt "Opel Live" in Rüsselsheim bekam Schwierigkeiten ebenso wie die Warner Bros. Movie World in Bottrop, die der Kinokonzern an die amerikanische Premier-Group abgeben musste, die unter anderem in Belgien und in den Niederlanden ihre "Six Flags-Parks" betreibt.

Investieren muss man, so die Faustformel in der Branche, 250 bis 500 DM pro prognostiziertem Besucher, wobei die Stunde der Wahrheit erst nach dem Abklingen der ersten Neugier nach zwei Jahren kommt, wenn es darum geht, die Besucher an den Park zu binden. Die VDFU-Mitglieder setzen im Jahr mit rund 15 000 Mitarbeitern rund 800 Mio. DM um.





Jens Uwe Kupka
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RE: Großer Artikel über Freizeitparks

Antwort auf JUK, Beitrag #1

>
Auch
>die Erlebniswelt "Opel Live" in
>Rüsselsheim bekam Schwierigkeiten ebenso wie
>die Warner Bros. Movie World
>in Bottrop, die der Kinokonzern
>an die amerikanische Premier-Group abgeben
>musste, die unter anderem in
>Belgien und in den Niederlanden
>ihre "Six Flags-Parks" betreibt.
>
Interessant! Ich habe damals viel über die Entstehung von WBMW mitbekommen, aber die Umstände der Übernahme sind weiterhin etwas obskur (zumindest für mich). Wer weiß denn nun genau, wieso es zur Übernahme kam? Fakt ist, dass das Land NRW dem Park damals extreme Zugeständnisse gemacht hat, die besonders das Phantasialand (berechtigterweise) an den Rand der Verzweiflung gebracht haben.
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"HIT ME, BABY! ONE MORE TIME!" - Vekoma Onboard Soundtrack

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