Keine neue Bruch Achterbahn mehr...

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Keine neue Bruch Achterbahn mehr...

Frankfurter Rundschau

Die Schaustellerin bleibt bis nachts auf dem Posten

Allein, aber nicht einsam in einem Männer-Gewerbe: Angela Bruch steht mit ihrer Achterbahn auf der Dippemess

Von Christina Hebel

Schausteller sind fast immer männlich. Die 30-jährige Angela Bruch ist der Beweis, dass es auch Schaustellerinnen gibt, Frauen die alleine ein Fahrgeschäft leiten. Bis Dienstag, 1. Mai, steht Angela mit der "Alpina-Bahn" während der Dippemess auf dem Festplatz.

Den berühmten Sprung ins kalte Wasser hat sie als 22-Jährige gewagt, da zog sie mit einem Fahrgeschäft ihres Vaters nach Hamburg auf den Sommerdom. Das war ihre Bewährungsprobe, sie boxte sich durch. "Es war ein hartes Stück Arbeit. Die Mitarbeiter schwankten zwischen 'Was will die denn hier?' und dem Grundrespekt vor der Tochter des Chefs". Ihre Leute arbeiten schon lange in der Branche, deshalb hörte sie ihnen zu. "Ich habe von ihnen gelernt, die Technik zu verstehen", erzählt die stämmige Frau.

Bruch ist in Kleve am Niederrhein geboren. Auch zu der Zeit waren ihre Eltern mit einem ihrer Fahrgeschäfte unterwegs. Oscar Bruch, ihr Vater, ist ein bekannter Schausteller, er führt das Unternehmen in vierter Generation. Die Tochter wuchs bei ihrer Großmutter in der kleinen Stadt Andernach, bei Koblenz am Rhein auf.

Später ging Angela Bruch auf das Internat in Bad Neuenahr-Ahrweiler im Nordosten von Andernach. Nach dem Abitur übersiedelte sie nach Bonn und studierte vier Semester lang Jura. Aber dann brauchten ihre Eltern Hilfe im Betrieb. "Ich brach das Studium ab. An diesem Punkt war es an der Zeit, dass ich auch mal was zurückgebe", sagt sie und streicht sich durch die kurzen schwarzen Haare.

"Alice Schwarzer zum Trotz - ich mache nicht alles", lacht die Schaustellerin. Zum Beispiel werde sie nicht auf die 35 Meter hohe Alpina-Bahn klettern. Die junge Frau tingelt alleine durch Deutschland, pro Jahr ist sie an sieben bis acht Stationen. Ihr einziger Lebensgefährte ist der sechs Monate alte Labrador "Jack". "Ich fühle mich nicht einsam, ich bin ein Einzelgänger", sagt die Hundenärrin. Sie lebt in ihrem Wohnwagen und arbeitet jeden Tag bis elf Uhr nachts, am Wochenende länger. Urlaub könne sie im Januar nehmen - in ihrer Winterpause. Achterbahn fahre sie selber gern, aber in Rundfahrgeschäfte gehe sie nicht. "Seitdem eine Freundin in der Gondel hinter mir ihren Tomatensalat ausspuckte, verzichte ich", lacht sie und rückt ihre rot-braun gesprenkelte Brille auf der Nase zurecht. Aus ihrer Sicht ist das Schausteller-Dasein schwieriger geworden, seit zum Beispiel die Freizeitparks Besucher abwerben. Im Jahr 2000 hat Angela Bruch erstmals ihre Besucher- und Umsatzzahlen halten können; "zuvor hatten wir in jedem Jahr rund 30 Prozent Umsatzeinbußen", erklärt sie. Eine Konsequenz: Eine neue Achterbahn werde nicht gebaut.

"Noch kann ich gut leben", sagt Bruch. Sie glaube an die Zukunft der Rummel - "auf die Mischung kommt es an". Die sei auf der Dippemess gut gelungen, auch wenn das Wetter schlecht war. Bis Mittwoch sind nur rund 670 000 Besucher auf den Festplatz gekommen.

• Heute ist Familientag auf der Dippemess. Die 24 Fahrgeschäfte locken mit halben Fahrpreisen an den Ratsweg.


Jens Uwe Kupka
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